Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1883)
- Article
- Unsere Aufgabe in der Gegenwart [Nachricht]
- Date
- 1883-08-30
- Page
- 581 (sequence 1)
- Language
- German
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XVI. Jahrgang. A>1,!oucr beit p; . 35. W V ׳<%<*>׳ V T^vrl^llLcllriü pir Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Haus, Gemeinde und Schule. §>cgrünliet von SmllsvN Nllphütl HN'l'ch, iinfj^inci11 ־. Jsrapfitiftficn >Nl׳li1W»s!gkI'l׳II'^nli z» £m11üf1u׳[ a. Hl. Nene Folge. Erster Jahrgang. HeranSgkgebcii unten: Mitwirkung dcS Begründers und bewährter Genossen non Asaac Kirsch. Diese L^vchenschxifl erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — Abonnementspreis bei allen Postanstalten und Buch Hand! nngen 2 J6. 5,0 s iir das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die He lwiu g'schc Verlagsbnchhandlung zu Hannover. — Die Expedition versendet auch direct und franko unter Streifband den Jahrgang für \'2 016 oder 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland und Oesterreich ׳, für 14 <16 oder 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — 111יז ',eigen werden mit *25,״j f. b. :;gespaltene Petit^cile oder deren Raum berechnet. — lLxpe dit i on: Hannover, Thcodorstr. 5,. Mm Aiifglilik itt dtt (örgcuiuurt.״) VI. . Wir glauben hier das Grundgebrechen berührt zu haben, an welchem nicht nnr die Judenheit der Gegenwart krankt, das vielmehr in die vergangenen Jahr- Hunderte hinein die Wurzel seines Ursprungs streckt: die mangelnde Erkenntniß des Geistes des Judcuthnmö, das fehlende Verständnis; für die Erschließung des wahren tiefen GehaltS der Mizwoth, trotz des eifrigsten und hingcbendsten ״Lernens." Wohl blicken wir in ehrfurchtsvoller Verehrung auf die unvergleichlich große und reiche Literatur hin, welche das sprechendste und glänzendste Zetlgniß von dem Ernste und der Treue eines ganzen Volkes ablcgt, das Jahrhunderte lang keinem anderen Gedanken Raum gab. als die Gesetze Gottes in ihrer Anwendung für jede Minute des Lebens zu kennen und ihnen zu gehörchcn ntit der willigen Dahinopfcrnng seiner Ehre und Freiheit, seines Gutes und Bllites. In jenen glorreichen Zeiten, in welchen unsere großen Vorfahren das erhabene Beispiel vollzogen, was cs heiße, Gott treu sein, durch ein Leben voller Entbehrungen und Elend unter dem erbarmungslosen Hohne einer ganzen *) Siehe Nr. 33. Welt, durch einen Tod voller Marter und Qualen von der Hand einer fanatischen, blind wüthcnden Umgcbung, da erachteten es die hervorragenden Männer unseres Volkes, die Lehrer und Führer desselben und ihm voranlenchtcnd in Wissen und hehrer Karaktcrfcstigkeil, als die vornehmlichste Aufgabe, jene gewissenhafte Anwendung des Gesetzes in der Praxis durch die Wissenschaft zu fördern, so daß ein Abirren von dem rechten W-.'gc kaum möglich sei. Einem Zweifel an der Verbindlichkeit dieseo Gesetzes aber vorznbeugcn, für einen innern Kampf zwischen der Lehre des Judenthnms und den Hypothesen einer philosophischen Doktrin oder naturalistischen Weltanschauung die Gcmüthcr zu stärken, lag keine Veranlassung vor zu einer Zeit, wo die Juden ans sich selbst beschränkt und von dem geistigen Verkehr mit der Außenwelt fast ganz abgeschlossen waren, wo sie in jedem Augenblicke vorbereitet und gewillt waren, die Treue gegen Gott und sein Gesetz mit dem Opfer aller irdischen Glücksgüter zu bezeugen und mit dem Märtyrcrtode zu besiegeln. Da genügte es, für diesen unverbrüchlichen Gehorsam nur die Anforderung des Gesetzes zu kennen, und für die Erlangung dieser Kenntniß erstanden überall Lehrstätten, in denen der Wissenschaft mit einer Begeisterung und Unermüdlichkeit gehuldigt wurde, von welchen man in anderen Kreisen kaum eine Ahnung hat. Wir und die uns