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Jeschurun · 1883-12-13 · Heft 50 (13.12.1883) · p. 875

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 50 (13.12.1883)
Article
Deutschlnad : Berlin [Nachricht]
Date
1883-12-13
Page
875 (sequence 3)
Language
German
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875 dürfe, dann dürfen auch Sie sich ein solches Urtheil über einen Thcil unserer Nation nicht anmaßcn. (Aachen rechts.) Herr Wagner hat ans die besondere Nationalität der Inden hingewiejcn. Mit welchen! 'Rechte? Haben die Inden etwa nicht ihre Pflichten als Staatsbürger erfüllt? Sind sie nicht eben jo gut Deutsche, wie Herr Wagner und seine Parteigenossen, wenn Herr Wagner, seinen Patriotismus betonend, sich auf die Brust schlägt und sagt, er spreche im Namen des deutschen Volkes? (Sehr richtig! links.) Abg. v. Ben da: Ich habe neulich mein Bedauern darüber ausgesprochen, daß der Abg. Dr. Wagner unter der setzt sehr bekannten Formel ״Die Börse und daö Judcnthmn" scharfe, heftige Angriffe ohne jede nähere Begründung gegen weite und ehrenhafte Kreise unserer Mitbürger gerichtet habe, und be;og mich dabei auf das Wort von Guizot. Dieses Bedauern ans;!!- sprechen, ist mein Recht und ich glaube es in der maßvollen Weise gcthan zu haben, welche in diesem Saale mir stets zur Pflicht zn machen ich eifrig bestrebt gewesen bin. Abg. Dr. Seelig: Wenn die Kriminalstatistik ergeben hat, daß von 26 verurtheilten Wucherern '2\ Christen und 5 Juden sind, und Herr Wagner doch noch von der Mehrzahl der jüdischen Wucherer spricht, dann kann ich ihn doch nur bitten, sich mit Adam Niese bekannt zu machen. (Heiterkeit links.) Abg. Di׳. Wag 11 er (DüHavelland): Ich habe nicht ausschließlich von jüdischen Wucherern gesprochen, sondern gesagt, daß vornehmlich Inden in dieser Art des Geschäfts thütig sind; die angeführten Zahlen widerlegen mich in keiner Weise. Zur Klarstellung des Sachverhalts erwidere ich Herrn v. Beuda, daß nicht von mir, sondern von Herrn Büchtemann, der die konservativen Gründer erwähnte, die Provokation ausging. Ich sagte damals, die paar konservativen Gründer seien die Hineingcsallencn, es seien einzelne Vcutc, das Gros wäre auf einer anderen Seite zu finden. Das ist nur die Konstatirnug einfacher Thatsachen. Die Behauptung des Abg. Büchtemann, ich predige sozialdemokratische Lehren, weise ich zurück und lade ihn ein, in meine Vorlesungen zu kommen (Unruhe links), — wenn er mir und meinen Kollegen so etwas nachsagt, bin ich zum Erlaß einer solchen Einladung berechtigt — er könnte vielleicht noch einiges lernen. (Heiterkeit rechts.) — Nicht habe ich schließlich gegen die Inden gehetzt, sondern einfach die Thatsache hervorgehoben, daß unter unseren jüdischen Mitbürgern gewisse bedenkliche wirthschastliche Praktiken im Schwange sind: wenn ich mir dadurch, daß ich in ein Wespennest steche, Angriffe zuziehe, so geniren diese mich eben so wenig wie meinen Freund, den Hofpredigcr Stöcker! (Beifall rechts.) Abg. B ü ch t e m a n n: Ich habe dem Abg. Wagner keine Veranlassung gegeben, von unseren jüdischen Mitbürgern zu sprechen; cs scheint, als ob er in seiner neuen antisemitischen Stellung jede Gelegenheit wahrnehmen muß, unsere jüdischen Mitbürger zu beschimpfen. Seiner Einladung zn den Vorlesungen würde ich nur dann Folge leisten, wenn ich wirklich Sozialdeinokrat werden wollte! (Lachen rechts.) zz Berlin, 9. Dezember. Ans der Sitzung deS Abgeordnetenhauses von: 6. Dezember ist hervorzuhebcn, daß die Stellung, welche der Kronprinz zn der Inden- Hetze cinnimmt, durch die Abgeordneten Nickert und Ni ch ter (Hagen) wie folgt authentisch präzisirt worden ist. — Nickert: ... Weiß er nicht von der, wie sie unser Kronprinz genannt, schmachvollen Iudenhetzc? (Rechts: ist nicht wahr, ist nicht gesagt!) Das ist eine Thatsache, zn Herrn Magnus. (Aha! Richter: Mir hat cs Magnus selbst bestätigt!) Kennen Sie nicht den Brief unseres Kronprinzen an Baumgartcn in Betreff des Buches über Stöcker? Sind diese Angriffe gegen bk Inden, die sich hier sogar fortse.tzen, keine Hetzereien, die die Leidenschaften erregen?. — Abg. Richter (Hagen): Ich habe mich erst cntschlossen, das Wort für meine Partei zn übernehmen, als von der konservativen Seile Aenßcruugen unseres Kronprinzen in Bezug ans die antisemitische Agitation in Zweifel gezogen wurden. Ich bin zufällig durch den damaligen Vorsitzenden der jüdischen Korporation, Herrn Magnus, als Ohrenzeugen dieser Aenßcrungen, von dem Inhalte in Kenutuiß gesetzt worden. Unserer Vorliebe entspricht es nicht, Aeußernngcn von Mitgliedern des Herrschergeschlechts in die öffentliche Diskussion hiueinzuziehen.: indes; hat die!Reserve eine Grenze. Wenn fortwährend die Person des Monarchen oder eines Prinzen in die parlamentarische Diskussion gezogen wird, so muß man unter Umständen diese Reserve verlassen. So sagte heute Herr von Pnttkamer, jeder Beamte habe auch in seinem anßeramtlichcn öffentlichen Leben die Fahne des Königs zu tragen und zu vertreten. (Sehr richtig! rechts.) Die Sache hat aber ihre zivei Seiten. Es kann aus dieser Behauptung gefolgert werden, daß man das, was ein Beamter und insbesondere ein dem Hose nahestehender Beamter außeramtlich im ösfentlich'cn Leben vertritt, auch für die Fahne des Königs hält, und solchen Folgerungen entgegenzutrctcn, ist jeder verpflichtet, der in glaubhafter Weist von Aeußernngcn Kenutniß erhalten hat, die das Gegentheil bekunden. Als die Berliner Äahlmänncr- Versammlung im Jahre 1881 stattsand, welche das antisemitische Treiben, die Iudenhetzc vernrtheilte, fand ich mich veranlaßt, der Sache ans den Grund zu kommen, was an der Wahrheit jener Aeußernngcn sei. Nachdem mir schon ein anderer, in der fraglichen Verjammlung der Biktocia-Invalidcn-Stistung Anwesender,

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