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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 544

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-16
Page
544 (sequence 4)
Language
German
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544 vom hohen Gerichtshöfe vorgeladen werden sollen. Ich anttvortetc, das; dies mir armem Weib genug leid thäte, denn ich verliere dadurch viel Zeit. Großberg bemerkte, ich solle n׳.ir deshalb keine Sorgen machen, nachdem für jene sechs Zeugen, iv-cld/c die Dadacr Reiche als jene Gsthcr's agnoszirtcn, 700 > Gulden bereit lägen. Ich habe nicht gefragt, wo dieses Geld , bereu ist, denn ich habe mich darum gar nicht geki'unmert. Tie Zeugin erzählt sodann, das; auch die Frau Joseph Lichunann N'iederholt zu ihr geschult habe, sie möge sic besuchen, Als sie endlich zu Lichtmanns kam, sei sie in ein abgelegenes Zimmer gesührr worden: sic habe nicht recht mitgehen!vollen, denn sic sürchlele, cs seien Inden verborgen und es könne ihr ein Leids geschehen. Tort hat die Lichtmann die Hände ans meine Schulter gelegt und gefragt, was ich damals ansgesagt, als ich dte Leiche gesehen. Ich antwortete, ich wisse eS iticht mehr, dann berührte ne meine Hände, ihre Hand war kalt, wie ein Frosch . . . Hier erhebt sich die Wittwe Johann Solymosi und bemerkt, ans die Zeugin Inlie Szakolesai zeigend, das; die Grostbcrg auch diesem Mädchen Geldaruräge gemacht habe. — Julie Szakolrnri!vird hierüber befrag׳ und sagt, sic sei eines Tages zur Grogberg um Tal; gegangen, diese habe sofort mit ihr ein Gespräch angcknüpsl und erzählt, das;, wenn sie und die übrigen Zeugen ansgesagt hätten, das; die Dadacr Leiche jene Gsihcr's war, so hätten sie 5»000 si. bekommen. Zeug in habe dies dem Ortsrichter und der Wittwe Solymosi erzählt. -- Götvös: Wann hast du das der Solymosi und dem Ortsrichtet׳ erzähl;? -- Zeugin: Bor zwei bis drei Wochen. — Götvös : Hat dir Grostbcrg dir bi«* -'><» 0 fl. angeboren? — Zeugin: Ja. — Görvös: Hast bu das Geld gesehen, wie warcs denn? — Zeugin: In Münze I'un^ve. - Götvös: Ich meine, ob es in einer Brieftasche oder in einem Beutel nnn׳? — Zeugin: Tas weist ich nicht, er hat nur gesagt, cs liege bereit. -- Benhcidiger Tr. Friedmann .zur Zeugin InhaSz : Wie kommt es, das; ihr seht anders anssagt, als dainals, da ihr die Leiche angcschant habt? Hat euch Jemand dies ausgetragcn? — Zeugin: Ich weis; von nichts, ich rede nur für mich und so, wie ich cS weist, so wie ich cs jetzt sage, ist cs wahr. — Friedmann: Damals waren Sie nicht sicher bezüglich dessen, was Sie sahen und zu Protokoll gaben, und jetzt!vollen Sie Ihre veränderte Aussage beschwören? — Zeugin: Ja, cs war an der Leiche Alles größer, wie an der Gsihcr, sic war es gewiß nicht. Berthcidiger Fricdmann: Geehrter Gerichtshof! Diese Aussagen von fünf.Zeugen sind gar sehr überraschend, denn sic strafen die an׳.tlichen Protokolle Lügen. Diese Zeugen sind entweder eingcschnchtcrl oder zu einer falschen Ansicht gebracht worden — denn cs kann doch nicht angenommen oder geglaubt lverden, daß eine ganze amtliche Kommission, und zwar im Gegensätze zu der dainals herrschenden Tendenz, etwas ganz Anderes ausnimmt, als was diese fünf Zeugen ansgesagt haben. Ich bin deshalb gezwungen, den geehrten Gerichtshof zu bitten, jene Herren, welche die Agnoszirungsprorolollc unterschrieben, hierher zu zitiren, damit ihnen diese Zeugen gcgcnübcrgcsiclll werden. Zwar hat der geehrte Gerichtshof schon bezüglich zweier amtlichen Organe die Zitirnng als Zeugen abgclchnt, aber ich glaube, in diesem beispiellosen Falle,!vo fünf Zeugen mit einer geradezu rärhsclhasten Uebereinstiminnng ihre protokollarisch ansgenommenen Aussagen dcsavouiren, mit Nccht die Zitirung dieser amtlichen Organe beantragen zu dürfen. Ter Präsident verliest die ans jenen Protokollen gefertigten Namen von fünf Amtspersonen, darunter die des Untersnchnngsrichlcrs Bar!) und des Staatsanwalts Nagy. — Friedman»: Diese Herren bitte ich hierher zu zitiren, sowie ferner zu