Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1883)
- Article
- Des Jahres Scheidegruß
- Date
- 1883-09-27
- Page
- 675 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933035-2954271--13622-2954315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
675 und hätte es nicht gethan, הרי זה נכלל אחד auch der unterläge dem Fluche," auch der hätte sich anzuklagen ob des Abfalls und der Untreue, auch der hätte mitzutragen die Versündigung seiner Zeit, auch dessen Wirken bliebe unfruchtbar und segenSlccr. Denn ערבים בל ישראל, wir tragen alle die Verantwortung Einer für den Andern vor Gott, und daö Heil erblüht uns nur dann, wenn Jeder von uns und wir Alle iuSgcsauunt zu Ihm zurückkehrcn in Aufrichtigkeit und Wahrheit, auf Seine Stimme zu hören, die aus Seinem Gesetze zu uns tönt, wir und unsere Kinder, mit ganzem Herzen und ganzer Seele. Wenn darum der Elul uns zur Umschau ladet, zum Rückblick auf die Tage, Wochen und Monate, die, hinter uns liegend, sich zu den! Jahre vereinigen, das von unö scheidet, so haben wir das prüfende Auge zu lenken in unerbittlicher Strenge auf unser eigenstes ^cbeit tu seinen mannigfaltigsten Gestaltungen, um unS zu fragen, ob unser Wandel den erustcn, Prüfenden Blick Dessen ertragen kann, der דין וטוביה ויודע ועד, welcher ״der Richter und der Ucberführeudc, der Allwissende und Zeuge," aller unserer offenkundigsten Handlungen und unserer geheimsten Regungen ist, der dcS von unS längst Vergessenen gedenkt und über unö nach dein Rechte beschließt. Waren wir Gottes und Seines Gesetzes stets eingcdcnkt in unseren: Handel und Wandel, sind unsere Hände rein von Unrechtem Gut, war unser Wort der Ausspruch der Wahrheit, Liebe und Milde, haben wir Niemanden getäuscht, Niemanden gekränkt, — waren wir GotteS und Seines Gesetzes stets eingedenk in unsere!!: häuslichen Leben, in den Genüssen, denen wir uns Hingaben, in der Erziehung unserer Kinder, in der Beobachtung der Sabbathe und Festtage? Und wir haben in gleichem Ernste den prüfenden Blick zu richten auf den Kreis, in welchen: wir leben, auf Gemeinde und Schule, und uns zu fragen, ob dieser bestehen könnte vor den: allerhöchsten Richter. Haben wir die rechten Männer an die Spitze unserer Gerneinde gestellt, Männer, die in Treue und gewissenhaftem Ernste, nicht um äußerer Ehre willen, die Verwaltung uusercr religiösen Institutionen führen? Warten unsere Rabbiner und Lehrer ihres heiligen Arnts so, daß sie nur das Gesetz zur Richtschnur ihres Wirkens nehmen und durch ihr eigenes Beispiel iu That und Gesinnung als daö Muster der Gewissenhaftigkeit und Treue unö vorauleuchtend, das GotteSgcsetz predigen und lehren rein und unverfälscht, wie cö uns von unseren Vätern überkommen, oder haben sie sich in frevelhaften: Sinne zu Reformatoren desselben aufgeworfcu und betrachten ihr Antt als Pfründe, deren Jutradcn sie in!!:öglichster Behaglichkeit und Ruhe genießen möchten, und darum ״jeder Richtung in der Gerneinde gern Rechnung tragen," einen falschen שלוב austrebend, der nicht die Uebcrcinstimmung dcö Menschen mit Gott, sondern die Lauheit und Gleichgültigkeit, den Leichtsinn und Abfall im Gefolge hat? Wie sind unsere Ehasanim und Schochtirn, wie unser Mikwaoth und die anderen Institute unserer Gemeinde? Und uachdeu: also das verflossene Jahr in allen seinen Moincntcn, in welchen unser bestimmender Einsluß geltend gewesen sein konnte, an unseren: Geiste vorübcrgczogcn und wir der Jrrthi'uner und Fehler iune geworden sind, die unserer bessernden Hand harren, und der Entschluß in unS reift, die Zukunft zur Sühne unserer Vergangenheit zu gestalten, dann tritt auch daö Geschick vor unsere Seele, welches in den zurückgelcgten Tagen sich an uns erfüllt hat. Und wir durchleben nochmals alle die Minuten der Angst und der Sorge, des Schreckens und Jammers, die Haß, Vorurthcil, Barbarei, Fanatismus über uns gebracht und sich noch anschicken über unS zu verhängen. Und zu den: שבט בל האר" wendet sich unser Flehen, daß Er. der Weltenrichtcr, uns, den: עם עד, dem ärmsten Volke, in Seiner Liebe und Barmherzigkeit, Leben und Heil zu Thcil werden lassen möge; und aus inbrünstiger Seele dringt zu Ihm unser heißes Gebet, daß das heraufziehende Jahr uns Sühne und Befreiung bringe, daß cö daö Ende unseres Galuthlcids, unseres Elends und unserer Verfolgung in seinen: Schooße trage, da wir iutmcr gedrückter und hülsloser werden und der irdischen Führer, Tröster und Beistände cntrathen. Und in den: Gefühle unserer ' Ohnmacht und in: Bewnßtsein unserer Unvollkommenheit bringen wir uns die hehren Gestalten unserer Ahnen und Märtyrer in Erinnerung, daß an ihren: Beispiele sich unser Geist erhebe und wir ihnen nacheifernd würdig werden der göttlichen Gnade und Gott unser Gebet erhöre: חדש עלינו שנה טובה שנת רצון שנת (אלה. Der NiltisemitislMlS tu Hanuover. II.H. Harmvver, 20. September. Je größer die Freude, eines nn: so geringeren MißtonS bedarf cS, dieselbe zu trüben, je größer die Sicherheit, ״ein mit so kleinerer Verdacht stört dieselbe. Je mehr wir Hannoveraner darum den: freudigen und sicheren Bewußtscin lebten, vor jeder antisemitischen Agitation vcrschont zu sein und zu bleiben, um so trauriger und verzagter macht unS ein Ereigniß, das uns lehrt, wie eitel und nichtig unsere Freude und Sicherheit gewesen. Und wem: der Anlaß auch noch so klein und bedcutuugSloS ist, er hat uns aus dem schönen Traum, in den: wir bis heute lebten, nufgescheuchr. Wir sagen, der Anlaß ist unbedeutend und wird nicht weitcrgehcnde Konscgucnzen haben. Denn, ganz objektiv betrachtet,