Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-16
- Page
- 550 (sequence 10)
- Language
- German
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Leiche und ermahnt den Zeugen wiederholt, in seinen Antworten ' 11. Juli. Bei nahezu leerem Saale erofsnete der Prasivorsichtig zu sein und nur Sicheres zu sagen. ' dcnt um halb l) Uhr die Verhandlung. Sodann beantwortet Zeuge mehrere Fragen des Professors Am Sachverständigentische befinden sich die Professoren Mihalkovics. Brüste seien absolut nicht vorhanden gewesen. Scheuthauer, Belky, Mihalkovics und die Doktoren Traitler Das Individuum schien ihm gut genährt. Der Zeuge hat die; und Kiss. Leiche an vielen Stellen wiederholt berührt. Der Präsident theilt nun mit, das; an Stelle des er. Professor Belli befragt den Zeugen namentlich über die Augen, den Mund 11. s. w. Die Leiche, erklärt der Zeuge, war nicht fett. ׳ Dr. Traitler fragt den Zeugen, warum er seinerzeit ihn und seinen Kollegen Kiss nicht aus den Fleck am Fuße ansmerksam gemacht. Der Zeuge antwortet, er habe daraus hingezeigt, die Herren hätten es aber nicht beachtet. Tr. Traitler erklärt, davon nichts zu wisien. Bertheidiger Eölvös wundert sich, dag Dr. Traitler unter den vorzuladcndcn Zeugen nicht auch Bari) genannt, Es sei sehr aussallend, das; der gegenwärtige Zeuge, ebenso wie die Szakolczai, von der Fugnarbe erzählt, dag Letztere auf dem Fuge der Leiche gezeigt, und dag doch in keinem Protokolle etwas hierüber vorhanden ist. Ter Staatsanwalt ist gegen die Einberufung der neuen Zeugen, welche Dr. Traitler zitirt haben will. Bertheidiger Friedmann wünscht, dag, wenn bei der Untersuchung Fehler vorgekommen, und der Gerichtshof hierüber eine Untersuchung zu Pflegen gedenkt, diese Sache vollständig von der gegenwärtigen Verhandlung getrennt werde. Präsident: Der Gerichtshof wird darüber entscheiden. Es werden sodann die Kleider der Dadaer Leiche in drei Packeten hereingebracht. Die Packele werden geöffnet und dem Zeugen vorgezcigt. Das Publikum drängt neugierig vor. Die Kleidungsstücke sind verblichene durchsichtige Fetzen. Der Zeuge erkennt die meisten derselben als jene, mit welchen die Leiche bekleidet n׳ar. ' Ein Tuch, ein Kopftuch, eine roihe Schürze mit dunklen Streifen, einen rolhen Uuterrock, einen dunklen Oberrock, ein Hemd, dann zwei Gläschen mit der von dem Tuche abgelösten Farbe. Professor Scheuthauer fragt den Zeugen, ob die jetzt auf dem Oberhemde vorhandenen dunklen Flecken schon damals, als er die Leiche sah, vorhanden waren. Der Zeuge erinnert sich nicht. Professor Scheuthauer: Ich glaube, diese Flecken rühren von Ultramariusarbe her, und es wird jetzt untersucht werden, wie lange dic׳'c Farbe einwirken muß, um solche Flecken hervorzubringen. Dr. Traitler bemerkt, dag die Farbe, welche damals sofort versucht wurde, blau färbte, und jetzt färbe sic schwarz. Der Zeuge Zuraupi müsse sie demnach ausgetauscht haben, ehe er sie dem Staatsanwalte übergab. Zeuge: Wenn die Farbe jetzt ebenso ins Wasser gelegt und längere Zeit belassen würde, möchte daS Wasser ebenfalls blau werden. — Es wird der Zeuge Doktorand Geza Horvath vernommen. Derselbe erklärt, er habe beim Ausgrabcn und Aushcbeu der Leiche mitgewirit. Gerichtsvotant Gruben, der schon seit einigen Minuten am ganzen Körper zittert und Farbe wechselt, siüslert dem Präsidenten etwas ins Ohr, worauf der Präsident erklärt, die Verhandlung müsse in Folge bestimmter Gründe auf eine halbe Stunde unterbrochen iverden. Nach anderlhatbslündiger Pause erklärt der Präsident, daß ein Richter erkrankter da