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Jeschurun · 1883-08-30 · Heft 35 (30.8.1883) · p. 597

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 35 (30.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-30
Page
597 (sequence 9)
Language
German
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M 35. Jeschurun. 597 Ich weiß cS nicht. — Heitmann: Wie kam es. daß Sie die Gefangenen vertheilten, den Einen ins Gefangenhaus. den An» dern in den Stall des Stnhlrichters n. s. w.? — Karancsay: Ich erinnere mich jetzt nicht. - EötvöS: Wer transporlirtc im vorigen Jahre mit Ihnen die Gefangenen von Eszlar hierher? — Karancsay: Die Panduren Roka, Jnhasz und Kasimir. — Auf fernere Fragen Eötvös' sagt der Zeuge: Böget und Klein wurden im Gartcnhanse verhört: dasselbe ist vielleicht neun Klafter von den anderen Gebäuden entfernt. Bary wohnte dort im Kastell. — Bertheidiger Heumann: Als Matej verhört wurde, fungirtcn Sie als Dolmetsch: was fragte ihn der Untersuchungsrichter? — Zeuge: Als Hersko leugnete, wurde Matej mit ihm tonfrontirt. — Heumann: Ich will nicht über die Konfrontation, sondern über Matcj's Verhör Auskunft. — Zenge: Welches Verhör? — Hcumann: Nkatcj's Verhör vor der Konfrontation mit Hersko. — Zeuge: Er wurde gar nicht verhört. — Heuinanu: Äh, das ist doch geiviß nicht wahr! Es ist ja unter den Akren das Verhörsprototoll. Also was fragte Vary in Loek den Matej?—Zeuge: Zuerst wurde Hcrsko vcrhört und gefragt, was er von der Leiche wisse. Als er mit dem Gcständniß zögerte, wurde Matej hercingebracht. Der sagte dem Hersko einige Worte ins Gesicht, dann ging er hinaus, worauf Hersko Alles gestand: daun erst wurde Matej verhört. — Heu man n: Es steht aber ganz anders in den Protokollen, nämlich, daß zuerst Matej verhört wurde. — Zeuge: Ich kann mich nicht mehr gan; genau erinnern. --Hcumann: Also sagen Sie mir wenigstens, auf welche Weise Matej verhört wurde. Der Untersuchungsrichter hat gefragt, Sie haben die Frage übersetzt, und Matej antwortete, ist es so? — Zeuge: Ja. — Heumann: Also was fragte Vary den Matej? — Zeuge: Er wurde nicht mißhandelt. — Heu mann: Davon rede ich 1a nicht,, ich frage nur, wie er verhört wurde. — Zeuge: Vary hat gefragt, wo er die Leiche übernommen habe. — Heumann: Damats konnte der Untersuchungsrichter ja noch nicht wissen, daß die Flößer die Leiche brachten: also was - sagte Matej? — Zeuge: Er hat nur auf die Fragen geanNvoriet.-׳— Heumann: Diese Fragen möchte ich eben wissen. — Zeuge: Ich weiß cs nicht mehr. — Bertheidiger Szckely: Erinnern Sie sich, daß Sie an der Thür des Verhandlungssaales horchten, als Vogel verhört wurde?.— Zenge: Ich weiß nichts davon (Lärm). Sodann wird der Zeuge mit Klein koufrontirt. — Klein erzählt, wie grausam Karancsay ihn und die anderen Gefangenen auf dem Transporte von Eszlar nach Nyircgyhaza behandelte, daß er sie vor den Pferden hcrtrieb, sie beschimpfte und trotz flehentlicher Bitten׳ nicht ausruheu ließ, sondern immer vorwärts trieb mit den Worten: ״Die Juden müssen geschlagen und auogetricbcn werden." — Präsident: Karancsay, sagen Sie, was ist von all dem wahr? — Zeuge bernst sich ans den Pandurcn Jnhasz, der bezeugen werde, daß Alles, was Klein sage, falsch und erlogen sei. — Sodann erzählt Groß ähnlich wie Klein den Verlauf des Gcfaugcncn-Transportes. — Präsident stellt fest, daß noch ein anderer Zeuge, der Gerichtokauzlist Berzeviczy, aüssagte, Alles, was Groß und Klein vorbrachtcn, sei nicht rvahr. — Eötvös: Ich danke für die Aufklärung, aber ich kann ans einem Bescheide des Untersuchungsrichters Vary beweisen, daß Berzeviczy bei diesem Transport gar nicht zugegen war. — Staatsanwalt: Wie viel Wagen wurden bei dieser Eskorte benutzt? — Zenge: Ein Wagen und eine Ta» liga Zweirädriges Fuhrwerk). — EötvöS: Wer saß auf dem Wagen? — Zeuge: Zwei kranke Gefangene: Groß, Klein und Hersko gingen zu Fuß. — Staatsanwalt: Es war ja auch für diese Drei noch auf dem Wagen Platz. — Aus dem Wagen waren noch zwei Herren, ein