Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-30
- Page
- 593 (sequence 5)
- Language
- German
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593 nicht eilen, denke nnr nach׳ — Moriz: Ja. wirklich, wie war es nnr? Mit der rechten Hand mußte er doch den Schnitt führen, hier stand er auf der rechten Seite: den Kopf hielt der Bettler. — Staatsanwalt: Wo hielt er den Kopf? Unten oder an der Stirne? — Mori;: An der Stirne drückte er sie nieder, bei den Füßen hockten der Tarezalcr und der Teglascr Schächter und hielten sie fest. — Friedman«: Ans welcher Seite war der Tarezaler? — Mori׳,: Ich kann mich nicht er« innern, sic hielten die Füße. — Staatsanwalt: Wer hielt ihre Hände? — Moriz: Ich erinnere mich nicht. — Ans wiederholteS Befragen erinnert sich Mori; dann dennoch, daß cS der Tarczaler Schächter war. — Staatsanwalt: Und machte sie keine Bewegung, rührte sic die Hände nicht? — Mori;: Der Gme hielt ja die Hände, der Andere die Füße sehr fest. — Joseph Scharf ldazwischenrufcnd'): Ich glaubte, mein Sohn, on bist schon gescheiter geworden! — Präsident erinnert Scharf an sein Versprechen und mahnt ihn zur Nutze. Sodann wird eine Helle Pferdedecke hereingeholt, zusammengelegt und der Länge Esther'S entsprechend nach Angabe des Mori; anf die Erde gelegt. — Staatsanwalt: Und konnte das Mädchen nicht schreien? — Mori;: Nein, in den Mund hatte man ihr ein kleines Tuch gesteckt. — Staatsanwalt: Der Mund war nicht verbunden? .— Mori;: Nein, nnr;ngestopft. — Mori; zeigt sodann, wie die Gefäße rechts neben dem Kopfe des Mädchens standen, wie der Topf emporgchoben und das Blut im Teller anfgesangcn wurde.— Staatsanwalt Szcysfert: Wo schnitt rnan das Mädchen? — Mori; (mit einer Hand« bewegnng): Sie wurde in die Gurgel geschnitten. Schwarz hielt den Teller unter, und als er voll war, stellte er schnell de:;weiten hin und goß aus dem ersten das Blut in den Topf. Die Gefäße waren noch vor dein Schnitte zur Stelle. — Dann erzählt Mori; anf Befragen der Bertheidiger, daß, als man die Leiche schon wieder ankleidete, die vier Männer aus der eigentlichen Synagoge in die Vorkammer traten und sich rings herum stellten; Einer sei mit dem Nucken zur Thur gestanden. — Präsident: Wo lagen die Kleider? — Mori;: Auf dem Tische. Nachdem Salomon Schwarz, so erzählt Mori; weiter, den Schnitt am Halse führte und sie schon genug Blut im Topfe hatten, wurde das Mädchen, das bisher anf dein Nucken gelegen hatte, nmgedrcht und mit dem Gesicht gegen die Thür auf die Füße gestellt. — Staatsanwalt: Hatte sic damals Kleider an? — Mori;: Nein, sic halte nur ein Heind an. — Staatsanwalt: War es ein langes Hemd? — Mori;: Ja, ein langes, es reichte ihr so weit (zeigt bis tief unter die Knie).— Staatsanwalt: Wer hat sie angekleidet? — Mori;: Die vier Männer. -- Staatsanwalt: Wie denn? Als sie anf dem Boden lag? — Mori;: Sie haben sie ausgestellt. — Staatsanwalt: Wer hat sie denn gehoben? — Moriz: Der Tarczalaer und der -Teglascr Schächter packten sie an den Armen und hielten sie fest. Staatsanwalt: Hielten sie dieselbe in der Luft? — Moriz: Nein, nein, die Füße waren ans der Erde. — Staatsanwalt: Und sind die Füße nicht cingeknickt? Hat die Leiche nicht hin- und hcrgeschwankt? — Mori;: Nein, sic stand ganz gerade. — Staatsanwalt: Und wie hielt sic den Kopf? — Mori;: So gewöhnlich. —- Staatsanwalt: So gerade wie ich meinen? — Mori;: Nein, ein wenig gesenkt. Dann erzählt Moriz, wie der Bettler und Schwarz die Leiche wieder anklcidetcn: dabei waren ihnen die vier Männer, die aus der Synagoge traten, behnlflich gewesen. Zuerst sei ihr der Untcrrock über den Kopf gezogen worden, und die zwei Schächter ließen die Arme der Leiche los, um den Nock passiren zn lassen. Sie griffen dann rasch wieder höher an (Mori; zeigt dies, vom StaatSanwalte hierzu anfgcfordert, an dessen Arme), zogen ihr den Ueberrock, die Schürze und zuletzt das Leibchen an. — Bertheidiger Friedmann: Hat