Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-16
- Page
- 547 (sequence 7)
- Language
- German
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547 stellt ebenfalls Fragen an den Hrabak, \\\m Nachweise, baß b«i Ostcrmehl schon am 22. Mär; fertig war. — Auf Fragen des Bertheidigers Friebmann sagt der Zeuge, bas; er glaube, bie Ostern bcr Juden seien bamals nach bcnen bcr Christen ge. wesen. — Friebmann hält bcm ^^cugen vor, baß bicS nicht wahr sei, baß er in Ve;ng ans bie Zeit ganz unb gar nicht im Reinen sei, trotzdem aber seine Aussage beschwören wolle. Mit sichtlicher Cntrüstnug setzt sich Friebmann nach diesen Worten nieder. — Präsident: Ich muß bie Bertheibignng bitten, ein ruhigeres und besonneneres Betragen au den Tag zu legen. — Bertheibigcr Friebmann: Hoher Gerichtshof! Wenn der Bertheibigcr sicht, bas; ein Sandmann mit solcher Halsstarrigkeit bei seinen Aussigen bleibt, wenn man bedenkt, baß selbst ein intelligenter Mensch aus Widersprüche von so vielen Seiten seinem Gedächtnisse mißtrauen unb sagen wirb: ״Nun wohl, ich werbe einen .Kalender ober meine Notizen anscheu!", bann ist es dem Bcrthcieigcr unmöglich, kaltes Blut zu bewahren. — Bertheibigcr Cölvöö: Ich gebe zu, baß der Präsident bas Recht hat, die Fragestellung des Bertheidigers.zu unterbrechen, aber ich muß Verwahrung dagegen entlegen, daß der Präsident bas Betragen desselben krilisirt, dieses Recht hat der Präsident nicht. — Präsident: Jedoch muß ich bitten, die gewohnten Formen zu bewahren. Hierauf folgt bie Zeugin Wittwe Joscphine Nagy, welche beponirk, daß der Zeuge Andreas HatolovSky von den Inden bestochen, und baß er von denselben abgerichtet worden sei. Außer ihr hätten noch bcr Kutscher Zigec; und eine Magd, Namens Marie PiroS, davon Keuntniß. — Bertheibigcr Cölvös wünscht deren Vernehmung. — Der Zeuge Andreas Hatalovskp, der bereits ans seine frühere Aussage den (fib ablegte, erzählte ans Befragen, baß er von Süßuianu nach Nnircgt)haza gebracht wurde, daß er aber von den Juden nicht abgcsenbet wurde und seine Aussage frei und wahrheitsgetreu gemacht habe. Süß- Mann habe ihm für seine Zeitverluste 5 ff. geben wollen, bie er aber nicht annahm. Sodann thcilt der Zeuge aus Befragen bcr Berthcibignng mit, baß er gestern Früh hier anlangte und ins Komitatohans ging, um den Präsidenten zu bitten, er möge ihn nicht lange hier halten. Dort hat er bei dieser Gelcgenhcit mit dem Kastellan Henter gesprochen, der ihm Vorwürfe machte, baß er zu den Inden Halle und nicht zu den Christen, und ihn fragte, wie viel Gelb ihm die Inden wohl gaben. Zeuge habe geantwortet, er halte weder mit den Juden noch mit den Christen und habe nichts als die Wahrheit ansgesagt. Darauf habe ihm Henter nichts weiter gesagt, als baß er (Zeuge) ans sechs Jahre ins Gefänguiß kommen lverbc. Auf fernere Fragen des Bertheidigers Cötvös erzählt bann Zeuge noch, baß er auch zu Hause im Dorfe wegen seiner Aussage viele Unannehmlichkeiten hatte, und daß auch im Zcugcnzimmer davon die Rede gewesen sei. Die Wittwe Hajdn, welche sodann vernommen wirb, beponirt über bas Älter Mori; Schars's. Die. Zeugin war vom 1. Januar 18₪ ab längere Zeit bie nächste Nachbarin Scharf'S und behauptet, Mori; sei bamals schon gelaufen und gewiß anderthalb Jahre alt gewesen; Moriz wäre demnach bald sechszehn Jahre alt. Dieser Aussage tritt Josef Schars mit der bestimmten Crklarung entgegen, baß sein Sohn im August. 