Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-10-15
- Page
- 743 (sequence 3)
- Language
- German
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743 verweilte sie daselbst einige Minuten und entfernte sich sodann. Auf dem Rückwege ging sie an dem Hause des Hermann Ro. seubcrg vorüber und in dem Thore des Hauses traf sie wieder mit ihrer Schwester Sophie zusammen-, sie ließ sich mit der׳ selben in ein Gespräch ein und bemerkte, daß sic eilen müsse, weil man sie zu Hause mit der Farbe erwarte. Sie entfernte sich von ihrer Schwester und setzte raschen Schrittes ihren Weg gegen Totfaln fort, in welcher Richtung ihr ihre Schwester bis jenseits der am (iube von Osalu gelegenen Mühle mit den Blicken folgte, bis wohin mau von dem ׳Thore des hochgelegenen Hauses Hermann Roscnberg'S sehen kann. An dersrlbeii Mühle vorbeigehend, sahen sic auch der alte Gabriel Tanhi, weiter Joseph Hajdn, ein wenig weiter Nikolaus TapaSzto, später Joseph Kaposi, bis endlich Nikolaus Tapaszto auch bemerkte, daß, als das Mädchen auf dem Damme vor dem jüdischen Tempel auf der Heimkehr begriffen war, es nahezu 12 Uhr Mittags war. Da Gsther Solhmosi bis 2 Uhr Nachmittags nicht nach Hause kam, machte sich die Iran Andreas Huri nach Osalu auf, um dieselbe anfzusuchen; in Ofalu erfuhr sic von Sophie So. lymosi, daß Gsther aus bnn Gewölbe gekommen und noch vor 12 Uhr nach Hause zurückgekehrt sei; sie dachte daher, daß sic das Mädchen bereits zu Hause finden werde, und lehrte dorthin zurück, doch fand sic dasselbe weder dort noch bei deren Mutter, Frau Johann Solymosi, vor. Die Wittwe Solymosi, die durch die Huri von dem verschwinden ihrer Tochter verständigt wurde, begab sich ebenfalls ,ins die Suche, doch fand sie keine Spur ihrer Tochter, obgleich sie das ganze Dorf durchstreifte-, als sie nach diesem erfolglosen Suchen gegen Abend in Gesellschaft der Wittwe Gabriel Solymosi weinend nach Hause ging, führte sic ihr Weg an dem jüdischem Tempel vorbei. Da kamen ihr der Tempeldiener Joseph Scharf und dessen Frau, gcbornc Leni Müller, aus ihrer neben der Synagoge gelegenen Wohnung entgegen und sprachen ihr Trost zu, sie möge sich nicht gräiiten, ihre Tochter werde sicher zum Borschein kommen. Auch in -HanaS habe sich ein solcher Fall ereignet, auch dort ivurden die Juden verdächtigt, und das vermißte Kind wurde doch später auf einer Wiese gefiinden. Frau Johann Solymosi schien dieser Mittheilung des Joseph Scharf keine Bedeutung beiznmesscn. Als aber au! folgenden Tage Jeinand in ihr den Verdacht erweckte, daß die Inden ihre Tochter ermordet hätten, ging sie am 2. April nach Vencsellö zmn Bezirksstirhlrichter, dem sie die Anzeige über das Verschwiirdcu ihrer Tochter erstattete nird den sic, nachdcln sie vor ihm ihren Verdacht ansgedrückt hatte, bat, den jüdischen Tempel untersuchen zu lassen. Der Stuhlrichter fand den Verdacht so unglaublich, daß er bloß Verfügungen traf, dainit (Tsther Solymosi im garlzen Lande ktirrentirt werde. Später jedoch fand der Verdacht der Witttvc Solyitiosi in einzelnen Sätzen, welche der vierjährige Sohn des TeiitpeldienerS Joseph Scharf vor vielen Leuten fallen ließ, neue Nahrung und sic suchte am -1. Mai den Stuhlrichtcr wieder auf und erzählte ihut, daß ihr Verdacht gegen die Inden nunmehr durch die Aussagen mehrerer Zeugen der Gemeinde bestärkt werde. Der Stuhlrichter traf in Folge dessen die Verfügung, daß hinsichtlich des Verschwindens der Gsthcr die polizeilichen Grhebungen angestrengt werden sollen. Die Vorstchung der Gemeinde Tisza-GSzlar vollzog am #». Mai 1882 die polizeilichen Vorcrhcbuugen und verhörte mehrere Zeugen, welche dasjenige aussagten, was sie vom Knaben Samu Schars gehört hatten, nämlich, daß ein Schächter mit Hülfe seines Vaters Joseph Schars nnd seines Brlldcrs Moriz der verschwundenen Gsthcr Solymosi den Hals dnrchschililitil hätte. Ans Grund dieses Resultates der Vorerhebungcn wurde die gerichtliche Vorcrhebnng angeordnel, in deren Verlauf auf Grund der