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Jeschurun · 1883-11-22 · Heft 47 (22.11.1883) · p. 818

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 47 (22.11.1883)
Article
Die Exklusivität der Juden
Date
1883-11-22
Page
818 (sequence 2)
Language
German
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818 men schm sich aufwirft, wenn er in Noth und Gefahr ist. auf die Nachkommen dieses ersten Juden nachhaltig eingcwirkt, daß sic miö dem Leben ihres Stammvaters nächst der durch die Akedah bcthätigten vollkommensten Hingebung an Gottes Willen vor Allem diese allumfassende Menschenliebe Abrahams als den herrlichsten Vorzug ihres Ahns preisen bis zu dieser Stunde. Die weisen Lehrer des jüdischen Stammes suchten gerade diese Seite in Abrahams Wesen als heiligstes Vermächtnis; ihrem Volke einzuprägen, und das Midraschwort ist unerschöpflich, lim die ganze Hoheit des Patriarchcn gerade nach dieser Richtung hin zu erfassen und zum Verständnis zu bringen.*) So wird auch hier angcknüpft und gerade hier die Verwirklichung des jüdischen Ideals gefunden, jenes Ideals, das Ieschaja 33 also gezeichnet ist: ״Wer auch in! Sittenwandel seine Pflicht, and) im Worte Rechtschaffenheit übt, jeden nur durch Rücksichtslosigkeit zu erlangenden Vorthcil verschmäht, der die -Hände schüttelt Bestechung nicht zu fassen, das Ohr versperrt keinen Blutplan anzuhörcn, das Auge schließt, nin nicht ans Böses hiuzuschanen —." Dieses Ideal, von Abraham ist es erreicht worden und in zciuem Leben wird es als verwirklicht nachgcwiesen. Uild ebenso findet daS Midraschwort das von Job (Kap. 31) entworfene Bild eines gerechten, Menschenfreundlichen Wandels in Abrabam wieder. Und in den! milden, selbst in dem entarteten Sünder noch den Bruder liebenden und für ihn betenden und Fürsprache ciulegenden Sinne Abrahams wird die Ursache seiner Erwählung begriffen. Die glänzende Karaklcrislik des jüdischen .Königs in dem süufnndvierzigsten Psalm, welche in dem Satze '12, אהבת צדק ihre Vollendung findet, sieht der Midrasch in Abraham verkörpert. 'אהבת לצדק את בריותי ובי. Weil du nach bcm Ideale meiner Gerechtigkeit, die nicht den Tod des Sünders will, gestrebt und nach diesem Maßstabe meine Geschöpfe beurtheilst, in diesem Geiste für sic ein trittst, spricht Gott zu Abraham, darum eben habe Ich dich erkoren und gesalbt vor allen deinen Genossen. Aber nicht aus dem Kreise der übrigen Menschen sollte Abraham ausscheidcn durch diese Erwählung, vielmehr war'ihm in dieserErwählnng und in derfürdieselbcvoransgegangenen Namensänderung die Aufgabe z!rm Bewußtsein gebracht worden, daß Gott sich sein und seiner Nachkommen bedienen wolle, um die Wiedcrcrhebnng der gesanunten Menschheit zur geistigen und sittlichen Höhe zu bewerkstelligen. Abraham und das von ihm abstammende Volk sollten in Mitten der Menschheit und mit ihr brüderlich vereint stehen, in ihrer Mitte streben und wirken, in ihrer Mitte den ״Weg Gottes" *) Siehe u. A. Bereschith Nabba 48 und 49. wandeln, in ihrer Mitte die hingehendste, opferwilligste Liebe und die gewissenhafteste, lauterste Gerechtigkeit üben, um also zunt Segen zu werden ״für alle Völker der Erde." Und wenn wir heute zurückblicken auf den Weg, den die Söhne Abrahams durch die Jahrhunderte in Mitten der Menschheit gezogen, wenn wir hinschatren auf den Platz, den sie gcgcmvärtig im Kreise der Völker einuchmen, so läßt sich nicht verkennen, daß, wie weit ab auch noch der abrahamitische Volksstamm von dem Ideale seiner hohen Aufgabe geblieben, er dennoch in dem Streben nach diesem Ideale im Großen und Ganzen nicht erutüdct, er dennoch das erhabene Ziel seiner Ausgäbe begriffen und cS nicht außer Acht gelassen, er dennoch in Wirklichkeit und Wahrheit zum Segen für die Menschheit gewirkt und zum Segen der Menschheit geworden und noch gegenwärtig ist. In allem Edlen und Erhabenen, welches die Menschheit in sich anfgenommen, waltet der jüdische Geist, zu allen Werken der thätigen Menschenliebe hat die jüdische Lehre die Anregung gegeben, an den erhabenen Vorbildern der jüdischen Rasse lehrt die Menschheit ihre Jugend Gottesfurcht und Gottvertraueu, Bruderliebe nud Gercchtigfeit,, in den Gedanken jüdischer Geister sucht sie Trost und Erhebung, in den ■ von jüdischer Leier tönenden Liedern läßt sie ihren Jubel, ihren Schmerz ansströmen — deß sind Zeuge die Jahrhunderte, das bekundet auch die Gegenwart. Mag Borurtheil auch die Gcmüthcr umfangen, mögen Neid und Haß noch den Blick trüben, mögen Abenvitz und Gewalt sich noch gegen die Abrahamiden verbinden nud auf offenem Markte zur Vernichtung der Inden Fanatiker aufreizen. mag man von dieser Seile die Enkel Sems und Ebers als den Fluch der Menschheit, als die Pestbeule des Volkslebens stigmatisiren — wir wissen dennoch, daß wir zum Segen deftimmt sind, daß wir Segen verbreiten; und wir umfassen die gesammte Menschheit in der Gesinnung der Liebe, die das köstlichste Erbe ist, welches Abraham und Sara uns hinterlasscn. Wir haben gelernt, diese Liebe zu hegen und zu pflegen und sie uns nicht entreißen zu lassen, trotz der Scheiterhaufen und Blutströme, der Verfolgungen und Bedrückungen, der Thronen und Seufzer, welche die Merkzeichen des von dem jüdischeu Stamme gezogenen Weges durch die Vötkerrcihen bilden. Auf der jüdischen Lippe schwebt nur die Klage, kein Fluch; im jüdischen Herzen regt sich nur die Liebe, nicht der Haß; die jüdische Hand wendet sich gegen den Mitbruder nur zur Hülfe, nicht zum Kampf; der jüdische Stamn! bringt Segen über die, die ihm fluchen, Heil denen, die ihn befeinden; er behauptet seinen Platz in Mitten der Menschheit, mit ihr sich vereint wisiend, und läßt nicht von ihr, mag sie ihn von sich weisen,

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