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Jeschurun · 1883-12-13 · Heft 50 (13.12.1883) · p. 873

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 50 (13.12.1883)
Article
Deutschlnad : Berlin [Nachricht]
Date
1883-12-13
Page
873 (sequence 1)
Language
German
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jYs 50. 873 Jeschnrun. Korrcspolideiizcil und Nuchlichtcil. Dentschtand. m Berlin, Dezcinber. Aus bcr 21{;11111ן bco Abgcordnelenhanses vom 4. d. M. möd)U'11 irir folgende Reden regislrircn als ein bedentungsvollcs Zeichen der Zeit. Wenn 11id)t die Abgeordneten T'iridUct, Seelig, Büchtcmann gesprochen, würde man glauben, die finsteren Tage der Rohheit und des Irrwahns wären!nieder über uns hcreingebrochcn und die Worte des alten Seba-iiau Brant gelten dem gegenwärtigen deutschen Reich: ״Gar lidlich war der Juden gsnoch, aber sie mögen nil iner blibcn, die Kristen-Inden sic vertrieben." Das hohe Haus berieth den Ci־tat der Domänen- Lcrwaltung. Hierbei entspann sich folgende Debatte: Abg. Or. Wagner (Osihavelland): lieber die Frage der Rothständc unserer bäuerlichen Besitzer unter dem Einfluß der Answnchernng liegt mir ein neuer Band des Gutachtens des Vereins für Sozialpolitik vor, der zwei Berichte ans verschiedenen liegenden cinbält. lieber die Posenschen Verhältnisse heißt es: Die persönlichen Schulden aus Hypothekcnjchnlden sind mein nicht unbedeutend. Die Gläubiger sind mit Bauern sehr vertraute Herren. Die jüdischen Krüger am Orte sind ein ganz besonderer .Krebsschaden, so wie der jüdische Gläubiger in der nächsten Stadt. Gar hä'usig bestehen die Schulden in Wechselschuldeu, welche schließlich von dem Gläubiger, meist einem jüdischen Geschäftsmann, hypothekarisch aus das Grundstück eingetragen werden. Die Wechselreiterei hat zu dem größten Verderb des Bauern geführt und wird noch weiter dazu führen. Das andere Gutachten, betreffend den Krcis Osnabrück, komntl zu demselben Resultat. Gegenüber diesen Rothständen müssen!vir uns möglichst nach Hülse umschen. Die Höhe der Verschuldung ist nicht das einzig Schlimme, sondern auch die Art der Verschuldung, dies Ausdrängcn von Darlehen durch eine genstsse silasse jüdischer Händler (große Unruhe links), welche erst dem Bauern das Geld geben, um ihm hinterher den Strick um den Hals zu legen. Rach Vage der Verhältnisse halte ich das Indenthum für ein Fina uzin stitnl von großer G e me i n s ch ä d l i chke i l (Zustimmung rechts) für einen großen Theil des deutschen Volkes. Den! gegenüber habe ich allerdings den Mnth, in ein Wespennest zu stechen. Wenn es erlaubt ist, von den Schäden des Dentschthnins, des Franzosenlhnms, des Polenthnms, des Rnssenthnms zu sprechen, so wird es doch auch wohl erlaubt sein, heutzutage in der deutschen Ration, im deutschen Parlamente hervorzuheben, die schweren Schäden des Indcnthums, unter denen weite Kreise unseres Volkes leiden. Ich bitte den Herrn Minimer, diesen Verhältnissen näher zu treten. Wir werden im Reichstage die Frage zu erörtern haben, ob nicht eventnell eine Beschränkung der Wechselfähigkeit der Bauern geboten ist. Abg. DirichGt: Diese Ausführungen des Abg. Wagner konnte ich allerdings nicht erwarten nach seiner; öffentlichen Erklärung, daß er als hervorragender Dozent j der Berliner Universität zu vornehm sei, um an ge- , wissen antisemitischen Hetzereien lheilznnehnien. (Sehr gtil! links.) Wie in aller Well kann aber die Vcr- : schuldnng des tänblicljcn Grundbesitzes gemildert werden durch Entscheidung der Frage, welcher Konfession die Gläubiger des Bauernstandes angehören? Ich würde es auch mißbilligen, wenn ähnliche Antipathieen, wie i Herr Wagner sie gegen die Inden hat, hier gegen die j Katholiken geäußert würden. Wer einmal solche Anti-! pathieen gegen eine beftinullte Konfession hat, der schiebt! stets den Angehörigen dieser Konfession alle ihm unbe- 1 guemcn Verhältnisse in die Schube, statt sich an die j eigene Rase zu fassen. Der Domänen-Etat hat mit ' konfessionellen Hetzereien absolut nichts zu lhun. Was! ist denn insbesondere Ihr Verein für Sozialpolitik, 1 der hier ptüblich vor uns als große Antorilät vcrwerthet i worden isl? ׳Rach den Berichten aller landwirthschafti licheu Vereine, die der Minister hier selbst angeführt j hat, hat die Verschuldung der Bauern in Posen und 1 auch in anderen Provinzen erheblich abgenomnien. Der! Verein für Sozialpolitik behauptet das Gegenrheil. also! muß cs nach Herrn Wagner's Ansicht richtig sein.! (Abg. Wagner: Habe ich nicht gesagt!) Warum Herr j Abgeordneter, behelligen Sie uns denn aber mit Thal-; jachen, von denen Sic selbst nicht einmal wissen, ob! sie wahr sind? Dann hat Herr Wagner mit der j!visseiischastlichen Bescheidenheit, die wir an ihn! kennen, hier davon gesprochen, daß Vcnte, welche noch gewissen alleren volkswirtschaftlichen Ansichten anhängen, sich einfach lächerlich machen. Es giebl allerdings Ventc, Herr Wagner, die, ans die Gefahr hin, sich in Ihren, des großen Gelehrten Angen lächerlich zu!nachen, an den Anschauungen ihrer Jugend scsihallen und die nicht jede Veränderung der Wissenschaft für einen Fortschritt ansehcn. Es gicbt ja im Gegen theil Zeiten, wo eine! gewisse Mache an Stelle des wissenschaftlichen Sinnes! tritt. (Vebhafte Zustimmung links; Unruhe rechts.) i Die uollswirrhschasllichen Vehrer, die mich erzogen haben,! % chten anders, als Herr Wagner heute denkt; sic sahen! die Ausgabe des Gelehrten nicht darin, den Hader der j Konfessionen;1 schüren, sondern eine gewisse Harmonie! der Interessen auch ans wirthschafllichem Gebiete zn! begründen. Vielleicht isl das altmodisch; ich jedenfalls! kann die Sprünge gewisser heutiger Gelehrter nicht j mitmachen. I Abg. O1׳. Seelig: Ich will nicht, wie der Abg.

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