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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 543

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-16
Page
543 (sequence 3)
Language
German
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543 Der Präsident macht den Zeugen aufmerksam, daß er bei der ersten Einvernehmung angab, cs sei Esthers Leich«- gewesen. Zeuge sagt, er erinnere sich dieser Aussage nicht.' Aus des BerthcidigerS Eötvös Krenzsrage antwortet er, daß der Notar ihn nach TiSza-Locl zur Leichenschau schickte; es war Abends 5—1; Uhr, und cv machte die nährt in Gesellschaft von vier anderen Zeugen. — Eölvös: Du hast bei der Einvernchmnng behauptet, daß die Leiche, nach deren Augen und Zähnen zu schließen, Esther war; jetzt behauptest du, die Leiche habe blaue Augen gehabt; waren denn Esthers Augen auch blau? — Zeuge: Ich erinnere mich nicht, cs gesagt zu haben. — Auch Bertheidiger Friedmaun richtet einige ׳Fragen an den Zeugen, aus welche dieser deponirt, daß er sich bestimmt erinnere, die Leiche habe blaue Augen gehabt, auch andere Leute im Dorse hätten dies gesagt. — Friedmann setzt dem Zeugen hart zu, und dieser konzedirt, bei seiner ersteit Einvernehmung gesagt zu haben, es könne Esther sein oder auch nicht, woraus Friedmann zu konstalircn bittet, daß im Protokolle über die erste Einvernehmung des Zeugen auch der Uutersuchungörichtcr bcincrkte, daß die Augen der Leiche schwär; seien. Es erscheint die Zeugin Julie Szakolzay. Sie giebt an, daß sic die Dadaer Leiche als jene der Esther agnoszine; dies habe sic jedoch nur darum gethan, weil eS ihr cinsiel und weil man im Dorse sprach, daß man die Leiche Esther's gesunden habe. — Eölvös: Du hast behauptet, daß eben die Zähne sic leicht mit Esther ähnlich erscheinen ließen. — Die Leiche halte große Zähne und ich habe damals nur in meiner Dummheit dergleichen gesagt. — Die Augen der Leiche erklärt die Zeugin nicht gesehen und auch deren Füße nicht genau betrachtet ' zu haben. — Eötvös: Dann konntest du ja die Leiche mit Esther gar nicht vergleichen. — Staatsanwalt: Du hast doch bei deiner ersten Vernehmung gesagt, man möge nur an den Füßen der Leiche Nachsehen, man werde aus denselben die Spuren eines Kuhtritlcs finden. — Die Zeugin will von dein Knhtrilte gar nichts wissen und sagt, sic habe aus dem Fuße der Leiche nur eine kleine Narbe bemerkt. — Eötvös: War die Leiche nackt, als du sie sahst? — Zeugin: Ja. — Eötvös: Erinnerst du dich, daß du aus die Frage des Untersuchungsrichters antwortetest, daß die Leiche der Esther ähnlich sei? — Zeugin antwertet mit einigen unverständlichen Worten. — Eötvös: Erinnerst du dich, ivie dich ein Herr fragte, tvie denn du sagen könntest, daß cs die Esther sei, da du nicht einmal wissen kannst, ob cs die Leiche eines Mannes oder eines WcibcS sei, und du hierauf erwidertest, man möge nur au den Füßen nachsehen, cs müsse sich eine Narbe vorsiuden? — Zeugin schweigt. — Eötvös: Erinnerst du dich, daß die Leute sodann mit Gießkannen aus der Theiß Wasser holten und Me Füße der Leiche begossen, woraus man daun die Narbe fand? — Zeugin: Ich erinnere mich nicht daran. — Eötvös: Erinnerst du dich, daß man dich hieraus anfnhr, dt! seiest von Inden bezahlt, um aus- Zusagen, daß die Leiche jene Esther's sei? — Zeugin: Ich weis; nichts. — Eötvös: Hat dich Niemand gelehrt, deine Aussagen ändern? Warum sprichst dn jetzt anders? — Zeugin: Es hat mich Niemand gelehrt, und damals war ich erschrocken, und da;agtc ich Alles. — Aus ferneres Befragen sagt sie, sic sei dadurch zur Kenntnis; gekommen, daß sic das erste Mal nicht gut anssagic, weil später ihr Bruder starb und sie die Wahrnchmnng machte, daß man des Geruches wegen sich schon am dritten Tage einer Leiche nicht nähern konnte. — Eölvös: Hatte denn die Dadaer Leiche keinen Geruch? — Zeugin: Ich habe nichts gespürt, ich lvar erschrocken und habe gezittert. — Die Zeugin verwickelt sich hieraus betreffs der Augen der Lcichz in auffällige Widersprüche mit ihren früheren Angaben; daraus aufmerksam gemacht, sagt sic wieder, sie sei damals so erschrocken