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Jeschurun · 1883-11-29 · Heft 48 (29.11.1883) · p. 834

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 48 (29.11.1883)
Article
Israels Stellung zum alten und neuen Antisemitismus
Date
1883-11-29
Page
834 (sequence 2)
Language
German
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834 scheu Stamme# Erhaltung und Vlüthe. Schon seinem Ahn war es gezeigt worden, dag abgelöst von dem irdischen Konnex sich seiner Nachkommen Geschick vollziehen werde, dag unmittelbar (Lottes Allmacht es lenken werde, wie Er der Gestirne Bahn unabhängig von der Menschen Beeinflussung vorgezeichnet. Und der erste Sprößling des abrahamitischen Slamines, für welchen jene Verheißung galt, trat im Widerspruch zu der alltäglichen Erfahrung in's Dasein und spottete der gewöhnlichen Wahrscheinlichkeitsberechnung. Die ganze damalige Welt hatte gelacht über die Hoffnung eines hundertjährigen kinderlosen Menschenpaars, noch der Begründer eines eigenen Volkes zu werden, hatte gelacht über die sanguinische Erwartung der greisen Eltern, die gegen alle natürliche Regel endlich den heiß ersehnten Säugling in ihren Armen wiegten, mit diesen! sicherlich recht bald verwaisten Knablein den Grundstein für jenes erträumte, mit einer ganz besonderen Mission beauftragte Volk gelegt zu haben. Aber dennoch mujitc trotz allen Spottes und ungcachtet der auf ״vernünftiger" ״nüchterner" geschichtlicher Weltanschauung beruhenden Geringschätzung dieser ebräischeu Hoffnung eine Ahnung von der Bedeutsamkeit dieses au der Brust einer Greisin ruhenden Stamm- Vaters eines einflußreichen Volkes in dem zeitgenössischen Bewußtsein anfgcdäminert sein, denn ein Fürst hält es doch für das Gebot einer weisen weitsichtigen Politik, sich die Bitndesfrenndschaft dieses bis jetzt nur aus einem dem Grabe entgegeneilcnden hochbetagten Vater und seinem lallenden Kinde bestehenden Volkes zu sichern. Der dieswöcheutliche Thoraabschnitt zeigt uns diesen zum Manne herangereiften Knaben in seinen Beziehungen zu diesem Fürsten oder dessen Nachfolger. Kaum hatte Isaak den väterlichen Wohnsitz verlassen und wegen des Mißivachses dieser Gegend versucht, sich im Laude dieses ihm freundlichen Fürsten anzusiedeln, so tritt das Verhältniß zu Tage, in welchem auch die spätesten Enkel Isaaks zu ihrer Umgebung sich zu bewegen haben. Eine königliche Verordnung ist nöthig, um seine und der Seinigeu persönliche Sicherheit zu schützen, damit er ruhig seiner Beschäftigung obliegen kann. Und Gott segnet sichtlich seine Arbeit. Trotz des nicht günstigen Erntejahrs füllen sich Isaaks Scheuern, vermehrt sich sein Viehstand und hebt sich sein Vermögen. Neidisch schauen die Nachbaren auf den Wohlstand des neuen Ansiedlers. Man chikanirt ihn, man sucht ihm Hindernisse zu bereiten, man möchte ihn schädigen. Der Ebräer ist ihnen ein Dorn im Auge. Warum gedeihcn auch seine Ernten, warniu nichren sich seine Herden; cs ist ja geradezu unerhört, daß der Fremde zu solchem Vermögen gelangt. Wenn das so sortgeht, so. wird das ganze philistäische Land cbraisirt (״verjudet" kannten die Philister noch nicht). Diese allgemeine Mißstimmung nahm solche Dimensionen an und theilte sich auch dem Fürsten mit, daß das erste Ans- Weisungsdekret gegen die Abrahamiten erlassen wurde, welches, im klassischen Lapidarstil gehalten, Beseht und Molivirung durch sechs Worte ausdrückt: לך מעמנו ״ ■ני עצמה ממנו מאדGeh' von uns fort, denn du bist uns viel zu mächtig geworden!" כל אותן עצמות שעצמת לא ממנו ד\ו לך לשענר הוה לך הדא קווקיא ונרו; אית לך קווריא סגין heißt es int Midrasch Nabba zur Stelle. ״Der ganze Wohlstand, zu dem du es gebracht, stammt doch von uns her, aus unjerm Boden ist er gewachsen; ehedem hattest du nur eine Herde und jetzt besitzt du deren so viele!" Das geht nicht; du mußt es doch selbst einschen; wir können cs nicht dulden. Wir sind ja dir nicht feindlich gesinnt, wollen deine Person und dein Gut nicht antasten, du magst in Frieden von hinnen ziehen, kein Haar soll dir gekrümmt werden, — aber tut mußt fort, du paßt nicht zu uns. Und dieser ״milden" Vertrcibung rühmt sich der Fürst später noch gegen den Vertriebenen, als er es für klug hielt, dennoch mit ihm das alte Bündniß zu erneuern: ״wir haben dich nicht berührt, haben dir nur Gutes erzeigt und dich ja in Frieden ziehen lassen!" Wiederholt sich nicht auch in unseren Tagen diese Geschichte aus dem Leben unseres Ahns? Wechselt nicht auch heute noch ebenso die Stimmung der maßgebenden Kreise in der Behandlung der Isaaksenkel? Gestern freundlichen Auges betrachtet, erregt heute der den! jüdischen Stamme zu?.heil werdende Segen Neid und Mißgunst, und das ״du bist uns viel zu ntächtig geworden" haben wir es nicht auch heute noch zu veruehtuen in den Versammlungen des Volks, wie in den Organen des öffentlichen Worts? Und verlangen Neid und Mißgunst nicht ähnliche Ausweisungsdekrete gegen die Semiten, wie das vor süufunddreißighundert Jahren von der philistäischen Majestät erlassene? Isaak zog fort, und Gott ist mit ihm und gewährt ihm Trost und Zuversicht — er aber findet in diesem Bewußtsein des göttlichen Schutzes die Ruhe und kennt teilte andere Aufgabe und keine andere Sorge, als das heilige Abrahamsvernlächtniß zu hüten, und wo er auch ist, da errichtet er Gott den Altar und verkündet in Seinem Namen. Und in der treuen Erfüllung seines gottdieucnden Berufes wird ihm auch endlich auf's Neue die Freundschaft seiner Neider. Haben wir etwas Anderes zu thun, als dem Beispiel unseres Stammvaters zu folgen, wenn Neid und Mißgunst uns treffen, wenn wir ausgeschlossen werden aus den Kreisen, in welchen wir friedlich weilen möchten, arbeitend, strebend und leistend mit den Genossen, wenn mau uns die Thür weisen will, oder weist? Nur die

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