Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-30
- Page
- 590 (sequence 2)
- Language
- German
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590 mehrere Anträge hat der Gerichtshof folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Ter Borhof der Synagoge in Tisza-GSzlar, sowie die von bert in die Synagoge führende Thür und das an ihr befindlirfK Schlüsselloch werden;11m Zwecke der Feststellung dessen, ob die von Mori; Scharf als geschehen vorgcbrachlen Aktionen ungehindert von ihm gesehen werden konnten, gerichtlicher Beaugenscheinignng unterzogen werden, und hiersür der 17. Juli, l<> Uhr Borminags, festgeftellt. Zn diesem Lokal-Augenschein wird beschlossen, Moriz Scharf und die als Ooiym.-^ delit;ti bewabrre Synagogenthür mitzunchmcn, weiters als Sachverständigen den königlichen Ingenieur Ladislaus Koczogh dahin zu beordern. Zweitens lvnrdc beschlossen, den Bericht des Zenwliner BizegcspanS zur Kenntniß zu nehmen und den Akten beiznlegcn. Drillens wurde die durch den Sinhlrichter Gngen Iarmn zur Kenntniß des Gerichtshofes gelangte BestcchnngS- und UcberrcdnngS-Asfaire zur falschen Zeugenaussage, als mit dic׳em Prozesse in keiner engen Verbindung stehend und nicht auf dem Gebiete dieses königlichen Gerichtshofes geschehen, dem Satoralja-Ujhelyer Gerichtshöfe zu übergeben beschlossen. Bertheidiger Götvös bittet, daß auch der Angeklagte Josef Schars zum Vokal-Augenscheine in Tisza-Gszlar mitgenommen werde, da er allein kompetent ist, Aufklärung darüber zu geben, wie an jenem Tage das Mobiliar und die Ginrichtiingö- Gegenstände daselbst herumstanden. . Präsident 11111; ,׳ Staatsanwalte): Haben der Herr Staatsanwalt keine Ginwendnngen dagegen? — Szeyst'crt: Ich habe dagegen nichts einznwenden. Präsident: Hierüber ivird der Gerichtshof in der Panse entscheiden. Nun ivird Zeuge Gabriel Mihaly, Nichter in Tees, vorgernien. Gr hat im September vorigen Jahres im Bercin mit dem dortigen Untersuchungsrichter ein Protokoll ausgenommen, welches, einen Widerruf des von den betreffenden Gzellenezer Ginwohnern vor dem Nyiregyhazaer Gerichtshöfe früher gemachten Geständnisses enthielt. Tie beiden Funktionäre dedienten sich dabei, da sie Nnthenisch können, keines Dolmetsch. Diese Individuen, erklärt der Zeuge, wurden in keiner Weise belästigt oder gezwungen, und machten ihre Aussage ganz frei. Zeuge Stephan Gzakoleza, GerichtSnotär in MarmaroS- Szigeth, war bei der Protokoll-Aufnahme rngcgen und hat dasselbe miknnlerfertigt. Das Protokoll, sagt er, wurde vorgelesen, ins Nnlhenische übersetzt und von den Leuten gebilligt. DaS Protokoll wird sodann verlesen. Dasselbe enthält bekanntlich den Widerruf der Flößer GsepkanicS und Ignaz Male!, daß nämlich all das nicht ivahr sei, was sic vor Barg ansgesagt halten, und daß sie zu jenen Aussagen durch BUß- Handlungen gezwungen wurden. Zeuge Gzakoleza erinnert sich, daß die Leute Wort für Wort so ansgesagt, ivie es im Protokolle steht. . Sodann wird Igna; Matej vorgcrnfen, um mit den beiden vorigen Zeugen konsrontirt;11 werden. Gefragt, ob er die beiden Herren kenne, antwortet Matej, er erinnere sich nicht, er habe in Szigeth die Herren nicht genau angesehen. Sodann wird ihm vorgehalten, daß die Herren bekräftigen, er habe, wie es-im Protokoll steht, seine Nyiregyhazaer Aussage widerrufen und über Mißhandlungen geklagt. Matej bcharrt dabei, daß, als er in Szigeth ins Zimmer gerufen und gefragt wurde, wie man ihn mißhandelt, er geantwortet hätte, es sei ihm nichts geschehen und er habe die Wahrheit gesagt. HerSko, der dabei war, habe ihm Geld versprochen, er solle die Wahrheit sagen. Man untersuchte auch sein Ohr, da HerSko sagte, er sei mißbandelt worden, man fand aber keine Spur. Dann bestellte man ihn ans Nachmittags 2 Uhr, hieß ihn ein Kren; machen und schickte ihn dann nach HanS mit der Bemerkung, er werde schon sein Geld bekommen. Zeuge Gzakoleza erinnert Matej daran, daß ihm der Inhalt des Protokolls erklärt wurde und er dessen Wahrheit an" erkannte. ״Hast du nicht dem UntersuchnngSrichter gesagt, es fei Alles so wahr?" — Zeuge Matej: Gs ist nicht wahr, ich lüge nicht, denn ich will mein Seelenheil nicht verlieren. — Bertheidiger Friedmann fragt Matej, woher er denn wisse, was GsepkanicS in Szigeth ansgesagt.