Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-16
- Page
- 546 (sequence 6)
- Language
- German
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546 au. daß das Paket in einem X\\d)t von abgesch offener Farbe j war. lieber die Art seiner Berufung zur Zeugenaussage dej ponirt Hajdu aus Befragen Eötvös', daß er das jctzr Erzählte mehreren Leuten im Dorfe mitgctheilt habe und daraus durch den Klcinrichter eine Vorladung zugestcllt bekam׳, auch mit Herrenleutcn habe er in dieser Sache in den f.vten Tagen ge-; sprachen, doch nur in dem Sinne, daß er ans ihre Fragen bcrichtete, die Esther;wischen 11 und 12 Uhr gesehen zu haben. Beit dein Orlsrichter Farkas habe er diesbezüglich nicht gesprachen. Bon den bezüglich des Verschwindens Esthers ein: geleiteten Untersuchungen hatte Zeuge.Kenntnis; gehabt, doch habe er sich zur Zeugenschast nicht gemeldet, nachdem Dorslcute ihm früher gesagt hätten, daß man ihn!regen seiner Jugend nicht zulasscn werde. Aus Henmann's Fragen sagt der Zeuge noch, daß er Esther bei ihrer Begegnung nicht grüßte und nach etwa ‘20 Schrillen ohne allen Grund nach ihr znrückblickte. Der Präsident fordert nun die Zeugin Frau Joseph« Vamosi und ihre Tochter Julie ans. sich ins Zeugcuzimmcr zurückznzichcn, woraus Vertheidigcr Fuutak bemerkt, daß es angezeigt wäre, früher erst nnlersuchkn zu lassen, ob Julie Vatnosi nicht von ihren Eltern mißhandelt wurde, und erst daun zu gestatten, daß Mutter und Tochter in einem und demselben Zimmer sich aushalten. — Eötvös befürivortet, die Frau möge bis zur Untersuchung ihrer Tochter gleich den übrigen Zeugen im Perhandlungssaale verbleiben׳. — Der Präsident erwidert, man könne die Angehörigen nicht von einander trennen, doch werde er dafür sorgen, daß sie sich im Zeugeuzimmer nicht sprechen können. Der nächste Zeuge, Nikolaus Tapaszlo, war im vorigen Jahre Kutscher bei Josef Papp se». Ar: das Verschwinden Esthers erinnert er sich recht gut. Er ackerte an jenem SamStag mit seinem Dicnstgcber in dessen Garten, tvobci er auf den Pferden ritt und sic lenkte. Zwischen 11 und 12 Uhr Vormittags habe ihn Esther von Außen gegrüßt, und er sah nun, wie sie den Damm entlang hinabging: jenseits des Damiues sah er sie nicht mehr. Von der in! Zuge befindlichen Untersuchung lvnßte er, doch meldete er sich zur Aussage nicht, nachdein er sich um die ganze Angelegenheit nicht kümmerte. Auf dcö ׳StaatSanivaltS Frage erklärt der Zeuge, daß er die Stunde, in der er Esther zuletzt sah, daher in Erinnerung habe, »veil die Pferde zur Abfütterung regelmäßig zwischen 11 und 12 Uhr ausgespannt wurden, waS auch an jenem Tage, bald ׳nachdem er Esther gesehen hatte, geschah. Aus Eötvös' Fragen bemerkt Zeuge, er habe vor ea. ztvei Wochen im Dorfe über die Sache gesprochen und da habe mau ihn als Zeugen vorgcladen. — Es entsteht nun zwischen dem Zeugen und dem Angeklagten Junger ein längerer Wortwechsel. Der Angeklagte behauptet nämlich. Tapaszlo spreche unwahr, da inan aus dem HauSgartcn des Josef Papp auch zu Pferde nicht über den hohen Zaun hinwegfehen und nach jener Richtung blicken köllnc, in welcher der .!enge Esther gesehen zn haben angiebt. — Friedmann bemerkt, cö werde im Falle des Lokalangenscheineö auch dieser Umstand festgestell! werden müssen. Der Zeuge Joses Kaposi war zur Zeit, als Esther verschwand, Gemeindediener in Es-lar. An dem fraglichen Samstag bekam er den Auftrag, verschiedene Kundmachungen im Dorfe zn pnbliziren. Aus Befragen des Präsidenten gicbt er an, daß er nach dem Anstronnneln in das Gemeindehaus zurückging,!vaS zwischen 11 und 12 Uhr geschah, und daß er auf dem Wege Esther, die bereits von ihrem Einkäufe in Ofalu znriickkchrte, getroffen habe. — Präsident: Wenn Sie von all dem Kcnntniß hatten, worum sprachen Sic bisher nichts darüber? — Zeuge: Ich wohne am Ende des Dorfes und habe mich um die Sache nicht gekümmert. — Präsident : Und warum haben Sie sich jetzt gemeldet? — Zeuge: