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Jeschurun · 1884-03-13 · Heft 11 (13.3.1884) · p. 162

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 11 (13.3.1884)
Article
Haman "oben" und "unten"
Date
1884-03-13
Page
162 (sequence 2)
Language
German
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162 noch jo niedrig sei, überall dieselben Anfeindungen! Den Judenfressern kann es nun einmal nie recht gemacht werden, Human bleibt Human ״oben" und ״unten", gegen ״hoch" oder ,,niedrig." Wie aber die gegenwärtige Indcnhctze bezüglich der Motive und geänderten Anklagen mit den lsistorischeu Hamans-Anschlägen eine säst bis in-7 Detail gehende Analogie zeigt, so ist diese auch bezüglich des Zeitpunktes und der Verhältnisse, unter lvclchen diese Agitationen zum Ansbruche kamen, vollkommen zu-! treffend. Den heute leider um sich greifenden Reform-! bcstrebn 1!gen im Innern des Indenlhums gegenüber, bei welchen die Reologie ihre Modisiziningsknnst selbst an den heiligsten Religionssatzungcn zu versuchen wagt, erscheinen jene Argmnente, tvomit Human in der Einleitung seiner לי*ש:א ביישא die von Ahasverns erhobenen Bedenken zu entkräften suchte, leider nur zu sehr entsprechend, א״ל הא ואגדי בחון א״ל מהירא אמ "שבל המהגר־ מהון אלקיהט ערמה עמו דין אייל ישגו מן חמצוה א״ל איה בח רבנן, א״ל עם אחד הן!. Aus die geäußerte Befürchtung, daß der Inden Gort jede seinem Volke zngesügtc Unbill ahnden werde, ist die Antwort — nach Lesart des מחרש״ א בה״א ישנו מן המצית : — sie nehmen Abänderungen an den göttlichen Satzungen vor, und mit dieser Rcsormsncht hätten sic sich auch ihrem alten Schutzhortc entfremdet. Und ans die weitere Interpellation: איה בהו דבנן; daß es ja unter ihnen doch noch viele treue Anhänger der Tradition, Rubberniten, gebe, die jene Reformen nicht angenommen, erfolgt die leider auch auf unsere jüdischen Verhältnisse — namentlich dort, wo die dem Prinzipe nach orthodoxen Inden ans Lethargie oder sonstigen Umstünden die ״Trennung" von der neologen Hauptgemeinde unterlassen—- überraschend zutreffende Antwort: עם אחד הן sie sind aber dennoch ein Volk, bilden mit jenen Resormern eine Gemeine. Was frommt es, wenn diese für sich selbst die vorherrschenden Neuerungen nicht üben, da sic doch zur Erhaltung und zur Förderung des echten, wahren, unverfälschten Indcnthnms sonst Nichts thnn und gehen lassen, was da geht, und stehen lassen, was da steht. — Diese Argnmentirnngen der Da manscheu לישנא ביישא sind wahrlich für keine Zeit so zutreffend, wie für die heutigen Zustände in der Indenhcil. Allerdings, der Umstand, daß eben in unserem erleuchtctLn Zeitalter und in Mitte des an Fortschritt und Zivilisation den ersten Rang einnehmenden enropäischeu Welttheils, wo die modernen liberalen Staatsidecn schon alle Kreise durchdrungen haben sollten, — daß eben da und jetzt solche intolerante In dem Hetzereien sich knndgeben können, — ist ein derber Fanstschlag gegen unsere von den Segnungen der Emanzipation bere'rts ganz schwindlig gemachten Aeforrnhel'dm, welche in diesen Ernmgenjchasten schon die völlige Erreichung derMessiaS-Aera sehen wollten und deshalb die anfHerbeiwniischmlg der נאולח bezüglichen religiösen Satzungen außer Praxis setzen möchten. Die Thoren! Sie scheinen vergessen zu haben, daß ein* solche günstige, ja noch günstigere Epoche für Israel im Exil bereits da gewesen, und sie wollen nicht wissen, daß selbst eine völlige Beseitigung des שעבוד מגבייה* und eine allerorts gewähne staatsbürgerliche Gleicbbeit doch noch immer nicht den Vollgennß jener Heil es er.. nngen erschöpfen, welche wir an die Ankunft des M.,ms ישיהנלה לנו במהרה knüpfen. Wir erwarten ja von ihm nicht blos physische Erlösung, sondern גאולהנו ופדוה נפשנו, die Entwickelang zu jener höchsten Stufe geistiger Vollkommenheit, in welcher Israels hohe Mission, daß durch es die ganze Menschheit zu einem Gottcsrciche sich vereinige, in Erfüllung gebracht werde-" In diesem Sinne läßt sich auch folgende Midraschstelle^') ausfassen: ״Auch die Juden hatten an jenem Gastmahle des Ahasvcrns theilgenommcn. Da fragte mau sie: Wird wohl euer Gott für euch einst in der Messiaszcit mehr als hier gewähren? Hierauf erwiderten Jene: •Nie hat ein Auge die Herrlichkeit dieser Zukunft geschaut. Wenn dieselbe sich nur in irdischem Genüsse erschöpfen sollte, so hätten wir ja solche in üppigster Fülle schon jetzt genossen. Ein höheres Ziel wartet unser." Wahrlich, wir haben nicht viel in der Geschichte herumznblättern, um uns Kcnnlniß zu verschasscn, daß cs auch schon früher Zeiten gegeben, in welchen die Juden in ihrem Exil ebenso hoher Stellung und günstiger Verhältnisse sich erfreuen, wie die heutige Diaspora unter den Segnungen der Elnanzipation. Wußten doch die Juden selbst als Unterthanen Nebnkadnezar's, welcher dein jüdischen Staate zum ersten Male den Umsturz bereitet hatte, fast nichts von staatlicher Bedrückung, von etwaigen Ausnahmegesetzen in ihrer bürgerlichen Stellung; sie durften ja in allen ihren Niederlassungen Grundbesitz innehaben und wurden von keiner Seite in ihren Enverbsbestrcbnngen gestört. Und unter der auf den Ruinen des Babylonierreiches begründeten milden Meder- und Perserherrschast lockerten sich immer mehr die ohnehin nie fest ungezogenen Bande der Exnlauten. Die im heiligen Lande Ansässigen dursten, von einigen Statthaltern befehligt, ihrer hcimathlichen Verfassung gemäß leben und sich nach jeder Richtung frei entsalten, die in den anßcrjndätschen Provinzen zerstreuten Inden genossen überall mit den anderen! Unterthanen gleiche bürgerliche Rechte. Nichts hemmte; ihren Aufschwung zu Wohlstand und geistiger Ent- I Wickelung, die höchsten Staatswürden waren ihnen zu-! gangüch, wie ja der weise Daniel im königlichen Rath I ילקוט א' מ״ה• יד

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