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Jeschurun · 1883-08-30 · Heft 35 (30.8.1883) · p. 595

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 35 (30.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-30
Page
595 (sequence 7)
Language
German
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595 Sie nicht blos durch Kopsneignng bejaht? — Matej: Nein, ich sagte Alles und er meldete eS dem Untersuchungsrichter. — Staatsanwalt Szeyssert zu Matej: Haben Sic cS gesehen, dag LmilovicS die Leiche übernommen nnd wer dem SmilovicS die Leiche übergeben? denn Sie behaupten, das; SmilovicS ans einer Gnlfernnng von -'«> Klaftern die Leiche herbeibrachte. Matej erklärte, er habe dies nicht gesehen, auch erkannte er die Frau nicht, die dein SmilovicS die Kleider übergab, denn es war schon Abend. — Staatsanwalt Szeyssert: (sin Zeuge sagt, daß die Frau, welche Sic gesehen haben, als sic Hersko bei Gsztar die Kleider übergab, an jenem Tage noch vor Abend zu Hanse war. — Matej: Als ich sic sah, war es spät Abends.— Staatsanwalt Szeyssert: Das ist ja ein Widerspruch. — Ans die fernere Frage des Staatsanwalts, ob die Leiche, als Smilovies sie schwemmte, über dein Wasser blieb oder ob sie untersank, sagt Matej, daß sic über, dem Wasser blieb, nur hie nnd da nntersank. Unter großer Spannung des Auditoriums wird sodann der SicherheitS-Kommissär Georg Ban vorgcrnsen. Gr ist ein Mann in mittleren Jahren, mit rsthlichem Haar; er ist nicht mehr Kommissär nnd privatisirt gegenwärtig. lieber seine Thätigkeit seit Auffindung der Leiche in Dada befragt, erzählt er, daß er in der ersten Nacht bei der Leiche Wachen anSstelltc. Am nächsten Tage lvar .er bei der Untersuchung der Leiche zugegen. Die Flößer hat er nicht verhört, damit war er nicht betraut, er hatte sic nur zu.bewachen. Gr leugnet, irgend Jewanden gepeinigt oder mißhandelt zu haben, Hersko ebenso« wenig wie Vogel. ׳,Vogel dazivischenrufend: Ja, ja, er hat unch gepeinigt!) -- Zeuge - sehr erregt!: Ich sage Nein und damit Punktum. Hersko, ansgefordert, sich zu äußern, wiederholt, was er über erlittene Mißhandlungen schon früher erzählt. — .senge Vay sagt, cs sei kein Wort wahr, er habe ja die Leute gar nicht verhört. — Hersko sagt dann durch Vermittelung des Dolmetsch dem Sicherheits-Kommissär Vay Alles ausführlich ins Gesicht. — Vay entgegnet immer: Gs ist nicht wahr, und fährt fort: Geehrter Gerichtshof! Gr mag sagen, was er will, cs ist Alles nicht wahr, nur Verleumdung. — Dann wird Matej befragt, ob ihn Vay geschlagen. — Matej weiß von nichts, ihn hat Niemand geschlagen. - .senge Vay: Matej und Hersko haben in meiner Gegenwart in Lock ihre Aussagen gemacht. Niemand hat sie berührt, wenn Jemand Wasser verlangte, so hat man ihm selbstverständlich solches gegeben. Sie mögen sagen, was sie )vollen, sie werden ihre Anklagen nicht beweisen können, denn sie sind nicht wahr. — Aus eine Widerrede HerSko's macht Vay eine verletzende Gegenbemerkung. — Verthcidigcr Heu mann verwahrt sich entschieden dagegen, daß der Zeuge, der um nichts höher steht, als die Angeklagten, diese dutze. lGrößer Lärm im Auditorium, Ausruf»»gen und Zischen. ׳ Vcrtheidiger Götvös ersucht den Präsidenten, das Publikum strenge zu ermahnen. — Präsident: Ich bitte, sich ruhiger zu verhalten. — Vay wird sodann tnit Vogel konsrontirt. Dieser wiederholt Satz für Satz seine Angaben über die Mißhandlungen, die er von.Vay erlitten. Vay hört ruhig bis zutn Gnde zu und sagt dann: Gs ist das Alles Verleumdung, ich habe mich in das Verhör Vogel'S nicht eingcmengt und ihn nie berührt. — Vogel: Gr kann es leicht ablcugnen, cs war ja nur Karanesay dabei. Nus die Fragen des Staatsanwalts Szeyssert antivortet Vay, er kenne die Gründe nicht, warum die Flößer nach Loek tranöportirt wurden. Ter Untersuchungsrichter ordnete es an, und weiter wisse er nichts. - Szeyssert: Wie pflegen Sie die Ihnen übergebenen Leute zu behandeln? — Vay: Wie eS Sitte ist. —- Der Staatsanwalt fragt, ob gegen den Zeugen schon Klagen vorgebracht wurden in Bezug darauf, daß