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Jeschurun · 1883-09-06 · Heft 36 (6.9.1883) · p. 619

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 36 (6.9.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-09-06
Page
619 (sequence 7)
Language
German
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Merkmale der falschen Anklage an sich tragt. Es wurde nämlich in der Synagoge von gewissen Frauen eine Grube gegraben und ein Tisch mit rothcn Maulbeeren gefärbt, um ihn 'blutig erscheinen zu lassen. Nachdem der ESzlarer Richter jede noch so bedeutungslose Kleinigkeit mit so großem Eifer zur Anzeige zu bringen pflegt, und nachdem bei Benrthcilnng dieser Augelegen!,eit eventuell von Wichtigkeit sein dürste, 1ucr an dieser Handlung theilgenommen und wer sich für diese Sache in so hohem Mage intcressirt; nachdem ferner auch schon von GcnSdarmen die Untersuchung eingelcitct, ja sogar die Frau mit den Maulbeeren in Hast genommen wurde, frage ich den Herrn Präsidenten, ob der ESzlarer Richter hierüber Bericht erstattet hat? Präsident: Ich habe keine Verständigung erhalten. — Dr. Friedmann bittet, wenn der Bericht einlangt, möge der Präsibeut denselben der Bertheidignng mittheilen. Sodann Schluß der Sitzung. 21. Juli. Die Verhandlung beginnt um l> Uhr. Ans dem GerichlStisch befinden sich die Kleider der Esther. Der Staatsanwalt theilt mit, daß er von dem Obergespan Gräsl eine amtliche Zuschrift erhalten, und ersucht, nachdem dieselbe auch für den Gerichtshof von Interesse ist, sie verlesen zu lassen. Dies geschieht. In der Zuschrift wird dem Ober-StaatSanwaltS-Snbstitnten mitgetheilt, daß anläßlich des am IN d. M. an ihm verübten Attentates der Obergespan Weisungen von der Negierung erhalten habe, im Falle* eines Angriffes ans die Personen der Staatsanwaltschaft oder der Vcrlheidigung mit der größten Strenge gegen wen immer vorzugehen und kraft der ihm übertragenen Gewalt denselben 1111־ schädlich zu machen. Vcrlhcidiger EötvöS: Ich drücke mein tiefstes Bedauern über die Thatsachc ans, daß'die Negierung eS für nolhwendig finden mußte, zur Ansrechterhaltung der Nuhe und Ordnung, und zum Schutze der in diesem Prozesse wirkenden amtlichcn Personen außerordentliche Vollmachten zu erthcilcn. Wenn nun der Obergespan dieses KomilatS anläßlich des hier Geschehenen eS für nölhig hielt, Vorsichtsmaßregeln zu treffen, dann hätten ähnliche Vorkehrungen anch in Tisza-Eözlar getroffen werden müssen, da der Reihe nach dortige Zeugen erscheinen und angeben, eS werde ihnen mit Todtschlag gedroht, daß dort zwischen Inden und Christen ein Kampf ans Leben und Tod geführt werde, daß dort der OrtSrichtcr selbst den Zeugen cinschärft, dem Ehristcnlhnm nicht untren zu werden und das Indenthnm nicht in Schutz zu nehmen. Dies hielt ich für nöthig, bezüglich dieser Zuschrift des Obergcspans seitens der Bertheidignng zu bemerken. Präsident: Die Zuschrift wird zur Kenntnis; genommen und deren Kopie den Akten beigeschlossen. __ ES wird hieraus das Zengenverhör fortgesetzt. Zeuge Stephan Sipos hat Esther zum letzten Male an -einem Sams, tag gesehen-, er brachte die Nacht darauf bei Großberg zn, bei dem er Dienste verrichtete, und hat dort absolut nichts VcrdächtigcS, auch keine Ansammlung von Juden, wahrgenommcn. Seine Frau, die sodann als Zeugin vernommen wird, hat um jene Zeit bei Großbcrg gedient. Am Samstag Abends schickte Großberg sie ans dem Zimmer, da er mit Süßmann etwas Besonderes zu besprechen hatte. Es waren damals noch einige andere Inden dort, einige gingen anch im Hofe ans und ab. Zeugin begab sich bald zur Ruhe und weiß nicht, was ferner geschehen. Fremde hat sie nicht gesehen. Ans Fragen deö Vertheidigcrö EötvöS giebt die Zeugin zn, daß sie im Hofe zwei oder drei Inden gesehen, anch im Zimmer mehrere. — Verth. Friedmann fragt, ob von den Angeklagten Einer damals