Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-09-06
- Page
- 618 (sequence 6)
- Language
- German
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618 klärt, welche Folgert der Meineid nach sich zieht? — Zengin: Ja, fünf Jahre Kerker. — (Jrötטö^: Erinnerst dn dich, wie dich, als dn deine erste Anssage machtest, der Herr Präsident ermahnte, die Wahrheit zu sagen? — Zeugin: Ich erinnere mich. — (iötoös: Warum hast dn seiner Ermahnung nicht gefolgt, und warum bedurftest du erst der Ermahnung des üiichters Farkas, damit dn die Wahrheit aussagst? — Zeugin schweigt. — Eotvös: ־?UiJ du von hier nach Haufe kamst, war sagten die Leute im Dorfes — Zeugin: grauen und Mädchen sagten zn mir: Dn Galgenstrick, dn hast falsch geschworen. — Eötvös: AIS dti an die Theist Gänse suchen gingst, was haben dir da die Frauen zugcruscn? — Zeugin: Das; sie mich todtschlagcn werden. — ivötiw: Wer waren die Frauen? —Zeugin: Tic Frauen Farkar, Balint, Eseres und Ada. — Eötvös: Wein hast du daweinend geklagt? — ^-jcugin: Meiner Fran und dann auch meinem Vater. Die Mutter sagte, ich müsse nach Hause kommen, damit mich die Vciite nicht erschlagen. - liötvös: War giug er die Weiber an, wadn hier ansgcsagt hast? -- Zeugin: Ich weist cs nicht, aber sie sagten, dast ich vom Ehristeuthume abgcsallcn bin und die Partei der Juden ergriffen habe. — Eötvös: Erinnerst du dich, dast der Orts- Vorstand dasselbe sagte? — Zeugin: Ja, auch der Richter Farkas hat mir das gesagt. — Eötvös: Der junge Lichtluann hat dich überredet, auszusagen, dast dn Esther um 1 Uhr gesehen? — Zeugin: Ja, er. — Eötvös: Hat dienoch Jemand gehört?— Zeugin: Sonst hat es Niemand gehört. Eötvös: Geehrter Gerichtshof! Seitdem ich Gelegenheit hatte, meinen Ansichten über den kurz vorher erörterten Fall Ausdruck zu geben, hat sich weder meine Auffassung noch meine Ueberzeuguug geändert. Vielleicht nur iusoscrnc, als ich jetzt auch bezüglich des Vaters und der iDiiittcr als mildernden Umstand erkenne, dast in Eszlar Alles von Grund aus ausgeivühlt ist, und dast dort die Sicherheit des Gebens und Vermögens der Zeugen gefährdet ist. Das unglückliche Mädchen, das meiner Ucbcrzcugnug nach damals in gutem Glauben Zeugenschaft ablcgtc, war in Folge seiner Aussagen Todesdrohungcn ausgesetzk. Es wurde ihm vorgchaltcn, dast es sich vom Ehristcuthume losgesagt, auf Schritt und Tritt drohte man ihin mit Todlschlag, ja der Orlsvorstaud selbst hat es dadtlrch herumgelriegt, dast er ihm sagte, cs handle sich um die Tcmüthignng der Christen. Unter solchen Umständen ist cs unmöglich, dast dieses gottlose und gesetzwidrige Vorgehen nicht aus die Getnürher des Mädchens und seiner Eltern clngeivlrkt hätte. Wenngleich ich das Bcädchen und seine Eltern aus tiefster Seele bedauere, must ich mir doch die Bestimmungen des Gesetzes vor Augen halten, welches die Vestrafuug der falschen Zeugen verlangt, und ich will nur den geehrten Gerichrshos auf die e:wähnten mildernden Uinstäude, dast Julie nämlich einem uirwiderstehlicheit ^iwangc gehorchte, aufmerksam machen. 'Behufs Aufklärung dieses traurigen Falles bitte ich, Salomon Lichlmaun und Max Sabolesi Weinstein), die Beide, wenn and) in wenig gravirendcm Bc'aste, verdächtigt sind, das nnglücklrche Blütchen zn einer falschen Aussage bewogen zu haben, als Zeugen zu zitiren. 'Der Vcrlheidiger Fricdmann fragt die Zeugin: Wer hat dir über deine Auslage zuerst Vorwürfe gemacht? — Zeugin: Frau Andreas Farkas, die nrich gleich einen Galgenstrick nannte. — Vcrtheidigcr Friedmann: Als du nach Hause kamst, hast dn deine Belohnung verlangt? — Zeugin: Ja, aber man hat mir nichts gegeben. — Fricdmann: Hast du gefragt, wann du die Belohnung erhalten wirst? — Zcug'.n: Ja. man sagte mir aber, ich sollte warten, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Es erscheirr: nun Fran Joseph Vamosy, Mutter der vorigen Zeugen. Sie nimmt, da sic ihre Aussage schon früher