Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-23
- Page
- 566 (sequence 2)
- Language
- German
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־ 566 ais die Leiche sczirt wurde, war vom Flecke keine Spur mehr, ' höchstens eine kleine Linie, die keine Beachtung verdiente.; Tie Konsrontirnng hat kein anderes Resultat, als daß > die Zeugen bei ihren ersten Behauptungen beharren.! Nun folgt eine halstündige Pause. %1d) Wiederaufnahme der Verhandlung ersucht der Zeuge Geza Horvath den Präsidenten, er möge den Professor Dr. Scheut Hauer aufmerksam machen, sich verletzender Ausdrücke und Ermahnungen zu enthalten, denn Zeuge sei noch nie ans der Anklagebank gesessen und hoffe auch fernerhin nicht dorthin zu kommen. Der Präsident erklärt, diese Ermahnung bereits an den Herrn Professor gerichtet;1! haben und spricht die Hoffming ans, daß ein ähnlicher Fall sich nicht wiederholen wird. — Bertheidiger Friedman« bemerkt hierauf, daß Professor Schculhauer vom wissenschaftlichen Standpunkte ans gesprochen, und daß seine Ausdrücke keinerlei Verletzung iuvolvirten. Hierauf folgt die Vernehmung des Zeugen Johann Szücs, der zur Zeit des Aufsindenö der Dadaer Leiche Feldhüter in Dada war׳, er ist derjenige, der mittelst Widerhaken die Leiche ans dem Wasser zog und nachher die zur ersten Leichenschau erschienenen amtlichen Funktionäre benachrichtigte. Der Zeuge spricht in schlichter Weise und macht den Eindruck eines Mannes, der sich dessen bewußt ist, daß er auf seine Depositioncn einen Eid abznlcgen hat. Als er mit dem Stnhlrichler und anderen Herren nach dem FüzcS zurückkam — so erzählt er — fanden sic die weibliche Leiche in einem Grabe, und die Flößer sagten, sie hätten die Leiche deshalb begraben, weil es bei ihnen Gesetz fei, Leichen, die sie ans dem Wege finden, zu begraben Bei dieser Leiche thaten sie dies schon aus dem Grunde, weil ihnen der Wind den unerträglichen Geruch derselben;!:führte. Zuerst mit dem Seitengewehre eines Panduren, dann mit einem Grabscheit legten sie die Leiche bloß. Das Erste, ivas der Zeuge sah, war eine menschliche Hand, um deren Gelenk ein Tuch ge. blinden war. Er maß die Leiche im Verein mit dem vorigen Zeugen Geza Horvath mit einer Nnthc, und. sie fanden dieselbe beiläufig 144 Zentimeter lang. Ein Auge der Leiche war zugeklebt, das andere stand offen׳, sie legten den Körper auf ein mit Stroh bedecktes Brett und ließen bei demselben eine Wache zurück. Es war damals 11 Uhr Nachts. Am nächsten Nachmittag begab sich der Zeuge mit der Kommission an das Theißuscr, wo Horvath die Leiche vom gröbsten Schmutz reinigte. Das Tuch, worin der Zeuge die Farbe sah, wurde der. Leiche abgene-mmen. Der Leichnam trug um den Hals ein großes Tuch mit rolhem Rande und war mit einem blauen Blocke bckleidet. ./Wir legten die Leiche auf den Nasen, Horvath begoß sie zwei- bis dreimal von allen Seiten mit frischem Wasser. Dann wurde ein Mädchen, ich weis; nicht woher, zur Leiche gerufen und befragt, ob es dieselbe kenne. Das Mädchen antwortcte, sic glaube sie zu kennen und möchte nur wissen, ob sie auf dem Fuße ein Zeichen trügt. Es wurden nun insbesondere die Füße gewaschen, worauf das Mädchen sagte: ״Ich sehe etwas auf dem Fnßrücken, das ist die Esther Solymosi." Dann wirr» den noch mehrere Frauen zur Leiche gerufen׳, in der Hand der Frau Solymosi sah ich ein Tuch, welches demjenigen glich, das ich von der Hand der Leiche abgestreift hatte. Ich sagte zur Frau Solymosi: ״Sehen Sie, das ist ja Ihre Tochter, warum wollen Sie sie nicht erkennen?" Als dann der Staatsanwalt kam, mußte ich den Platz verlassen. Ich entfernte mich und wollte auch gar nichts mehr sehen." Der Zeuge deponirt Weiler, daß die Leiche bedeckt worden sei, daß Niemand mehr an dieselbe herantrelen durfte und man sie ans den Locker Friedhof brachte. In Esz'.ar wurde später der Körper in dem Garten der Frau Batory niedergclegt. Zuerst wurden der Pfarrer und der Schullehrer dahin gerufen. Der Staatsanwalt