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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 542

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-16
Page
542 (sequence 2)
Language
German
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542 enthoben sei. Vertheidiger Friedmann bittet um Verlesung des am 3. Juli ausgestellten Vcrhaftsbescheides, sowie des Bescheides bctresss der Enthebung von der Anklage. 1*i5 folgt die Vernehmung des Zeugen Samuel Schwär׳,. Er hörte über die ans die Ansfindung der Reiche bezügliche Meldung reden. Später ging er;um Gemcindehause und hörte Ausführliches. Da sagte man ihm, er möge samuu LeokovieS zur Reiche hinanskommeu. Dies geschah auch. Der Stuhlrichter liest das Grab öffnen, doch hat Zeuge die Leiche nicht gesehen, da er nicht in die Nähe ging beziehungsweise nicht in die Nähe gelassen wurde. Gr hörte reden, dast es Esther's Leiche sei. Üeber die Narbe an deren Fuß vernahm er nichts. Der Zeuge Johann Molnar war voriges Jahr im Dienste der Gemeinde Dada. Gr stand Wache bei der Leiche, als der Sluhlrichtcr sortging, um den Leichensund zu melden. Als der Stuhlrichtcr früher von Loek zur Leiche kam, liest er das Grab öffnen. Das Gesicht der Leiche war mit Erde bedeckt, der Mund geöffnet, die Kinnlade nicht herabhängend. Zeuge hat übrigens die Leiche nicht genau betrachtet, sondern nur einen Augenblick. Am nächsten Tage hat er die Leiche nur von ferne gesehen. Der nachfolgende Zeuge, Joseph Kecskes, berichtet des Längeren, wie er, von seiner Feldarbeit znrückkchrend, in Esoukafuczcs bei Dada ein Gespräch im Holze vernahm; er ging hin und da sagte ihm der Feldhüter, daß eine Leiche ans dem Wasser gezogen wurde, er solle ins Dorf gehen und dies melden. — Vom Präsidenten um die damalige Witterung befragt, gicbt er an, dast wohl ein kleines Lüftchen wehte, aber sonst schönes Wetter war. Sodann wird Frau Georg Sznhi vecnonlmen, eine Nachbarin der Frau Solpmosi, welche den Leichnam itn Garten der Frau Batorp genau angesehen hat. Sic depvnirt, dast jener Leich- »am nicht der Esther's gewesen sein könne; auch sie hat unter dem Kinn eine Vernarbung wahrgenommen. — Staatsanwalt Szeyfsert : Für wie alt hielten Sic die Person, deren Leiche Sie gesehen? Zeugin: Ich schätze sie auf 28 bis 30 Jahre. — Die Zeugen theilt weiter uiit, daß die Augen deö Leichnams offen und von blauer Farbe waren. — Vertheidiger Eötvös: In den׳, ärztlichen Befund heißt es, das eine Auge sei offen und das andere geschlossen gewesen. — Zeugin: Ich habe beide Augen offen gesehen. — Vertheidiger Eötvös: Weiters heißt es in den Schriften, dast die Augen der Leiche schwarz gewesen feien, und diese Herren werden cs wohl besser gesehen haben, als Sie. — Zeugin: Ich kann es auf meine Seele beschwören, dast die Leiche hellblaue Augen hatte. — Die Zeugin erklärt auf Befragen, eine aus dein Wasser gezogene Leiche zuvor nicht gesehen zu haben. Frau Joseph Gazdag, die hierauf oorgcrufen wird, wohnt in Eszlar der Wittwc Solpmosi gegenüber und kannte Esther sehr gut In der Dadacr Leiche hat sic bei der Agnoszirung Esther nicht erkannt, weil die Leiche größer und breiter war. Auch siel ihr unter dem Kinn eine lange Vernarbung auf (Zeugin, über die Stelle befragt, zeigt ans die Gurgel). Die Augen waren geschlossen; die Leiche könne braun oder and) blond gewesen sein. Die Augenbrauen seien sehr dünn und kaum sichtbar, die Kopfhaare nicht vorhanden gewesen. — Wührcud Vertheidiger Heumann die Zeugin befragt, blickt diese fortwährend zur Seite nach Frau Solpmosi. — Verth. Heumann: Blicken Sie hierher, Sic haben nichts zu fürchten, wir wollen nur Wahrheit hören. — Die Zeugin macht ihre folgendcn Teposilionen sehr unwillig. Sie sagt, sie habe sich nicht darum geküminert, ob auch Juden zur Agnoszirung zugelassen wurden, sie sei uugerusen hingegangen, weil sie die Esther kannte und neugierig war. Die nächste Zeugin, Frau Valentin OlajoS, hatte Esther durch das ganze Jahr 1881 bei sich im Dienst. Sie erinnert