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Jeschurun · 1883-09-27 · Heft 39 (27.9.1883) · p. 686

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 39 (27.9.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-09-27
Page
686 (sequence 6)
Language
German
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686 nommrn. Drei Personen hören zu drei, verschiedenen Zeit, punkten, Mittags, Nachmittags und Vormittags, drei verschiedene Anse. Wahrlich, nur solche Beweismittel vermögen ein solches Märchen zu unterstützen. In jedem Drama, tvo Hexen oder Geister aus der Bühne erscheinen, spielen solche Ruse e!ne große Nolle. Macbeth Hort die Stimme seines Ehrgeizes, Fnist jene der Verlockungen des Lebens, Hamlet die des RachcgeisieS seines Vaters. In diesem Strafprozesse hört man die Stimme des Geistes der Neligiousstörcr. ReügionSstörerDiesem Komitate entstammt, erbebe ich vor diesem Worte. Im Komitate der Bonis. Bö-zörmenpi, Somossi verbreiten die Epigonen ein Ammenmärchen als Wahrheit! Dort, wo eS eine Gleichbercchtigung gegeben, ehe das Gesetz sie inö Leben rief, dort, wo die Eintracht eine musterhafte war, herrscht jetzt sozialer Wirrwarr und stehen die Geister unter dem Banne aufgeregter Phantasie. Die aufgeregte Phantasie ging nicht nur der Vorunter, suchnng voralt, sie herrschte auch während der Untersuchung. Wie ich bereits zu erörtern die Ehre hatte, war der Thatbestand selbst betreffs meiner tflieiitni Junger, Braun und Lustig ein solcher, daß er auch nicht den Gegenstand der Voruntersuchung hätte bilden können. Aber was war überhaupt das Resultat der Voruntersuchung? Er wurde durch die von den Mitglie« dern. der israelitischen Religionö.Gemeinde am fraglichen SamS. tag, 1. April, befolgte Tagesordnung zweifellos erwiesen, daß Moriz Scharf'« Dcposition vom Anfang bis zum Schluffe unwahr sei. Ans den 1. Avril 1882 wurde in Eszlar der Konkurs auf die erledigte Schächterstelle feslgestellt, da der frühere Schächter EmauuelTaub zum Schächter der Polgarer NeligionS- Gemeinde gewählt worden war. Für diesen armseligen Posten meldeten sich drei Individuen, und zwar Solomon Schwarz aus Tisza.Lock, Leopold Arauu aus Tealas und Abraham Bux. bäum aus Tarczal. Diese treffen theils Donnerstag, theilS Freitag in Tioza-Eszlar ein und erscheinen arn Samstag, l. April, Vormittags gegen 8 bis Uhr, im Tcntpcl, wo außer den vier Schächtern fast sämmtliche Mitglieder der TiSza. Eszlarcr Religions-Gemeinde, ungefähr siebzehn Personen, anwesend waren. Der Gottesdienst dauerte länger als sonst, so daß sich die Leute anstatt um 10 Uhr erst um 11 Uhr aus dem Tempel entfernten, was auch auffiel, unter Anderm der Frau Gabriel Batory, deren Haus an einem kleinen Hügel in der Nähe des Tempels liegt, wo man die anS dem Tempel Kommenden sehen, aber auch in die Vorhalle de« Tempels durch jene zwei Fenster blicken kann, welche während der Dauer der ganzen angeblichen Mordchat auch nicht mit Vorhängen versehen waren. Die Leute gingen in kleinen Gruppen aus dem Tempel. Die eine Gruppe nahm gegen Osaln ihren Weg. Hermann Nosenberg ging mit Joseph Klein, Jakob Römer, Junger, Fcucrmann und Weißstein. Ihnen folgte in geringer Entfernung Taub mit den beiden fremden Schächtern Schwarz und Braun, die er zu sich zu Tische geladen hatte, Nach diesen kamen die Ladauyer Einwohner Wolfgang Groß und Joseph Gultmann, die zur Eszlarcr RcligionS-Gemcinde gehören und ebenfalls beim Probegcbcte anwesend waren. Nosenberg trennte sich vor seinem Hanse von seinen Genossen und ging in seine Wohnung. Aus dem Wege fortschreitend, gelangten zwei, drei Minuten darauf Taub. Braun und Schwarz vor das Haus Roseuberg'S Als sie Rosenberg erblickte, nef er sie aus einen Schluck Branntwein hinein, welcher Einladung sie auch Folge leisteten, worauf sie eine gute Viertelstunde dort verweilten. Daun gingen sie aus das Audräugen Taub'S in dessen Woh. nnng, wo sic sich bald darauf zum Mittagmal