Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-30
- Page
- 598 (sequence 10)
- Language
- German
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598 fibcnt, dieser Mann ist bestochen, er ist ein falscher Zeuge, und es kann seine Aussage nicht in Betracht kommen, denn die Israeliten halten ihn schon seit Ist. v. M. hier gefangen, er war seitdem nicht;u Hanse in Szt.-Mihaly. — Nola : Ich war;11 Hause. — Vay: Ja, während der drei Fcrientage. — Präs.: Aus wessen Kosten sind Sie hier? Mit wem sind Sie herge׳ kommen? - Noka: Ich kann mich nicht an den Namen des Mannes erinnern. — Der Präsident giebt bekannt, daß ihm privatim mitgelheilt wurde, Noka und Kasimir seien bei einem gewissen Polla! abgesliegen. — Vay: Sein Kamerad, mit dem er zusammen arbeitet, beklagte sich bei mir, daß er;um Schnitte nicht zu Hauke kommt, weil er hier 5 fl. Taglohn von den Juden bekommt. — Noka: Gott soll mir von hier nicht hinaus« Helsen, ivenn das wahr ist. Vay führt eine Sprache, die wohl selten in öffentlicher Gerichtsverhandlung noch gehört wurde. Er schreit mit den Vcrthcidigern, beleidigt die Zeugen und benimmt sich, als ob er noch immer Licherheilö-Kommisiär und in seinem Zimmer allein mit Untersuchungs-Häftlingen wäre, er legt sich gar keinen Zwang aus. Verthcidiger Eötvös erklärt, daß angesichts des Borgehens, welches von den Zeugen des andern Lagers befolgt wird, seitens der Berthcidigung die Vorsicht angewendet wurde, die Zeugen Noka und Kasimir, welche die Wahrheit aussagen wollen, vor den Einflüssen Derjenigen zu bewahren, welche hier Zeugen präpariren und zu falscher Aussage abrichten. Eine sehr unerquickliche Szene spielt sich sodann ab. Beide Zeugen gcrathen in argen Streit. Die Angeklagten sprechen darein, Vay überschreit Alle, verspricht fortwährend Beweise, daß Noka bestochen sei, und beruft sich auf einen Zeugen, der wegen TodlschlageS abgestraft ist. Dann wird dem Karanesay vorgchalten, daß Noka anSfaglc, er (Karancsay) habe beim Herauskommcn ans dem Zimmer zu ihm gesagt: Den Juden Vogel haben wir gut durchgeweicht und gewässert. Karanesaq leugnet, daß er sich so geäußert. Hierauf richtet der Staatsanwalt Fragen an den Zeugen Noka, welcher erwidert, der Untersuchungsrichter habe ihm strenge aufgetragen, die Juden zu Fuß nach Nyircgyhaza zu eskortiren, während Onody befahl, sie durch sein Gehöft zu führen. — Vcrlheidiger Heu« manu fragt den Zeugen über eine Milthcilnng des Panduren Balo. — Zeuge sagt, Bako habe ihm erzählt, daß Rectzky den Mori; beim Verhöre in Nagysalu an den Ohren in die Höhe gezogen habe. Auf eine Frage des Verthcidigers Szckely erwidert Zeuge Noka, daß man mit Smilovics, nach dessen Geständnisse, wie mit einem Herrn umgegangen, ihm Zigarren gab und ihm alle Freiheit ließ. — Auf eine Frage des Staatsanwalts bestätigt Sunlovies, daß man ihn, nachdem er sein Geständniß gemacht, init Branntwein und Zigarren traktirte. — Vertheidigcr Eötvös Achtet an Noka die Frage, ob er tvisie, was die Zeugin Julie Szakolesai und andere Zeugen darunter verstanden haben mögen, als sie nach Beschau der Leiche sagten: ״DaS ist sie." Noka: Sie können doch nur verstanden haben, das ist die Esther Solymosi! - Vertheidigcr Eötvös: Haben Sie schon einmal Daumschrauben