er Mißhandlungen anwende, um Geständnisse zu erpressen, was der Zeuge' dahin beantwortete, daß er nie Mißhandlungen anwendete. •— Staatsanwalt: G rinn er n Sie sich nicht, ob Sie nicht schon einmal bestraft wurden, weil Sic Geständnisse erpreßten? Ich erinnere ntich, einmal zu einer Geldstrafe vernrtheilt worden zu sein. Das Unheil erlangte aber keine Rechtskraft, denn ich bezahlte bis heute noch nicht. Zeuge muß *zugebcn, daß auch jetzt eine Anklage wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt gegen ihn im Zuge sei, welche die Staatsanwaltschaft — er tveiß nicht, warum — sehr betreibt. Sodann erzählt der Angeklagte Klein, konform mit seiner früheren Aussage, wie er von Vay gepeinigt wurde. — Vay lächelt inzwiichcn und!nacht Bewegungen des Zweifels. — Präsident: Antworten Sie, Zeuge, aus diese Anklagen. — Vay: Gs ist eitel Lüge und Verleumdung. — Klein ist sehr erregt und hält dein Zeugen nochmals vor, daß er ihn gepeinigt. — Als Vay ihn Lügen straft, ruft Klein: Ich habe viel von Ihnen erlitten, aber doch noch Besinnung genug, zu bedauern, daß ich sagen muß: Sie lügen! — Sodann richtet Vertheidiger Götvös an den Zeugen Fragen. Vay bittet, sich setzen zu dürfen, da er müde sei. Bei jeder Antwort steht er aber in heftiger Grregung ans. — Der Vertheidiger Götvös stellt an den Zeugen, SicherheitS-Kommissär Vay, die Frage, ob derselbe den Amschel Vogel in TiSza-Loek verhörte oder nicht. — Vay erklärt, daß ihm nur die polizeiliche Bewachung, nicht aber das Verhören oblag. Dies sei Sache des Untersuchungsrichters. — Verth. Götvös: Wie oft wurde Klein von Szcnt-MikloS nach Loek und zurück nach Gszlar eskortirt? — Vay: Daran erinnere ich wich nicht. — Vertheidiger Götvös: Ist in Loek ein GemcindehanS, und wenn ja, tvarum wurden die Angeklagten im Gartenhänschen verhört? -- Vay: Die amtlichen Lokale waren okkupirt. Vertheidiger Götvös: Was für ein Werkzeug ist die Danmschranbe! Gviu^/.u!?!, niit welcher die zwei Daumen eines Angeklagten zusammeilgepreßt wurden? - Vay: Ich kenne dieses Werkzeug nicht. Ans eine weitere Frage des Vcrtheidigers GötvöS erklärt der Zeuge, daß der gegen ihn gefaßte Anklagebeschlnß wegen Mißbrauchs der AintSgeivakt noch nicht pnblizirt sei, woraus Götvös ersuchte, der Gerichtshof möge sich iin Wege der Staatsanwaltschaft jene Daten verschaffen, ans denen hervorgeht, wie viele Anzeigen bereits gegen den gewesenen Sicherheits-Kominissär erfolgt sind, wie viele Untersuchungen gepflogen wurden, tvie viele Anklagebeschlüsse gesagt nnd tvie viele StrasnNhcile gefällt wurden. — Ans Befragen des Vcrtheidigers Frirdmann, ob gegen Vay eine Untersuchung im Zyge war, als er sich im TiSzahaker Bezirke befand, antwortet Zeuge, daß er sich nicht erinnere. — Vertheidiger Friedmann fragt weiter, tvas die beiden Angeklagten Groß und Klein, die doch vom Anfänge an nichts einbekannt halten und bei denen der Verdacht nicht vorliege, als wollten sie ihre gemachten Anssagen als durch Peinignng erpreßt darstellen, zu der Angabe bewogen haben könne, daß sie durch den Zeugen unmenschlich behandelt und gequält wurden. ' Vay antivortet: Das werden die Beiden am Besten wissen nnd Jene, welche sie abgerichtct haben. - Vertheidiger Friedmann: Ich bitte, ans ineine Frage zu antworten. Vay: Was weiß ich? Ich kann nicht ihre Nieren prüfen. — Präs.: Das Dispntircn geht nicht an, ich bitte, mit Ghrerbietung zu sprechen, denn es gilt gleich, ob ich zu Ihnen spreche, oder der Herr Vertheidiger die Fragen an Sie richtet. - Vertheidiger Friedman»: Ist jenes Unheil, welches Ihnen eine Strafe von 100 sl> auserlegt, bereits rechtskräftig geworden, nnd ist die Summe schon bezahlt? — Vay: Schauen Sie die Akten nach. — Vertheidiger Friedmann: Ich bitte den Herrn Präsidenten, sich aus den Alten zu überzeugen, daß in dieser Angelegenheit appellirt wurde nnd daß die Alten in Verlust geralhen sind. < Zischen im Publikum.) — Der Präsident erklärt, hiervon, nichts zu wissen. — Vertheidiger Heumann: Ist es wahr, Herr

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