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Jeschurun · 1883-12-13 · Heft 50 (13.12.1883) · p. 874

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 50 (13.12.1883)
Article
Deutschlnad : Berlin [Nachricht]
Date
1883-12-13
Page
874 (sequence 2)
Language
German
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Wagner, einen Abschnitt anS meinen akademischen Borlcsungeu vortragen; ich möchte nur daran erinnern, daß es doch eigenthümlich ist, wenn die Herren, die Ijicr fortwährend behaupten, der Bauernstand besiude sich in übelster Lage, nachher jede Beweislast hierfür für sich ablehnen und höchstens Resultate von Unter׳ suchungen, die von einer vvlkswinhschastlich einseitigen Partei ausgestellt sind, als vollgültige Dokumente anführen. Dabei geschieht daS so, daß auS einem uugeheuren Material einzelne Körnchen herauSgerisseu und mit großer Emphase hier vorgetragen werden, und daraus schließt man denn aus angebliche Roth im Bauernstände. In Schleswig-Holstein, wo sich von Alters her ein freier Bauernstand erhalten hat, ist die Lage sehr defriedigend. Ich könnte den Herren, welche mich dort etwa besuchen wollen, einzelne Bauernhäuser zeigen, in denen zwei PiauinoS sich befinden. Was würden Sie nun aber sagen, wenn ich auf Grund dieser besonderen Zustände meiner HeimalhSproviu; hier behaupten wollte, der deutsche Bauer lebt im Allgemeinen so, daß auf ein Bauernhaus zwei PiauinoS kommen? (Sehr gut! links.) Zur Statistik bezüglich der jüdischen Wucherer bemerke ich nur, daß 1881 nach amtlichen Notizen in Preußen wegen Wuchers verurtheilt wurden 21 Christen und 5 Juden! (Hört! hört! und Beifall links.) Abg. Dr. Sagner replizirt: In Schleswig- Holstein, auf welches der Abg. Seelig sich berief, giebl es auch weniger jüdische Wucherer als anderwärts. Die statistische Anführung ist denn doch daS absonderlichste Argument, was mir bisher auf statistischem Gebiet entgegeugehalten wurde. Darnach sind einige zwanzig Prozent aller bestrasten Wucherer Juden. Der BevölleruugSziffer nach dürsten es aber nur wenig mehr als ein Prozent sein. Demnach giebt es nach der eigenen Statistik des Abg. Seelig verhältuißmäßig sechszehn Mal so viel jüdische Wucherer, als christliche. (Hört, hört! rechts.) Ich habe thatsächlich nur einmal in einer Berliner Versammlung mich geweigert, den extrem antisemitischen Standpunkt öffentlich zu vertreten, da man in der hervorragenden Stellung, wie sie eine Lehrstelle au einer deutschen Universität gewährt, gewisse Rücksichten zu nehmen habe. Die Herren Dirichlet und Seelig haben mir dann meinen Hinweis auf das Iudeulhum vorgeworfen. Ich habe nichts von der jüdischen Konfession gesagt; aber eS ist doch wohl erlaubt, wie ich es that, die Fehler einer Nation, eines Stammes hervorzuheben. Wer will läugneu, daß nicht auch wir Deutsche schwere nationale Fehler haben? Und müssen nicht Deutsche, Russen, Polen, Franzosen, Engländer, Italiener eS sich ruhig gefallen lassen, wenn man neben ihren Vorzügen auch von ihren Fehlern spricht? Sobald aber Jemand wagt, von den Inden — die ich hier nicht als Religionspartei, sondern als fremde, eigcnthümlich geartete Nationalität betrachte — (Sehr richtig! rechts.), sobald einer wagt, von bestimmten jüdischen Eigenschaften und jüdisch-nationalen Fehlern zu sprechen, dann heißt eS gleich: Hetzerei! Krasse antisemitische Tendenzen! (Zustimmung rechts; Gelächter links.) Es handelt sich für mich nur um die rein objektive Untersuchung gewisser Schäden; und es geht auS allen unparteiischen Gutachten hervor, daß an schlechten Bermitteluugs- und Wuchergeschäften Vorzugsweise Angehörige des IudenthumS bet heiligt sind. Dies gilt es mir, hervorzuheben; hier umß man den Finger in die Wunde legen; das ist nicht nur das Recht, daS ist die Pflicht eines Volksvertreters. Durch alles, was mir Herr Dirichlet an Liebenswürdigkeiten zukommen ließ, und was die Presse noch verzehnfachen wird, lasse ich mich nicht irre machen. Ich fühle mich hier und spreche als Vertreter des Volkes; und um meines lieben deutschen Volkes willen werde ich meinen Standpunkt auch gegenüber den jüdischen Wucherern niemals preisgeben! (Lebhafter Beifall rechts. Lachen und Widerspruch links.) Abg. Büchte mann: ״Greifen Sie mich sachlich an!" sagte der Abg. Wagner. Sprach er denn sachlich, als er von den jüdischen Wucherern erzählte? (Rufe rechts: Ja!) Ich sage nein! Es giebt jüdische und christliche Wucherer, und der Zahl nach erheblich mehr christliche als jüdische. (Sehr wahr! links. Unruhe und Widerspruch rechts.) Die Sprache des Abg. Wagner eignet sich doch wohl mehr für Vezirksvereiue, als für dies Haus. (Beifall links. Unruhe rechts.) Was würde mau wohl sagen, wenn aus -Grund der Lehren des Herrn Wagner behauptet würde, der überwiegende Theil der deutschen Universitäts-Professoren lehre sozialdemokratische Theorieen? Gerade so, wie dies die meisten deutschen Professoren entschieden zurückweisen würden, müssen die Aeußerungen des Herrn Wagner über jüdische Wucherer zurückgewiesen werden. ES bleibt doch immer wahr mit) für die antisemitische Beweguug kennzeichnend, was seinerzeit der deutsche Krönpriuz sagte, der den Antisemitismus eine Schmach für Deutschland nannte. (Sehr richtig! links. Unruhe rechts und Rufe: hat er nie gesagt!) Er hat es gesagt, und eS ist so einfach und richtig, daß Weiteres nicht hinzugcfügt zu werden braucht. Unter den Konservativen treten übrigens nur wenige als eigentliche Antisemiten ans. Die Herren überlassen das ganze Odium dieser Bewegung einem Hofprediger und einem Professor, und der Hofprediger wie auch der Professor haben den Auftrag angenommen. Ob diese beiden damit den Anforderungen ihres Standes gerecht werden, muß ich ihrem Unheil überlassen. Wenn Sie, Herr Abg. Wagner, für sich beanspruchen, daß der Abg. Dirichlet über Sie kein persönliches Urtheil abgeben

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