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Jeschurun · 1883-08-30 · Heft 35 (30.8.1883) · p. 591

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 35 (30.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-30
Page
591 (sequence 3)
Language
German
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591 denes über ihre Erlcbniffe, ihre Gefangennchmnng und ihre Biißhandlungcn erzählen gehört. Auch Ignaz Matej selbst bcsuchte ihn einmal, als er sich eben einen Wagen zinnnerlc, und berichtete ihm von der merkwürdigen Floßfahrt, sowie das; er gefangen gesetzt wurde und cs ihm noch glimpflich erging, so lange er in den Händen der großen Herren war, schlimmer aber, als die Panduren mit den Karbatschen über ihn kamen. Eines Tages, so theilt der Zeuge weiter mit, kamen dann mehrere Flößer, darunter auch Males, zu ihm, und baten ihn, er möge ihnen zu ihrem rückständigen Flößerlohnc von mehr als 300 fl. verhelfen. Er ging mit ihnen .;um Popen, von dem sie eine Schrift verlangten, um zu ihrem Gelde zu kommen. Der Pope erklärte sich unfähig, zu helfen, und wies sic an den Stuhlrichtcr. Er führte dann in Begleitung des Geschwornen Monpics die Flößer Males, Esepkanics und HerSlo nach Hnszt;11111 Stuhlrichtcr. Zur Fahrt benützten sie den Wagen eines Inden. Der Stuhlrichtcr. wies sie an den Notär, vor dem dann zuerst Matej, dann Hersko und Esepkanics ihre Aussagen machten. Befragt, warum die Flößer, um zu ihrem Gelde zu kommen, ein Protokoll mit sich aufnchmen lassen mußten, autwortct Zeuge, daß die Holzhändler die Löhne nicht früher zahlen wollten, bis sie nicht genau erfuhren, warum die Flößer so lange ansgeblieben und was sie ans dem Wege gemacht. Der Zeuge deponirt bestimmt, daß Marcs anssagte, wie er mit Peitschenhieben und Fußtritten mißhandelt wurde, so sehr, daß er auch gegen Vater und Mutter alles, was man von ihm vcr׳- langte, ansgesagt hätte. Während der Abfassung des Protokolls blieb Males im Zimmer des NotärS, und als die Schrift fertig war, ries er die Andern vom Korridor herein. CsepkanieS sei damals unwohl gewesen und hatte sich im Korridor niedergelegt. — Der Zeuge wird mit Males konsrontirt, der Alles leugnet. Er will mit dem Richter nie über Mißhandlungen gesprochen haben, nach Hnszt habe er sich nur begeben, um zu seinem Gelde zu kommen, und dort habe er weder von den erlittenen Mißhandlungen, noch von der Auffindung der Reiche etwas ausgefagt. - Der Staatsanivalt befragt den Präsidenten über das Vorleben Matcj'S, worauf dieser erwiderte, daß er sich im Zivil nichts zu schulden kommen ließ, wohl aber beim Militär viel und oft gestraft worden war. Der folgende Zeuge, Franz Monpics, Gcschworner in Szckleueze, deponirt in ungarischer Sprache konform mit dem OrtSrichter. Auch ihm gegenüber beharrl Beates darauf, daß er von alledem nichts wisse. Sodann wird Mathäus Kerner, Hülssnotär in Hnszt, vernommen. Derselbe erinnert sich genau an jede einzelne Phase dieser Angelegenheit, da er selbst das Protokoll geschrieben und es den Flößern vorgelesen hat. Der Geschworene Monpics erklärte den Flößern in rnthenischcr Sprache, was in der Schrift stehe, und die Flößer erklärten, cs sei Alles genau so, wie cS in der Schrift stehe, zugegangcn. Males habe sogar noch gesagt, cs hätte noch genauer ins Protokoll ausgenommen werden sollen, wie er.mißhandelt wurde, cs sei dieö nicht anssührlich genug. Der Zeuge wird mit Males konsrontirt. Dieser beharrl dabei, nichts dergleichen ansgcsagl zu haben. Ans jeden Vorhalt des Zeugen antwortet Males: ״Das ist nicht wahr!" Von Mißhandlungen, sagt er, habe er schon darum nicht sprechen können, weil man ihn gar nicht darüber fragte. Hierauf wird Iuro Esepkanics vorgcrnfen. Derselbe ist ans seine früheren Aussagen über die Floßfahrt schon beeidig! worden und weiß nichts Neues von Belang mitzntheilcn. Seine regelmäßige Antwort ist, er sei krank geivcsen. Nach Huszt sei er deshalb mitgefahrcn, weil ihm der Richter sagte, er käme sonst um sein