Richter und ein Gerichtsschreiber. Als nächster Zeuge erscheint Gendarm Joseph Jnhasz. Derselbe wurde schon bei einer früheren Gelegenheit beeidet. Er ist einer von den Panduren, die damals die Gefangenen nach Nyircgyhaza eSkortirten. Nach seiner Mittheilung haben die Gefangenen auf dem Wege genug geruht, sie wurden auch nicht sehr angelriebeu, obzwar sic sehr keck waren. Groß habe unter Auderm auf dem Wege zu Karancsay gesagt: Ich bin auch ein solcher Herr wie du, ich werde dir schon zeigen und auch dem Untersuchungsrichter, daß ihr nicht lange hier bleiben werdet. — Angeklagter Groß!dazwischenrufend): Das ist nicht wahr/ wie hätte ich das sagen können! — Der Zeuge sagt ferner, daß die Gefangenen zweimal aus dem Wege ruhten: er habe ihnen nur nicht erlaubt, in der Esarda Branntwein zu trinken. — Klein: Der gehört auch zu Jenen, welche hier gewiß nicht die Wahrheit anssagen werden. — Präsident weist Klein zurecht. -- EötvöS: Warum habt ihr den Leuten nicht erlaubt, auf ihren eigenen Wagen zu fahren? — Zeuge: Ich bin nur ein Diener und ich hatte meine Aufträge. —EötvöS: Sie wußten ja doch, daß die Untersnchungshäftlinge alle Rechte eines freien Bürgers haben: sie dürfen nur nicht mit Andern sprechen, aber, wenn sie wollen, können sie auch in einer gläsernen Kutsche fahren. Von wem erhielten Sie den Auftrag, die Leute nicht fahren zu lassen? — Zenge: Vom Untersuchungsrichter und vom Staatsanwalt. - Klein Zum Zeugen): Erinnern Sie sich, daß Onody Ihnen zuries, Sie sollten uns durch sein Gehöft führen, damit auch seine Dicnstleute die Hundcjuden sehen sollen. — Präs.: Schweigen Sie! Uebcr Personen, die mit dem Prozesse nichts zu thnn haben, dürfen Sie hier nicht reden. Der Präsident fordert den Staatsanwalt ans, Anträge in Bezug der Beeidigung der heute vernommenen Zeugen zu stellen. — Staatsanwalt: Matej hat bei seinen verschiedenen Verhören ganz verschiedene, einander widersprechende Deposilionen gemacht und, wie aus den Zeugenaussagen hervorgeht, ist seine Behauptung bezüglich der Vernehmung in Marmaros-Szigeth unwahr: ich bin deshalb nicht in der Lage, die Beeidigung dieses Zeugen;u beantragen. WaS die zwei anderen Zeugen, Vay und Karancsay, betrisst, sind diese bezüglich solcher Umstände vernommen worden, welche, wenn sie bewiesen würden, seitens derselben einen Mißbrauch der Amtsgeivalt involvirten, und sind dieselben deshalb noch nicht zum Eide zuznlasfen. — Präsident: Da übrigens die letzten Zeugen noch zu verhören sind, so wird der Gerichtshof hierüber später noch entscheiden können. — Bertheidiger Hcumann ersucht, die Beeidigung Matej's in Schwebe zu lassen, weil derselbe noch mit anderen Zeugen zu konfrontircn sein wird. — Hierauf Schluß der Sitzung. 19.' Juli. Der Präsident eröffnet um halb st Uhr die Verhandlung. Die Zeugen Vay, Karancsay und Matrj nehmen Platz ans der Zeugenbank. Zeuge Alexander Noka war im vorigen Jahre Paudur. Er erzählt Unwesentliches über seine Beobachtungen beim Aguoszireu der Dadaer Leiche, wobei er Wache stand. Er war auch dabei, als mau die gcfaugeueu Flößer nach Lock traus» portirte. Dem Verhöre wohnte er nicht, bei. Er weiß auch davon, daß einmal um Mitternacht der SicherheitS-Kommissär Vay die Gefangenen Groß und Klein verhörte. Der Untersnchungsrichter war nicht dabei. Der Zeuge und noch ein anderer Paudur standen draußen vor der Thür und hörten, daß drinnen gcohiseigt und Schläge gegeben tvurden. Er Hörle auch, daß dem Einen das Kinn in die Höhe geschlagen wurde. Später war er bei dem Transporte der Gefangenen nach Nyircgyhaza. In Eszlar sah er, daß in das Zimmer, wo die Gefangenen verhört wurden, große Eimer Wasser getragen wurden. — Präsident Zn Vay-: Roka behauptet, daß Sic dem Klein das Kinn in die Höhe schlugen. — Vay: Das ist nicht wahr. — Roka: Ich habe durchs Fenster gesehen, daß Sie zornig den Väbel zogen und dem Klein drohten, ihn zu durch» bohren, und daß der Säbel zur Erde siel. - Vay: Herr Prä»

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