setzten. Kur; nach der Entfernung seiner Gäste nahin auch Rosen, berg das Mittagmahl ein, ließ nach dem Speisen eine Flasche Wein in ein Tuch binden, befahl seinem Dienstboten Sophie Solymosi, dieselbe in die Wohnung Taub'S zu tragen, und machte sich mit ihr zugleich auf den Weg. Unterwegs begegnete Sophie Sochmosi einem Mädchen, mit welchem sie sich in ein Gespräch einließ: als sich dieses Mädchen entfernte, erkundigte sich Nosenberg bei seinem Dienstboten, wer cö sei, und Sophie antwortete, ihre Schwester Esther. Bei der Wohnung Taub'S angclangt, übernahm Rosenberg den Wein, ging hinein, fand daselbst die Schächter noch beim Speisen und verweilte in ihrer Gesellschaft ungefähr eine Stunde, worauf er sich entfernte. Mit ihm ging Salomon Schwarz, der bei Süßmann einen Besuch machen ivollte, um sich dessen Votum zu erbitten. Vor dem Hause Roskuberg'S schieden sie von dem gegen Ujfalu schreitenden Salomon Schwarz.' Die andere Gruppe ging, ebenfalls nach dem Verlassen des Tempels in die Richtung von Ujfalu. Leon Großberg, die beiden Einhorn und Fränkel zusammen, nach ihnen Süßmanu mit seinem Gaste Buxbaum, den er zu Tisch geladen hatte. Diese langten zu Hause nach 11 Uhr an, aßen um halb 12 Uhr zu Mittag, dann legte sich Duxbanm nieder und schlief zwei Stunden hindurch, nicht im Traume daran denkend, daß er 49 Lage hierauf UntersuchungShästling sein und daß man von ihm behaupten werde, er habe unterdessen gemordet. Nachmittags mochten die fremden Schächter behufs Erlauguug von Voten Besuche, um 0 Uhr kamen sic wieder in den Tempel, wo ein kurzer, halbstündiger Gottesdienst abgehalten wurde, bei welchem ungefähr 15 Personen anwesend waren. Dann gingen sie zu Moriz.Lichtmann, wo sie eine Jause nahmen, woraus sie sich nach" kurzer Zeit zur Abstattung der restlichen Besuche entfernten. Zum Nachtmahl kehrten sie wieder zurück, saugen hier ihre Gebete und begaben sich gegen 10 Uhr zu Süßmann schlafen. Zwischen Jakob Süßmann und Joseph Einhorn war noch im März wegen der Konkurrenz beim Branntweinverkaufe ein Zwist entstanden, zu dessen Beilegung bereits in den vorhergehenden Tagen ein Schiedsgericht für den 1. April bestellt war. Unter dem Vorsitze Jakob Lichtnmnn's erschienen Leon Großbcrg, Jakob Römer und die beiden hadernden Parteien in der Vorhalle des Tempels, die auch sonst als Verathuugöort zu dienen Pflegte, und berathschlagten mit einander ungefähr bis 10 Uhr, um zwischen den beiden Parteien den Frieden herznstellen. Durch diese Tagesordnung wurde Folgendes bewiesen: 1> daß Vormittags 11 Uhr Alle ohne Ausnahme den Tempel verließen: 2) daß damals, als Esther Solymosi erst gegen das Gewölbe Kohlmaper'8 schritt, die als die unmittelbaren Thäter hingestellten Individuen bereits beim Mittagsmahle saßen und Buxbaum schon schlief. DaS Alibi Taub'S, Schwarz' und Braun'S ist durch Nosenberg und dessen Familie und Sarah FeuermANN zweifellos erwiesen, aber die Konfession dieser Zeugen macht ihre Depo, sition vor dem Untersuchungsrichter zu einer bedenklichen, denn andere Gründe können nicht voranSgesctzt werden, daß er Leute im Gefängnisse zurückbehält, während mehrere Zeugen auSsagen, daß sie dieselben anderwärts gesehen, als der angebliche Mord verübt wurde. Ich habe nicht die Absicht, sämmtliche Fehler der Untersuchung dieses Prozesses herznzählen, aber ich frage, können in einem liberalen Staate der Absolutismus, die Willkür geduldet werden? Eine solche ist die Macht des Untersuchungsrichters. Sei er der gerechteste, klügste und gewisteuhastcste Mensch, mit einer solchen Macht bekleidet, wird sein Wirken gefährlich. Zur Erhärtung der Wahrheit meiner Worte genügt es, wenn ich nur eine einzige Thal des Untersuchungsrichters in diesem Prozeße hervorhebe. Am 24. Juni 1882 fällt der UntersuchungSrichter einen Beschluß, in welchem er verfügt, daß die Beförderung der aus diese Angelegenheit bezüglichen Privat-

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