belastenden Aussagen des Moriz Scharf, der Wittwe Stephan Lcngycl und der Wittwe Johann Fckelc der Verdacht bestimmtere Formen annahm, daß Salomon Schwarz. Abraham Luxbaum, Leopold Braun nnd Hermann Wollner, der sogen, jüdische Bettler, die Gfther Solymosi in der TiSza-Gsztarcr Synagoge gemordet, und daß Joseph Scharf, Adolf Junger, Abraham Braun, Samuel Luftig, Lazar Weißsteiu und (!iiumict Taub das diesbezügliche Wirken der Obgeuanuten gestisseutlich gefördert hätten. Der ältere Sohn des Tcmpcldiencrs Joseph Scharf sagt nämlich entschieden und umständlich aus, daß am 1. April 1882, nach dem Gottesdienste, Vormittags gegen 11 Uhr, die Juden ans dem Tempel kamen. Als er die Tempelthür schließen wollte, blieben die Schächter Salomon Schwarz, Abraham Burbanm und Leopold Braun, sowie der jüdische Bettler Hermann Wollner vor dem Tempel stehen nnd for« derten ihn angeblich ans, die Tcmpellhür offen zu lassen, da sie die Gcbct-Regnisiten, die sic eben trugen, nicht mit sich nehmen wollten. In Folge deffen fei er, ohne die Synagoge zu schließen, in die Wohnung seiner Vltcru gegangen. Nach einer Weile schickte ihn sein Vater Joseph Scharf, nachdem derselbe znm Fenster hinansgeschaut haue, auf die Straße, um das ungarische Mädchen — die (Tsthcr 2011)1110ft — welches von Osalu Herkam, ins Zimmer zu rufen, damit cs vom Tische die Leuchter wegräume. In Folge dieses Auftrages, sei er, Moriz, der Usther Solymosi entgegengeganlzen, die eiligen Schrittes von Osalu daherkam-, er habe sic in die Wohiiimg gerufen. (Tsther Solymosi habe, durch sciiicu Vater Joseph Schars hierzu aus- -gefordert, die Leuchter vom Tische weggcräuml und habe dieselben auf den Schrein gestellt. Inzwischen sei Hermann Wollner ins Zimmer gelommcu, welcher mit Salomon Schivar; und seinen zwei Gdnosseu im Tempel zurückgeblieben war nnd welcher ans der Vorhalle des Tempels hinausblickte, als Moriz die Gsther in die Wohnung ries und der (islhcr sagte, sie möge mit ihm in den Tempel kommen, um von dort elivas heraus zu bringen. In Folge dessen sei Gsthcr thalsächlich in den Tempel gegangen. Moriz Schars crzähHe seiner, daß er, als er nach ungefähr einer Viertelstunde ans den Hof hinansging, ans dem Tempel Wehklagen und drei bis vier Hülsernsc hörte, in Folge dessen er znm Tempel lies. Da er die Thür geschlossen fand, blickle er durch das Schlüsselloch und sah, daß Gfther im Hemde ans der (irde liege, das; Abraham Buxbaum nnd Leopold Braun sic an die Grdc gedrückt hielten. Ferner habe er gesehen, daß Abraham Buxbamn, Leopold Braun nnd Hermann Wollner den Körper des Mädchens aushobcn, und daß dann Salomon Schwarz nach einander zwei rothe, irdene Gesäße unterhielt, in welchen er das Blut des Mädchens anssing, das er dann in einen großen Tops goß. Nachdem dies geschehen sei, wurde das Mädchen wieder augcklcider, woraus Samuel Lustig, Abraham Braun, Lazar Weißsteiu und Adolph Junger ans dem Tempel in die Vorhalle iamcii und die Leiche umstanden, (Tr sei hierauf in die Wohnung znrückgekehrt und habe dort seinen (Titern erzählt, was er gesehen, woraus seine MnUer ihm sagte, daß er schweigen solle. Ungefähr nach einer Stunde sei Herinann Wollner in chee Wohnung gekommen nnd habe ihn ansgcfordert, die Tempelthür?11 versperren׳, in Folge dessen ging er in die Vorhalle der Synagoge, ivo er weder die Leiche des Mädchens noch Btiilspuren vorsand. Mittelst des Schlüssels, den er ans dem Fenstersims der Vorhalle fand, vcrschloß er die Thür, und zur selben Zeit habe er gesehen, daß Salomon Schwarz, Abraham Bnrbanm, Leopold Braun, Samuel Lustig, Abraham Braun, Lazar Weißsteiu und Adolph Junger heimwärts gingen. Diese belastende Aussage des Moriz Scharf ivird bestätigt durch jene Aussage der ׳Wittwe Frau Stephan Lengyel, wonach sie am 1. April 1882 am srüHeu Nachmittag, beiläufig nach 12 Uhr, von der in nächster Nähe ihres Hauses gelegenen Synagoge her drei Ruse vernahm, sowie auch durch die Anssage der Frau Johann Fekcte, welche am 1. April 1882 Vor.