1808 geboren wurde. Cs ist mittlerweile l Uhr geworden unb der Präsident unterbricht die Verhandlung auf eine halbe Stunde. Nach der Panse verkündet der Präsident die Gerichtsbcschlüsse, denen zufolge die ärztliche Untersuchung der Julie Vamosi bis nach der Cinvernchmung ihres Vaters verschoben wird. Die noch vorhandenen Lcichenthcile werden den anwesenden Universitäts-Professoren behufs vorznnehmendcr Untersuchnngcn übergeben werden; seitens des Gerichts wird zur Aufsicht Richter Megyeri entsendet. Von bcr Vorladung einiger im Lause der heutigen Verhandlung erwähnten Personen sieht der Gerichtshof ab,' indem sich deren Aussagen auf nnwesentliche Momente beziehen würben. Cs wird sodann die Cinvernehmung der Zeugin Frau Hajdn fortgesetzt. Ans Fragen des Bertheidigers Friebmann beponirt dieselbe, sie sei im Januar 18W) in die Nachbarschaft Josef Schars's gezogen. Wann dieser bas von ihm bewohnte Haus bezog, weiß sie nicht. Sic besuchte bas Scharf'sche HauS, doch stand sie mit der Familie׳ in keiner Freundschaft, indem eine Christin mit Inden keine Freundschaft halten könne. Sie erzählt bann, baß Schars damals ärmlich eingerichtet war unb sie im Hanse desselben kein ansfallcndes Hausgcrälh bemerkt hat. Sie beschreibt auch die Lage der damaligen Wohnung Schars's. Dieser bestätigt die Richtigkeit dieser Beschreibung und sagt im Gegensätze zu den Behauptungen der Zeugin, er habe jenes HauS im Herbste 1868 bezogen, unb als die Zeugin seine Nachbarin tvurde, war sein Sohn Mori; erst ein halbes Jahr alt. Gehen lernte der Knabe erst viel später, als er beinahe zwei Jahre alt war. Cs wird die Zeugin Frau Czercs vorgcsührt. Bcrthcibiger Friebmann ersucht zu konstatiren, ob jene Zeugen, welche wegen derselben Umstände zu befragen sein werben, über welche die Czeres beponirt, alle im Zcugeuzimmcr seien. Nach Konstatirung, j baß dies bcr Fall ist, giebt bie Zeugin Folgendes an: Sie habe Leon Großberg gegenüber gewohnt unb sich vor zwei Wochen beim Cszlarer Ortsrichter gcm׳׳ldct, daß sic über das Verschwinden Csthers verschiedene Unrßändc kenne unb bezeugen wolle. Cs habe nämlich Leon Großberg an bcm Freitage, welcher der Anssindung bcr Dadaer Leiche vorhcrging, seiner Frau anfgetrageu) sie möge ein Tuch nehmen, zu einem gewissen Jakob gehen und von demselben die. Wäsche übernehmen, diese zum Nagpsaluer Wcidengchölze tragen unb dort übergeben. Auch habe Großberg bei dieser Gelegenheit seinem Weibe große Vorsicht ausgetragcu. Die Frau habe sich geweigert zu gehen, doch habe Großberg sic energisch angehalten, seine Weisungen anöznsühreu. Zeugin habe bie Kleider nicht gesehen, doch sah sie die Frau znrücikchrcn und hörte, wie sic ihrem Manne berichtete, baß die Angelegenheit geordnet sei. Alle diese Gespräche ivurdcn von Großberg und dessen Frau in jüdischer Sprache geführt, welche die Zeugin kennt. Vom Präsidenten ansge« fordert, das von ihr angeblich angchörtc Gespräch - zwischen Großberg unb seiner Frau zu wiederholen, spricht die Zeugin mit großer Geläufigkeit mehrere Sätze in polnisch-jüdischem Jargon, was große Uebcrraschung und Heiterkeit im Änditorinm hcrvorrnft. Zeugin erklärt, die Großbcrgs haben gewußt, baß sic Jüdisch versteht unb gut spreche. Auch >var, beponirt icd Zeugin weiter, in der "Nacht nach Csther'S Verschlviuden im Hanse Großberg'ü großer Lärm, cs waren zahlreiche fremde Juden dort, und die Großberg sei händeringend mit den jüdisch gesprochenen Worten unruhig umhcrgegangen: ״Was habt ihr gerhan, Alles wirb hcranskommen." Cs kam damals ein frembcr Jude in zottiger Pelzmütze und Kniestrümpjen zu Groß, berg und beruhigte seine Frau mit den Worten: ״Fürchten Sie nichts, es wird gar nichts sein." Auch hörte sie damals, daß Jemand in jüdischer Sprache eine Hane verlangte. Auf fernere Fragen des Präsidenten giebt die Zeugin an, sie habe deshalb so lange über das Geheimnis; geschwiegen, weil sie mit der Großbcrg gut war unb ihr nicht schaben wollte; nun sei aber im Dorfe die Nachricht verbreitet, daß die Christen im Pro»;esse verlieren und die Inden gewinnen werden, und da habe ihr bas Gewissen keine Ruhe gegeben, und sie beschloß zu reden. Sic habe ihrem Manne um: bas Detail von der Haue erzählt, unb dieser sagte ihr, sie möge sich keine Scherereien machen, ״denn die Inden sind reich, tvir aber arm und wnr» den den Schaden haben". Cs scheint, baß ihr Mann auch wirklich Recht hatte, denn seitdem sie vor zwei Wochen ihre