Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-09-06
- Page
- 614 (sequence 2)
- Language
- German
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614 Zeugin, immer tu dieser Weise gesprochen? — Zeugin׳. Bisher fragte man mich nicht so ans, übrigens fjaite ich immer mir so gesprochen. Bertheidiger Heumann macht die Zeugin ansmerksam, dag sie im vorigen Jahre, als sie von Nccsky fortgejagt und ge׳ vmgelt wurde, ganz anders gesprochen habe, worauf die Zeugin ausweichend antwortet und erzählt, sic sei damals von den Nagpfalner Juden unter dein Borwande, dag ein Landsmann sic sprechen wolle, in das Winhshaus gelockt worden, wo sie ein Israelit erwartete, der mit dem Gelbe in der Tasche klimperle und sie aussordcrte, ihm zu erzählen, in welcher Weise Mori; zum Geständnisse gezwungen wurde. Dieser!!.'kann habe gesagt, er sei ein Npiregyhazaer Advo'at, doch habe sie später erfahren, er sei ein Schneider. Tic Zeugin nennt ihn mit seinem Spitznamen. — Bertheidiger Heumaun theilt nun mit, dag mit diesem Namen der hiesige Schneider Goldsiein bezeichnet werde. Die Zeugin erzählt weiter, jener Mann habe sic über׳ reden wollen, so auszusagen, wie er wollte. — Auf Befragen des Benheidigers Szckcly gicbt die Zeugin an, daß Pcezely dem Mori; seine Aussage mehrere Male vorlas und ihm sagte, er solle auch nach zehn Jahren so aus׳'agcn. — Szclelq: Was sagte Moriz, als man ihm das Protokoll vorlas? — Zeugin: (ir sagte, er werde auch nach 10 Jahren ebenso anssagen. — Präsident: Hat Pcezely nicht von seinem Pater gesprochen? — Zeugin: Nein. — Präsident: Hat er nicht gedroht, wenn Äon; nicht gestehe, iverdc er in ewige Gefangenschaft gerathen? — Zeugin: .Nein Wort. Der Angeklagte Groß tritt vor und erinnert die Zeugin, daß sie Goldsiein gegenüber ganz anders aussagle und ihm er׳ zählte, Moriz sei gcohrfeigt und ׳geschlagen worden. — Zeugin lächelnd : Lüge. — Präsident: Waren Die denn im Zimmer mit Goldsiein? — G eoß: Nein, an der Thür draußen. — Präsident: Sie haben also gehorcht? — Groß: Iü, horte laut sprechen. — Götvös beantragt, Gold st ein als Zeugen zu zitireu. Ter nächste. Zeuge ist der gewesene Pandur Stephan Szcnlesi. der jetzt beim Sluhlrichter bedicusiet ist. Lzeuiesi, bei dem Iran Solymosi nach Besichtigung der Leiche in Dada übernachtete, wurde auf ^.׳erlangen der Benheidigung vorgeladeu. Dieses Begehren war damit mouvirl, worden, Szemesi habe sich zum Panduren Noka geäußert, er habe gehört, wie Iran Solymosi ihre Schwester wiederholt fragte, warum sic denn in der Leiche nicht die G scher erkennen wolle. Heute deponin aber der Zeuge, daß er nur gehört, wie Iran Solymosi von ihrer Schwester gefragt wurde, ob sie d!c Leiche als die ihrer Tochter erkenne, diese habe aber daraus geantwortet, das könne. ihre Tochter nicht sein, da die Leiche größer, stärker und blond fei, während Gslhcr braun war. — Bcrrhcidiger Henmann: -Haben Sie immer so gesprochen, wie jep:? — Zeuge: Ich habe über- Haupt nie über die Sache gesprochen. — Heu mann: Auch mit Noka nicht? — Zeuge: Mil einem solchen Menschen spreche ich gar nicht. Noka sagt darauf, Szentefi habe ihm wirklich erzählt, Frau Solymosi sei von ihrer Schwester gefragt worden, worum sic den:: eigentlich in der Leiche nicht die Gscher erkenne. ׳,Znin Zeugen:) Ist das vielleicht nicht wahr? — Präsident: Gr sagt eben, daß das nicht >vahr ist. — Lzentcsi: Nein, cs ist auch nicht wahr. — Sodann wird Iran Szencesi vernommen, welche völlig konform den Anssagen ihres!Mannes dcponirt. Der Präsident läßt nun einen an ihn gelangten rekvm׳ mandirlen Brief verlesen. In demselben!heilt ein gennsjcr Ignaz Llssaner mit, daß er mir Bezug aus eine vom Ber׳ theidigcr Szckcly in der Berhandlnng gemachte Aenßerung bereit sei, als Zeuge vor Gericht zu beschwören, der Ghirurg Horvath habe vor ihm die Aenßerung geehan, daß die anderen Aerzte ihm vergebens einreden wollen, die