י - Zeuge Matej: Ich habe nur ansgesagt, daß ich nach GsepkanicS ins Zimmer gernsen wurde. Als ich verhört wurde, waren Gscpkanics und HerSko im Nebenzimmer. Der Untersuchungsrichter hat Nnthenisch mit ihm gesprochen. — Bertheidiger Szekely: Wie konnte HerSko ans sein Ohr aufmerksam machen, wenn er nicht im Zimmer mar? — Matej: Gr wurde dann hereingernsen und mit mir konsrontirt. Sodann wird Flößer GsepkanicS gerufen. Gr hat die beiden Zeugen vielleicht in Szigeth gesehen, kann sich aber nicht mehr genau erinnern. Das Protokoll, unter welches er dann ein .Kreuz machte, wurde ihm vorgelesen. Gr wurde Vor- und Nachmittags verhört. Der Inhalt deö Szigether Protokolls wird dem GsepkanicS sodann mitgetheilt und er linei kennt, olles das ansgesagt zu haben. In Szigeth wurde ihm das Protokoll Nachmittags vorgelefen. Matej und Hcrsko waren nicht dabei. Zeuge Czakoleza kann sich nicht mehr genau erinnern, wie er ja auch die beiden Gesichter nicht mehr kennt. Wahrscheinlich wurden die Protokolle den Ginzelnen, wie es üblich ist, besonders vorgelefen. Bertheidiger GötvöS erhebt Ginsprache gegen die Vernehmnng des GsepkanicS überhaupt, da dessen in MarmaroS- Szigeth abgegebene Aussage weder durch ihn noch durch einen Andern in Zweifel gezogen wurde. Die nunmehrige Vernehmnng ist also gar nicht am Platze. — Präsident: Das ist eine individuelle Ansicht. Zeuge Bernhard Bonis hat in HnSzt mil dem dortigen Nichter ein Protokoll mit "Matej, HerSko und GsepkanicS ansgenommen. Die Leute haben sich selbst gemeldet und Klage geführt, daß sie ihren Flößerlohn nicht bekommen. Dabei haben sie auch das im Protokolle Gnthaltene über die Aiisfindnug der Leiche und alle ihre Fahrnisse, die spätere Ginsverrnng und Mißhandlung erzählt und gebeten, man solle daS ins Protokoll anfnchmen, da sie auch für ihre im Gefängnisse verbrachte Zeit Taglohn verlangten. -- GsepkanicS wird ans dem Saale geführt, und Bonis sagt hieraus Matej ins Gesicht, was er in Hnszt über Mißhandlungen zu Protokoll gegeben. - Matej leugnet׳, er wollte nur seinen Lohn haben, von etivas Anderm habe er nicht gesprochen. Gr erzählt umständlich, was damals vorgegangen, und daß cS sich für ihn nur mir Grlangung seines Flößerlohnes handelte. Die Hnszter Herren haben ihn gleich gefragt, was sich auf seiner Reise ereignete; vom Lohn lvnrdc erst später gesprochen. Gr habe nichts dergleichen erzählt, als ob er in Loek oder Nyiregyhaza in Folge Mißhandlungen falsch anSgcsagt. — Zeuge GerichtSnotär Bonis bezichtigt in energischen Worten Matej der Lüge; was im Protokolle steht, sei wörtlich mit Matej so anfgenommen worden. Sodann sagt Bonis dem Matej alles das inS Gesicht, was sich in Huszl zugetragen. ־ Matej verliert seine bisherige sichere Haltung, giebt;11, daß er so, wie Bonis sagt, von der Anjsindnng der Leiche erzählte - Sensation,, aber nur ans Zureden HerSko'S. (Große Unruhe. 1 Die Konsronlirnng ist von spamicndem Interesse. Gegenüber dem intelligenten, gut rnSniakisch sprechenden GerichtSnotär wird Matej verwirrt; er hascht nach Ausreden und verwickelt sich in zahlreiche Widersprüche, doch trachtet er sich zu retten und will glauben machen, daß GsepkanicS diese Aussagen in Hnszt machte und daß er gar nicht zuhörte. — Bonis erklärt dies als eine freche Lüge. Nach kein Zeugen Bonis wird Inro Pomansky, Ortsrichler von ׳Lzeklencze, vorgernsen. Derselbe hat im vorigen Jahre, als die Flößer von ihrer Fahrt heimkehrten, Verschie׳