Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-23
- Page
- 565 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 34 Jeschnrutt 565 Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza. (Fortsetzung der Verhandlung vom 11. Juli.) Vcrtheidiger Eötvöö: Ich werde die Ehre haben, dem hohen Gerichtshöfe jene mit Ihrer Unterschrift versehene Erklärnng zur Verfügung zu stellen, anö welcher ersichtlich sein wird, welche Wichtigkeit Ihrer jetzigen Dcposilion im Gegensätze zu Ihrer damaligen beizulcgen ist. — Der Zeuge deponirt weiter: Die Zunge war innerhalb der Zähne und gepreßt, als das Kinn der Reiche emporgchoben wurde. Die untere Kinnlade hing so viel als möglich herab. — Vcrtheidiger Eötvöö macht den Zeugen aufmerksam, daß hiervon im Visum repertuni kein Wort steht. Hierauf antwortet der Zeuge, daß nicht er, sondern Dr. Kiß dasselbe verfertigte. — Vcrtheidiger EötvöS fragt den Zeugen, ob er die Nase der Leiche nicht gerichtet habe, denn er habe einen vom Zeugen gezeichneten Artikel im ״Függetlenseg" gelesen, in welchem er deraillirt beschreibt, daß er die Augenlider gereinigt und die Nase gerade gerichtet habe. — Zeuge: Ich habe sie nicht gerichtet, sondern nur gereinigt. — Der Zeuge, auf seinen Widerspruch aufmerksam gemacht, daß er dem Präsidenten zuerst geantwortet, die Leiche sei blaß und dann, sie sei schwärzlichgelb gewesen, antwortet verwirrt und findet schließlich das Wort wachsgelb. — Vcrtheidiger Eötvöö: Sie sagten, die Leiche sei jedenfalls die einer entwickelten Person gewesen, und begründeten diese Ansicht damit, die Leiche habe im Allgemeinen so anSgesehen. — Zeuge: Es besteht ein Unterschied zwischen einem elfjährigen Kinde und einer neunzehnjährigen Person. Der Zeuge widerspricht auch dem ärztlichen Befunde und bleibt bei seinen Behauptungen, unter Anderm auch bei der, daß die Leiche nicht aufgelrieben schien. Der Zeuge hat die Operation der Sezirnng allein vorgcnommen und dort geschnitten, wo es ihn die Aerztc hießen, lieber die Nägel bcfragt, antwortet der Zeuge, daß dieselben ihnen, da sie nach der jetzigen Mode beschnitten tvarcn, ausgefallen seien. — Verth. Eötvöö: Wie kam es, daß die Nägel bei der späteren Untersnchung völlig fehlten? — Zeuge: Vielleicht waren sie mittlerweile abgefault. — Vcrtheidiger Eölvös: Können Sie mir nicht die Zeitungen nennen, in tvelchen Sic gelesen, daß Esther auf dem Fußrücken einen Fleck gehabt? — Zeuge: Ich erinnere mich nicht, in tvelchen Blättern ich dicö gelesen. Ich tvciß eS vielleicht vom Hörensagen. — Vcrtheidiger Eötvöö richtet weiter Fragen an den Zeugen in Bezug nnf die Frottirung der Leiche mit einem Fetzen und Slrohwiich, worauf der Zeuge antwortet, daß er glaubt, dadurch die Epidermis nicht abgerieben zu haben, und daß nach dem Frottiren der Körper eine ganz gleiche Farbe zeigte. — Vcrthcidigcr Eötvöö konstatirt, daß der Landeschcmiker Felletar an den Kleidern ganze Fetzen Epidermis gefundcn habe. — Der Zeuge hat die Füße nicht gemessen, auch nicht sehr aufmerksam besichtigt. — Vcrtheidiger Eötvöö: Sie haben erst bei der Sezirnng wahrgeuomiuen, daß die Zehen übereinander liegen? Wie waren dieselben? — Zeuge: Weich. — Vcrtheidiger Eötvöö: Wie waren die Augen? — Zeuge: Bräunlich, nicht eben blau, sondern eher bräunlich. — Verth. Eötvöö: Warum wollen die Eszlarcr Zeugen alle blaue Äugen gesehen haben? — Zeuge: Das weiß ich nicht. — Ter Präsideut konstatirt, daß im Bcsundprotokoll die Augen als braun bezeichnet sind. — Professor Scheut Hauer fragt den Zeugen, ob er schon früher eine Leiche in atntlicher Eigenschaft sezirt habe. — Zeuge: Früher nie. — Professor Schenthaner macht den Zeugen aufmerksam, daß die Nägel in vielen Jahren nicht faulen. — Ter Präsident ermahnt Scheulhauer, mit dem Zeugen nicht im Prosessorcntonc zu frechen und den Zeugen nicht zu