Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-11-29 · Heft 48 (29.11.1883) · p. 833

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 48 (29.11.1883)
Article
Israels Stellung zum alten und neuen Antisemitismus
Date
1883-11-29
Page
833 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933044-2954980--14136-2955032
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

firtimnttfr hnr 2ih ^hcschwan 5644 Hannover, oeu .><). November 4885. M 18. mim \K Ky w zur Förderung DWu Geistes uud jüdischen Lebens in Haus, Gemeinde und Schule. §x׳MüNlict von Samson Naphacl Hilsch, j^tißfiinpr 11. ^sraeiiiiflcn Jlcfijiionsgffcll’fifinf[ ja ,frmifijWf a. m. Neue I - Erster Jahrgang. Hcrausgcgeben nntcr MNwirkuiig bcS Begründers und bewährter Genossen von Asanc Kirsch. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — AbonncnieutöpreiS bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 2 J6. '>0 .*5 für d!1S Bierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwing'sche BerlagSbuchhandlnng zu Hannover. — Die Expedition versendet auch direet und franko unter Zlreisband den Jahrgang für l 2 J& oder 7 Gulden österr. Lvähr. nach Deutschland und Oesterreich: für 14 oder 18 iyr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — A n; cigen werden mit 271.F s. d. :;gespaltene Peti!;eilr oder deren berechnet. — Expedition: Hannover, Theodorstr. 71. Iftiltls Slcllunu hüll nüi'ii!11111 uciit'si Antiskülilisliiils. Wenn wir, von den trüben Erscheinungen der Gegenwart schmerzlich ergriffen, den Blick bangend und zagend in die Zukunft schweifen lassen und besorgt ans unsere Kinder und Enkel Hinschauen, denen vielleicht noch traurigere Erfahrungen bevorstehcn als uns zu Theil geworden, dann möchte sich oft dem besorgten Gemüthe die Frage entringen: wie lange noch, o Gott, hast Da Unglück über uns beschlossen, warum sollen wir immer wieder und wieder znm-Hohn und Spott werden unter den Menschen, warum kehren stets Lieblosigkeit und Neid aus'S Neue ihren Stachel wider uns, weshalb sind gerade wir dazu ansersehen, das Stichblatt dcö Hasses und des Vorurthcits zu sein, wann werden wir aushörcn, also unbrüderlich uns begegnet zu sehen von nnscrn Brüdern?'? Und wahrlich, der Kleinntnth hätte Ursache zu diesen Fragen. Oer schöne Traum von dem Ende des Galnth war nur von kurzer Dauer. Die Gräuel des Mittelalters haben sich in unfern Tagen ans europäischer Erde wiederholt. Hunderte von jüdischen Wohnstätten sind cingeäschert: Tausende von Inden eilen ruhelos und heimathlos in Elend und Noth von Land zu Land, von Welttheil zu Welttheil; Mord. Schändung und Plünderung stehen auch auf den Blättern der jüdischen Geschichte der Gegenwart zur Belastung der vermeintlich so hohen Kultur der Menschheit verzeichnet; die wahnwitzigste, schändlichste Beschuldigung, das fast vergessene, unglaubliche Mährchen eines rohen und verdummten Zeitalters, ist auf's Neue gegen das Indenthnm erhoben worden, und fortwährend arbeitet der Fanatismus an der Vernichtung der Ehre und Achtung der Inden, und möchte den Arm des Gesetzes und die Faust des Pöbels gegen sic in Bewcgung setzen. Aber nur in den Momenten der Schwäche, nur aus verzagtem Herzen, nur aus unlnachtetcm Geist können solche Fragen aufgeworfen werden. Das nicht umflorte Auge vermag trotz des Nebels, welcher den Horizont gegenwärtig umhüllt, dm heitern Himmel kommender besserer Tage zu erkennen; der von Gottes Wort erleuchtete Geist versteht die Näthsel zu lösen; der starke, ungebrochene, auf Gott vertrauende Sinn weiß Trost und zuversichtliche Hoffnung zu finden aus der Geschichte der Vergangenheit, in den Verheißungen für die Zukunft. Denn nicht mit dem Maßstabe, den die Menschen sonst zu .handhaben pflegen, ist die Geschichte Israels zu messen, und nicht die Faktoren, von welchen andere Kreise Heil und Gedeihen erwarten, bedingen des jüdi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.