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Jeschurun · 1883-08-30 · Heft 35 (30.8.1883) · p. 596

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 35 (30.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-30
Page
596 (sequence 8)
Language
German
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596 Zeuge, daß dem Matej gedroht wurde? — Vay: Er wurde! nur eingeschüchlert. — Vertheidiger Heumann: Also nur eine : Finte? — Bay: Ja, eine solche, wie sie die Advokaten anznwenden psiegen. (Höhnisches Gelächter im Publikum ) Uebrigens könnte man gerade in Angelegenheit des Leichenschmuggels; Vieles über den Herrn Vertheidiger erzählen. — Vertheidiger Henmann!heftig): Herr Präsident, dies kann ich nicht dulden. Eine solche Verdächtigung meiner Person kann ich tlicht ruhig hinnehmen. Ich bitte, den Zeugen zu vernehmen, was er über mein Vorgehen in dieser Angelegenheit wisse. — Präsident ertheill dem Zeugen einen Verweis und fragt ihn, waS er wisse. -- Vay: Ich gebe nur der öffentlichen Meinung Ausdruck. — Präsident: Sie ruacheu nicht die össcutliche Meinung aus und sind auch nicht berufen, dieselbe zu vertreten. Bor dein Gerichts- Hose giebt es keine öffentliche Meinung, sondern nur das, was aus den Fakten hervorgeht. — Auf die Frage Fuutak's, ob er den Esepkanics verhört habe, antwortet Vag, daß er überhaupt Niemanden zu verhören hatte. Der Angeklagte Klein tritt vor nnd sagt, daß er und Groß über Necsky gar keine .Klage vorbrachten, während sie doch auch unter seiner Hand waren. -- Der Präsident weist ihn zur Ruhe. Hierauf folgt di? Vernehmung des aus dein Dienste entlassenen gewesenen Gesüngnißwächters Joseph Karancsay. Derselbe giebt an, im vorigen Jahre bei den in der Afsaire des Lcichenschmuggels stattgehabten Verhören als Dolmetsch vom Anfang bis zum Ende zugegen gewesen zu sein. Vay habe Vogel nicht verhört, das habe nur der Untersuchungsrichter in Anwesenheit des damaligen Staatsanwalts gethan. Vogel sei seitens des Untersuchungsrichters keiner körperlichen Mißhandluug ausgesetzt gewesen. Er leugnet, daß Vogel zum Wassertrinken gezwungen wurde, daß er und Vay ihn bei den Haarlocken gerissen hätten und daß Vay ihm das.Kinn in die Höhe geschlagen hätte. Er antwortet auf jede Frage: ״Ich leugne es, und es ist nicht wahr." Der Zeuge tvird mit Vogel koufrontirt, der ihm Vorhalt, daß sie ihn zwangen, zuerst aus einem .Kruge und dann aus einem Eiiuer Wasser zu trinken.— Zeuge stellt die Sache so dar, daß Vogel durstig war, und daß er ihm erst in einem Kruge Wasser reichte-, als dieser aber zerbrach, beeilte er sich, da Vogel sehr durstig war und er ihn nicht lange warten lassen wollte, einen ganzen Eimer herbeizuschaffen-, jedoch stellt er in Abrede, das Wasser dem Vogel in den Mlind geschütcet zu haben, vielmehr habe derselbe freiwillig getrunken. — Vogel: Ich weiß, er wird nicht sagen, daß es wahr sei. . Auch bei der Kousrontirung mit Herslo leugnet Karancsay rundweg Alles ab, was ihm zur Last gelegt wird.— Staatsanwalt Szeyssert fragt den Zeugen, was für Dienste er als Gefänguißrvächter zu versehen harre, und ob er auch sonst zur Eskortiruug von Gefangenen verwendet wurde. — Zeuge: Ich war damals das erste Mal in dieser Eigenschaft beschäftigt. — Staatsanwalt: Haben Sie stets so ansgesagt, wie jetzt? — Karancsay: Ja wohl. — Staatsanwalt: Haben Sie nicht vielleicht jemand Anderm gegenüber sich anders ausgesprochen? — Karancsay: Ja, vor dem Staatsamvalt Havas habe ich im vorigen Jahre anders ausgesagt. Er drohte mir. mich aus dem Dienste zu entlassen, und redete mir andererseits zu, daß er mir helfen werde, tvenu ich so spreche, wie er will. — Staatsanwalt: Von >vem wurden Sie in dieser Angelegenheit verhört? — Karancsay: Erst vom Gerichtshöfe, dann vom Staatsanwall und hernach wieder vont Gerichtshöfe. — Staatsamvalt: Dem Gefäugniß-Jnspektor gegenüber zogen Sie Ihre erste Aussage nicht zurück? --- .Karancsay: Ich erinnere mich nirfjt da!an. — Staatsanwalt: Wie wurden Sie ans dem Dienste entlassen? — Karancsay: Wegen