Geld. Er erinnert sich auch nicht, was er dort ausgefagt hat, und auch nicht, ob ihm eine Schrift vorgelcscn wurde, doch entsinnt er sich, daß Males i 111 Zimmer gewesen sei und ihn zur Unterschrift hcreingcrufen habe. Der Angeklagte HerSko wird nun über die HuSzler Vernehmung befragt׳, er erinnert sich, daß sie alle Drei das Protokoll angehört haben. Males habe als Erster seine Aussage gemacht und sei überhaupt der ״Vorredner" gewesen. Nach halbhündiger Pause ivcrden die Bnspahazaer Holz- Händler Salamon Schreter und Bernhard Hillmann als Zengen vernommen. Erücrcr, eine mächtige Gestalt mit intclligcuteu Gesichtszügen — ein sichtbar wohlhabender Mann — deponirt in ungarischer Sprache, daß er, wenn er Hol; zu liefern habe, einem Sassar (Agenten'! die Sache übergebe, der die Flößer aufnimmt, Verträge mit ihnen macht und ihnen ihre Löhne anszahlt. Im vorigen Jahre sei ein gewisser Mosko Hcrsiovits sein Sassar gewesen-, die Namen der Flößer seien ihm bekannt, denn er führe sein ausgedehntes Geschäft mit kaufmännischer Ordnung. Die Namen Ignaz Males und Inro Esepkanics kämen in der vorjährigen Liste vor. Befragt,, ob er die beiden ans der Zeugenbank sitzenden Flößer kenne, antwortet Zeuge, daß er sic wohl gesehen haben möge, als eine Anzahl Flößer;11 ihm kam, 11111 darüber;11 klagen, daß sic ihren Lohn nicht erhielten. Genau erinnere er sich nicht, ob auch diese Beiden ans diesem Anlässe bei ihm waren, ihre Namen aber kenne er. Einer von ihnen — Zeuge weiß nicht mehr welcher — habe ihm auch erzählt, daß er Mißhandlungen erlitten. Die Sache sei so gewesen, daß das Hol; nach 'Szegedin zu flößen war, faktisch aber kamen die Flößer in Folge des Tadaer LcichcnfundeS nur vis Szolnok. Er wollte ihnen nun selbstverständlich nicht mehr zahlen, als ihnen für den Weg bis Szolnok gebührte, da er ohnehin bei diesem'Geschäfte mehr als 1000 fl. Schaden erlitt. Deshalb kamen die Flößer zu ihm klagen, indem sie sagten, sic trügen an der Unterbrechung der Fahrt nicht die Schuld, da man sic gefangen nahm. Nachdem aber die Auszahlung der Lohne Sache des Safsars ist, so klagten sie später diesen ein. Beehr wußte Zeuge von dieser Angelegenheit nicht. Males und Escpkonics erklären auf Befragen, daß sic nicht mit unter jenen Flößern ivaren, welche bei Schreter vor-, sprachen. Der Zeuge Schreter giebt dann auf Befragen des Vcrlheidigers Henmann eine weitläufige und dctaillirtc Beschrcibnng der Art und Weife, ivie die Flöße gebaut werden und das Holz verführt wird. Es knüpfen sich daran längere DiSknssioncn, ob die Manipulation mit der Leiche so möglich gewesen, wie Mate! cs angiebt. Schreter bestreitet cS unter Znstimmnng des Vertheidigers. Der-nächste Zeuge, Bernhard Hillmann, bestätigt die Tcpositionen seines Kompagnons Schreter. Es wird sodann noch ein Szcllenczer Jude, Namens Mosko, als Zeuge vorgcrufen. Auf diesen hatte sich Males bei. einer früheren Gelegenheit als denjenigen berufen, der ihn zu etwas Bösem verleiten wollte. Jetzt aber weiß Males nichts weiter anzngebcn, als daß ihn Mosko, als er im vorigen Jahre ans Nyiregphaza nach Hanse kam, einmal auf der Straße anhielt und ihm znredcte, er möge doch zum Richter gehen, worauf ihn dann noch Mosko lange Zeit in den Straßen herumgeführt habe. — Der Zeuge Mosko giebt an, er wisse bestimmt, daß er seit mindestens zwei Jahren mit Matej nicht gesprochen habe. — Males beharrt dabei, daß ihn Mosko ans der Straße ״stellte" — Präsident: Nun, was für Konsequenzen ziehen Sie daraus? — Matej weiß auf diese Frage nichts weiter zu antworten und Mosko wird entlassen. Der Präsident theilt sodann die Gerichtsbeschlüsse mit, wonach mit Ausnahme dcS letzten Zeugen, welcher belanglos deponirtc, ferner des Ignaz Matej, dessen Beeidigung in sus- 11 ■)ין so belassen wird, die übrigen heute vernommenen Zeugen in Eid zu nehmen sind. Ferner wird dem Anträge der Vcrthcidigung, den Angeklagten Joseph Scharf zu den! Lokal-

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