Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-09
- Page
- 522 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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522 gelesenen Depositioncn nnd wünschen eine weitere Einvernchmung dieser Zengen nicht. (*.3 folgt die Vernehmung der Zeugin Frau Gros;. Die׳ selbe sagt über die Krankheitsdaner ihres Mannes an- und erzählt, dag Martin (יילroß uom :3. bis 10. Inli lsS־J bettlägerig geivesen sei. Am 10. Juli, einem Samstag, besuchte er den Teinvel. wurde im Nachhanscgchen wieder nmvohl, legte sich zu Bett nnd blieb bis 1:3. Inli bettlägerig. Ans die Fragen des Verrheidigers Eötvös deponirt die Zeugin, das;, als der Uittersnchnngsrichler sie unter vier Augen iiu Gemeinde- Hanse verhört, er ans ihre Mittheilnngen über die .VtranHjcit ihres Nl'anncs zur kritischen Zeit antwortete, dies sei unmöglich, denn ihr Mann habe schon gestanden, und daß er dies nicht zu Protokoll nehmen wollle. Verhört wurde sie fast täglich. Die Krankheit ihres Mannes fiel nach den christlichen Pfingsten, ein Exekutor Namens Horvath, müsse sich dessen auch erinnern. Die nächste Zeugin, die Frau des Elias Großberger an« ESzlar, LchwicgermnUer des Wirlhcs Lüßmann, deponirt ans die Fragen des Präsidenten, das; sie sich bcstimiut au die vorjährige Krankheit des Gros; erinnere; sie führt zahlreiche Umstände an, welche die Krankheit bestätigen, die sic in die Zeit von Anfangs Juli verlegt. Es folgt die Zeugin Snsanna Gpnlai. Dieselbe diente im vorigen Jahre bei Joseph Ginhorn in Eszlar, in der Nähe des Hauses -des Marlin Gros;, den sie im Frühjahre einen Tag im Bene krank sah. Sie ging nicht oft in Groß' Hans nnd weis; nicht, tvie lange er krank war. Tie nächste Zeugin, Barbara Nagt), kam als Dienst-- Mädchen Einhorns manchmal in das Hans des Groß; sic sah ihn krank. Vielleicht hat er sich aber nur krank gestellt, fügt die Zeugin nnier Heiterkeit des Auditoriums hinzu. Die Zeugin hat vor dem Untersuchungsrichter bestimmte Aussagen gemacht, kann sich aber jct^t nicht mehr erinnern. Die Zeuginnen Marie Katalofsti nnd die Wiltwc Szilvasi sind nicht erschienen; cs werden ihre vorjährigen Aussagen verlesen, die übereinstimmend dahin lauten, daß' die Szilvasi an einem Frühlingstage des vorigen Jahres den Groß, derüber den Feldweg schlich nnd krank anssah, auf den Wagen ansnahm. Vertheidiger Hcninann ersuch: um Zitirrmg des oben erwähnten EreknlorS Horvath als Zeugen, wenn er cS auch für irrelevant hält, ob bewiesen werden könne, daß Gros; am 1:3. Juli krank war, da cs sich mehr um die Zeit vom 1-1. bis -0. Inli handelt. Vertheidiger Eötvös ersucht um die Zitirnng des Max Wcigstein -'Szaboles-, der nach Angabe '.cS Groß Letzteren am Inli krank zu Hanse gesehen. Die nächste Zeugin, die Frau des Ignaz Klein, deponirt völlig unwesentlich. Zeuge Gabriel Gpanhi ans Eszlar, der von Groß als Zeuge für seine Krankheit genannt wurde, weis; nichts darüber ansznsagcn; er hat nur von Frau Gros; gehört, daß ihr Mann krank darnicdcrliege. Zeugin Frau Gyanyi deponirt konform. Die Verihcidignng konstalirl, daß daS Ehepaar Gyanpi nicht als Entlastungszeugen berufen tvnrdc. Der Präsident hält es für angezcigt,;mri Zeugen zn vernehmen, die jetzt anwesend sind nnd bezüglich der Agnoszirnng der Dadacr Reiche dcponiren tvcrden, nämlich der reformirte Geistliche Ludwig Laposi mtd der Lehrer Franz Barkouyi. Als erster Zeuge erscheint der Eszlarer reformirte Geistlichc Ludwig Kaposi. In Folge einer Acnßcrung des Vcrthei« drgers Eötvös über die eventuell an den Zeugen zu richtenden Fragen verlassen die wenigen anwesenden Damen den Saal. Der Zeuge Laposi deponirt sodann, daß er Esther Lolptnosi sehr gut gekannt habe, da sic vier Jahre lang in die Wiederholnngsschnlc gegangen, in welcher Zeuge Prüfungen vorgcnommen habe. In der Dadaer