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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 549

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-16
Page
549 (sequence 9)
Language
German
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M 33. Jeschurun. 549 10. Juli. Der Präsident eröffnet die Verhandlung 11m i halb 10 Uhr. An dem Sachverständigentische befinden sich die Professoren Schenthauer, Belli), Mihalkovics, die Doktoren Traitlcr und Küß. Als erster Zeuge wird der Apotheker Karl Znran1)i veritommcn. Derselbe ist leidend und giebt deshalb seine Depositionen sitzend ab. l>r hat die Dadaer Leiche in Dada gesehen und zwar zusamincn mit dem Stuhlrichtcr und Anderen. An der Theist sandcn sie ein offenes Grab. Zeuge diente als Dolmetsch gegenüber den Flüstern. Er hat die Leiche genau besichtigt, nachdem sie aus dem Grabe gehoben und cinigermasten gereinigt war. Chirurg Horvath hat die Leiche besichtigt. Ihr Bauch war stark angeschwollen. Auch am nächsten Tage besichtigtc der Zeuge die Leiche, fünf bis sechs Schuh weit von ihr sitzend. Beim Ausgrabcn wurden die Kleider stark;er« rissen. Zeuge giebt eine detaillirte Schilderung und;eigt, wie das Tuch lose um das Gelenk gebunden war. üin Mann;og das Tuch von der Hand, und erst aus Anordnung des Stuhlrichlcrs wurde eö wieder zurückgegeben, nachdem noch ein -starkes, schmutziges aber leeres Papier aus dem Tuche gezogen worden war; irgend eine Farbe war in demselben nicht mehr vorhanden. Der Schmutz im Tuche wurde von dem Zeugen in der Apotheke untersucht und als Farbe erkannt. Die Leiche hatte einen unerträglichen Geruch. Die Augen waren einigcrmasten eiugcsallcu, eines stand offen. Die Farbe der Äugen konnte erst nach Emporhcben der Angenliedcr erkannt werden, und auch dann sah man nur, dast der Augapfel schmutzigbraun war. Die Nasenflügel waren eiugcschruiupst, daS Gesicht war braun, an den Wangen verrunzelt, die obere Zahureihe war weist, die Zähne klein, schön und dicht, die unteren Zähne groß und schiesstehcnd. Eine Narbe hat .Zeuge, der die Leiche zwanzigmal besichtigt, nicht wahrgenommcn. Die Brnst war gut gebaut, gewölbte Brüste waren nicht vorhanden. Am Körper wurden viele dunkle Flecken wahrgenommen, die aber beim Waschen verschwanden und von der Farbe herrühren mustten. 'Nur am Bauche blieben zwei dunkle Streifen zurück. Die Füste waren sehr gut entwickelt. In Dada wurden fünf AgnosziruugSzeugen vernommen, die alle nach verschiedenen Merkmalen in der Leiche Esther Solpinosi zu erkennen glaubten. Besonders eingehend. war das Verhör einer gewissen Julia Szakolesai, welche die Leiche bestimmt als die Esthers erkannte׳, gefragt, ans welchen Gründen, schwieg sie. Als dann der Staatsanwalt Nagt) ihr sagte, sie wisse ja nicht einmal, ob die Leiche die eines Mannes oder einer Frau sei, antwortete sie, . man möge nur Nachsehen am Fuste der Leiche, sie könne beschwören, dast das Esther ist, denn diese habe einen Knhtritr am rechten Fuste erhalten, und Zeugin zeigte aus die Stelle am Fuste, die dann, nachdem der Fuß gut gewaschen wurde, deutlich als brauner Fleck hervortrat. Spater hörte der?»enge von Doktoren, dast sie den Fleck nicht beachtet hätten, da sie das nur. für eine frische Hautabschürfung hielten. Die Narbe am Faste unterschied sich hauptsächlich durch ihre bräunliche Farbe, war etwas vertieft und an einer Stelle schivach runzelig; sie konnte sehr leicht bemerkt werden. Nach der Körperbildnng konnte der Zeuge sich keine sichere Vorstellung über das Alter der Leiche bilden, da diese einem kl- oder l.')jährigen, möglicherweise aber auch einem l7jährigen Mädchen angehören konnte. Bezüglich der Brnst führt Zeuge an, Dr. Traitker habe bei Gelegenheit des Beschaubefundes die Bezeichnung ״uucntwickelt" ins Befund׳ Protokoll diktirt. Später sprach er über diese Sache mit Trainer, und da sagte ihm derselbe, dast der gedachte Ausdruck beim Mnndiren des Protokolls durch die Bezeichnung ״abgemagert" substituirt wurde. Zeuge