die Leiche nicht hier und da um« fallen wollen? — Moriz: Nein, sie wurde sestgehallen. — Staatsanwalt: War dcr Hals schon zngcbnndcn, als sie aufgestellt wurde? — Moriz: Nein, man verband ihn ersi. als sie stand. — Staatsanwalt: Wer that dies? — Moriz: Vielleicht Schwarz; ich weiß nicht. — Votant Fchcr: Hast dn Blut her« nnterrinnen gesehen? — Moriz ׳nach einigem Besinnen): Ja. Staalöanwal'k: Wurde das Hemd blutig? -- Mori;: Ja, oben tvnrdc es blutig (zeigt mit der Handy so ain Nande war es blutig. -- Staatsanwalt: Als die vier Männer aus der Tempclthür hier herein kamen, blieb die Tetnpelthür offen? — Moriz: Ich weiß nicht, ich konnte das nicht sehen, ich sah nnr, daß sic sich um daö Mädchen hcrnmstellten. — Staatsanwalt: Haben sie nichts gesagt? — Moriz: Nein, sic haben nichts ge« sagt, sie schauten nnr. — Bertheidiger Heu mann: Lind sie nicht erschrocken? Haben sie nicht die Hände zusammengcschlagen? — Moriz: Ich habe nichts gesehen. — Präsident: Kann man durch die Thür hören? — Moriz: Vielleicht, ich erinnere mich nicht. — Ferner erzählt Moriz, daß damals die Sonne schien und an den beiden Fenstern keine Vorhänge waren. — Heu« mann: Als dn dann später hier hcreinkarnst, um den Schlüssel zu holen, hast dn keine Blntspuren gesehen? — Mori;: Nein, ich achtete nicht darauf. — Henmann: Du warst gar nicht neugierig, zn hören, was die Leute sprachen? Wenn man so was sieht, will man ja auch hören, waS gesprochen wird, und wozu das geschieht? — Moriz: Ich habe nichts gehört. Auf fernere Fragen erzählt Moriz, daß die Leiche vollständig augekleidet war, als sic sich entfernten, und daß sie ein gelbes Tuch in der Hand halte. Befragt, wie er sich die Weg« schafsung der Leiche vorstcllc. arttwortet er, man habe sic wahrschciulich durch das;!veile Fenster in den Hof hinaukgcschoben. — Heumann: Und das hätte Niemand bemerkt? — Moriz: Ich weiß nicht. Sodann verlassen alle Anwesenden bis aus einen Richter, einen Bertheidiger und inehrcre Vertrauensmänner die Kam« mcr. Die Thür wird verriegelt und Moriz wird beauftragt, durchs Schlüsselloch zu blicken. Um dies zu können, muß er sich auf die Knice lassen und außerdem den Kopf stark neigen. Wie später mit einem Zollstock gemessen wurde, licgt das Schlüsselloch 85» Zentimeter hoch über der Schwelle. Von der Absicht, den Knaben, dcr früher dcponirt hatte, er habe damals an drei Viertelstunden durch das Schlüsselloch gesehen, jetzt ebenso lauge hierzu auzuhalten, mußte Abstand genommen werden, nachdem der Knabe schon nach ein bis zwei Minuten ermüdcte; er war sichtlich froh, wenn er sich erhebe«! und aus« athmcit konnte. Ucbrigens gab er ziemlich genau an, lvas in der Kaminer innerhalb eines kleinen Strahlenkcgcls zwischen Thür und Tisch geschah. Es wurde von Innen immer gefragt, was dcr Eine oder dcr Andere mache (man verstand draußen deutlich jedes Wort), und Mori; antwortete dies oder jenes oder sagte: Ich sehe jetzt nichts. Vorher hatte er mit Sicherheit die Stelle bezeichnet, wo dcr Topf stand, .in den das Blut gegossen wurde, jetzt ergab es sich, daß er nur daun das Ansfangen des Blutes hätte sehen können, wenn Topf und Teller anderöivo, nämlich links von dem Opfer gestanden wären. In der von ihin bezeichnetcn Stellung konnte er selbst den Schächter nicht sehen, dcr angeblich den Schnitt vollsührt haben soll. Später blickten dcr Präsident, die Bertheidiger und überhaupt Jeder, dcr sich dafür intcressirte, durchs Schlüsselloch. — Sodann wird in »Folge Antrages Friedmann's die Pferdedecke so gelegt, daß man sie durch das Schlüsselloch ganz über« sehen kann. Mori; be;eichnele acht ihm gut bekannte Per« sonen, welche daraus allein in der Kammer zurückbliebeu. Die« selben ahineu die Handlungen der acht Juden, welche Moriz damals gesehen haben will, so nach, wie er es bisher geschildert hatte. Es wird mit einem Worte Mord gespielt. (58 stellt sich heraus, daß Mori; zwar einzelne Personen und einzelne