Leiche hat er Esther nicht erkannt, die Gesichtszügc waren nicht die der Esther. Die Leiche war entwickelter nnd knochiger. Die einzelnen Körpcrlhcile hat Zeuge nicht genau besichtigt. Staatsanwalt Szcyfscrt: Können Sie mit Bestimmtheit behaupten, daß die Leiche nicht die der Esther gewesen, oder glauben Sie dies nur’׳ -- Zeuge: Ich meinerseits glaube bcstimmt, daß es nicht die Esther war. Auf ferneres Fragen des Staatsanwaltes antwortet der Zeuge, daß die Leiche, die er vor der Sezirnng gesehen, starken Geruch verbreitete; besondere Kennzeichen nahm er nicht wahr. — Vertheidiger Eötvös: Wann haben Ehrwürden Esther znin letzten Male lebend gesehen? — Zeuge: Ich kann mich dessen nicht bcstiinntt erinnern. — Eötvös: Was verstehen Sic darunter, daß die Leiche entwickelter war? — Zeuge: Esther war schwächer gebaut und schmäler. — Eötvös: Worauf gründen Sie den Ausspruch, daß die Leiche knochiger war? — Zeuge: Ihre Brust war entwickelter nnd breiter als die der Esther. -- Der Zeuge sagt ferner, daß er die Leiche nicht angerührt; er hat dieselbe entkleidet auf dem Nücken liegend gesehen. Sie sei von gelblicher Farbe gewesen. Der Zeuge erklärt ans Befragen, er wisse nicht, daß Leichen von Gasen anfgelricben werden und in Folge dessen größer und stärker erscheinen. Nach einer weiteren Vernehmung Laposi's über die Details in dem Aussehen der Leiche wird der Zeuge Franz Varkonyi, Lehrer in TiSza - Eszlar, vernommen. Derselbe hat Esther. Solpmosi, welche bei ihm vor drei Jahren Unterricht nahm, gut gekannt nnd auch später öfter gesehen. Er hat in der völlig entkleideten^ Dadacr Leiche Esther nicht erkannt. Esther hatte niedrige Stirne nnd gerade Nase, während der Leichnam nebst einem breiten starken Brustkasten eine hohe breite Stirne und eine Stnlpnase hatte. — Vertheidiger Eötvös: Haben Sie, Herr Lehrer, schon Leichen gesehen, seien cs frische oder auch ältere nnd vom Wasser ansgcschwemmte? — Zeuge: Ja, ich habe wiederholt Leichen gesehen, mib zwar vor Jahren auch eine vom Wasser ansgeworfene. Vertheidiger Eötvös: Haben Sie auch jemals Leichen bc- Hufs Agnoszirnng angesehen? — Zeuge: Nein, bis zur Dadacr Leiche nicht. — Eötvös: Woraus schließen Sic, daß die Leiche eine höhere Stirne halte, als Esther? — Zeuge: Ich habe sic ja gesehen und erinnere mich. — Eötvös: Nnn wohl, Herr Lehrer, auch wir Beide, Sie nnd ich, haben hohe Stirnen, höhere als wir haben sollten.!Heiterkeit im Auditorium. Vertheidigcr und Zeuge haben itäntlich spärliches Kopfhaar.- Die Dadaer Leiche hatte aber kein Kopfhaar, man kann also hierin sehr leicht irren. — Der Zeuge deponirt ferner, daß er die Leiche 10 bis!.'» Minuten lang besichtigte; auch erklärt er auf Befragen, nicht zu wissen, daß Leichen größer und stärker erscheinen. Zur Agnoszirnng fei er freiwillig erschienen. Beide Angen der Leiche seien geschlossen geweicn. Ter Zeuge giebt ferner an, daß er Esther iin Jahre 1KK0 sechs Wochen lang für die Firinnng vorbereitet habe. Esther hatte keinen so großen Kopf gehabt, wie die Leiche, nnd ein längliches Gesicht. Vertheidiger Hcnmann: Haben Sie Messilngcn an Esther angestcllt? — Zeuge: Nein, ich nrthcile nur nach dem Augeninaß. — Eötvös: DaS Augenmaß kann leicht täuschen; , cs ist ein Unterschied zwischen Ansehen nnd Untersuchen. — Zeuge: Ich habe Esther nie zu dem Zwecke angesehen, um mir ihre Körpcrdimcnsioncn zu merken. — Eötvös beschwert sich darüber, daß daS Auditorium Fragen, deren Ziel unb Zweck es, wie leicht begreiflich, in den seltensten Fällen kennt oder auch nur ahnt, mit Gelächter anfnehme und dadurch störend wirke. Präsident: Wenn sich der Herr Vertheidiger gestört pnden wird, bitte ich, cS mir zu sagen, nnd ich werde daS^ Publikum zur Ordnung weisen. — Vertheidiger Fricdmann: Haben Lie, Herr Lehrer, jemals einen Menschen gesehen, der auf irgend