gesehen? — Noka: Ja. — Eötvös: Wie sieht so ein Ding ans? — Noka: Es besteht aus zwei drücken, die Daumen haben darin gerade Platz, und wenn man die Schraube anzicht, werden die Daumen immer mehr ßepreßt, bis sie außen blau werden und die Haut aufspringt. — Vertheidigcr Eötvös: 'Wo verkauft man solche? — Zeuge: weiß ich nicht. — Vertheidigcr Eötvös: Waren Sie schon bei Anwendung dieses Werkzeuges zugegen? — Zeuge: Ja wohl, doch kann ich mich nicht erinnern, bei wem eS ange. wendet wurde. — Verthcidiger Eötvös: Und haben Sie auch irgendwo anders eine Daumschranbe gesehen? — Zeuge: Nein, nur bei Herrn Bay. Nach mehreren Fragen der Vcrtheidiger in Btzng aus den AgnoSzirungS-Vorgang bei der Dadaer Leiche stellt der Staatsanwalt folgenden Antrag: Zeuge Noka behauptet, daß nach Transportirung der Leiche nach Eszlar noch vor deren Sezirung im Orte das Gerücht verbreitet gewesen war, daß die Leiche diejenige einer liederlichen Person gewesen sei. Ich Halle dieses Gerücht an und für sich wichtig genug, um besten Quelle eruirt zu wissen׳, ich finde es deshalb für nöthig, daß, nachdem auf den NeichStagS-Abgeordncten Geza Onody Be. rufung geschah, wonach dieser sich ebenfalls so geäußert hätte, derselbe bezüglich dieses Umstandes als Zeuge vor den königl. Gerichtshof geladen werde. — Verthcidiger Eötvös: Ich schließe mich diesem Anträge mit dem Bemerken an, daß noch vor der Sezirung auch das Gerücht im Dorfe verbreitet war, jeue Person, deren Leiche dorthin gebracht wurde, sei an der Lungen« schwiudsucht gestorben, und besonders äußerten sich zu den intelligenteren Klassen gehörige Personen in diesem Sinne-, dies können Albert Farkas und der Journalist Max Szabolcsy bezeugen, um deren Vorladung ich hiermit bitte. - Präsident: Üeber diesen Antrag und diese Bitte lvird der Gerichtshof später entscheiden. (Fortsetzung folgt.) Israel am Meere. Was dunkelt dort im gelben Sand, im weiten Wüstenmeer? Israels freie Schaaren sind'S, ZebaolS stolzes Heer! Es fliehet heulend der Schakal, fort eilt der Straus in schnellem Lauf, Und des erschreckten Löwen Stimme weckt das Wüstenecho aus. So wälzt sich stolz und mächtig Israel, das neu erstand, Befreit, ein unzählbares Volk, durchs unbegrenzte Land. Wie weit denn, flügger Wüstenaar, erstreckst du deinen Fittig wohl? Doch horch, da schlägt des Meeres Brandung an das User dumpf und hohl. Fest bist du nun gebannt, und ängstlich schweift dein Blick umher, Denn rückwärts blitzt des Feindes Wafs' und vor dir wogt das Meer. Was heult der Wüstenwind, der sich mit StnrmeSschnelligkeit erhebt? Er heulet: Faste Mnth, Israel, zage nicht, dein Netter lebt! Und feig verzagt Israel nicht, Israel schöpfet Muth, Herr Gott, du bist gerecht! — es stürzt sich in die Flut. Das Wasser wallt geheimnißvoll und rauscht ein Lied zu Gott empor, Die Freiheitshymne, welche jauchzend, preisend sang des Volkes Chor. Doch seitdem ist das wilde Meer so todcSmüd und düster. Und seitdem ist die Wüste dort viel öder und viel wüster. Im Wasser rnh'n die Fesseln, die ein ganzes Volk getragen, Und haben seiner Wogen Macht ins Sklavenjoch geschlagen. Und übern glüh nden Wüstensand seit vielen tausend Jahren Weh n düster, ruhelos die Geister der Tyrannenschaaren. S. B. Rosen Hain.