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Jeschurun · 1883-09-06 · Heft 36 (6.9.1883) · p. 613

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 36 (6.9.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-09-06
Page
613 (sequence 1)
Language
German
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M S6 Al°sch»rutt< 613 Die Verhandlung des Tisza-Cszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyircgyhaza. (Fortsetzung der Verhandlung vom 19. Juli.) Zeuge Kasimir wird vorgerusen. — Präs.: Waren Sie! schon bestraft? — Zeuge: Ja, mit einem Monat Haft wegen j Hehlerei. Als Pandur war er im vorigen Jahre bei den Vcr- > hören der Flößer zugegen, Gr erzählt, daß ein Flößer, er! glaubt CsepkanicS, entkleidet auf die Grdc gelegt und so von! Vay verhört wurde. — So lauge er leugnete, erhielt er von j ihm (dem Zeugen) aus Befehl des Kommissärs mir der Ruthe - Streiche, später wurde die Daumschraube angcwcudct. Zeuge > wiederholt seine gestrige Aussage und ergänzt dieselbe bezüglich des Verhörs von Groß, Klein und Vogel konform mit den Deposilionen deö Zeugen Noka. — Präsident hält dem Zeugen vor, daß Matej die erlittenen Mißhandlungen leugnet, woraus Zeuge die Konsrontirnng mit diesem verlangt. Zeuge .Kasimir wird mit Matej konfrontirt, Matej leugnet, auch nur das Geriugste erlitten zu haben, und beruft sich auf alle Heiligen. Dann lvird Vay gefragt, was von den Aussagen Kasimir'ö wahr sei? — Bah: Kein einziges Wort. Kasimir habe ich ans dem Dienste gejagt, darum will er an mir Rache nehmen. - Kasimir: Ich will mich nicht rächen, aber ich fürchte auch den Herrn-Kommissär nicht. — Dieselbe Szene wiederholt sich bei der Konsrontirnng mit Karanesay. Sodann richten die Verthcidiger an .Kasimir Fragen. Aus dem Wege von Gszlar nach Nyiregyhaza, sagt Zeuge, war noch ein Herr aus dem Wagen neben Vary, ich glaube, er hieß Peezely. In Gszlar wurden nur zwei Flößer verhört, CsepkanicS und Matej, im Gartcuhause der Frau Kallay. Zeuge beschreibt sodann in derselben Weise wie Nota die Daumschraube, welche Vay in der Kommode aufbewahrte. Nachdem der Lertheidiger Friedmauu bemerkt hat, er bchalte sich vor, bezüglich einiger Umstände, die sich heute ergeben, später einen Antrag zu stellen, wird Pandur Balo als Zeuge vorgerusen. — Präsident: Sie haben sich nochmals als Zeuge bezüglich einer Aeußerung Noka'S gemeldetwas können Sic angcben? — Bako: Nichts weiter, als daß Nota einmal im Winter zu mir kam und mir sagte: ״Wenn du aussageu wirst, daß Mori; von Necsky geschlagen und mißhandelt wurde, wirst du viel Geld bekommen.״ Ich antwortete: ״Ich sage für Alles in der Welt nicht falsch aus." — Noka, vom Präsidenten ausgesordert, sich hierüber zu äußern, weist diese ^Anschuldigung entrüstet zurück. Gr habe einmal Bako zufällig getroffen und von diesem gehört, NccSky habe Mori; an dcu Öhren in die Höhe gezogen. Mehr sei damals nicht vorgegaugeu. — Beide Zeugen beharren bei ihren Aussagen. Hierauf depouirt der Zeuge Peter Mozga, der im vorigen Jahre als Gärtner bei NccSky diente, daß ihm sein Hauptmann, Namens Desewfsy, der seinen 'Namen im ״Függctleuseg" las, sagte, er sei bei dem Prozesse noihweudig. in־ erhielt Urlaub, kam nach Tokai, von wo ihn ein Jude, Namens Braun, per Eisenbahn hierher brachte und ihn bei einem hiesigen Juden ciiignarturt habe. Dieser habe ihm gesagt, er werde gute Kost und gute Pflege haben, er möge nur nicht ausgeheu und vor Gericht sagen, wie Necsky den Mori; schlug, Gr, Zeuge, habe geantwortet, er werde nur die Wahrheit sagen, Gr habe sein zu essen und zu trinken erhalten und täglich Taschengeld und Zigarren bekommen. Der Zeuge depouirt daun, daß er von Necsky ins Zimmer gerufen wurde und dem mit Moriz äuge« stellten Verhöre beiwohnte. Dem Knaben sei nicht das Geringste zu?eide geschehen. — GötvöS richtet Fragen an dcu Zeugen, wie lange er hier bei Juden gut