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Jeschurun · 1883-08-30 · Heft 35 (30.8.1883) · p. 594

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 35 (30.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-30
Page
594 (sequence 6)
Language
German
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594 Bewegungen sehen kann, aber nicht im Stande ist, Alles \\1 überblicken. Sodann werden in Ermangelung eines Ingenieurs von den Nichtern und Vcrthcidigcrn mit Zollsiab, Stöcken und Regenschirmen Versuche angestellt, um das Gesichtsfeld, welches man durch das Schlüsselloch überblicken kann, durch Messungen zu bestimmen. Selbstverständlich hatten diese durchaus nicht sachmännischcn Messungen, welche mehr als eine Stunde in Anspruch nahmen und viel Anlass thcils zu Streitigkeiten, aber auch zu Ansbrüchen der Heiterkeit gaben, ein unsicheres Resnltat׳. inan wusste nach denselben nicht viel mehr als früher. Der Präsident konstatirt, das; 211 Zentimeter von der Thür entfernt, in der Höhe von 12 Zentimetern über dem Boden das Lehen in der Breite von 05 Zentimetern möglich ist; aus weitere 158 Zentimeter gegen den Tisch hin ist das Sehen in einer Breite von 1 Meter möglich. Damit ist der innere Besnnd beendigt. Es wurde sodann der Platz konstatirt, wo der Strohschober stand und in welchem die Leiche vielleicht versteckt worden sein konnte. Sodann wurden - nach vierstündigem Aufenthalte im Tempel — wieder die Wagen bestiegen. Richter -Farkas macht den Zizerone durch das Dorf. An der Biegung der Strastc wurde Halt gemacht, und Frau Fekrte, welche als Zeugin dcponirl hatte, sic habe dort vom Tempel her ein schwaches Weinen gehört, war zur Stelle. Man licss durch zwei Gensdarmen den Weg bis zur Synagogcnthür abschrciken und fand ihn 7-1 Schritte lang. Der nächste Halt wurde an der Stelle gemacht, wo der Trommler Esther damals gegrüßt haben will. Nach weiteren 100 Schritten wurde die Stelle hinter der Mühle ausgesucht, von wo aus ein seitens der Privatklägerin angcmcldcler Zeuge Esther, angeblich von den! Damme ans gesehen, sah, als er beim Pflügen zu Pferde sag. Da jetzt das Terrain von Vegetation bedeckt ist, konnte die Wahrheit dieser Aussage nicht geprüft werden. Der Präsident erklärte hieraus den Lokal-Augenschein für beendigt. 18. Juli. Der Präsident eröffnet die Sitzung um '.»'-4 Uhr. Der Staatsanivalt!neidet, das; Leon Großbcrg und Frau ihre Disziplinarstrafe bereits abgebüsit haben. Zeuge Igna; Matej wird vorgerusen, um nochmals über seine in Marmaros-Szigclh zu Protokoll gegebenen und bisher abgeleugnetcn Aussagen in Betreff der in ׳Lock erlittenen Miß- Handlungen verhört;!! werden. Auf die hierauf bezügliche Frage des Präsidenten erwidert Matej bestimmt, das; er nichts dergleichen in Szigeth gesagt, daß er ja nirgends inischandelt wurde. — Präsident: Es werden in dieser Sache zwei neue Zeugen vernommen werden. Zeuge Alexander Noka wird vorgerusen. Derselbe-war im vorigen Jahre Pandur beim SichcrhcilS - Kommissar Vay. Er kennt den Igna; Matej, der im vorigen Jahre vom UntersuchnngSrichtcr und dem Sicherheits-Kommissär ins ,׳Ummer gerufen und verhört ivurdc. Zeuge Noka hat nicht gesehen, .daß der Sicherheits-Kommissar den Male! geschlagen habe. Noka wird ins Zengcnzimmcr;urückgeschickt und der andere damals bei Vah anwesende Pandur Joseph Kasimir vorgerusen, der in fließender Nede unter stets steigender Aufregung des Publikums erzählt, in welcher Weise der alte CscpkanieS von Dah mißhandelt wurde. Er erzählt, daß der jüngere Matej und der ältere EscpkanicS mehrere Male nach Dada und Lock cSkorlirt wurden, Matej auch ein Mal nach Eszlar. Sic waren in TiSza-Lock dcternirt, eS wurde erst Esepkanics vorgeführt und der Sicherheits-Kommissar besah! demselben, Alles zu gestehen, was er gesehen und gehört; aber er sagte immer, er wisse gar nichts; da schickte der Kommissär den Zeugen hinaus, um Ruthen zu schneiden, und als der Zeuge mit den Ruthen zurückkehrte und CscpkanieS noch immer nicht