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Jeschurun · 1883-08-30 · Heft 35 (30.8.1883) · p. 582

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 35 (30.8.1883)
Article
Unsere Aufgabe in der Gegenwart [Nachricht]
Date
1883-08-30
Page
582 (sequence 2)
Language
German
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582 nachfolgende!! Geschlechter schulden dieser Vergangenheit Unendliches und für die von ihr angebaute Wissenfd)aft werden wir stets ihre Schüler bleiben. Die Zeiten aber sind milder geworden und milder und menschlicher die Menschen; die Völker schickten sich an, das an den Inden Jahrhunderte lang geübte Unrecht zu sühnen und deren Annäherung nicht mehr mit Abscheu znrückzuweisen. Mi! dem ganzen Eifer einer lange zurückgehaltcnen Liebe erfaßten die Juden die ihnen dargereichte brüderliche Rechte und traten mit Begeisterung ein in die Hallen europäischer Bildung und Wissenschaft. Die Gegensätze' aber machten sich sehr bald geltend, der Zweifel ward rege, und der innere Kampf traf uns in! Allgemeinen unvorbereitet und nicht gewappnet. Für diesen reichte die Wissenschaft der talmudischen Hochschulen nicht aus. Die formale Zeile des Iudenthums war auf ihnen wohl gelehrt worden, aber in den Geist desselben ciuzudringen, hatte man verabsäumt, hatte es unterlassen, die Gesetze des Iudenthums aus ihrem eigenen Wesen zum begriffliehen Bersläudniß zu bringen und die Erscheinungen in der Natur und Geschichte aus den! Geiste des Judenthmns zu begreifen. Man war eben nicht gewöhnt — und es fehlte hicsür die Anleitung — das Judenthum und seine Gesetze ans den! Judenthmne selbst geistig zu erjassen und ans den! tiefen Schacht die Schütze zu Tage zu fördern, welche cs in seinen! Innern birgt; n!an verstand es nicht, den lechzenden Durst nach Geist und Gcn!üth erhebender Wahrheit und nach den im Busen nagenden Zweifel beschwichtigender Weisheit aus dem Borne des Iudenthums zu stillen und warf sich der neuen vermeintliche!! Wissenschaft in die Arme, der eigenen, nmnnehr verachteten, und für unzeitgemäß und überlebt gehaltenen den Rücken wendend. Sind wir aber schon so glücklich, also als von etwa vergangenen Erscheinungen zu reden? Ist es seitdem überall oder doch zumeist überall besser geworden? Kennen wir jetzt den heiligen Schatz in seinen! vollen 'Werthe, zu dessen Hüter uns die Vorsehung auserkoren? Haben wir seitdem das Gottesgcsetz und uns, unser Geschick und die Geschichte des Tages und das Ziel der MeujchheitSeutwickclung aus diesem Gesetze besser und richtiger würdigen gelernt? Wir wiederholen uachdrücklichst, daß wir hier in! Allgemeinen sprechen und keineswegs blind sind für die Erstarkung eines echt jüdischen Geistes und Lebens, welche in manchen Kreisen seitdem zun! Durchbruch gelangt ist, wie wir am allerwenigsten die segensreiche Wirksamkeit und die großartigen Schöpfungen einzelner wahrhaft großer und bedeutender Männer zu verkennen geneigt sind und in denselben die reiche Saat für die Zukunftshoffnung Israels und der Menschheit erblicken. Dennoch aber halten wir diese Fragen aufrecht und fügen hinzu, daß noch weite, große Kreise nicht zu einer besseren Erkcnntniß gelangt sind. Wie viele irren noch immer ab und gehen sich und dem Judenthnm verloren! Die Lehren des Judenthums, תורוה, vermögen noch immer nicht die Veredelung des Geinüths, die Erhebung des Geistes, die Durchdringung des Lebens im vollen Umfange zu bewerkstelligen, weil sie nicht in ihrem eigenen Begriffe erfaßt werden, weil man hier die Versenkung des forschenden Geistes in ihren Inhalt für überflüssig hält, dort aber in vornehmer Geringschätzung vermeint, die gleiche Erkcnntniß auch aus anderen Quellen schöpfen zu können und nicht den Unterschied begreift, welcher zwischen jüdischer תורה und nichtsüdischcr Lehre vorhanden ist. Und die Syrubole, welche Gort gestiftet zu Dcnkinalcn und Merkzeichen und Predigern der von Ihm offenbarten Wahrheit, die;עדוי, wo wird deren Verständniß geweckt, auf daß die Sprache des Symbols zu uns rede und die Erkenntuiß jener Lehren, הורות, in ihrer Reinheit und Vollständigkeit vermittele, fördere, belebe und befestige? Und so könnten wir fortfahrcn und fragen und würden eine befriedigende Antwort nicht einpfangen. Unsere Zeit rühint sich auch in jüdischen Kreisen eine Zeit der Wissenschaft zu sein; — ist aber das Feld einer jüdischen Wissenschaft, welche also in Wahrheit jüdisch ist, in unseren Tagen ein fleißig und verständig angcbautcs, — einer jüdischen Wissenschaft, welche in den ״Neunzehn Briefen über Judenthum von Ben Usiel" (Seite 97) folgenderu!aßen skizzirt ist: ״Einen Weg gicbt's zun! Heile; — wo gesündigt ward, da muß die Sühne beginnen, — und dieser Eine ist — vergessen die herabgcerbten Ansichten und Nichtansichten über Jndcnthum; nehmen die Quellen des Judcnthun!s ס ,מדרש w', ה׳נ׳ך, sie sür'ö Leben gelesen, studirt und begriffen; daraus Judeuthums Ausicht geschöpft über Gott, Welt, Menschheit, Israel nach Geschick und Lehre, und das Judenthuu! aus sich erkannt, aus sich begriffen, aus sich zu einer Wissenschaft der Lebensweisheit erhoben. — Mit ת׳נ׳ך begonnen, — mit Sprachkenntniß zuerst, aus dem Geist der Sprache der Geist der Sprechenden geschöpft. ת׳נ׳ך dann nicht für Sprach- und Altcrthumsforschungen oder Geschmackstheorien und An!üse!ncnt gelesen; — studirt, zun! Aufbau einer Wissenschaft studirt, — mit Davidischem Linnc Natur angeschaut, mit Jesuitischem Ohr Geschichte vernommen. Und dann, mit also gewecktem Auge, mit also geöffnetem Ohre über Gott, Welt, Mensch. Israel und Thora aus ת׳ג׳ך die Lehre geschöpft, zun! Begriff gebracht. Und dann, mit dem Geiste solchen Begriffs ש׳ם studirt; nichts als in Hatacha Aüseiuanderleguug dieses Begriffs, in Agadah nichts als in Bild verhüllter Ausspruch solchen Geistes. Und dann, — unbekümmert für was euer Studium

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