lebte, was sie von ihm verlangten, und fragt dann: Und du hast versprochen, so anSzusagen, wie Braun wollte? — Zeuge: Nein, ich sagte ihnen gleich, daß dem Mori; nichts geschehen sei. — GötvöS: Und doch haben die Juden dich gut gepflegt: das soll doch nicht ihre Gewohnheit sein, wenn sie keinen Nutzen erwarten. — Der Zeuge bekennt schließlich, daß er Braun versprochen, so ans-;»sagen, wie die Juden wollten. Jetzt aber sage er die Wahrheit. — Der Verthcidiger Fricdmann ersucht, den erwähnten Braun, der jetzt in Nyiregyhaza sei, als Zeugen zu zitireu. Nach halbstündiger Panse wird Zeuge Georg Bako, Bruder des Ignaz Bako, vernommen. Derselbe hatte sich bei der Marinaros-Szigcthcr Behörde gemeldet, und daselbst wurde mit ihm ein Prolokoll ausgenommen, wonach er über verschiedenc Umstände in dieser Assairc Aufklärungen geben konnte. Ans Befragen deö Präsidenten gicbt er heute an, daß das Verhör des Mori; durch Necsky in Nagysaln in ganz regelmäßiger Weise verlies und daß der Knabe keinerlei Mißhandlungen erlitt. Gr beantwortet sodann die Fragen der Verthcidiger nach den näheren Umständen deö Verhörs in gleicher Weise wie sein Bruder. Die Zeugin Anna Stojan war im vorigen Jahre als Amme im Hanse Neesly's bedienstet, wo sic mit Bako in wilder Ghe lebte. Sic giebt an, zugegen gewesen zu sein, als Mori; durch Necsky und Peezely verhört wurde. — Präsident: Gs wird behauptet, der Herr SichrrhritS - Kommissär habe den Knaben cingeschüchtert. — Zeugin: Gr hat ihu nicht eingeschüchtert. — Präsident: Weiters wird behauptet, er hätte ihn geohrfcigl. — Zeugin: Gs ist nicht wahr, er hat ihn nicht ge« ohrfeigt. — Präsident: Hat er ihn bei den Ohre» gezogen? — Zeugin: Nein, er hat ihm gar nichts gethan. Ferner erzählt sie, zugegen gewesen zu sein, als Peezely das Protokoll mit Mori; aufnahm: er habe dem Knaben nur gesagt, er solle die Wahrheit aussageu. Gs sei nicht wahr, daß ihm mit ewigem Gcsäuguiß gedroht wurde: auch von seinem Vater habe mau dem Knaben nichts Besonderes gesagt. Als dann der Untersuchuugsrichter aukam, sei das Verhör mit Mori; im Speise-;immer fortgesetzt worden, wobei auch Peezely zugegen war. — Verthcidiger Friedmauu: Als Necsky mit dein Knaben in Nagysalu aukam, wohin brachte man dcu Knaben? —,Zeugin: Gr ging geradeaus ins Speisezimmer und blieb auch immer dort. — Friedmauu: Wie. lauge dauerte das Verhör? — Zeugin: Ungefähr eine Stunde oder vielleicht länger, - denn es. verging viel Zeit damit, daß Peezely dem Knaben seine Aussagen drei- oder viermal vorlas, indem er ihu fragte: ״War cS so?" Der Knabe antwortete immer bejahend. Verthcidiger Friedmauu: Waren Sic im Schreibzimmer? — Zeugin: Ja, ich war immer drin, Herr Necsky sagte zu mir: ״Komme herein, Anna, damit du Ohrenzeuge des Geständnisses seiest." — Verlheidigcr Friedmauu: Haben Sie vor dcu Fenstern nicht irgend ein Geräusch gehört und ist NccSky nicht mit der Peitsche hiuausgcgaugeu, um die vor den Fenstern stehenden und lachenden Dicnstleute fortzujagcu? — Zengiu: Nein, er ist gar nicht hiuausgcgaugeu. — Verlheidigcr Friedmauu: Nun, das widerspricht den Aussagen anderer Zeugen. — Präsident: Ihre Aussage entspricht nicht den Angaben anderer Zeugen, welche behaupten, der Knabe sei zuerst in die Küche gebracht worden. - Zeugin: Gr war immer im Speiiesaal, erst später, nach dem Verhör, hat er vielleicht hinaus verlangt. — Präs.: Haben Sic denn dcu Knaben fortwährend beobachtet? — Zeugin: Das nicht, ich erinnere mich aber an das Alles. — Vcrkheidiger Heumauu: Sagen Sie mir, wer den Untersuchuugsrichter in jener Nacht noch wachend erwartete. — Zeugin: Ter Herr Sicherheits-Kommissär, Peezely und Moriz. — Heumauu: Die beiden letzteren haben sich nicht vorher niedcrgelegt? — Zeugin: Nein, sic errvartctcu den Untersuchuugsrichter im Speisesaale. — Hcnmann:׳Haben Sie, Frau

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