Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1883)
- Article
- Die Exklusivität der Juden
- Date
- 1883-11-22
- Page
- 819 (sequence 3)
- Language
- German
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819 mag sie ihn schmähen — der Tag bricht doch heran, an welchem sie seine brüderliche Umarmung erividert und zu ihm spricht: Du bist zu meinem Segen gesendet und Segen hast du mir gespendet. Air Moses Mmteliore. Wo gäbe es einen Namen, von hellerem Glanze umstrahlt, wo einen Mann, dem innigere Liebe und Verehrung die dankbaren Zeitgenossen freudiger zollen? Und dieser Glanz, der das Greisenhaupt umschwebt, ist nicht der Ruhmesglanz kriegerischer Lorbeeren, nicht die 'Strahlenkrone der Wissenschaft — die milde, herzcrfrenendc und herzerhcbende Glorie guter Werke läßt diesen Edelsten der Edcln die Huldigung der ganzen Welt finden. Vater der Armen, Anwalt der Bcdrüitgten, Förderer alles Guten — das sind die Titel, die diesen wahrhaft Großen zieren. In der Montefiorefeier dieser Wochen empfängt der Genius des Edlen im Menschen die Huldigung der Menschheit; sie ehrt sich, indem sie den Eintritt Mojes Montefiore's in das hundertste Lebensjahr festlich begeht. Sie legt in der diesem Manne gewidnietcn Feier Zeugnis; ab, das; sie für echt menschliche Tugend die rechte Schätzung nicht verloren hat, daß sie ob des schillernden Glanzes ephemärer Größen nicht das Bcrstündniß wirklicher Hoheit cingebüßt hat, daß sic sich beugt vor der einzigen bcwnndernngswerlhen Erhabenheit des reinen Menschenherzens, das in unerschöpflicher Güte für das Leid, die Sorge, die Noth der Mit- Menschen schlägt. Der Tribllt dieser allgemeinen Verehrung ist nicht gefordert, diese hohe Anerkennung nicht gesucht worden. — Sir Moses Montesiore hat das Gute gcthan, um des Guten willen, aus lantcrsteiti Pflichtgefühl, aus gewissenHaftesten! Gehorsam gegen Gott. Sir Moses Montesiore hat niemals nach Ruhm und Ehre gestrebt, hat niemals um Menschcngnnsl gebuhlt; er hat vor den Mächtigsten der Erde gestanden in männlicher Haltung als Vertreter des Rechts mir der Forderung dcS Rechts für Schwache, Wehrlose und Mißhandelte. Sollen wir einiger Momente seines ruhmvollen, thatenreichen Lebens gedenken? 3m Jahre!840 steht er vor dem Sultan und erhebt seine Stimme gegen die furchtbare Blutanklage, die seine Brüder in Damaskns in Todesgefahr gebracht, die feiner Religion die höchste Schmach bereitet. Er führt den Kampf gegen finstern Fanatismus, gegen verbrecherische Mordpläne mit der Waffe der Wahrheit, der redlichen Ueberzcugnng, und er erringt den Sieg. Sechs Jahre später scheu wir ihn in Rußland. Er tritt vor den gewaltigen Ezarcn hin, furchtlos und unerschrocken, er, der Jude, vor den mächtigen Selbst- Herrscher und verlangt die Aufhebung eines Ukas, welcher über Hundcrttausendc jüdischer Russen Noth und Elend verhängte. Und so erhebt er seine Stimme für das verletzte Palladium des Elternhauses in Italien, da man den Knaben Mortara geraubt; und so sehen wir ihn für die Ionischen Inden das Wort führen, und so erscheint er vor dem Kaiser von Marokko für die mißhandelten Brüder. — Wo Unglückliche seufzen, wo Ohnmächtige zittern, Moses Montesiore ist zu ihrem Beistände nah; er kennt keine Opfer, die er nicht zu bringen in jedem Augenblicke bereit wäre, er kennt keine Gefahr, der er nicht die Stirn bieten möchte, so cs gilt, für die gekränkte Unschtild, für das gefährdete Recht einznstchcn. Vor Allen! aber gehört sein Herz dem heiligen Lande, der Stätte, wo der Zioustempel in Schutt und Asche liegt. Sieben Mal ist er zu dem Ufer des Jordan gepilgert — bei! palästinensischen Inden ist er der stets bereite Helfer und Erretter. Und ebenso giebt cs in seinen! engsten Kreise kein Anliegen der Noth, kein Werk des Edelmnths, welchem er fern geblieben. Er fragt nicht nach Abstammung und Glauden, er sicht in jedem Menschen den Bruder, in jedem humanen Streben eine gebieterische Forderung an seine Mitwirkung, der er freudig folgt. Ganz England feierte seinen diesjährigen Geburtstag, von der edlen Monarchin und dem Thronerben bis zum Arbeiter; und ans allen Ländern und Erdtheilen langten Grüße ein, theilznnchmen an den! Feste, das nicht er, das alle Edelgesinnten begingen, Gott dankend und preisend, der unserer Zeit einen solchen Mann geschenkt. Und der Inhalt aller dieser Huldigungen ist in dem koraidischen Gesänge ausgesprochen: יפיפית מגני אדם היצק הן בשפתותיך על כן ירכך אלוק׳ לעולם ״Schöner bist du als gewöhnliche Menschen, Liebreiz ist gegossen ans deine Lippen, darum hat Gott dich für immer gesegnet." Er segne Dich, edler Greis, Er verleihe den: Abende Deines Lebens lange Dauer. Er erfreue Dein Herz und lasse Dich die Früchte Deiner Thatcn hier auf Erden genießen bis in eine späte Zukunft. Mit ersidp mir nufere Kinder? IV. (Fortsetzung aitö Nr. -15.) Die Mittel, welche der Erziehung zu Gebote stehen, sind dreifacher Art: Beispiel, Gewöhnung, Belehrung. Die letztere kann begreiflicher Weise erst von den; Stadium