erzählt weiter, dast die Leiche, in ein Leintuch gewickelt, zwischen frisches Gras aus einen Wagen gelegt und aus diese Weise ins Dorf transportirt wurde. Die Kleider derselben wurden vom Zeugen deöinsizirt. Der Zeuge spezisizirt die Kleidungsstücke. Nun wird der Zeuge über mehrere Details befragt, über welche derselbe eingehend berichtet.. Seine Dcpositionen machen großes Aussehen. Der Zeuge bcsicistigt sich bei aller Vorsicht groster Präzision. Der Saal hat sich mittlerweile gefüllt, und Alles lauscht gespannt ans die Aussagen dieses Zeugen. Der Staatsanwalt macht die Bemerkung, dast einer der Sachverständigen, Chirurg Horvath, mitten unter dem Publikum sitze, und ersucht, demselben einen Platz am Tische anzuweiscn. ׳ Dies geschieht.) Der Staatsanwalt hat keine Fragen an den Zeugen zu stellen, doch möge gestattet werden, dast die Sach, verständigen den Zeugen befragen. Bevor die Sachverständigen dies thnn, richtet Vertheidiger Eötvös einige Fragen an den Zeugen. AuS dessen Antworten geht hervor, dast der Untersuchnitgscichler in Gegenwart des Zeugen fünf bis sechs Personen verhört habe, welche ans eiuzelueit Körpertheilen Esther zu erkennen glaubten, während bei der Agnosziruug und bei der Konsroutirung der Murtcr Esther'S und Frau Gabriel Solhiuosi das Publikum aus zwanzig bis fünfundzwanzig Schritt entfernt wurde. Der Untersuchungsrichter hat au die Aguoszirnugszeugeu über die Ursachen, weshalb sic die Leiche mit Esther identisch halten, Fragen gerichtet. Auch wurde ein junger Bursche, der behauptele, dast Esther dieselbe Gröste gehabt habe, wie er, gemessen, und dieses Mast mit jenem der Leiche verglichen. Das Resultat der Vergleichuug sei dem Zeugen unbekanitt. Die Hornhaut der Augen der Leiche war schmutzig-weiß, deren Iris braun. Die AgnoSzirnngSzengen konnten die Farbe der Iris nur dann sehen, wenn sic daü obere Augenlid cmporzogeil, was zivei Zeugen auch wirklich thaten. Das oLcre Lid hatte leine, das untere aber sechs bis acht Wimperhaare. Karbolsäure wurde zum Waschen der Leiche nicht viel, höchstens fünfzig Gramm in verdünnter Lösung verwendet. Hierauf theilt Vertheidiger Eölvös mit, dast der Zeuge sich bei ihm in Pest gemeldet und im Großen und Ganzen das Vorgebrachte erzählte. Eötvöö erstattete hiervon der Staatsamvallschast die Anzeige. — Zeuge giebt au, am!'». November in Pest beim Bezirksgerichte vernommen worden;n fein. — Vertheidiger Heumann fragt den Zeugen, ob er viele AgnoSziernngszriigeu gesehen hätte, woraus derselbe angicbt, dast acht Zeugen bei der Agnoszirung zugegen gewesen seien, von welchen die Äillwe Solpmosi in Bezug aus die Kleider zuerst, in Bezug ans die Leiche selbst aber zuletzt vernommen wurde. Er hat keine Kenntnist davon, wie sich Frau Solpinosi änstcrte, weil er und die Anderen entfernt wurden und deren Aussagen nicht hören koiiUten Als die Wittwe Soli)1nosi, die er bei dieser Gelegenheit zum ersten Male gesehen hatte, die Leiche besichtigte, wurde deren Schädel mit einem Tuche bedeckt, um den Abgang der Haare zu verbergen. — Vertheidiger Friedman 11 richtet hieraus Fragen an den Zeitgen, worauf derselbe antwortet, die Aguosziruiigszcngen nicht gekannt zu haben; dast aber die Beendignng der Agnoszirung noch am Tage erfolgt ist, und dast an die umstehenden vielen Menschen weitere Aufforderungen in Bezug ans Ittaugenscheinnahme der Leiche nicht gestellt wurden, dast sie vielmehr durch den Sicherheits-Kommissär wegget rieben wurden. Präsident: Können Sie sich an die Stellung der Zähne nicht erinnern L — Zeuge: Es ist mir an denselben nichts Br? sondercö aufgesallen. Hieraus wendet sich der Sachverständige Professor Dr. Schenthauer an den Zeugen und befragt ihn über Umfang, Farbe re. des Fleckens am Fuste. Zeuge zeichnet das Bild des Fleckens aus ein Stück Papier und beantwortet dann Schenthauer's Fragen. Der Fleck war so groß, ivie ein Doppelthaler. Dann befragt Schenthauer über die Farben im 'Tuche der

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