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Jeschurun · 1883-08-23 · Heft 34 (23.8.1883) · p. 573

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 34 (23.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-23
Page
573 (sequence 9)
Language
German
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M 34 Jeschur» «. 573 Leiche selbst einen so starken Geruch verbreitet. Er erklärt den Gestank der Kleider dahin, dast dieselben einer bereits vergrabenen Leiche abgenommen und dieser an<\clcflt worden \\\ sein schienen. Der Experte ist sodann bestrebt, die Möglichkeit zu erweisen, dast ein Schnitt so geschehen konnte, dast das Mädchen sofort starb, und das; das Blut ihr entzogen werden tonnte, ohne da st die geringsten Blutspuren znrückbkieben. Auf Fragen des BertheidigerS Eötvös antwortet der Zeuge, dast er im Jahre .1810 seine medizinischen Studien beendigt und pathologische Anatomie nicht hörte. Die Fragen über die Körpcrbildnng und inneren Organe der Leiche beantwortet der Experte regclmästig mit: ״Ich erinnere mich nicht". Zeuge erinnert sich jedoch deutlich, dast er, als er einmal allein die Leiche ansah, an den Achselhöhlen Haare bemerkte. Früher hat er sich hieran nicht erinnert, sonst hätte er es schon früher gesagt, jetzt aber ist es ihm eingefallen, und er kann dies beschwören. Die Nägel und die Haut sind nach der Meinung des Experten von gleicher Natur. Befragt, wie viel Centimeter breit ein inneres Organ war, antwortet er, er bediene sich mit mehr Sicherheit des alten Mastes׳ das Organ sei vier Finger breit gewesen.!Heiterkeit.) Ans das Alker von mehr als 18 Jahren schlost er ans dem Durchmesser des Kopfes und der Stärke der Hüften. Bcrthcidiger Eötvös: Die gröstten europäischen Gelehrten erklären, dast man aus der Beschaffenheit und der Dichte der Schädelknochen ans das Lebensalter des Individuums auch nicht annähernd fchliesten £11111. — Experte Horvath: Die mögen das erklären, dast ist ihre Meinung׳, ich habe meine Erfahrung für mich. - Lebhafte Heiterkeit.) Zahlreiche andere Fragen beantwortet der Experte mit einer Naivetät, die erheiternd wir-lt. Bei seinen früheren Ansichten beharrt er trotz der Professoren und Gelehrten. Bon denselben kann ihn keine Kraft und Macht dieser Welt abbringcn, es wäre das so, als ob man ihn bcwegen wollte, für seinen Glauben eine neue Neligion cinzntauschen. Bcrthcidiger Szekelp richtet an Horvath die Frage, ob er an der Dadaer Leiche keine Narbe am Fnste wahrgcnommcn, worauf Horvath eine längere Schilderung dessen giebt, wie er durch die Julie Szakolesai anfmerksam gemacht wurde, dast Esther einen Kuhtritt erhalten habe״, er veranlagte auch, nachdem er wirklich an dem rechten Fnste ctivas bemerkt hatte, die Abwaschung des Fnstes, der dann mit einem .Fetzen abgeriebcn wurde. Hierauf verschwand der Fleck. Einen ähnlichen Fleck bemerkte er aber auch an dem linken Fnste, und als derselbe abgewaschen wurde, verschivand der Fleck auch von dort. Nachdem er aber keine Adleraugen hat, und dies schon nach Sonneinultergang und im Walde geschah, so wollte er sich Tags darauf noch einmal überzeugen, und konnte er damals konstaliren, das; am Fnste ״keinerlei Zeichen" zu bemerken fei. — Bertheidiger S;ekelt): Ist es wahr, dast Sie das Zahnfleisch der Leiche abwärts geschoben haben? — Horvath׳. Nein, durchaus nicht׳, es wurde gar nichts vorgenommen, was die Leiche iiukeniltlich hätte machen können. — Szclcly: Erzählten Sic einem Herrn Lissaner nicht, dast Sie weinend von Tisza-Eszlar znrnckkehrtcn, weil Sie Ihrer Ucberzcngnng dort Gewalt anthnn mnstten? - Horvath: Das habe ich nicht gesagt; vielleicht sagte ich bedauernd, aber nur bezüglich dessen, das; ich in der Leiche Esther nicht eriennen konnte. — Bertheidiger Funtal fragt den Experten nochmals, ob bei tödtlichcm Schnitte in den Hals es möglich sei, dast das Blut langsam der Haut entlang absliestt. — Horvath bejaht diese Frage, cs hänge eben davon ab, welche Ader durchschnitten wird. Damit der Tod sofort rintrete, ist allerdings nolhwendig, dast eine starte Ader durchschnitten werde, ans der dann Blut cmporspritzen