Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-09-06 · Heft 36 (6.9.1883) · p. 616

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 36 (6.9.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-09-06
Page
616 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933032-2954039--13466-2954089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

616 auf gewisse Umstände ein Individuum genannt. Seitens des I Staatsanwalts ivurde die Zitirnng dieses Individuums in An. > trag gebracht und diesem Anträge trat die Verlhcidignng bei. , Als die Staatsanwaltschaft diesen Antrag stellte und die Bcr» j lheidignng hierauf bezüglich sich erklärte, standen Beide ans rechtlichem und gesetzlichem Boden: dennoch geschah es, das; die die osseiulichc Anklage vertretende Person in der Umgebung der Verhandlungs.Lokalitäten auf der Gasse iimiltirt wurde, das; die Beleidigung auf dem Korridor des Konlirats-Gebäudcs seitens jenes Individuums fortgesetzt wurde. Ucber dieses ltn» qualifizirbarc Borgehen drücke ich mein tiefstes Bedauern und meine Mißbilligung aus. Und damit ein solcher Skandal sich nicht tvicdcrhole, erkläre ich hiermit, das; meine Vorschriften mir das Recht cinräuinen, jeden Ruhestörer und alle Jene, die entweder Mitglieder des Richter-Kollegiums oder jene der Staatsanwaltschaft oder Bertheidigung sowohl im Saale als auch außerhalb desselben angreiscn, insnltircn, auf die Zeugen und (Svenen eine Pression ausüben und sie tcrrorisiren, sofort verhaften und gegen sic die Untersuchung einleitcn zu lassen. Dies wünschte ich bezüglich des gcstrigcit Vorfalles mitzutheilen. Staatsanwalt Szcysserl: Nach der soeben gehörten Mit-;Heilung des Herrn Präsidenten bin ich doch gczwnn'gen,;u er« klären, das; die amtliche Stellung, die ich aus Gnade Sr. Maj. unseres allcrgnäoigsten Herrn bekleide, mich dazu verpstichtck, das; ich wegen des gestern an mir verübten Attentates die Kriminal-Anzeige erstatte. Ich habe die ^hrc, diese Anzeige zu überreichen, indem ich den Herrn Präsidenten bitte, im Sinne des Gesetzes weiter zu verfügen. Präs.: Die Anzeige wird angenommen und der weiteren Amtshandlung überantwortet. Berthcidigcr Hötvös: Vor Beginn der Verhandlung habe ich eine Bitte an den Herrn Präsidenten. Vorgestern ist im Vaufc der Verhandlung seitens des Hr-Sicherheits-Kommissärs Var; Berufung aus die össentliche Meinung geschehen, wonach Dr. Heumann verdächtigt ist, mit den s'cichenschmugglcrn und Angeklagten in Gemeinschaft gewesen zu fein. Ter Präsident wies deshalb den Zeugen Bay zur Ordnung, jedoch enthält die Nummer vom l'.b Juli eines gewissen, ״Függerlenseg״ betitelten Blattes mit Berufung aus Van einen Artikel, worin es heißt, das; gegen Hcnmann bezüglich des i'cichcnschinuggels eine Untersnchnng eingclcitel, daß eine Hansdnrch;nchnng bei ihm vorgenommen und mit ihm darüber ein Protokoll ausgenominen wurde. Ich erkläre, das; ich mit eine in Venhcidigcr, gegen den eine ähnliche Anklage erhoben würde, nicht an demselben Tische sitzen könnte. 'Nachdem ich nun unter den Prozeßakten keine Spur gesunden habe, die dieser Verdächtigung als Grundlage dienen könnte, ersuche ich den Präsidenten, amtlich zu konstaliren, ob unter den Akten ein ans diese Anklage bezügliches Schriftstück vorhanden ist. Präsident: Ich erkläre hiermit, daß gegen Dr. Heumann in dieser Angelegenheit keinerlei Untersuchung eingeleitel war, daß bei ihm keine HanSdnrchsnchnng vorgeuomnicn wurde und das; demnach diese Zeitungsnachricht völlig unwahr ist. Dr. Henmann: Was meine Person betrifft, sowie den Uinstand, aus den vorgestern Berufung geschah, so ignorire ich diese Ausfälle und werde sic auch ferner ignorircn. Ans die Angriffe dieses THeils der öffentlichen Meinung resieklire ich nicht, und sie werden mich niemals in der Erfüllung meiner Pstichten als Vcnheidiger behindern können. Präsident: Das Bcwcisverfahren wird fortgesetzt. — Borgern;'cn wird Zeuge Stephan Szenlesi. t7r