gestehen wollte, besah! der Sicherheits-Kommissär dem Zeugen, den alten Mann, der damals schon entkleidet war, zu hauen. CscpkanieS wurde auf den Rücken gelegt, und er!Zeuge) selbst gab demselben einige Streiche auf die Sohlen, bis die Ruthen brachen. Der Alte sagte aber stetes er wisse nichts׳ hierauf nahm der Kommissär eine Danmschranbe hervor und preßte CscpkanieS die Daumen dermaßen zusammen, daß der Alte sagte, er möchte auf seinen Vater und seine Mutter auch aussagcn, wenn er etwas wüßte. Nun befahl Var; dem Zeugen, die Finger des Allen zu dehnen, und als er auch hierauf nichts gestehen wollte, wurde er hinausgeführt, und Zeuge führte hernach den jüngeren Matej herein. Schon draußen sagte Zeuge dem Matej, er möge Alles gestehen, denn der Andere hätte bereits Alles gcstanden. Matej fragte hierauf, was der Andere aussagte. AtS Matej eintrat, war er sehr erschrocken und zitterte. Es wurde ihn! gesagt, er werde cs ebenso bekommen wie der Andere,!venu er nicht gestehen werde. Males erzählte hierauf eine lange Geschichte, und als er fertig war, rief der SichcrhcitS-Kontmifsär den Untcrsnchnngsrichtcr herein, er möge mit Matej ein Protokoll aufnehmcn. Alts Befragen des Präsidenten erklärt der Zeuge, daß Males keine Schläge bekommen habe, nur CscpkanieS. Außer dem Zeugen war auch eilt Hajduck im Zimmer. — Staatsanwalt Szcysfen fragt, ob Matej sich vor seinem Verhöre gefürchtet. - Males: Wie hätte ich mich furchtcu sollen. Die Herren sind ja ebenfalls Menschen um ich. Der Kommissär hat ihn auch besonders verhört. Auf die Fragen des BcrthcidigcrS EötvöS antivortet Matej: Ter Kommissär verhörte ihn in seiner Kanzlei gegen 0 Uhr Abends. Das Gebäude stand inmitten ciucS Gartens. Den CscpkanieS hat er damals nicht gesehen, er ist später mit ihm zusammen nach Npir'cgyhaza gebracht worden. In Dada führte man mich, sagt Males, zuerst ans Theiß-User,!vo die Leiche gesunden wurde, dann nach Lock und Eszlar. Von Lock wurde ich zweimal nach Nyireguhaza gcsühr, das zweite Mal blieb ich z!vei Tage in Lock, das erste Mal vier Tage in Lock, Eszlar und Dada. — Verlheidigcr EötvöS bemerkt: Bezüglich seiner Huszler Aussage und seiner ersten Deposition in Nisiregphaza sagte Males, HcrSko habe ihn dazu überredet, und fragt Males, ob er hierfür einen Zeugen habe. — Matej: Wir waren allein, als er mir dies sagte, cs war ans der Eiscnbahnsahrl von Szoinok nach Nyircgyhaza, und wir haben leise gesprochen; eS waren in der zweiten Abtheilnng des Koupees ein paar Leute, die haben aber nichts gehört. Der begleitende Pandur saß cttvaS entfernt von ihnen. Ob Hersko auch Andere überredet, weiß er nicht, er hätte es aber können, denn er hatte Gelegenheit genug. In Npiregyhaza waren sic nicht in einer Zelle, nur später einen Tag und eine Nacht ans der Fahrt von Szolnok nach Niiii'cgyhaza waren alle fünfzehn Flößer in einem Waggon nntcrgebracht. Hersko ha! mit Allen sprechen können und auch gesprochen׳, ob er auch Andere überredet, weiß er, wie gesagt, nicht; er saß aber neben ihm und ihn überredete er. —' Vcrtheidiger EötvöS: Wie kommt cs, daß alle anderen vierzehn Flößer doch genau so in Nuircgichaza ansgesagt haben, um Males'? Sic hätten doch dann auch überredet sein müssen, sic wurden >a jeder besonders verhört. — Matej: Davon weiß ich nichts, ich habe so ansgesagt, wie mich Hersko bat, eS zu thnn. — Vcrtheidiger EötvöS.macht Matej darauf aufmerksam, daß ihn vorgestern richterliche Personen ans Szigeth als 1111* wahren Zeugen hingestcllt, Personen, die königliche Beamte sind, er solle wohl bedenken, diese als Lügner hinzustcllcn- -- Matej: Ich habe so anSgciagt, wie es die Wahrheit ist, ich kann nichts ändern. — Verlheidigcr Hcnmann: Haben Sie vor dem Kommissär Ihre Anssagen in Einem Zuge gemacht oder ans einzelne Fragen geantwortet? — Mate!: Er hat einmal gefragt und dann habe ich Alles ans einmal erzählt. — Ver« | thcidigcr Hcnmann: Hat Karancsay nicht gefragt, und haben

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