habe ihn, Zeugen, gefragt, ob er derjenige sei, den er gestern sortgctriebcn, weil er zur Frau Solymosi, sei es nun anS guten oder schlechten Absichten, gesagt, sie solle in der Leiche ihre Tochter erkennen. Frau Solymosi sagte hierauf, ich hätte ihr schon die Tokaier Leiche als die ihrer Tochter bezeichnet. Ich hatte nämlich auch die Tokaier Leiche ans dem Wasser gezogen und dort reden gehört, daß dies die Esther sei. Im Gemeindehanse wurden mir Vorwürfe gemacht, warum ich gesagt habe, daß dies die Esther sei, da doch ihre Mutter cs bestreite. Auf Befragen des Präsidenten demonstrirt Zeuge, wie das Tuch unten in einem, oben in zwei Knoten lose gebunden war. Man konnte es abstrcifen. In dem Tuche fühlte Zeuge beim Hineingreifen eine weiche Farbcnmasse; diese Farbe war schwarz. Er sah deutlich, daß die Leiche angefchwollen war. Am Fuße der Leiche hat er genau den Fleck gesehen,. den die Szakolcsai angegeben hatte. Er war länglich, von gleichmäßig dunkler Farbe und thalergroß. Der Zeuge zeigt an seinem Fuße die Stelle, wo er den Fleck wahrgenonnnen. lieber die Nägel befragt, zeigt Zeuge seine eigenen, welche stumpf und breit sind, mit der Bemerkung, die der Leiche seien ebenso, nur kleiner gewesen, lieber den Rand der Finger seien die Nägel bestimmt nicht hinansgeragt. Die Sachverständigen besichtigen sodann die Nägel des Zeugen. Befragt, für wie alt er die Person hielt, sagt er, daß er dies nicht bestimmen könne. Die Doktoren hätten gesagt, es fei die Leiche einer 24—25 jährigen Person. Vom Busen habe er nur einen Anstug wahrgenvmmcn. Ein Hühnerauge habe, er nicht bemerkt. Die Zehen waren gerade und nicht übereinander gelegt. — Es werden dem Zeugen sodann die ans dem Gcrichtstischc liegenden Kleider der Leiche gezeigt. Frau Solymosi steht ans und nähert sich dem Tische. Der Zeuge erkennt die .Kleider und deponirt dabei, daß die Leiche nirgends Haare hatte, Augenbrauen waren nicht vor». Händen. Während er das Farbentuch agnoSzirt, bemerkt er, ein solches Tuch habe bei der früheren AgnoSzirung die Solymosi in der Hand gehabt, und er habe sie darauf aufmerksam gamacht. — Frau Solymosi (zornig): Ich habe mit ihm nicht gesprochen׳, er wollte mich nur bereden, die Leiche sei die meiner Tochter. — Zeuge: Sie sind ja doch in Ohnmacht gefallen, geantwortet haben Sie mir nichts, sondern nur gcwchklagt. - Frau Solymosi׳. Sie lügen! Es wird sodann Frau Gabriel Lolyinosi, Schwester der Mutter des Mädchens, vernommen. Sie erinnert sich, SzücS bei der Leiche gesehen zu haben. — SzüeS: Sie haben zu Ihrer Schwester gesagt: ״Leugne cs nicht, es ist deine Tochter." — Zeugin (erregt): Das habe ich nicht gesagt! — Es entsteht ein heftiger Wortstreit zwischen den Zeugen, dem der Präsident mit einer ernsten Mahnung ein Ende macht. '—■ Zeuge Szücs bemerkt, die Johann Solymosi habe;11 ihrer Schwester gesagt, sie möge die Leiche ansehcn, wenn sie in derselben die Esther erkennt, so werde auch sie dieselbe besichtigen, sonst aber nicht. — Zeugin Gabriel Solymosi: Ich habe die Leiche dreimal angesehen und immer gesagt, es sei keine Spur von der Esther. Die Zeugin giebt nun die Gründe an, weshalb sie in der Leiche nicht Esther erkennen konnte׳, auch sie habe blaue Augen gesehen. Sie erkennt dann alle ihr vorgewicsenen Kleider als diejenigen Esther's. Auf die Frage des Staatsanwalts erzählt die Zeugin, der Stnhlrichler habe in Dada zu ihrer Schwester gesagt, die Leiche habe ein eben solches Tuch an der Hand gehabt, wie sie ׳, damals hatte sie die Leiche noch nicht gesehen, — SzücS: Ich habe einen Zeugen dafür, das; Sie gesagt haben, Sie erkennen in der Leiche die Esther, Alexander Nota heißt er und ist da im Zeugenzimmer. — Präsident: Derselbewird später verhört werden. — Eötvös fragt dann Szücs über die Augen der Leiche, und als derselbe bemerkt, dieselben seien schwarz gewesen, ruft Esther's Tante: ״Sie lügen den Inden nach, die Augen der Leiche waren blau." — Eötvös: Wurden zur Leiche Juden