erzähl! mit Bezug auf die Aussagen Roka's und Kasimirs, das; diese bei den Verhören der Flößer nie zugegen waren, er hingegen von jedein Verhöre wußte und bestimmt versichern kann, daß die Verhöre in Ordnung verlaufen und die Gefangenen nie ge. schlagen wurden. Auf Fragen Dr. Friedmann's, bei welchen Verhören Zeuge zugegen war, antwortet dieser, bei allen in Tisza.Loek. An;gefordert, zu sagen, mit wem diese Verhöre angestellt wurden, kann er keinen einzigen Namen nennen. Wasser hat er nie einem Gefangenen bei dem Verhöre reichen sehen. — Dr. Friedmann: Nttn, dann waren 3it auch nicht bei jedem zugegen. ' Aus fernere Fragen der Vertheidiger ist Szemcsi, der durchaus nicht verstehen will, was man ihn fragt, bcmnssigt, endlich einzngcstehcn, daß er nicht immer bei den Verhören war, da er versönlichc Dienste beim Stnhlrichter zu verrichten halte. Ter sodann vorgerufenc Noka erklärt entschieden, daß Szenlesi am seltensten beim Amte war, da er allein zu Post, gängcn :c. und überhaupt als Bore benutzt wurde. — Szcntesi erklärt diese Behauptung für eine nnverschämle ^'üge. Dem nächsten Zeugen, Kasimir, der ebenso wie Roka de. ponirt, rnst Szcntesi zn, er sei bestochen, und will dies mit der Behanpluug beweisen, daß ihm Szücs gesagt: ״^te erhalten täglich fünf Gulden von den Inden." Tr. Fricdmann fordert Szenlesi auf, da er sich an die Namen nicht erinnere, unter den Angeklagten diejenigen zu zeigen, bei deren Verhör er zugegen gewesen. Szcntesi erklärt sich unfähig, auch nur Hinen wieder zu erkennen. Der Präsident fordert den Staatsanwalt ans, sich bezüglich der Entlassung Matcj's und der Beeidigung der drei anwesenden Zeugen zu äußern. Staatsanwalt: Bezüglich Matcj's habe ich mich schon gestern geäußert. Gegen die Beeidigung der heute nochmals vernommenen Zeugen, mit Ausnahme Kassmir's, der sich selbst anklagt, habe ich nichts einzuwenden. — Die Bertheidigung tritt diesem Anträge bei. Verlheidiger Hörvös: Bezüglich meines seinerzeit gestellten Antrages ans Versetzung Matcj's in den Anklageznsland wegen Meineids hat der Gerichtshof bisher nicht Beschluß gefaßt. Ich will jetzt vorläufig keine neueren Gründe für diesen Antrag anführen, bitte aber, hierüber zu beschließen. Der Gerichtshof zieht sich sodann zur Bcralhnng zurück. 'Nach kurzer Panse verkündet der Präsident, daß Roka und Szcntesi beeidigt, Kasimir aber als Selbstankläger van der Becidignng ausgeschlossen wird. ׳Nach abgcnommenem Hidc werden die Zeugen entlassen und Frau Michael Tebeczcni vernommen, welche ftch bestimmt erinnert, daß am!. April v. I. ihr Mann mit fernem Knechte Haralovski) erst ain Abend nach Hause gekommen sei. Hatalovsky wird vorgernscn und sagt ans, er bereue, daß er früher falsch ausgesagt, wozu ihn die Juden Süs;1na1?n und Braun vermocht hätten, jetzt könne er nur sagen, das; ״er sich nicht bestimmt erinnere, die Huri mit der Esther am Nach, mittag jenes Samstags sprechen gehört zn haben; er habe dies nur Andern nachgesprochen. Bewegung.) Ans Vorhalt des Präsidenten, das; er schon zweimal vor Gericht anders ansgesagt und auch beeidet wurde, erklärt Hatalovsku, daß er dies bereue, daß er aber nur wisse, das; er früher die Unwahrheit gesagt. — Staatsanwalt Szeiisserl: Warum hast du. dich nicht besonnen, als dn den Hid ablcglcst? -- Zeuge: Man hat mich zu rasch beeidet. Auf Fragen des Berthc'idigcrs Götvös antwortet der Zeuge, das ganze.Dorf habe ihn als falschen Zeugen vcrurthcilt und ans der Zeitung habe man ihm dasselbe vorgclesen. Man har ihm im Torfe gedroht, er werde von Allen' verachtet und gemieden werden, wenn er nicht die Wahrheit sage, und da habe er sich denn hier;!! entschlossen. Verlheidiger Göivös weist darauf hin, das; dieser Zeuge schon das dritte Mal vor Gericht gestellt wurde, das; er seitens der ganzen Umgebung gequält und gedrängt wurde, und er findet es pshchologisch begreiflich, wenn dieser Zeuge dem un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.