Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1883)
- Article
- Der Beruf
- Date
- 1883-12-13
- Page
- 866 (sequence 2)
- Language
- German
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866 etwas näher;!! betrachten, auf welche dieses Prophetenj wort unseren Blick lenkt. Der Prophet hebt die gegen-! sätziichsten Geschickcsstcllungen hervor: flüchtiger Wanderer — nach modernster jüdischer, nicht doch! sondern israelitischer Humainlätspfkege, wäre unser Vater Jakob ja der j;arten Fürsorge für sein ״Fonkvinmen" besorgter israelitischer Anti-Wanderbcttel-Bereine verfallen gewesen! — dienender Knecht einerseits, Prophet und Gottesvolk andererseits, hier die unscheinbarste, verachtetste und äußerlich bedeutungsloseste Einzelepistenz. dort die bevorzugteste, die Augen der ganzen Welt auf sich ziehende, durch GotleS sichtbarem Eingreifen gestaltcte Glückesstellung einer imposanten nationalen Größe. Der Beruf aber ist von aller Verschiedenheit der Geschickcslagcn vollkommen unabhängig, der Beruf ist sür den Flüchtling und den Knecht, wie für die unmittelbar von Gott getragene Volkepersönlichkeit völlig derselbe. Sb sich dem Menschen in der Erschwingniig der Mittel für die emsachsten uncntbcljrlidifrctt Gebensbedürfnissc, für Brod und Gewand, scheinbar unübersteigliche Schwierigkeiten cntgegenthürinen, oder ob er in wunderbarer Weise von einer gnädigen Fügung auf ״Adlersfiltigeu" über .Klippen und Abgründe getragen wird, die jedem Anderen unabwendbar Tod und Verderben bringen: der Ahn in Kncchtesgestalt, wie der von Gottes Boten geführte und von Gottes Gnade getragene Enkel, sie halten und haben nur den einen, denselben Beruf: Mensch, jüdischerMensch, ״Israel";!! sein. Wie ist die Anschauung vom ״Berufe" des Menschen in unserer Zeit eine so ganz andere! Da hört der kleine Knabe schon früh davon sprechen, welchem ״Berufe" er sich dereinst zu ״widmen" habe, und cs wird je nach der finanziellen und sozialen Stellung der Familie entschieden, ob er den ״Beruf" des Kaufmanus oder den des Handwerkers, oder ob er durch ein Brodstudium sich sür einen ״gelehrten Beruf" vorbereitcn solle. Es ist wahrlich nicht gut gewesen für die ganze Lebensanschannng und für die richtige Würdigung der Lebensaufgabe, daß man sich auch in jüdischen Kreisen gewöhnt hat, die Art der Thätigkeit, durch lvelchc der Mensch sich die Milte! zum Leben erwirbt, seinen ״Beruf" zu nennen. So sicher diese Bezeichnung aus der Lebcusanschaunng der Kreise hervorgewachsen ist, in denen sie cntstattden, ebenso sicher ist cs, daß sic gestaltend und zwar unbewußt herabdrückend auf die ursprünglich idealere Lebcnsanschauung der jüdischeu Kreise gewirkt hat, tvelche sic wie so vieles andere Fremde gcdankeu- und kritiklos bei sich ausgenommen haben. Denn unwillkürlich knüpft sich an diesen Ausdruck die Vorstellung, als ob der Mensch zu dieser bestimmten Thätigkeit ״berufen" wäre von Deinjenigen, der ihm überhaupt seine Lebensbcstimmung gegeben, und er suhlt sich berechtigt, sich als zu dieser bestimmten Erwerbsthätigkeit geboren zu begreifen, so daß er in der möglichst vollloinutenen Vollbringung derselben, als Kaufinaun, als Groß- oder Klciniudnstrieller, als Jurist oder als Künstler, zugleich die Lösung der ihm von seinem Schöpfer gesetzten Lebensaufgabe vollbringe. Auf den! so vorbereiteten Boden hatten und haben dann die Verführer unserer Jugend leichtes Spiel. Es ist daun nur ein kleiner Schritt weiter, zu sagen: stehen also irgend welche religionsgejetzliche Bestimmungen dem jüdischen Menschen in der Verfolgung dieses seines ״Berufes" hindernd im Wege, so darf er sich leichten Herzens über sie hiuwegsetzeu — die Erfüllung seines Berufes ist ja auch eine eminent religiöse Aufgabe, ja er ist eigentlich ein um so religiöserer Mensch, je uiehr er sich bei dieser Arbeit über alle Skrupel hiuwegsetzt, die angesichts der Lösung der höchsten Lebcusaitfgabe als nebensächlich znrückzntrcteu haben. Vor der ewigen Wahrheit aber zerfließt dieses Naisounemcnt in das Nichts der Sophismen. Was die Menschen Bereif nennen, ist etwas sür die wirkliche Lösung der Lebensaufgabe und für den wirklichen Werth des Menschen außerordentlich Gleichgültiges. Es ist ja nichts als der Weg zur Gewinnung der Möglichkeit der Epistenz, zier Erringung der Selbstständigkeit, zur Ermöglichciug der Hausesgründuug und zur Erfüllung aller durch dieselbe bedingten Pflichten. Denn wer im jüdischen Sinne erwirbt, erwirbt ja nicht blos für sich; Besitz um des Besitzes willen oder nur als Mittel zum Genuß, zur möglichst behaglichen Ausgestaltung des eigenen Lebens ist nicht des jüdischen Erwerbsstredens höchstes Ziel. Da gilt cs denn in der That gleich, welchen ״Berus" ein Mensch ergreift. Weise hat die Vorsehung cs gefügt, daß nur dadurch, daß er seine Kraft in den Dienst der Befriedigung der Be> dürsinsse der Gesammtheit stellt, er die Mittel zum eigenen Leben gewinnt. Unter diesem Gesichtspunkte macht es in der That keinen Unterschied, ob er durch seine Körper- oder durch seine Geisteskraft, je nach Anlage und gegebenen VerhäUuisseu, sei es durch Ergäuznug, Vermehrung und Vervollkommnung der Güter und Werthe. sei es durch Dirigirung derselben au den Drt ihres Bedarfes und ihrer Verwendung, wie der Arbeiter. Handwerker, Fabrikant und Kaufmann, oder im Dienste der Institutionen, welche zum Schutze der Rechtsordnung und der Gcsammtheitszwccke, wie der Beamte im weitesten Sinne, oder im Dienste der Bildung und Erziehung, wie der Lehrer, oder in der Pflege der Gesundheit, wie der Arzt, oder der Mehrung der Summe der geistigen Güter der Erkenntniß, wie der Mann der Wissenschast, oder der Pflege der den Menschen veredelnden und erfreuenden schönen Künste als Künstler und Dichter seine Kräfte der Gesamintheit weihe. — Sie alle sind עוסקים גישובו של עולם,