Leicht sei die einer älteren Person. Ferner wolle er bestätigen, -aß Traitler da Zahnfleisch znrückschob, um die Zähne größer erscheinen;u lassen. Der Präsident sagt hieraus znm Staatsanwalt: Ich bitte, bezüglich der Zitirnng Onody's, Bralln's und Gold׳ stein's als Zeugen, sotvie der weiteren amtlichen Behandlung des Lissaner'schen Briefes Ihre Anträge zu stellen. — Staats׳ anwall: Die Zitirnng der drei erwähnten Personen als Zeugen überlasse ich der weisen Ginsicht des Gerichtshoses. Den einge׳ lansenen Brief bitte ich den Akten beiznlegen׳, eine darauf bezüglichc weitere Anttshandlnng halte ich für unnölhig. — Vertheidigcr Götvos ersucht, den ohnedies in der Nähe wohnenden Lisfaucr zu vernehmen. Weiteres erinnert der Siaatsanwalt, daß er bezüglich der Zeugen Malej, Bay und Karanesay bereits gestern Anträge stellte, wonach diese nicht zu beeidigen seien, und dieselben auch heute aufrecht erhalte. Peter Mozga, der selbst einbekannte, daß chm für seine Zengcnschaft Besprechungen gemacht wurden, der also in dieser Angelegenheit nicht uninteressirt erscheint, sowie Joseph Kasimir, der nach eigenem Bekenntnisse die in der Untersiichnngshast Befindlichen mißhandelte, seien zum Gide nicht zuznlassen. Der Beeidigung der übrigen Zeugen stehe nichts im Wege. Bertheidiger Götvös ist gegen die Beeidigung Vay's, weil derselbe eigentlich nicht als Zeuge hier stehe und iveil er wegen ähnlichen Mißbrauchs der Amtsgewalt bereits in Anklagestand versetzt ivar. Auch die Beeidigung des Ignaz Matcj hält er nicht für zulässig, weil' drei von seinen sechs Angaben den andern drei im Meritum widersprechen, und sonach außer dem׳ jenigcn, ״der Her; und Nieren prüft", Niemand wissen könne, welche seiner Anssagen falsch und welche wahr seien. GS könne nicht Ausgabe des Gerichrshofcs sein, einen Zeugen, der, sei es ans böser Absicht, sei es aus Umvissenheit: oder in Folge Uebcrreduttg, falsche Aussagen macht, entgegen den hundertjährigen vaierlänsischen Gevflogenhcitcn dem Berbrechen des Meineides zuznsnhren. In Bezug auf Io׳eph Kasimir i'.ud Peter Nkozga trete er dem Anträge des Staaisaiiwalts mit dem Bemerken bei, daß Letzierer nicht nur Bersvrechluigen erhielt, sondem thalsächllch eine Belohnuiig aiiuahm. Jedoch sei die Beeidigung Nkozga's so lauge in m.-gmu.-o zu behalten, bis Braun vernoininen sein wird, ans den er sich beruft. Ans dernselben Grunde sei auch die Beeidigung der Anna Slojan so lange zu verschieben, bis ein Beschluß bezüglich der Vernehmung Goldstein's erfolgt ist. Benheidiger Friedmann theilt die Ansicht Götvös' und hält es bezüglich Bay's schon vom psychologischen Standpunkte für zweifelhaft, daß Jemand genug Lcelenstärke besitze, unter Gid solche Dinge zu bekräftigen, deren Spitze gegen ihn selbst gerichtet ist! ja, es sei selbst gesetzlich 'Niemand hierzu verpflichtet. Ucbrigens stehe die Sache nicht in enger Verbindung mit dein Prozesse, und es sei eine separate Untersuchung dieser Angelegenheit erforderlich, da die gegen Bap erhobene Anklage nicht so grundlos ist, um dieselbe einfach fallen lassen zu können. Bezüglich Malej's stehe die Sache so, daß, wenn der Herr Staatsanwalt gegen Jemand eine Anklage erhebe, er dieselbe in erster Linie gegen Malej erheben müsse, der gegen sich selbst belastend aussagle. Bertheidiger Henmann: Ich ivar nicht darauf vorbereitet, daß über die Beeidigung Malej's schon heute entschieden werden solle, da ich glaubte, daß dieselbe so lange in Schwebe belassen werde, bis die ganze Leichenschmnggcl.Äsfaire verhandelt sein wird. Nun aber bitte ich den löblichen Gerichtshof, Matej anszufordern, an den von mir augeferligten Floßmodellen zu zG.gen, >vie die Leiche an das Floß befestigt werden konnte, wenn zwei derselben quer über einander geschoben wurden, denn ich bin noch immer nicht im Klaren, wie er die Möglichkeit dieser Operation beweisen will. Zugleich legt Heumann zwei