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Jeschurun · 1883-08-23 · Heft 34 (23.8.1883) · p. 570

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 34 (23.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-23
Page
570 (sequence 6)
Language
German
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570 noch Haarwurzeln vorgcsnndcn, weil die Haare, unmittelbar über den Knochen stehend, in Folge des stärkeren Widerstandes an dieser Stelle abbrachen. Unter dem lüiifroffop kann wohl abrasirteS und abgebrochenes Haar verwechselt werden; in diesem speziellen Falle ist dies jedoch ausgeschlossen, weil an der Dadacr Leiche wahrgenommcn wirrdc, das; ein großer Theil der Haare abgebrochen, ein großer Thcit aber sammt den Haarwurzeln ausgefallen war. Ein solches Abrasiren wäre aber nicht möglich. Tic Türken zum Beispiel rasiren ihre Schädel; dies hindert aber nicht, daß die abrasirten Haare sich verjüngen. Durch Rasiren also kann ein Entfernen der Haare samm! den Haarwurzeln nicht bewerkstelligt werden, und ist eine Hypothese, die gewisse Erscheinungen nicht erklärt, wissenschaftlich als falsch zu bezeichnen. — Auf die Frage über die Möglichleit des lim* driugens von Fettstoffen in die Kleider, antwortet der Zeuge, daß nach seinen (Erfahrungen die Kleider, trotzdem sic im Wasser waren, Fettstoffe sehr wohl anfnchmen konnten. — Auf eine andere Frage mit Bezug auf die Aussage Moriz Scharf's autwartet der Zeuge, daß es keinen Feyen gicbt, der eine Wunde an! Halse so verbinden konnte, daß nicht' die im Körper verblicbenett;tvci Fünftel des Blutes den Kleidern entlang durchgeflossen und diese blutig gefärbt hätten. ׳ Ter Chemiker konnte aber trotz einer ausgezeichneten Methode keine Blntspuren finden, lieber den Geruch unter dem Floß befragt, antwortet Scheut- Hauer, daß oie Leiche selbst und die aus ihr ansfteigendcn Gase eine starke Neigung, an die Oberfläche zu gelangen, besaßen und die in der Nähe befindlichen Flößer durch die Spalten des Floßes dies wahrnchmen mußten, da der Leichcngernch nnwiderstehlich heftig wirkt. Längere Zeit die Leiche unter dent Floß zu ziehen, ohne daß sie Verletzungen erhalte, ist zwar möglich, die Verletzungen, welche die Dadacr Leiche dennoch aufwics, stammen nach seiner Ansicht vom Liegen auf dem Wassergrundc her. Professor Schenthaner beantwortet jede Frage mit großer Sicherheit und Auszählung aller Gründe für seine Ansichten, ohne sich genau ans das zu beschränken, was die Frage enthält. Seine ausführlichen Aufklärungen giebt er heute mit großer Ruhe, unter großer Aufmerksamkeit auch des Auditoriums ab. — Präsident: Wann hat sich Fellwachs an der Leiche gebildet? — Schenthaner: Die Bildung des FeNwachses kann׳ auch nur durch den Geübten erkannt werden. AuS Büchern läßt sich dies nicht lernen. Fische pflegen die Leichen nicht zu berühren; an tieferen Stellen des Flusses finden sich keine Wasserratten und Krebse, tvelche die Leichen wohl anzusresscn Pflegen. UcbrigenS waren an der Leiche geling KonlinnitütSmängcl, so daß selig'! dieser Fall hätte einlretcn können. Die Nieren faulen aut spätesten und so ist es zu verstehen, das; selbst bei der Cphumirung dieselben unversehrt befunden wurden. — Unter den von Schenthaner behandelten beiläufig :10 Wasserleichen hatte er keinen Bekannten: er glaubt, daß Brauche erkannt, Andere in demselben Stadium mit Sicherheit nicht wieder erkanrtt werden können. Wenn die Nägel bei einer frischen Leiche geivaltsam entfernt worden wären, bei älteren fallen sie ja von selbst ab, dann hätten die Nagellagcr solche Sprünge und Risse gezeigt, daß sic keinesfalls mehr jene Glätte und jenen Glanz gehabt hätten, wie es bei der Dadacr Leiche der Fall war, als wir sie untersuchten. Gegen Cndc der zweiten Woche beginnen sich die-Nägel abzulöscn, worauf sich dann die Cpidermis wie ein Handschuh abstrcift, und zwar, wenn äußere Einflüsse dazukommcu, früher, ivenn nicht, später, nach ntehrercn Wochen. Aus der Knocheubildung kann bei Kindern und in der Zeit der Pubertät das Alter bestimmt werden. Bei der in Rede stehenden Leiche ist das Alker von 1*, 1 i) oder *JO Jahren völlig ausgeschlossen. Der Experte könnte hierfür auch Gründe anführen — obwohl dies dem Publikum vielleicht nicht gefallen würde, weil dies eine rein wissenschaftliche Frage ist — daß WeißheitSzähnc sich im vierzehnten Jahre zu entwickeln beginnen. — Nach dem Präsidenten richtete der Staatsanwalt Fragen an Professor Schenthaner. Ans dessen erste Frage, ob cs möglich sei, daß bei der von Moriz Scharf dargestcllten Art der Abschlachtung keine Blntspuren vorfindlich seien und ob Blut in den Teller fließen konnte, antwortet Schenthaner: Es war unmöglich, daß, wie immer der Schnitt erfolgte, nicht wenigstens an den Kleidern Blntspuren in der Umgebung entstanden, denn tvic ich berechnet habe, mußte Esther Solymosi wenigstens -!0 Kilogramm gewogen und nach anerkannter Regel drei Kilo Blut besessen haben; davon können 1800 Gramm abgeflosfen sein, zwei Fünsthcilc des Blutes blieben im Körper zurück. — Staatsanwalt: Das abfließende'Blut wurde angeblich in einem Teller ausgcsangcn und als dieser voll war in einem zweiten Teller. — Schenthaner: V/2 Liter Blut — dazu hätte 1)1111! wohl sechs Teller gebraucht; (lächelnd:) ich möchte einen selchen Teller gerne sehen! CS wäre gut, wenn ein solches Exemplar vorhanden wäre. — Bezüglich des Nichtvorhanden- ,'eins der Nägel nach der Exhumirnng äußert sich Scheuthauer, daß, nachdem Zeugen dafür vorhanden seien, daß bei der Bestattnng der Leiche alle Vorsicht angewendet wurde und nichts von derselben abhanden kam, die Nägel unbedingt hätten vor- Händen sein müssen, wenn sic bei der ersten ׳Lezirnng dagewese» wären, und daß die Zehen unmöglich im Leben so übereinander hätten gelegt sein können, wie es jetzt das Präparat zeigt, dessen sei er vollkommen sicher. Eine solche Pressung könne nur bei der Verpackung der Leiche entstanden sein. Für das Verbleiben der Wimperhaarc an der Leiche gicbt Scheut- Hauer dieselben Grunde an wie Professor Belky. — Staatsanwalt: Kann eine Leiche leichter in den Kleidern oder entklcldet. agnoszirt werden? — Scheuthauer: Darüber bin ich nicht Sachverständiger, übrigens glaube ich, daß, wenn Jemand eine Person nur immer in den Kleidern gesehen, und dann ihre Leiche nackt sieht, er dieselbe schwerlich erkennen wird, auch wenn sic noch ganz frisch ist. — Vertheidigcr Cötvös: Wie erklären Sie cs, Herr Professor, daß am Rumpfe der Leiche ein geringerer Grad der Verwesung konstatirt wurde, als an den Weichtheilen und an den Gliedmaßen? — Scheuthauer^ Das war eine Täuschung der Untersuchungen, welche jene Stellen, wo die Epidermis schon abgelöst war, für frischer hielten, und die Fänlniß nur dort wahrnahmen, wo sie noch vorhanden war. — Präsident: Behaupten Sie das bestimmt? — Scheut- Hauer: Die Epidermis löst sich dort an! schnellsten ab, wo sie am wenigsten geschützt ist, z. B. wo die weichen Körpertheil'e dicker find, und wo die Kleider den Körper schützen. Mehrere Zeugen behaupten, daß die Leiche Rosasarbe halte, das waren eben jene Stellen, wo die Epidermis schon fehlte. — Eölvös fragt, ob cS vom medizinischen Standpunkte gerechtfertigt und von Nutzen sei, daß Laien über ihre Wahrnehmungen an Leichen verhört und darüber Protokolle ausgenommen werden. — Schenthaner: Es mag dies von einigem Nutzen sein, aber daß diese *Wahrnehmungen mehr Gewicht haben sollen, als die Beobachtnngen von Fachmännern, bezweifle ich sehr. Auf die Frage, ob die Nägel mazerirtcr Leichen, wenn sie im Abfallen begriffen.sind, sich nicht ein wenig vorschicben und dadurch als wohlgepstegte lange Nägel erscheinen könnten, antwortet Scheut- Hauer, daß dies möglich sei, und daß der Untersuchende die geringe Niveau-Differenz von Nägeln und Nägcllagcrn nicht wahrnimmt, es sei denn, er besichtige die Finger von allen Seitcn und betrachte sic auch an den unteren Enden der Nägel. Alich können ja nicht alle Nägel gleichzeitig abfallen, sondern ein oder zwei noch vorhanden gewesen sein, und daraus haben die Untersuchenden vielleicht ans das Vorhandensein der gesammtcn Nägel geschlossen. — Präsident: Wäre kein auffallender Unterschied zwischen Nägel und Nägellager sichtbar gewesen? — Schenthaner: Faktisch nicht. — Die Frage, ob der penetrante Geruch der im Wasser liegenden Leiche nicht hätte wahrge-

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