bei Großberg war. — Zeugin kann sich nicht mehr erinnern. Der nächste Zeuge, Michael Eseres, war um jene Zeit .Kutscher bei Großberg und brachte die ganze Nacht im Freien zu. Nachseiner Meinung ist Esther am Palmsonntag verschwunden. Sonntag Früh fuhren er. Lüßmann, Weißstein und einige kranke Kinder nach Kallo. Er hat sonst nichts aus- Zusagen. — Vrnheidiger Eötvös: Dieser Zeuge ist über diese llmslände schon einmal ciuvernommen worden und beeidet, cs ist also unerfindlich, warum er noch einmal hier vernommen wird. — Präsident erwidert, daß der Zeuge bezüglich des UmstandcS, ob in jener Nacht Ansammlungen bei Großbcrg gewesen, vernommen wird. Angeklagter Weißstein erbietet sich, durch ein anfbewahrteS Rezept zu beweisen, daß sic am Sonntag in Kallo beim Arzte waren. — Angeklagter Scharf macht eine hieraus bezügliche Bemerknng, wird zur Nuhe gewiesen und ׳ ihm bedeutet, daß er abgeführt werden wird, woraus er erwidert: Es kann nur. wieder in den Kerker sein, den bin ich gewöhnt, ich kann nicht mehr schweigen bei solchen Dingen. Scharf wird von den Verthcidigern mit Mühe beschwichtigt. Der nächste Zeuge, Andreas LooS, hat die Leiche in Dada gesehen und dieselbe gesund gesunden. Anch deren Nägel, die er befühlte, fand er schön und gesund. Esther hat er nicht gekannt. Die Leiche hatte einen starken Geruch. Die Herren bcsichtigten sie über zwei Stunden. Er hält cS nicht für möglics, daß Jemand die Nägel der Leiche, die immer bewacht wurde, -entwendet haben könne. — Vertheidiger Eötvös: WaS fiel Euch ein, gerade die Nägel genau zu besichtigen? — Zeuge: Ich wollte sehen, ob die Nägel schön sind. — Verth. Friedmann: Haben Sie die Füße angesehen? — Zeuge: Nein. — Vertheidiger Friedmann: Also nur die Nägel, wie sahen diese aus? — Zeuge: Schöner als meine, denn ich bin ein Arbeiter. — Zeuge war anch bei der Exhnmirnng und fand Alles unverändert. Zeuge Stephan Vargal fand die Leiche ganz schön-, die Nägel, die er nicht berührte, besichtigte er nur an einer Hand. Die Leiche hatte eine blaßrothc Färbung. Die Esther hat der Zeuge nicht gekannt. Zur Besichtigung der Leiche kam er nur zufälligso ivie Andere, war er neugierig, und man ließ ihn die Leiche besichtigen. Zeuge Joseph Papp ist Kleinrichtcr in ESzlar. Er erinnert sich, im vorigen Jahre eine Exekution bei Groß vorgenommen zu haben. Aber an den Tag, an dem er dem Groß begegnete, kann er sich nicht erinnern. Der Präsident hält ihm vor, daß er in der Voruntersuchung den Tag näher bezeichnet hätte. Jetzt kann sich der Zeuge nicht erinnern. Groß hält ihm verschiedene Momente vor, um sein Gedüchtniß bezüglich d׳׳S Zeitpunktes anfznfrischen und ihn daran zn erinnern, daß er (Groß) damals krank war. Zeuge erklärt, sich nicht daran zu erinnern. Der Zeuge hat auch der Untersuchung der Dadaer Leiche beigewohnt und giebt eine Beschreibung derselben׳, sic erschien ihm ganz frisch. Ob an den Fingern Nägel waren, weiß er nicht, er hat nicht darauf geachtet; aber er weiß, daß er die Leiche nach ihrem Aussehen als die einer 25» jährigen Frau schätzte. Esther hat er nicht gekannt. — Ans eine Frage Szcyssert'S, ob die Familie Solymosi bei der Sczirnng zugegen gewesen sei, antwortete Zeuge, daß Esther'« Bruder und Schwester hingekommen seien und deren Mutter wahrscheinlich anch dort gcivesen sein mag. — Vertheidiger Eötvös: Ein Zeuge hat hier erwähnt, daß Sie den ESzlarer Zeugen ins Ohr rannten, es handle sich hier um.einen Kamps fürs Ehriftenthum. — Zeuge: Das ist erlogen, ich sage Jedem, er möge nur die Wahrheit anssagen. — Zeuge will anch nichts davon wissen, daß in ESzlar Aufregung herrscht und dort gewisse Zeugen bedroht werden; er ist schon seit drei Wochen in Ngiregyhaza und gar nicht mit anderen Zeugen zusammengekommen. Zeuge Joseph Babocsi hat der Sezirung der Dadaer

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