Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-16
- Page
- 541 (sequence 1)
- Language
- German
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M 33 Jeschurmr. 541 DieVerhaitdlimg desTisza-Eszlarcr Prozeß vor dem Gerichtshof in Ayire.lpMzn. (Fortsetzung.) 7. Juli. Bei ziemlich leerem Säule eröffnet der Prä stdeut t!ach Uhr die Verhandlung und verkündet, das; die Mschrist der Gemeindevorstehung Bodrog - Oloszi, betressend den Brief über die Provenienz der Dadaer?eiche, der adniinistrativcn Behörde des Zemplincr Kolnitats bchnss Untersuchung dieses Falles übermittelt wurde; ferner meldet der Präsident die erfolgte Zitirnng von vierzehn neuen Zeugen an. Als erster Zeuge wtrd hieraus Stuhlrichter Stephan Zoltan vernonnnen, der angicbt, das; er die erste Zuschrift an die Staatsanwaltschaft in Bezug ans die Dadaer?eiche am 22. Juni gerichtet habe, und weiters, daß er am Tage der Auffindung der Leiche um halb 10 Uhr mit dem Bezirlsarztc hinansging, die Leiche ansgraben liest und im Vereine mit dem Bezirlsarzle die Leichenschau vornahm, die Leiche sodann auf Bretter legen und mit Gras bedecken liest. Dann' stellte er einen Wächter hin und begab sich ins Dorf; ans dein Wege dahin traf er den Sicherheits.Kommissär, dem er die Bewachung übertrug. Gr hat die Leiche nicht genau untersucht, sondern nur mit Schlamm bedeckt gesehen. Nertheidiger Götvös: Ihr vorjähriger Bericht ist der Staatsanwaltschaft nicht zugekommen. Das Visum 1־ej»c1־tun1 des Dr. Kis besagt, die Leiche sei die eines vierzehnjährigen Mädchens gewesen. — Zeuge: Darüber weist ich nichts zu sagen; der rechte Arm war verrunzelt. Die Flöstcr wurden vernommen, jedoch ohne dast ein Protokoll ausgenommen worden wäre. Zeuge hat die Leiche auch am nächsten Tage entkleidet gesehen, jedoch ohne sic genau zu betrachten. Der nächste Zeuge, Georg Olah, Feldhüter, hat schon über die Anfsindnng der Leiche ansgcsagt und wird jetzt fortsetznngöwcisc vernommen. Gr hat die Leiche nur crdbedeckt gesehen und weist keine bestimmte Ansknusc zu geben. Der rechte Arm war im Handgelenke gebrochen. Zeuge hat keinen Geruchsinn. Ans Fragen der Bertheidiger antwortet der Zeuge, dast das Tuch am Gelenke hing und nicht in die Haiid gedrückt war. Der Zeuge, der bereits ■ beeidet ist, wird entlassen, vorlangt jedoch srnl/r vom Präsidenten seine Zengengebnhrcn. (Heiterkeit.) Zeuge Georg Toth, Vize-Richter in Dada, erzählt, wie er bei Gelegenheit der Änfsindnug der Dadaer Leiche verfuhr. Gr machte dem Stuhlrichter die Meldiliig, der dann Nachts herauskam und die Leiche besichtigen liest. Zeuge hielt eine Kerze, konnte aber die Leiche, welche noch im Grabe war, nicht gut sehen; er hörte, wie mau sagte, dast die Zähne der Leiche gut seien, Hörle auch von deren Körperlänge und dem Tuch an ihrein Arm reden. Am andern Tage war er nur bis zur Anknnsl der Gerichts-Kommission zugegen, bann ging er fort und sah die Leiche nicht näher. Aus die Fragen des Vcrlhcidigers Götvös giebl Zeuge an, er habe positiv gehört, dast die Leiche gröstcr sei, als Gsther war. Am Tage war er bei der Leichenschau nicht unmittelbar in der Nähe, sondern stand mit etwa Z- bis •100 Menschen circa 5,0 bis 00 Schritt weit. Inden wurden weder umsonst noch für Geld zugelassen. Die Leiche hat er genauer nicht gesehen. Während er ans die Meldung Olah'ö zur Leiche herauskam, hörte er von den Leuten, dast die Leiche möglicherweise jene Gsthcr's sein könnte. Zeuge Stephan Lörincz hat als Notars-Substitut voriges Jahr bei der Leichenschau mitgcwirkt. Gr erzählt, wie cS dabei - zngcgangen, bringt aber nichts Neues vor. Die Untersuchung der Leiche geschah Abends nach 0 Uhr bei Kerzen- und Lampenlicht. Die Leiche lvar stark anfgeschwellt und verbreitete einen intensiven Geruch. Das Tuch, in dem die Farben sich befanden, war an die