brüökiren. — Professor Schenthaner: Nun gut! — Professor Schenthaner fragt dann detaillirt, wie der Zeuge Nägel untersucht, und bemerkt, daß die Nägel von Wasserleichen oft mit dem Nagcllagcr verwechselt werden. — Zeuge: Eö waren wirkliche Nägel. — Professor Schenthaner: Auch ich habe mich schon in dieser Beziehung geirrt. — Zeuge: Ich habe gut gesehen. Auch hat Niemand von den anderen Herren die Nägel nicht für Nägel gehalten. — Professor Schenthaner: Tausend Laien ersetzen noch nicht Einen Wissenden. — Unter großer Unruhe des Publikums und Zwischenrufen setzt Professor Scheut- Hauer die Fragestellung an den Zeugen fort, worauf derselbe antwortet, daß er in Folge Auftrages Dr. Traitler's in die Hühneraugen schnitt, daß er nicht als Fachmann dort war und daß er nicht wisse, wie mazcrirte Leichen aussehcn und ob die Epidermis bereits abgcsallcn sei oder nicht. — Professor Scheut- Hauer schildert sodann eingehend, tvie solche Leichen auözusehen pstegen, was den Präsidenten veranlaßt, ihn zu ermahnen, bloö Fragen au die Zeugen zu richten. — Professor Schenthaner: Dies gehört, ich bitte, zur Sache, um zu zeigen, worin die Sachverständigen sich geäußert haben, worin nicht, weil cö sich sonst leicht Herausstellen würde, daß sic Dinge nicht tvußlcn, die sie hätten wissen sollen. Ich wollte zit Gunsten des Angeklagten Zeuge: Ich bin nicht Angeklagter. (Gelächter im Publikum.) — Professor Schenthaner: Sie sind cS nicht, können cö aber werden! (Großer Lärin, Unruhe im Publikum.) — Präsident (erregt): Bitte sich an die einzelnen Fragen -zu halten. (Zustimmung im Auditorium.) Professor Schenthaner: Haben Sie Kenntniß davon, ob die Hände und Füße glatt oder runzelig waren, denn die Haut wird, wenn der Leichnam lange unter Wasser liegt, runzelig und die Fingerspitzen werden weiß. DaS Wcißivcrden schreitet immer vorwärts. Glauben Sie nicht, daß die Epidermis bereits gefehlt hat? — Zeuge: Darauf werden die Fachmänner antworten. Dr. Traitler: Ich habe mich nicht geirrt. - Präsident: Hierauf wird der Herr Sachverständige, wenn er gefragt wird, antworten. — Auf eine fernere Frage Schenthauer'ö bemerkt der Präsident, der Zeuge inöge nur auf das antworten, was er gesehen hat. — Professor Scheulhauer: Wer hat in den Uterus geschnitten? — Zeuge: Dr. Traitler. — Professor Schenthaner: Mir hat Dr. Traitler gesagt, daß Sie hineingeschnitten haben. — Dr. Traitler: DaS leugne ich. — Professor Scheulhauer: Das beschwöre ich. — Professor Schenthaner fragt weiter, wieso die untersuchenden Herren die Leiche für frisch halten konnten, ob sie nicht glaubten, daß eö sich vielleicht um eine alle handle. — Dr. Traitler (dazwischenrufeud): Nein! — Professor Schenthaner « zum Zeugen-: Was denken Sie jetzt? Was kann der Fleck auf dem Fnßrücken gewesen sein? — Zeuge: Ich habe keine andere Ansicht als früher. — Prosefior Schenthaner legt in überzeugender Weise dar, daß der Fleck nicht voin Schlamme hergerührt haben kann. — Der Präsident unterbricht ihn mit der Bemerkung, an den Zeugen keine wissenschaftliche Belehrung zu richten. — Professor Scheulhauer: Ich habe nichts mehr zu fragen. — Nun stell! Professor Mihalkovieö Fragen über die Art der Sezirung. — Der Zeuge antwortet regelmäßig: Ich erinnere mich nicht. — Professor Belky fragt über die Nägel und zeigt dem Zeugen mehrere Präparate. — Der Zeuge weiß nicht mehr, wie die Nägel anSgesehen. Sodann wird der Zeuge Apotheker-Gehülse Zurany vorgerufen und ihm vom Präsidenten mitgekheilt, warin die Anssagen Horvath'ö von seinen gestern gemachten abtvcichen. Zurany erklärt, er sei sicher dessen, waö er gestern gesagt. Das Tuch war lose um das Handgelenk gebtlnden. Der Fleck blieb am Fuße auch nach dem Waschen sichtbar, Horvath beharrt dabei, daß der Fleck verschwunden war. Dr. Kiß: Wir haben den Fuß sehr gut gewaschen, und