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Jeschurun · 1883-09-06 · Heft 36 (6.9.1883) · p. 620

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 36 (6.9.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-09-06
Page
620 (sequence 8)
Language
German
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620 Leiche beigem oh nt. Auch er hat bic Nagel gut gesehen, dieselben aber׳ nicht berühr׳!׳, es sehlte kein einziger und sie erschienen ihm laug und schön. Tie Reiche hatte so unregelmäßige Zähne, wie Zeuge noch nie gesehen, (ffiljcr hat er nicht gelaunt, doch wurde er zur Reiche zngelassen. Zeuge Gabriel Szclct wurde über die Agnoszirnng schon veruoimnen und aus seine Aussage beeidet. lieber die Umstände bei der Besichtigung der Reiche befragt, antwortet er, daß ihm die Reiche gesund erschien. Tie Nägel hat er gesehen, sie ragten über die Finger hinaus. Als die Sezirnng begann, ging er fort. — Bon Eölvös gefragt, warum er die Nägel besichligt, antwortet der Zeuge, er wisse nur, das; er sie gesehen und schön gesunden. — Berrheidiger Eötvös: Sie haben auch gesagt, die Leiche habe blaue Augen gehabt, und das ist sicher nicht wahr. Tie können sich auch bezüglich der Nägel geirrt haben. — Zeuge bemerkt aus eine fernere Frage, er habe schon eine Reiche gesehen, die drei Tage im Wasser war, und diese war stark augeschivollen, lvährend die Tadaer Reiche frisch erschien. — Berrheidiger Eölvös: Tie folgern daraus, daß diese Reiche nicht einmal drei Tage im Wasser lag? — Zeuge: Das tveiß ich nicht. Der nächste Zeuge, Papp jun., war dabei, als 1mm die Reiche ans den Friedhof führte und beerdigte, sowie im Dezember bei der Erhnmirnng. Erhal bei derselben Alles so wie früher gefunden. Zeuge hält es nicht für möglich, daß die Nägel der Reiche hätten gestohlen werden können. Zum ersten Male sah er die Reiche im Garten der Batory neben der Synagoge. Esther hat er nicht gekannt. Die Reiche hielt er für die einer völlig entwickelten Person von mehr als 20 Zähren. Die Zeugin Esther Farkas, 1'» Jahre alt, ist mit Esther einen Monat lang zusammen in die Schule gegangen. Das war vor drei Jahren. Sie wurde im vorigen Jahre zu der sezirlcn Reiche gerufen, um deren gähne zu besichtigen. Dieselben waren anders als die der Esther. — Bertheidiger Eötvös: Wann war das, als du zur Leiche gerufen wurdest? — Zeugin schweigt. — Bertheidiger Eölvös: Im Sommer oder im Winter? Zeugin: Im Winter. — Bertheidiger Eölvös: Also im Winter, lag Schnee ans den Straßen? — Zeugin erinnert sich nicht ׳. sie hat an der?eiche nur die Zähne besichtigt, dieselben waren groß und braun, während Esther kleine dichte weiße Zähne hatte, wie die Reiskörner. — Bertheidiger Eölvös: Dieses Wort ״Reiskörner" Hai noch jeder Zeuge angewendet, und wie war denn das Zahnfleisch? — Zeugin: Es war verfault. Bertheidiger Eötvös: Das ist nicht wahr, denn Zahnsicisch war keines mehr vorhanden. Was glaubst du, wenn das Zahnfleisch von den Zähnen herabgekratzt worden wäre, würden die Zähne größer erscheinen? — Zeugin: Gewiß, und doch waren diese Zähne nicht so wie Esther's. — Ans Befragen Eötvös, ob sie ihre eigenen Zähne kenne und deren Beschaffenheit hier vor Gericht beschreiben könnte, antwortet die Zeugin nicht. Bertheidiger Eötvös bemerkt, daß er am selben Tage, als die Zeugin zur Besichtigung der Zähne anfgesordert wurde, seitens der Bcrtheidignng forderte, daß Hermann Nosenberg, der Esther gut kannte, ebenfalls zngelassen werde; dies Ansuchen wurde seitens der Staatsanwaltschaft unterstützt. Der Untersnchnngsrichter Barn halte damals, von einem, ich weiß nicht in welcher Eigenschaft, dort snngirenden Individuum beeinsinßt, dies nicht zugegeben, und als seitens der Bcrtheidignng gefordert wurde, daß dieser Umstand ins Protokoll ansgenommcn werde, versprach Vary dies zu thnn; jedoch wurde weder der Umstand, daß dies gefordert, noch auch der Umstand, daß