sich, dast Esther im Herbste von einer Kuh getreten wurde; die Heilung dauerte drei Wochen, doch konnte Esther wahrend dieser Zeit gehen, und nur die Haut war ansgerisicn. Die Dadaer Leiche hat sie in Eszlar gesehen und in ihr Esther nicht erkannt, lieber die Gründe befragt, sagt sic, die Zähne der Leiche waren schlecht und unter dem Kinn war eine Vernarbung. AuchHwar die Leiche dick, hatte starke Hüsten, dünne Augenbrauen und war von blonder Farbe, während Esther schmächtig und braun war, kleine regelmäßige Zähne und dicke Augenbrauen hatte. Die Leiche verbreitete starken Geruch. — Staatsanwalt: Wann haben Sic Esther'« Zähne untersucht? — Zeugin: Ich habe sie immer angesehen. — Staatsanwalt: Nur gesehen, aber nicht untersucht? — Zeugin: Ich sah kleine dichtstehcnde Zähne. Staatsanwalt: Wie sah die Narbe unter dem Kinn der Leiche ans? — Zeugin: Sie war blau vom Wasser. — Vertheidiger Eötvös: Wie kommt cs, dast die Doktoren, die doch die Lerche genau untersucht haben, von dieser Narbe nichts gesehen? — Zeugin: Ich weist das nicht; ich sage nur, was ich weiß, ich habe die Narbe gesehen. — Eötvös: Was meinen Sie, woher stammte die Vernarbung? -- Zeugin: Man sah. dast eS von einem Schnitte war; als die Person noch am Leben war, mußte sie dorr Schmerz gehabt haben und operirt worden sein. Der Zeuge Gabriel Szelci kannte die Esther, da er sie ein- oder zweimal bei der Otajos gesehen. Er hat die Leiche, als man sic von Loek nach Eszlar brachte, gesehen und gicbt an, dast sic nicht die Esther's war, denn die Esther lvar brünett, die Leiche aber blond und stärker als Esther. - Staatsanwalt: Hat man in letzterer Zeit im Dorfe erzählt, die Leiche habe blaue Augen gehabt, oder erinnern Sic sich daran? — Zeuge: Ich erinnere mich ganz genau daran und habe dasselbe auch voriges Jahr gesagt. Vertheidiger Eötvös: Sehen Sie, alle heute vernommenen Zeugen sagen, die Leiche habe blaue Augen gehabt, und das ist nicht wahr, wie die Acrzte und die Kommission bestätigen. Die Weiber lvill ich nicht darum befragen; aber Sie sind ein Mann, sagen Sie mir, wie es kommt, dast Sie Alle plötzlich blaue Äugen gesehen.haben wollen. Hat euch dies Jemand gesagt oder spricht man jetzt so im Dorfe? — Zeuge: Ich weist nicht, was die Aerzte sagen, aber ich habe blaue Augen gesehen; mir hat es Niemand gesagt. — Die heute vernommenen Zeugen werden beeidet und entlassen und die Verhandlung sodann auf eine halbe Stunde unterbrochen. Nach beendigter Pause wird der Zeuge Johann Solpmosi vernommen. Derselbe ist mit Esther's Mutter entfernt vcrwandt und hat die Leiche in Gegenwart der GcrichtS-Kom- Mission enckleidet gesehen, doch nicht genau besichtigt. Damals befragt, gab Zeuge an, der Körper scheine ihrn größer zu sein, als jener der Esther. Doch glaube er, daß das schlanke Kinn und die schwarzen Spuren der Augenbrauen doch auf Esther hiudeuleten. Der Staatsanwalt macht den Zeugen aufmerksam, dast er bei Gelegenheit seiner ersten Einvernehmung die Leiche auch hinsichtlich der Stirne mit Esther ähnlich fand. Der Zeuge bestätigt dies und sagt, es sei ihm so vorgekommen. Der folgende Zeuge, Johauil Jakob, ein fünfzehnjähriger Knabe, macht seine Aussage sehr geläufig und antwortet ans die ihm vorgehaltcnen Widersprüche stets: ״Ich erinnere mich nicht" oder: ״Ich weist nicht." Er hak die Schule vier Jahre lang mit Esther besucht; zuletzt sah er sie am Tage des Vcrschwindens kur; vor Mittag, als sie um Farbe ging, begleitete sie eine Strecke und sah, dast Esther eilte; bei Lichtmann's Haus blieb er zurück und sah sie dann nicht mehr. Die Dadacr Leiche sah Zeuge, dieselbe war größer als Esther. Ucbcr die Person Esther's gicbt er an, dast sic schwarze Augen und dicke schwarze Augenbrauen, sowie ein regelmäßiges Gesicht hatte. Die Leiche erkannte er nicht als jene Esther's, da das todte Frauenzimmer einen größeren Kops, ein breiteres Gesicht und blaue Augen hatte, welche beide offen standen.

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