Weil man mich dazu aussordcrtc. — Staatsanwalt: Um welche Zeit haben Sie die rncklehrcnde Esther gesehen? — Zeuge: Es dürste nach 11 Uhr gewesen sein, denn ich ging erst ins Gemeindehaus, dann nach Hause und dann erst läutete man. — Staatsanwalt: Pflegt man in ESzlar nicht auch Nachmittags 3 Uhr zn läuten? — Zeuge: Man pflegt wohl Samstags Nachmittags um 3 Uhr zu läuten, aber ich erinnere mich bestimmt, daß eS zn Mittag ivar. — Vertheidigcr Szekelg stellt mehrere Fragen an den Zeugen. Dieser depsnirt, daß er mit 0 Uhr Vormittags das Auötroinmcln begonnen hat, alle drei Theilc des Torfes beging, die Kundmachungen publizirte und schon aus dem Rücklvege ins Gemeindehaus die Esther getroffen habe, was nach 11 Uhr geschah. — Ans Fragen des BcrthcidigcrS Eötvös gicbt Zeuge an, die Esther daher zu kenne», weil er sic oft wegen Erfüllung ihrer Schulpflicht aufsuchtc. Er behauptet entschieden, am.Tage ihres Verschwindens ein schwarzes Tuch in der Hand Eslher's gesehen zn haben. Als ihm aber Verthcidiger Eötvös hart;»setzt, gicbt er zu, daß das Tuch auch gelblich gewesen sein könnte. Der Zeuge gicbt weiter an, daß er erst im inner» Dorfe, dann in den anderen Theilcn desselben abtrommelle. — Vertheidigcr Eötvös: Nun, sehen Sie, diesen Weg können Sie nicht einmal reitend in so kurzer Zeit zurucklegen! — Zeuge; Barfuß gehl sichs ja sehr leicht. Weiters erklärt er, noch einige Wochen in Gcmeindedienstcn gestanden, und setzt von! Richter zur Zeugenschast aufgesordcrl worden zu sein. Vcrthcidiger Eötvös: Das ist nicht wahr, denn der Herr Advokat Szalay hat Ihre Aussage gewünscht. — Vertheidigcr Fricdmanu: Wann waren Sic im Gerneiudehanse augekommcn? — Zeuge: Zu Mittag. — Fricdmann: Und haben Sie viel anSzutroinmcln gehabt? — Zeuge: Ich >veiß cs nicht mehr, vielleicht zwei bis drei Kundmachungen. Fricdmann: Und trommeln Sic so lauge, bis Leute sich versammeln? —Zeuge: Jawohl, ich muß so lauge warten. Fricdmann: Es ist geradezu unmöglich, den Weg, der mehr als eine Beeile lang ist, zu machen, dabei zu trommeln und abzmvartcn, bis Leute kommen, und doch schon Vormittag fertig zn werden. — Der Zeuge bcharrt ans seiner Aussage. Hieraus wendet sich der Präsident an den bereits vernvmmencn Julius Hrabak und befragt ihn um die Namen jener Inden, die ihren Weizen vor Ostern durch ihn mahlen ließen; dieser rechnet sic her und sagt auch, daß Lichnnann den Mühlstein rituell herrichtele. Als sodann der Präsident die Venhcidlgnng aussordcrt, diesbezüglich etwaige Fragen an Julius Hrabak zu richten, erhebt sich Eötvös und sagt, daß er nicht wisse, in welchem Könner diese Thatsache mit dem Pro-;esse siche. -- Präsident: Dies hängt mit dem Umstande zuzammcn, daß in jener Woche am Donnerstag und Freilag das Mehl zn den Osterbroten gemahlen und daß das Blut zu deren Bereitung benöthigl worden sein soll. — Vertheidigcr Heumann: Ich bin konstcrnirt, wahrnehmcn zu müssen, daß der hohe Gerichtshof trotz der feierlichen Erklärung in der Erössnnngsredc des öffentlichen Anklägers!vie auch des Präsidenten Zeugen in dieser Richtung vorladct, und scheint cs überhaupt, daß der ganze Prozeß aus ritueller Basis ruhend geführt werde. — Präsident erklärt, daß sich die Venheidignng täusche und daß die Vernehmung dieses Zeugen in Bezug ans diesen Umstand nicht vom Gerichtshof, sondern von Seite der Privat׳ klägerin gewünscht wurde; die Vertheidignng, da ihr der Einblick in die gesannntcn Akten des Prozesses gestattet ist, hätte hiervon sich Kcnntniß verschaffen können. Vertheidigcr Fricdmann läßt sich hieraus von rem Zeugen detaillirt erzählen, welche Inden an jenen Tagen mahlen ließen und wer zum Antrcibcn der Pferde von denselben in die Mühle geschickt wurde. — Angeklagter Schars: Könnte mir der Zeuge sagen, welcher Sonntag hieraus folgte? — Zeuge: Palmsonntag. — Schars: Sehen Sie, das ist nicht wahr, denn das Mehl war schon zwei Wochen früher fertig. — Angeklagter Weißstein