Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1883)
- Article
- Des Jahres Scheidegruß
- Date
- 1883-09-27
- Page
- 674 (sequence 2)
- Language
- German
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674 und er träfe nicht unser Her;, Jom Kippur könnte uns fastend treffen und wir erlangten doch nicht Reinheit und Sühne, und Suckoth könnte uns die Freude bieten und sie zöge doch nicht bei uns ein. Wir tönnten neben den Altar Gottes auch andere falsche Gottheiten gestellt, ihnen unsere Huldigung dargebracht und mit dem Goitesgesetze darum gebrochen haben, und es könnte uns das Bersränduiß für die Mahnung und den Ruf unseres Gottes so gänzlich abhanden gekommen sein, daß wir den von uns geschaffenen Gottheilen Feste feierten und ihnen huldigten, wo wir Gott das Gelöbniß unwandelbarer Treue und unerschütterlichen Gehorsams ablegen sollten. Haben doch unsere Boreltern in der Wüste, im Anblicke des Horeb, vierzig Tage nach der Sinaioffenbarung, die Aufforderung Aharons ״ הג לד׳ מהרmorgen ist Gott ein Fest", wahnbefangen mit den Neigen um das goldene Idol und dem Ausrufe ״ אלד. אלדיך ישראלdies sind deine Götter, Israel" beantwortet. Denn es kommt auf die rechte Gesinnung und auf den rechten Geist an, wenn der Tischrimonat uns zum Heile und Segen werden soll. Wie Jakob seine Kinder ermahnte, alles Fremde aus ihrer Mitte zu entfernen, bevor sie nach Bcth-El hinaufziehen und er Gott einen Altar errichten konnte, so haben auch wir alles Fremdartige aus unserer Anschauung, unserem Veben, unseren Thaten hiuwcgzuschassen, wenn die hehren Tifchritage nicht spurlos an uns vorüberrauschen sollen. Denn auch in unseren Tagen sind אלדי הגבר bei uns heimisch geworden, und in fremder, unjüdischer ״religiöser" Anschauung könnten wir Nosch -Haschanah und Jom Hakippurim begehen. Wir könnten wähnen, mit einer ״Neujahrsandacht" voller Inbrunst und der ״strengeit Buße" cuu Bersöhnungsrage hätten wir der Religion ein Genüge geleistet und dürften nunmehr in der gleichen Gottentfremdung unser das Gottesgesetz mißachtendes Leben fortsetzen. Sind doch Männer unter uns erstanden und an die Spitze der Gottesgemeinde getreten, welche den Abfall von dem Gesetze predigen und die Schöpfung einer neuen Religion, einer Reform deö Judenthums, anslreben, anstatt, daß der Schofar und Jom Kizpur eine Reform der Juden, eine Rückkehr Israels zur alten Treue und alten Gewissenhaftigkeit, die Rückkehr Israels zu Gott und Seinem Gesetze bewirken wollen. Wie der Schofar des. ersten Elul nach מתן תורה, nachdem die Tafeln des Gesetzes um Israels Abfalls willen zerbrochen am Boden lagen, die ewige Wahrheit verkünden sollte, so wir Gottes Nähe gewinnen und Seines Schutzes und Seines Segens theilhaftig werden wollen, so haben wir zu Ihm uns zu wenden, um aus Seinen Händen das alte Gesetz zu eutpfangen, das Er nimmer verändert, also mahnt uns der Elulschofar alljährlich, uns zu Gott zu wenden und zu brechen mit den anderen Mächten, denen wir in der Vergangenheit unsere Huldigung dargebracht, und das alte Gottesgcsctz in uitS aufzunehmen in erneuter Treue zu unverbrüchlicher Darnachachtung. Und wie in jenen Tagen die nahe Beziehung Gottes zu dem Menschen und die Gotteswaltung auf Erden unserem Berständniß näher gebracht wurde, also führt uns der Selichoth- Morgen, diese unmittelbare, keines Mittlers bedürftige Gottesnühe zumBewußtsein und Seine liebendeWaltung, die zu Jedem gern פלהתי spricht. In diese Selichoth-Woche tritt das Wort der heiligen Schrift nun ein: אתם נצבים היום בלבם לפני ״ ד׳ אלדיבםda steht ihr Alle heute vor Gott, eurem Gotte", Alle, ohne Ausnahme, Männer, Frauen, Kinder, einzutreten in den ״Bund Gotteö" und von Ihm das verheißene Heil zu empfangen, und warnt uns vor dem verhängnißvollen Wahne, daß es nur genüge, wenn die Gcsammtheit im Allgemeinen Gott und Seinem Gesetze treu und gehorsam sei, daß aber der Einzelne sich dieser Treue und diesem Gehorsam zu entziehen vermöge, ohne von der richtenden Waltung Gottes getroffen zu werden. So könnten wir unser Einzelleben, unser Leben im Hause, in der Ehe, im thätigen Schaffen nach der Willkür unseres Sinnes gestalten und uns brüsten in den! Gedanken, als Mitglied der Gesammtheit, in dem öffentlichen Gemeindeleben, durch Synagogenbesuch unsere Anhänglichkeit an das Gottesgesetz vollauf bethätigt zu haben und als ״ganz frommer Jude" zu gelten, trotz unseres gesetzwidrigen Lebens; והבדילו tönt die Mahnung, ״Gott ן sondert diesen zum Bösen ab," Gott sieht das Thun! eines Jeglichen, Gott prüft Herz und Nieren jedes Menschen und ahndet den Ungehorsam und straft den Abfall eines jeden Einzelnen. Und ebenso hat uns das Gotteswort vor den! Wahne, dem nicht minder verhängnißvollen, .gewarnt, als hätte der Einzelne seiner Pflicht vollkommen Geuüge geleistet, wenn er nur sich und die Seinigen aus dem Abfall gerettet und nur sich und die Seinigen dem Gottesgesetze erhalten habe. ארור Unheil, Unfegen, Fluch säet auch der in den Acker seiner Zukunft, ,אשר לא יקים את דברי התורה הזאת לעשות אותם der nicht seine ganze Kraft dafür einsetzt, daß die Gesammtheit nicht wanke in der Treue gegen das Gottesgesetz, daß alle Kreise Israels in eininüthiger Begeisterung sich um das Heiligthum schaareu und die Lösung der uns gewordenen Aufgabe von Allen mit Bewußtsein und aufopfernder Hingebung augestrebt werde. ״Und hätte Einer gelernt und. gelehrt, Hütte Verbote gehütet und Gebote erfüllt, hätte aber auch Andere zur Erfüllung des Gesetzes festigen und «»halten können