müstlc. —- Der Staatsanwalt zeigt später dem Experten eine Zeichnung und fragt, ob der. Uternus so groß war. — Horvath verneint dies — Scheuthauer: Darf ich ein Wort sprechen, Herr Präsident?! zu Hör. vath:) Sehen Sie, Herr Kollege, Sie haben vorhin von ״vierfingerbreit" gesprochen, sich also in der Zahl geirrt. -- Horvath: Natürlich geirrt in der Zahl. So breit war's nicht!zeigt ztvei Finger). Die Bcrhandtnng wird hierauf ans eine Bicrlelstnnde unterbrochen. Nach der Panse wird der Sachverständige Dr. Engen Kiss einvernommen, derselbe, welcher sein im vorigen -Jahre abgegebenes Gutachten Wort für Wort anfrcchthält. Der Präsident hält ihm jene Darlegungen anderer Sachverständigen entgegen, die mit denen des Experten im Widerspruche stehen. — Kiss erhebt sich nun in einer Berthcidignng seiner Aesternngen. Um das Alter feslznstellen, sei die Brust geinesscn worden, deren Umfang mit 70 Eentimeter gesunden wurde; am Halse sei von den Aerzten leine Narbe wahrgenonunen worden. Was die Zeugen dafür hielten, mag Schmutz gewesen sein. Dast das Haar künstlich entfernt wurde, mustten sie daraus fchliesten, weil sic Haarwurzel und -Zwiebel in natürlicher Ordnung gefunden, Bezüglich der Hühneraugen sagt der Experte, das; er solche kaum noch je bei Bauernmädchen wahrgenominen habe; dast Blnlspnren nicht gefunden wurde, findet er begreiflich, wenn die innere Halsvcnc durchschnitten wurden, wobei wenig Blut abstiestt. Die Widersprüche zwischen dem ersten Befunde und dem Gutachten des Sanitätsralhes, die EölvoS dem Experten vorhält, will derselbe daraus erklären, dast die Leiche vom Sanirälsralhe erst später untersucht wurde. Auch die Anämie des Individuums schlossen sie daraus, dast die Leiche völlig blutleer war. Andere Anzeichen fanden sie nicht. An den Glicdmastcn fehlte stelleniveise die Epidermis, über deren Ablösung Kiss Ansichten kundgicbt, die all dem widersprechen, was Eötvös als die Angaben der gröstten Gelehrten anführt׳. -- Der Experte beruft sich ans seine geringe Erfahrung. Bertheidiger Eötvös macht den Experten ansmerksam, das; derselbe schon in einem früheren Falle eine vier Monate-im Wasser gelegene Leiche gelegentlich der Obduktion als vor 1r> Tagen ertrunken erklärte . er hat sich auch damals geirrt, was übrigens den bedeutendsten Gelehrten passiren kann. Solche würden dann nicht anstehen,-zu bekennen, das; sie sich geirrt haben. ״Fühlen Sic sich, Herr Doktor," fragt Eötvös, ״nach den angehörten Gutachten nicht veranlaßt, zu bekennen, das; Sie sich auch bezüglich der Dadaer Leiche geirrt haben können?" — Kiss: In jenem Falle war-die Leiche wohl lange Zeit im Wasser, aber cs war im Winter, und glaube ich, dast im kalten Wasser die Fänlnist viel langsamer vor sich geht. Ich glaube mit Bestimmtheit, mich bei der Dadaer Leiche nicht ' geirrt zu haben. Ans weitere Fragen des Berlheidigers giebt Kiss an, dast die Epidermis an der Leiche vorhanden und nur an jenen Stellen, wo die Kleider anlagen, dieselbe faulend war. - Eötvös verlangt vom Zeugen, er möge ihm einen Antor nennen, der eine Theorie wie diese anfstellc. — Experte iciint keinen Namen nennen. — Eötvös: Ich kann Ihnen aber welche nennen, die gerade das Gcgcnthcil behaupten. — Kiss erzählt dann, dast er gehört, Israeliten benützten zur Entfernung von Haaren eine grünliche Salbe und ein sinmpscS Messer; wenn dies bei der Leiche angcwcndet wurde, so sei es erklärlich, dast Haarzwiebeln gesunden wurden. Ans die Frage Eötvös', ob er denn die Salbe, welche gleichmästig von Christen und Inden benutzt und Znripi^incmUim genannt wird, nicht kenne, antwortet Kiss, er habe eine solche noch nie in Händen gehabt. Weiteres giebt Kiss an, dast bei den ans dem Wasser gezogenen Leichen, wenn deren Oberhaut auch runzelig ist, unter dem Eindrücke der Lust und der Sonnenwärme die Nnnzeln wieder verschwinden. Diese Kenntnis; hat er ans eigener Erfahrung. — In Bezug aus das Lebensalter macht der Bertheidiger den Experten anfmerksam, dast derselbe keine Gründe für seine im Gutachten niedergelegte Ansicht angeben könne, und daß die»

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