gemach! hat. ans der Zeugenbank Platz. Sodann tvird Fran Salomon Löwcmhal verhört, welche entschieden leugnet, mit ihrem Dienstboten je eingehend über die Angelenheit gesprochen zu haben. Julie Vamosy habe ihr nur erzählt, dast sie Esther am Samstag gesehen. Sic, Zengin, habe sie nicht gefragt, wann und wo, sie habe für fünf Kinder zu sorgen und deshalb viel zn thun. Last Julie Esther nin 1 Uhr gesehen, er״ fuhr Zeugin erst, nachdern dieselbe ihre Aussage gemacht hatte. Tie Zeugin erzählt sodann, wie ein junger Mann, Namens Szabolesi, kam, um Julie nach Nyircgyhaza abzuholen. Von einer Ueberrednng habe sie jedoch nichts wahrgeuommen. Sie habe dein Mädchen auch nie eine Belohnung für seine Aussage versprochen. Beweis dafür sei, dast sie, als Julie zu Gericht fuhr, ihr -10 kr. aus Spesen gab und ihr dabei sagte, sie müsse ihr dieselben nach ihrer Rückkehr ans dem erhaltenen Zeugen״ Diurnum zurückzahlen. Zeugin bittet den Präsidenten, Julie zu fragen, ob das Letztere wahr ist. — Julie: Ja, es ist wahr, ich habe das Geld gleich nach meiner Zurückkunst zurückgezahlt. Nach einer halbstündigen Panse wird Frau Weinstein vorgerufcn, welche angeblich der Mutter Julie Vamosy's Versprcchuugcn gemacht haben soll. Sie erklärte, erst vor Kurzem mit der Vau,osy gesprochen zu haben, weiche ihr erzählte, dast der Orlsrichlcr sic rufen liest, und dast sie wegen der Anssage ihrer Tochter vernommen wurde. — Präsident: Fran Vamosy behauptet, Sie hätten ihr gesagt, ,dast Julie 100 fl. bekommen werde, wenn sie bei ihren bisherigen Aussagen bleibe. — Zeugin: Wie konnte ich dies Versprechen geben, ich habe ja kein Vermögen. — Präsident: Nicht von Ihnen, von Andern sollte sie das Geld bcko,unten. — Zeugin: Das ist nicht wahr. — Präsident: Wer war noch zugegen, als Sie mit Fran Vamosy sprachen? — Zeugin: David Willmann war auch zu״ gegen. — Hierauf wird die Zeugin mit Frau Vamosy konsrontirt. Dieselbe spricht sehr leise und hält der Weinstein vor, dast die״ selbe sie auf einschmeichelnde Art bewegen wollte, ihre Tochter bei. ihren A ussagcn zu belassen. Frau Weinstein leugnet dies aufs Eutschiedcnsie und fährt heftig auf. Der Vcrlheidiger Hcumann bittet den Präsidenten, die Zeugin zur Nuhe zu mahnen, damit sic sich keine Diszivlinarsirase znziche. Ter Präsident zeigt an, dast ein gewisser Max Szabolesi eine Eingabe au den Gerichtshof richtete, in welcher er bezüglich inehrerer Urnstäude uiu eine Vernehmung bittet. Zugleich ersucht der Präsident den Staatsanwalt, betreffs der Vernehmung, sowie der Beeidigung der heute vernommenen Zeugen Anträge z,1 stellen. — Staatsanwalt Szeyssert: Hinsichtlich der Julie Vamosy tritt derselbe Fall ein wie bezüglich Hatalovsky's ׳, auch sic ist wegen Meineides anzuklagen. Ich beantrage daher, dast die hieraus bezüglichen Schriften von den Akten scparirt und gegen sic das Kriininal-Versahrcn cingeleitct werde. Die Ver״ nchmung Lichlmann's kann ich nicht beantragen. Hieraus verliest der Schriftführer die Eingabe Szabolcsi's, aus dessen Vernehmung der Staatsanwalt verzichtet. Nameits der Verlhcidigung ersucht jedoch Henmann um dessen Vernehmung in Betreff jenes Punktes der Eingabe, welcher von der Agnoszirung der Dadaer Leiche handelt. Hieraus erklärt der Staatsanwalt aus Befragen des Präsidenten, dast er gegen die Zilirnng des beim LcicheutranSporte zugegen gctveseuen Karl Kopaez, auf den sich der Ex-Sicherheits-Kom״ missär Vay berufen, nichts einzuwendcn habe. Nach drcivicrtelsründiger Bcrathnng des Gerichtshofes verkündet der Präsident folgende Beschküsie: Gegen Julie Va׳ mosy wird die Krimiual-Üntersuchuug eiugeleilet. Von der Vernehmung Lichiiuann's und Szabolcsi's wird Abstand ge״ nonunen. Hingegen wird Karl Kopac; als Zeuge vorgeladcn werden. Verthcidiger Fricdmann: Ich habe auf privatem Wege erfahren, dast nach der Aufnahme des Lokal-Augenscheines in Eszlar dort eine Handlung vorgenonunen wurde, welche die