Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-16
- Page
- 551 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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liiifcn Unterarme einen Fleischabgang bemerkt und auch darauf aufmerksam gemacht. Es könne nur ein Druckfehler ge׳ wesen sein. Pertheidiger EölvöS: Haben Sie jenen Druckfehler nicht korrigier? — Zengc: Nein. Lertheidiger EöivöS: Wichten Sie, dag an einer anfge» snndeneu Reiche vor deren AgnoSzirnng keinerlei Veränderung vorgenommen werden darf? — Zeuge: waren ja verschiedene amtliche Funktionäre;ngegen, keiner von ihnen hat mich daraus aufmerksam gemacht. i Fortsetzung folgt.) Kot'rcspoildcilzcll rmd Nachrichtcu. Deutschland. -n- Berlin, 12. August. Wer ist cs doch, dessen Name von unseren Freunden, den Gelehrten der Kren? zeituug, und uuscrm bcsoudcru Protektor, dem Herrn .Hosprcdigcr Adolf Stöcker, stets im Munde geführt, und dessen Lehre von ihnen als die Richtschnur ihres .Handelns ansgcgcbcn wird? Ist cs nicht Der, von dem sic die Mahnung überliefern: ״Richtet nicht, auf dag ihr nicht gerichtet werdet, — denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welcherlei Mag ihr messet, wird euch gemessen werden"? Hub in welcher Weise beherzigen sic diese Mahnung? Da erscheinen fünfzehn, von Kerkcrlnft gebleichte, unter der Last der schwersten Anklage niedergebeugte Männer vor dem Nichlcrstnhle und harren des Urthcils über Leben und Tod. Und nach langen, peinlich langwierigen Verhandlungen, wie sie in solcher Ausdehnung die Annalen der Rechtsprechung schwerlichwieder aufznweisen haben, tritt der ebenfalls nicht allzu . häufige Umstand ein, dag die Staatsanwaltschaft auf unschuldig antrügt und der Gerichtshof die Emgekcrkcrlen von jeglicher Schuld freispricht und ihnen Ehre und Freiheit wiedergiebt; — welcher Mann von Ehre und (Gewissen würde cs wagen, auf diese Männer nach einer solchen UrthcilsschSpfuug auch' nur den leisesten Schatten eines Verdachts fernerhin' fallen zu lassen? Wer? Die edle, unter dem Wahrzeichen ihrer Religion und unter Anrufung Gottes schreibende ״Rene Prcngischc Zeitung", der Hort des Vaterlands. Sie dreht und wendet daefreifprechendc Erkenntnis hin und her und findet schließlich, dag man cs nicht mit ״einem absoluten, für alle Zeiten gültigen unveränderlichen Abschluß zu Lhnn hätte — wenn sich dennoch einmal Beweise finden sollten? ..." Wollen die -Herren von der ״Krenzzeitnng" auch mit einem solchen ״Gerichte gerichtet und einem solchen Maße gemessen w.rdcn," wenn gegen sic etwa eine fälschliche ähnliche Anklage vorgebracht, und in gleich cimnüthigcr Ucbercinstimmnng Staatsanwaltschaft und Vertheidignng für nicht schuldig plädircn, und der Gerichtshof also erkennen sollte? Wie aber soll man cs nennen, wenn die ״Krenzzcilnng" ans dem Prozeß von Tisza-Eszlar die Lehre zieht, dag das Indenthnm eine Gefahr für Staat und Volk und Gescllschaft sei, weil cs die ״Rcchtsbasis" erschüttert, und seine Macht ״gebrochen werden müsse"; — wenn man diese Moral ״Fürsten und Völkern" zur Beherzigung anempsiehlt? -Heißt das nicht Unrecht in Recht und Lüge in Wahrheit verkehren; heißt das nicht, das Opfer des Mörders zum Mörder stempeln? -Heißt das nicht, die ״Majestät des Gesetzes, die Unverletzbarkeit von Recht und Urtheil" mißachten, ein Verbrechen, dessen die ״Krenzzeitung" in dentselben Athen! das Indenthnm zeiht?? Wahrlich der Baucrnpöbcl in Tisza -Eszlar, welcher in diesem Augenblicke seine eigenen -Häuser auzündet, nn! die sreigcsprochencn jüdischen Mitbürger der Brandstiftung bezichtigen zu können, läßt die au der Spree vorgctragene Theorie in einer sehr geeigneten Beleuchtung erscheinen. Und Freund Stöcker? Ach, er gedenkt unser, ob er in der Ncichöhauptftadt oder zu Partenkirchen im Hochgebirge weilt, stets nmgicbt uns seine beglückende Liebe. Gedenkt er -aber auch jener Warnung Matthäi 7 Vers 1, 2, 3, 4 und 5? Sicherlich hat er daran vergessen, als er jenen herzlichen Brief am 31. v. M. an seine ״lieben Parteigenossen und Freunde" richtete und von einem ncncntdeckten von den bösen Inden geplanten Mord gcmüthlich plauderte, den Mord ״des deutsch-christlichen Geistes." Möchte doch der würdige Herr in heimlicher Kciunatc sich das .Kapitel ״von etlichen Hindernissen der Seligkeit" zu Gemülhe ziehen und sich ansrichtig und ernst prüfen, sich und seine ״lieben Parteigenossen und Freunde", ehe er ״die Losung für den nächsten Winter" ansgiebt. 0. Aus dem Neg Be,;. Dassel, 10. August. Der verantwortliche Redakteur des in unserer Regiernngshanptstadt erscheinenden antisemitischen Schmutzblattes ״Das Geldmonopol" — E. -Heunies —, ein würdiger Gesinnungsgenosse des in-Rr. 3! des ״Ieschnrnn" erwähnten Kolporteurs Varn Hagen, hat sich fast regelmäßig bei den Sitzungen des Kasseler Schössengerichrs wegen des eilten oder des andern seiner >,x׳tzartikel, die thciltveisc gegen einzelne Glaubensgenossen, zum Theil auch gegen das Indenthnm im Allgemeinen und gegen jüdische Gebräuche gerichtet sind, zu veranttvortcn. Innerhalb der letzten acht Tage hat er ans diesem Grunde drei Mal vor den Schranken des Gerichts gestanden. Am 1. Angtlst wurde gegen ihn wegen Beleidigung durch die Presse, begangen 1) an dem .Kaufmann Berger ans Kassel und 2) an dem Rcdakteitr Davidsohn ans Berlin, vor dem Schöffengericht verhandelt. Die von! -Kaufmann Berger angestrengte Privatklage wtirde Zwecks weiterer Beweiserhebung vertagt. Im zweiten Falle wurde -Hennics der Bcleidignng für schuldig erkannt und zu-4 Wochen Gcsängniß vcrnrtheilt. Der Vorgang war, nach Kasfelep