eines Disziplinar-Vergehens. — Staatsanwalt: Haben Sie auch eine Disziplinarstrafe erhalten? — Karancsay: Ja, zweimal vier Tage, dann vierzehn Tage. — Staatsanwalt: Und warum? — Karancsay: Ich hatte einen Wortstreit mit einem Kameraden, und das zweimal aus demselben Grunde׳, hierauf wurde ich krank, und eines Tages schickte man einen Kameraden zu mir, der mir mittheilte, daß ich meines Dienstes entlassen sei. — Nach einer halbstündigen Pause wird die Verhandlung wieder anfgenommeu. Vertheidiger Eötvös fragt Karancsay: Erinnern Sie sich, ob Vogel in Loek vom Untersuchungsrichter verhört wurde? — Karancsay: Ich erinnere mich nicht. — Vertheidiger Eötvös: Auch von Vay nicht? — Karancsay: Gewiß nicht. — Vertheidiger Eötvös: Der Untersuchungsrichter, verhörte ihn aber in Eszlar, in welchem Gebäude geschah das? — Karancsay: Im Hause der gnädigen Frau. — Vertheidiger Eötvös: Wer ist das? — Karancsay: Frau v. Kallay. — Vertheidiger Eötvös: Im Kastell? — Karancsay: Ja, in einem Vorzimmer des Kastells. — Vertheidiger Eötvös: Wurde EsepkanicS verhört? — Karancsay: Daran erinnere ich mich nicht. — Vertheidiger Eötvös: Wer weiß es noch außer Ihnen, daß Amschel Vogel in Eszlar verhört wurde? — Karancsay: Außer dem Untersuchungsrichter und dem Staatsanwalt, glaube .-ich, daß noch Wächter Cseplö anwesend war. — Vertheidiger Eötvös: Wurden Sie als Dolmetsch beeidet? — Karancsay: Ja, vor dem Untersuchungsrichter und vor den, Gerichtshöfe. — Vertheidiger Eösvös: Wann wurden Sie vom Untersuchungsrichter beeidet? — Karancsay: An dem Tage, an dem ich den Diensteid ablegte. — Vertheidiger Eötvös: Wurde hierüber ein Protokoll ausgenommen? — Karancsay: Daran erinnere ich mich nicht. — Vertheidiger Eötvös: Sie haben doch nicht vor dem Untersuchungsrichter Eide als Dolmetsch abgelegt? Der ist ja hierzu nicht berechtigt. — Karancsay: Er war zugegen, als der Staatsamvalt mir den Diensteid abnahm. — Vertheidiger Eötvös: Bei welchen Personen fungirteu Sie als Dolmetsch? — Karancsay: Bei allen Flößern. - Verth. Eötvös: Die Protokolle stellen es anders dar. Bei den Verhören der meisten Flößer war. Pfarrer Legenci Dolmetsch. — Karancsay: Davon weiß ich nichts. ־״ Vertheidiger Eötvös: Was wissen Sie darüber, daß, so lange Legenci Dolmetsch war, die Flößer ganz anders aussagten, als später, da Sie als Dolmetsch fungirteu? — .Karancsay: Ich weiß es nicht, — Verth. Eötvös: Sie sagten vor dem Richter Megyeri aus, daß Vary den Vogel ins Gesicht schlug. --- Karaucsay: Er hat ihn nicht eben geschlagen, sondern nur, weil er sich unanständig benahm, znrückgestoßen. — Vertheidiger Eötvös: Erinnern Sie sich, dasselbe auch vor dem Staatsanwalt Havas ansgesagt zu haben? --- Karancsay-, Ich weiß es nicht utehr, vielleicht. Verth. Eötvös: Sie haben hier angegeben, daß Sie vor Havas aussagten, wie Vay die Leute mißhandelte, daß der Staatsanwalt Sie aber zu dieser Aussage uöthigte. Worin bestand dieser Zwang? — Karancsay: Er sagte, daß er Alles wisse׳, ich war kränklich und war verwirrt, so daß ich Alles sagte, waS er wollte. — Präsident: Hat er Ihnen gedroht? — Karancsay: Ja, er sagte, er werde mich entlassen. Abends ries er mich ins Zimmer, er zitterte und sagte, ich solle nur dabei bleiben, was ich über die Mißhandlungen ausgesagt. . Eötvös: Wer zitterte, Sie oder der Staatsanwalt? - Karancsay: Ich hatte keine Furcht, er aber zitterte. — Präsident: Hat er sich denn gefürchtet? — Karancsay: Ja, denn er bat mich, nur dabei zu bleiben׳, tvenu mich Jemand hier angreiseu sollte, werde er mich übersetzen lasten. Als ich dann aber meine Aussage zurückzog, hat mich der Staatsanwalt im Hofe gestellt und geschimpft nnd utich dann aus dem Dienste entlassen. — Eötvös legt in ferneren Fragen dar, daß der Staatsamvalt HavaS den Zeugen wegen kecken Benehmens zur Rede stellte. — Vertheidiger Heumann: 'Wer hat Sie hier beauftragt, die Gefangenen an verschiedenen Plätzen da oder dort ciu;ufpc1 *־cn? — Karancsay: «,Fortsetzung aus Seite 597.) \

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