Hermann Rosenbcrg zur Besichtigung der Zähne nicht zngelassen wurde, ins Protokoll ausgenommen. Dies wünschte ich zur Illustration der Glaubwürdigkeit der durch Vary angesertiglcn Protokolle vorzubringen. — Frau Solymosi (sich erhebend : Wie kann Rosenbcrg die Esther gekannt haben, wenn'cr die Sophie dann fragte: ״Mil n׳׳m hast du da gesprochen? — Bertheidiger Eötvös: Deshalb konnte er sie schon gekannt haben. — Bertheidiger Henmain!: Die Sache ist nicht ganz so, Frau Solymosi. Rosenberg ging voran und fragte Sophie, als er sich nmkehrte und die weggehende Esther von rückwärts sah: ״Mil wem hast du da gesprochen?" Ter Präsident verliest dann die Berhörsprolokolle dreier nicht erschienener Zeugen über deren Beobachtungen an der?eiche. Staatsanwalt und Bertheidigung verzichten ans die persönliche Bernehmnng dieser Zeugen. Dann wird Esther's Schwester, Sophie, nochmals über ihre Beobachtungen an der Dadarr?eiche vernommen. Sie hat dieselbe in Balory's Garten sehr gut besichtigt. Sie bringt nichts Neues vor. Leib und Hände -er?eiche hat sie nicht besichtig!. Esther reichte der Zeugin bis an die Augenbrauen. — Präsident konsiatirt, daß Sophie von der die-?eiche untersuchenden Kommission damals gemessen und 114 Zentimeter hoch gesunden wurde. — üötvös hält dann der Zeugin, welche sagt, daß sie sich mit Esther?eib an?eib geinessen, vor, daß sie im Dezember vor Gericht genagt, sie habe sich nie mit Esther gemessen, doch müsse diese kleiner gewesen sein, da sie ja jünger war. Wie könne Zeugin nun sagen, daß sie sich mit Esther gemessen und daß ihr dieselbe bis an die Augenbrauen reichte? — Die Zeugin ist verwirrt und kann leine bestimmte Antwort geben. — Präsident: Tie Zeugin kann sich jetzt nicht mehr erinnern. Zeugin Josephs Szol-at ist nicht anwesend. Ans deren Vernehmung ׳wird verzichtet. Zeuge Pilitzki wird bezüglich der Reise des Angeklagten Klein vernommen. Er weiß sich an uichtö zu erinnern, als baß er einmal, im vorigen Jahre Klein im Morgengrauen mit mehreren Frauen ans dem -Orte fahren sah. Zeuge Fenermann hat damals ebenfalls Klein wegfahren gesehen, und zwar bald nach Mitternacht. Er fuhr die Frauen Junger und Weißstein nach Nyircgyhaza. Dann wird Esther's Bruder, Johann Solymosi, als Zeuge vernommen. Er ist ein untersetzter, starkknochiger junger Bursche. Er hat selbstverständlich die Dadaer?eiche gesehen, aber, wie er selbst wiederholt sagt, nur sehr oberflächlich. Die Angen sab er nicht an; die?ippen schienen ihm angeschwollen; auch die Zähne hat er nicht gesehen.?Iber er wußte ans den ersten Blick, daß es nicht seine Schwester sei, denn die Leiche harte einen großen Kops und eine große Stirn. Die Kleider der Leiche hat er sofort als die seiner Schwester erkannt. — Ans Eötvös' Fragen antwortet Zeuge, daß er die Leiche nur nackt sah. In der Hand hatte seine Schwester, als sie verloren ging, ein schwarzes Tuch. Eötvös hält dem Zeugen vor, daß seine Mutter, Frau Huri, der Richter und dann auch die Zeitungen immer nur von einem gelben Tuche sprachen. Zeuge bleibt dabei, daß er gleich nach Esther's Verschwinden von Frau Huri hörte, Esther habe ein schwarzes Tuch — ein gleiches Tuch besitzt noch seine Mutter — mitgenommen, als sie um Farbe ging. Die nächste Zeugin, Frau Huri, wird ebenfalls über die Umstände bei der AgnoSzirnng vernommen. Sie hat die Leiche nicht gesehen, cs wurde ihr übel, und sie mußte, ans eine andere Frau gestützt, den Platz, ivo die Leiche ausgestellt war, verlassen. Die Kleider hat sic gleich als die der Esther erkannt. — EötvöS: Warum konnten Sic die Leiche nicht ansehen? — Zeugin: Ich bin davor znrnckgefchreckr. Ich kann nichts für meine Natur, aber ich konnte durchaus nicht Hinsehen. Ans fernere Fragen antwortet Zeugin, daß Esther nur sehr selten mit ihrer Schwester Sophie zusammen war. Zeugin (Fortsetzung auf Seite 621.)

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