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Jeschurun · 1883-08-30 · Heft 35 (30.8.1883) · p. 583

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 35 (30.8.1883)
Article
Unsere Aufgabe in der Gegenwart [Nachricht]
Date
1883-08-30
Page
583 (sequence 3)
Language
German
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583 die Einen, für was die Anderen es halten; nnbctiimmcrt, ob ihr nun in eurem Geiste der Einfachheit nicht mehr zu glänzen vermögct unter den Heroen spitzfindiger, aber der Wahrheit und dem Leben nicht als Ziel huldigender Disputationen; unbekümmert, ob ihr nun nicht in den einzelnen Disziplinen, die ihr nur als HülsSwissenschaftcn für eure eigene durchforscht, zu glänzen vermögct; unbekümmert, ob ihr nun untauglich werdet für schcinvolle Präsentation; — lernet ihr euch zum Lichte der Wahrheit, zur Wärnie und Höhe dcS Lebens, und dorthin gelangt, werdet ihr Israels Geschick und Lehre begreifen, und das Leben als Abdruck solcher Lehre, durch und durch mit Geist erfüllt. — Ein Geist, in Allem, von dem Vau der Sprache bis zum Thatcnbau dcö Lebens — Ein Geist, angewcht von dem Geiste des Alleine״!"?? (Schluß folgt.) Jur ruWeil Mcilfrlige. (Fortsetzung.) Die Denkschrift schildert in eindringlicher, überzeugender Rede das Ungeheuerliche und jeder Vernunft und Gerechtigkeit Hohusprechcude dcS damals im Kreise der höchsten Nathgcbcr der Krone also wider die Juden Geplanten, das Ungeheuerliche und jeder Vernunft und Gerechtigkeit Hohusprcchendc einer Auffassung, welche aus den von rohen Pöbelhordcn gegen friedfertige Mitbürger verübten Gränclthaten die Folgerung ziehen konnte, daß die Schuld dieser zum Himmel schreienden Frevel nicht die Mordbrenner und Plünderer, sondern deren Schlachtopfer träfe, da gerade diese gegen sie geübten Missethatcn den Beweis erbrächten, daß die in Grausen erregender Weise Mißhandelten ohne Zweifel durch ihr Verhalten den Haß der Bevölkerung auf sich geladen, und diese endlich in solchen Ausschreitungen sich Genugthnuug verschafft habe, so zwar, daß aus diesen Ercignisscn der Negierung keineswegs die heilige Pflicht erwachse, aus Mittel zu sinuen, um der durch diese Exzesse verhöhnten Gerechtigkeit eine Sühne zu bereiten, die zu Mord und Raub ausgcstachcltc Menge künftighin in Zügel zu halten und sic zu Recht und Ordnung zu bringen, sondern im Gcgcntheil sich das Problem zu stellen, welcher Kürzung der Gerechtsame, welchen ErwerbSbcschränkungen und Ezistcnzvcrkümu'.erungen der mißhandelte Volksstamm zu unterwerfen wäre, um dem Haß der anderen Bevölkerung Befriedigung zu gewähren und ihrer Feindschaft jeden Grund und Anlaß zur AuSschrcitnng zu entziehen! Nur durch eine solche völlige Umkehrung der Wahrheit und Wirklichkeit der Verhältnisse in ihr Gegeutheil war eS möglich, daß die damaligen Näthc daran denken konnten, für ihre allem Recht und aller Menschlichkeit widerstreitenden Maßnahmen uitd Beschlüsse die Genchmigung eines Fürsten zu gewinnen, dessen Herz nur daS Rechte und Mcltschlichc will, nur die Wohlfahrt aller seiner Unterthancn fördern möchte und dessen Einwillignng zu harten Maßnahmen nur dann erlangt werden könnte, wenn man solche ihm im Lichte der gebieterischen Nothwcndigkeit, ja als daS von dem Heile der davon Betroffenen selbst Geforderte darzustcllcn weiß. Wir haben in den Nummern n, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 20 und 21 unserer Zeitschrift eine aktenmäßigc Darstellung der jüdischen Zustäudc in Nußland gegeben, durch welche der unwiderlegtc und tcnwiderlegliche Nachweis geliefert worden ist, daß in übereinstimmender Weise die kundigsten und für die Bcurtheilung maßgebendsten Persönlichkeiten jede Anschuldigung, welche die Juden für vorhandene soziale und wirthschaftlichc Mißstündc im russischen Reiche anklagen möchte, entschieden zurückweiscn, und somit die Bchauptting, welche die thcilwcise Verarmung und Verkommenheit dcS russischeu Bauernstandes der sogenannten ״Ezploitirung" der Bevölkerung durch die Inden zuschrciben will, ohne jegliche Berechtigung nicht nur, sondern geradezu eine Unwahrheit ist. Wir verweisen an dieser Stelle auf jene völlig objektive Schilderung, welche durch die AuSführung dieser Denkschrift eine willkommene Bestätigung findet. Auch sic zitirt thcilweise die dort ausgcführtcn kompetenten Urtheile jener hochgestellten Persönlichkeiten und weist nach, wie sie alle einstimmig ihre lieberzcugung vor dem Kaiser dahin auSsprachen, daß ״um die Nüssen Volkswirt hschaftlich zur Blüthc zu bringen und aus dein innern Rußlands daS dort vormaltende Elend unb die Armuth , zu bannen, cS kein zuverlässigeres Mittel gebe, als den Inden das Innere von Rußland zu offnen und ihnen dort die Niederlassung zu gestatten; — diese Vorschläge liegen in den Staatsarchiven vor und finden-auch ihre thatsächliche Bestätigung in der Thatsachc, dckß in den Gouvernements, in welchen Inden wohnen, auch der ökonomische Stand der christlichen Bevölkerung ein guter ist, ja, in Polen, wo die meisten Inden wohnen, der votkswirthschastliche Zustand auch der christlichen Bevölkerung ein alle anderen Gouvernements des russischen Reiches bei Weitem übertresfendcr günstiger ist." Sie begründet ihre Behauptung, daß nur die Lüge das Verderben der Juden will und nur die Wahrheit sie retten kann durch den Nachweis, wie cS B. geradezu den Thatsachcn Lügen straft, wenn man für das Laster der Trunksucht, dem in Rußland in erschrecklichem Maße gcsröhnt wird, die jüdischen Brenner und Händler verantwortlich machen will, da statistisch erhärtet sei, daß

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