Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1883)
- Article
- Der Beruf
- Date
- 1883-12-13
- Page
- 865 (sequence 1)
- Language
- German
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X 1. Jahrgang. P* Hannover, de» 14. KiSlcw 564 t 16. Dczcmbcr 188». M 50. luhsuslkjriü zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Hans, Gemeinde und Schule. üegriindet non ©fllllfoii Rikphüe! .1öU'frf), Jiiißßinrr 11. ^smefitifdifit .־Rrfujf0nsgefclfftfiaft 311 JVniiijnrt a.Ä Neue Folge. - Erster Jahrgang. HcrmiSgcgcben unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Asanc Kirsch. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — Äbonnemcntspreis bei allen Bostanstalten nnd Buchhandlungen 2 JO. 50 für das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwing'sche Berlagsbnchhandlnng;n Hannover. — Die (Expedition versendet auch direet nnd franko unter Streifband den Jahrgang für 12 M oder 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland nnd Dcsterreich׳. für 1-t J(x oder 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — An ׳,eigen werden mit f. d. :;gespaltene Petitzeile oder deren Nauin berechnet. — Expedition: Hannover, Theodorstr. 5. Wir crinucrn an baldigstc Erncucrung des AbouncmcntS. Expedition des Jeschururt. Der^crus. 311 die Fremde hinaus zieht ein'Wandercr einsam seinen Weg. 'Nichts als seinen Äandevstab nennt er sein eigen. So zieht er hinaus in eine Welt, in der nur der Besitz Menschenwerth und Menschenrecht verleiht, arm und hcimathlos. Denn das Vaterhaus, in dem er mit jeder Fiber seines Wesens wurzelt, ist ihm verschlossen. Sein greiser, blinder Vater freilich glaubt an eine baldige Wiederkehr nnd hofft, er werde ihm in Kürze eine edle, jugendlich blühende Tochter als ״Vollenderin" seines Hauses zuführen, nnd, was ihm von dem älteren Sohne nicht beschicdcn, in dem fröhlich aufblühenden Familienglücke des jüngeren Sohnes werde ihm nnd der Mutter die eigene Iligend sich erneuen. Er jedoch, ach, - er weiß cs besser. Die Verbannung ist cs, in die er zieht; in unbestimmte dunkle Ferne weiß er den Tag gerückt, an dem auch ihm vielleicht der Rückkehr Stunde schlägt. Was der Vater für einen heiter fröhlichen Ausflug einem sonnig wonnigen Ziele entgegen hält, ist in Wahrheit eine Flucht. Er flicht, um sein Leben vor dem Mordstahl seines eigenen Bruders zu retten. Er flieht, um der Mutter die Ruhe zu geben, die der Gedanke an eine unsäglich düstere Stunde, die sie in einem Augenblicke mit dem Verluste des Gatten und ihrer beiden Kinder bedroht, jeder ruhigen Minute beraubt hatte. DaS Gespenst dieser Stlinde ist sein Vcrhängniß, cs treibt ihn in die Fremde, er flieht ויברח יעקב. Dieser Wanderer ist Jakob, unser Vater, von dem wir Namen und Geschick geerbt. Es ist der Wanderstab des Flüchtlings, den er in seiner Hand hält, und es ist das Knechtesloos einer langen, harten Dienstbarkeit unter einem schlauen, selbstsüchtigen, seine Kräfte rücksichtslos ausnutzenden Herrn, dem er entgegen geht — ויעבד ישראל. Was ihn aufrecht hält, ist das Einzige, das er aus dem Bnterhanse mit hinaus genommen hat: des Vaters Segen und das Bewußtsein seines Berufes, Träger der Abrahamsbestimmnng zu sein. Und nun erinnert uns das Prophetcnwort: ובנביא העלה ד׳ את ישראל, dieses hcimathloscn Flüchtlings, der froh sein mußte, das ״Brod" für seinen Hunger und das ״Kleid" für seine Blöße zu verdienen, dieses Knechtes Enkel war ein Prophet, und dieses Knechtes Kinder waren zu einem mächtigen Volke hcrangcwachscn, bestimmt: Israel, Menschhcitspricster zu sein nnd für diesen Menschhcitspriestcrbernf durch einen Propheten geführt und beschützt ובנביא נשמר! Es scheint uns nicht unwichtig, die Wahrheit