aber derselbe voraussichtlich morgen wieder thcilnehmen dürfte, trete kein Ersatzrichler an dessen Stelle. Jetzt werde die Bei Handlung nicht fortgesetzt werden. Von morgen an beginnen die Verhandlungen um 8 Uhr. Ter Apotheker Zuranyi wird beeidigt. krankten Richters Gruden der Ersatzrichler Feher-Barna an der Verhandlung theilnimmt. Zeuge Geza Horvath, der nun vorgerufen wird, deponirt, dag er am 18. Juni beim Stuhlrichtcr von Dada Abends die .Meldung gehört, die Esther sei gesunden, ihre Leiche liege in Esonka-Fuczcs. Horvath fuhr mit den Anderen zur Theiß hinausz er stieg in das Grab und besichtigte die Leiche am Halse und dann am Körper. Das Tuch war mit einigen Knoten fest an das Handgelenk gebunden. Im Papier und Tuche war die Farbe׳, am nächsten Tage wurde die Leiche ans dein Grabe gehoben und von Sachverständigen untersucht. Des Zeugen Vater ist Chirurg. Dieser, Dr. Traitler und Kiss untersuchten die Leiche. An derselben war Alles mit Schlamm bedeckt, der sorgfältig abgcwaschen wurde Zeuge sah am Fuge einen weißen Fleck, der nach gutem Abwaschen ganz verschwand. Eine Verletzung oder deren Spuren nahm Zeuge nicht wahr. Die Leiche schien ihm von einer entwickelten Person herzurühren. Die Brust war sehr schwach. Später hat der Zeuge die Leiche auch in E^lar besichtigt. An Fingern und Zehen hat der Zeuge gut gepflegte Nägel gesehen, die er auch berührte und untersuchte. Die Leiche war nicht ausgetrieben. Auf den Fleck am Fugrücken waren die Unlersucheuden schon früher durch Zeitungen aufmerksam gemacht, welche berichteten, ds sei das ein Merkmal der Esther, doch verschwand der Fleck beim wiederholten Waschen gänzlich. Auf dem linken Fuge nahm der Zeuge au der kleinen Zehe ein Hühnerauge wahr. Die Füge waren auffallend klein, die Hände geradezu subtil. Bei der Sczirung sah er, dag eine Zehe über die andere gelegt war. Früher hatte er dies nicht bemerkt. Bei der ersten und zweiten Besichtiguug der Leiche standen deren Augen offen. Am Thcißufer waren sie schlammbedeckt. Die Zähne waren in der oberen :Reihe regelmäßig, in der nuteren standen mehrere schief. Der Staatsanwalt fragt um die Art der Waschung der Leiche und giebt dann seiner Ansicht Ausdruck, die Untersuchenden seien aus den Fleck von der Szakolcsai aufmerksam gemacht worden. Der Zeuge sagt, er habe schon vor Auffindung der Leiche gehört und gelesen, Esther habe einen Fleck am Fuge. Behaarung hat der Zeuge nirgends an der Leiche wahrgenommen. Die Fingernägel hat der Zeuge mit einem Wirthschaftsbeamtcu Namens Liptai untersucht. Auch die anderen Herren haben dieselben sehr beachtet. Bertheidiger EölvöS fragt, in welcher Eigenschaft der Zeuge bei der Leichenbeschall anwesend war. Zeuge: Als Gehülfe des Bezirksarztes. Bertheidiger Eölvös macht aufmerksam, daß am!<׳. im Protokoll des Zeugen nicht Erwähnung geschieht. Auf eine fernere Frage des Vevtheidigcrs Eölvös antwortet der Zeuge, daß er an der Ausfertigung des VEum 1e- 'lertum nicht theilgcnommen. Er habe Brüste, wenn auch schwache und eingefallene, wahr genommen. Wenn andere Zeugen anders aussagen, so könne er nichts dafür. Er habe nach seinen eigenen wissenschaftlichen Erfahrungen gcurthcilt und wisse, was er gesehen. Er habe die Länge der Leiche oberflächlich mit einer Ruthe gemessen, erinnert sich aber nicht, ob die Leiche damals auch mit einem Mclerstabe gemessen wurde. Bertheidiger Eötvöü hält dem Zeugen vor, daß alle anderen Zeugen einen unerträglichen Geruch wahrgenommcn, während er nichts davon wissen will. Zeuge: Ich habe keinen Geruch gespürt. Er hat am