Hand gebunden, Nase und Mund waren regclmästig, letzterer geschtvollcn, die Angen tvarcn geschlossen. Ans die Frage des Verlheidigers Götvös antwortet der Zeuge, er habe selbst gesehen, dast die Zähne klein und regclmästig, der Bauch stark augcschivollen tvar, ob auch die Brust, wisse er nicht; der Leib sei blau gewesen, ob dies von den Kleidern herrühre, kann Zeuge nicht angebcn. Die Farbe des Papiers, in welches die Farben cingewickelt waren, konnte nicht mehr bcstimint werden. Die Zunge ragte durch die Zähne hervor. Zeuge hat Grtrnnkcne noch nie gesehen. Ob aud) der Arzt gesehen, dast die Zunge heransstand, weist der Zeuge nicht. Der Arzt ist kurzsichtig und stand bei den Füsteu der Leiche. Der Mund des Leichnams stand schief, die Unterlippe hing herab. Der Arzt nntersnchle nicht, ob die Kinnlade beweglich sei, sie hing nicht herab. Die Leiche haue einen unerträglichen Geruch, man mußte sich ab״, wenden. Die Meldung wurde mit den Worten gemacht, eine Mädchcnleiche sei gefunden worden. Zeuge und auch Andere glaubten, cs sei Gsther Solyrnosi; es tvurde hierüber auch bei der Untcrsnchnitg gesprochen, denn cs war sozusagen ein Kind. Gs siel ans, dast die Leiche kein Hemd Halle. Ans dem Wagen, auf dem sich die Kommii'sion ans User begab, waren auch zwei Juden. Auch aus dem Wagen tvurde schon die Vermnthung laut, dast die Leiche die der Gsther sein könne. Präsident richtet hierauf an die anwesenden Damen die Anssordernng, den Saal zu verlassen, da Fragen gestellt tverdcn, welche für die Verhandlung wichtig, jedoch das Schamgcfnb! verletzen könnten. Die Fragen bezogen sich thalsächlich ans die Konstatirung des mnthmastlichen Alters des Leichnams. Der Zeuge Bernhard Leskovics macht nun Mittheilnng über seine Wahrnehmungen an der Leiche. Als das Grab geöffnet tvurde, tvar er zugegen, doch in zu grostcr Gntscrnttng, um die Leiche sehen zu können. In der Nacht blieben zwei Ghrislen und zwei Juden als Wache bei der Leiche. Das Gespräch der Kommissionö-Vcitgliedcr hörte er nicht, da er zu ent» sernt stand. Aus die Frage des Staatsanwalts Szensiert giebt der Zeuge au, dast in der Gegend das Gerücht verbreitet tvar, dast es jene Gsthcr's sei. Ans die Frage dcs Vcrlhcidigers erzählt er dann, dast er verhaftet und vom Untersuchungsrichter tnalrräiirt tvurde. ״Ich war über??acht eingesperrt", sagt Leskovies׳. ich schäine wich nicht, ztl gestehen, das; ich weinte, als ich am nächsten Tage den ilntersuchungsrichler bat: Geehrter Herr, tnacheit Sie mir nicht die Schande, ich bin ein nnschuldiger Mensch. Gr schiinpste tttich wie einen Knaben: nnvcr״ schämier Lügner, du sagst die Unwahrheit." Präsident: Was tvollte er denn von Ihnen erfahren L — Zeuge: Gr sagte, ich müsse tvissen, woher die Leiche kam. Bei dein Verhöre mußte ich Worte hören, welche ich nicht wiederholen tvill. Als ich dann entlassen tvurde, drohte mir der Untersuchungsrichter, dast ich von dem Verhöre ja Nicmandem etwas sage : der hier aitwcscnde Zeuge Toth kann bezeugen, dast ich cingesperrt!mb gequält tvurde. — Zeuge Toth, hierüber gefragt, kann sich nicht erinnern, dast Leskovics beschimpft tvurde, doch sperrte er selbst ihn ans Befehl Bary's ein. Ans die Fluge dcs Vcrlhcidigers Götvös, ob ihm seine Verhaftung schriftlich initgetheilt wurde, anttvortct Leskovics: Nein. Gr tvurde am :5. Juli Nachmittags verhaftet und bis znm andern Tag Abends in Haft behalten. Der Uulcrslichnngsrichter, sagt er, hätte ihm so sehr Furcht eingejagt, dast er eine Apellation sich nicht anznmclden getraute, auf welches Recht er auch nicht aufmerksam gemacht tvurde. Verlheidiger Götvös fragt tveitcr, ob Leskovics wisse, dast er des Lcichenschmuggels angeklagt war, tvas dieser verneint. Am letzten Tage erst erhielt er eine Bcr« ständigung, dast er dieser Anklage, von der er nie etwas wustte,