gewesen, daß sie nicht wußte, was sie rede. In Folge Auf. sordcrung zeigt sie am eigenen Fuße die Stelle, wo sich die Narbe an der Leiche befand, und EtvöS bittet .mit, zu konstatircn, das; die Zeugin thatsächlich genau jene Stelle bezeichnet hat, an welchcr das kkntcrsnchungs.Protokoll bei der Leiche die Narbe seststclltc. Es folgt der 17 jährige Zcnge Joseph Juhasz. Dcrsclbegicbt an, er habe Esther gekannt und dieselbe sei weder groß noch beleibt gewesen. Bei der AgnoSzirung der Dadaer Leiche war er zugegen. Dieselbe sei größer und dicker als Esther gewesen; der Mund hatte dicke wulstige Lippen und sei nicht verzogen gewesen. Die Augen seien osscn und blau gewesen, die Augenbrauen habe er nicht bcmcvft. Die Zähne der Leiche seien groß gewesen, während Esther kleine Zähne hatte. Die Füße der Leiche habe er nicht angesehen. Er wird nun aufmerksam gemacht, daß er früher anSsagtc, er glaube, die Leiche könne jene Esther's sein. Er bestätigt diesen Umstand und erklärt dies damit, daß er damals beim Anblick der Leiche sehr ersihrocken gewesen sei. und nur so nachgesprochen habe, was die klebrigen gesagt haben. Aus weitere Fragen schweigt er Anfangs und bringt dann die Worte hervor, er habe damals nur gesagt, die Leiche sei jener Esther's ähnlich, nicht aber, daß cs auch Esther sei. — Eötvös: Jetzt sprichst du ganz anders; hast du gewußt, wie groß Esther war? — Zeuge: Ich habe mich mit ihr nicht gemessen. — Eölvös: Dn sagst, die Zahnreihcn der Leiche seien unregelmäßig gewesen, war das bei der ober» oder untern Reihe der Fall? — Zeuge: Bei der ober». — Eötvös: Das ist nicht wahr, diese Zähne sind noch vorhanden, und wenn dn hundert Jahre lebst, wirst dn keine schöneren sehen, als die obere Zahnreihc jener Leiche. Du erinnerst dich genau, daß die Lciche'blauc Augen hatte? - Zeuge: Ja, ich erinnere mich, als ob ich sic noch vor mir sähe. — Eötvös:. Erinnerst du dich nicht, daß Johann Jakob in Gegenwart der Gerichts-Kommission auch der blauen Augen der Leiche erwähnte und daraufhin als ein Wkensch, der die Unwahrheit gesprochen, sofort hinansgeworscn wurde? — Zeuge schweigt. — Eötvös: Erinnerst dn dich, daß der Untersuchungsrichter dich gedrängt hat, ob dir nicht irgend ein besonderes Kennzeichen Esther's bekannt sei, und dn dann .angabst, Esther habe ganz dieselbe Größe wie du? — Zeuge: Ich erinnere mich nicht. -- Eölvös: Erinnerst du dich, daß zwei Herren dich hieraus maßen und fanden, daß du ganz so, wie die gemessene Leiche, 111 Zentimeter haltest? — Zeuge: Ich weiß nicht, warum man mich gemessen Hai; ich sagte damats, daß Esther kleiner war, als ich. — Der Zeuge leugnet entschieden, betreffs einer Aussage von irgend Jemandem belehrt worden zu sein oder über diese Angelegenheit seither gesprochen zu haben. Aus eine Frage Friedmanu's erklärt Zeuge insbesondere, cs habe ihm 'Niemand deshalb, daß er das erste Mal in der Leiche Esther agnoözirte, Vorwürfe gemacht; er habe auch nie ausgesagt, daß Esther dieselbe Größe habe, wie er. Die Zeugin Frau Andreas Juhasz wird vorgernscn. Sic hat die Esther gekannt und beschreibt sic folgendermaßen: ״Esther war noch ein unentwickeltes, schmächtiges Mädchen mit länglichem Gesicht, schwarzen Äugen und schönen dichten Zähnen." In der Leiche, die sic in Eszlar gesehen, könne Zeugin die Esther unmöglich erkannt haben, schon wegen des argen Zustandes des tobten Körpers. Doch bemerkte sic, daß die Nase der Leiche stach war, während Esther eine regelmäßige, gerade Nase Hane. An der linken Seite des Halses habe sic eine Narbe wahrgenommcn. — Als der Präsident die Zeugin aufmerksam macht, daß Sic bei Gelegenheit der Agnoszirung anders gesprochen, und daß sie insbesondere in Bezug auf die Größe 1111b Zähne der Leiche, sowie auf die ganze Aehnlichkcit die Möglichkeit zugegeben, cs sei der Leichnant der Esther, antwartet Frau Juhasz: Ich sage nur das, was ich weiß." Präsident: Haben Sie mit Jemandem über die Leiche gesprachen, bevor Sie hicrhcrkamcn? — Zeugin: Ja, der Jude Großbcrg sagte mir, daß auch ich unter den Zeugen sei, welche

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