ton* statircn, das; im ärztlichen Befunde die Angen der Leiche als schwarz bezeichnet werden. — Bcrlhcidigcr Heu mann richtet an den Präsidenten die höfliche Anfrage, wie cs komme, daß der Präsident an keine andere und nur an die Zeugin ZuhaS; die Frage richtete, ob Niemand mit ihr in letzterer Zeit über die Dadacr Leiche gesprochen. Der Umstand, daß gerade an diese Zeugin eine solche Frage gerichtet wurde, läßt ihn vcrnmthen, daß dem Präsidenten irgend eine bezügliche Mitlheilnng zngegangen ist. — Präsident: Ich bin zwar nicht verpflichte?, in׳ine Fragestellung zu begründen, doch stehe ich nicht an, zu am* Worten, daß mir früher gemeldet wurde, diese Frau wisie etwas von einem Eeldantrage. — Gölvös fragt, von wem der Ptäsiden: diesen Bericht erhielt. — Präsident: Gs ist kein Bericht, cs ist nur ein Privalbrics vom Gszlarcr Notar. — Götvös fragt die Zcugiitneu Lzakolcsai und InhaSz, ob außer ihnen noch Jemand ihre Gespräche mir Frau Großberg, rcsp. mit Frau Lichunann gehört hat. — Beide Zeuginnen verncineu. Ter Präsident fordert den Staatsanwalt aus, sich über den Antrag des Benheidigers Fricdmann bezüglich der Ziurung der genannten Amtsorgane zu äußern, indem er zugleich bemerkt, daß betreffe der Borladnng Bary's und Nag!)'s der Gerichtshof schon früher beschlossen habe, dieselben nicht zu zitiren. — Der Staatsanwalt weist daraus hin, daß der Ge» richtshos bei jedem neuen Anträge neuerdings Beschluß zu fassen hat: betreffs der Borladnng Bary's und Nagy'S bcharrt er ans seinem früher ciiigenonniicnen Standpunkte und tritt in! Uebrigen dem Anträge der Bertheidignng bei. Berthcidiger Fricdmann betont, e-Z sei jedenfalls ausfallend, daß plötzlich alle Zeugen wie ans Kolnmando von blauen Augen und einer Vernarbung sprechen, wovon früher doch nie die Rede ge!vesen. Tic Ansklärnng dieses Näthi'els wäre ihm sehr erwünscht und deshalb fordere er die Borladnng sämmtlicher bei Ausstellung des Protokolls zugegen gewesene!: aintlichcn Funktionäre. Sollte aber der Gerichtshos dieses Näthsel nuansgeklärt lassen wollen, dann siche! er von der Borladnng ab. Gr wünscht aber, entweder säinmt-! liehe oder gar keinen Zeugen zu zitiren. — Gölvös schließt sich! dem Anträge Fricdman'S an.; Der Gerichtshof zieht sich bchnss Beschlußfassung zurück. , Nach den! Wicdercrscheinen -verkündet der Präsident den Beschluß! des Gerichtshofes, wonach von der Ginvernchmnng der .fünf! genannten Herren abgesehen!vird, nachdem die Protokolle von j Gerichtspersonen unterfertigt und ihre Authentizität nicht bczweifelt lverden kann. Jene fünf Zeugen, welche hier ihre! Aussagen mit wesentlichen Abweichungen von ihren bei der ׳ Agnoszirnng abgegebenen Depositionen geinacht haben und diese j Abweichungen nicht stichhaltig begründen können, werden nicht!;um Gide;ngelasscn.! Juli. Ter Präsident eröffnet die Verhandlung nach j Hi Uhr und crmahnt das Auditorium., sich ruhig zu verhalten, j Der Staatsanwalt Szcysserr rneldcl, daß die fach verstau-! digcn Professoren aus Pest angekommen sind, und ersucht den j Präsidenten, dieselben namentlich daraus ansmerksam zu machen,; daß sie sich bezüglich der Narbe am Fuße der Leiche und be-; züglich der Art der Lage der Fußzehen zu äußern haben werden. | 'Professor Schenth-ancr ist bereits bei der heutigen Verhandlung! anwesend.'! j Berthcidiger Fricdmann bittet im Interesse der Gleich׳ I Mäßigkeit im Gange der-Verhandlung und bannt in Bezug auf i den Lcichenschwnggcl und die Agnoszirnng keinerlei Daten fehlen,! alle hieraus bezüglichen Zengcnvernchinnngcn noch heule und j morgen vornehmen zu wollen und die Sachverständigen erst dann zu vernehmen. I Ter Präsident meint, daß die!oeitercn Zeugen in Gegen-! wart der Sachverständige!: zn vernehmen wären.! Dr. -Fricdmann bleibt bei feiner früheren Bitte, j Berlheidiger Götvös hat im Prittzip nichts dagegen ein-!;nweiiden, daß oie Sachverständigen zugegen seien; da dieselben 1 aber bisher nicht zugegen waren und jetzt wahrscheinlich Fragen

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