Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-09
- Page
- 520 (sequence 4)
- Language
- German
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520 hereinholcn, von welchem erKlein ca. drei?itcr auSzutrinken zwang. Klein wollte auch jetzt noch nicht gestehen, worauf der Sicherheits-Kommissär ihn reichlich mir Ohrfeigen und Püffen rcgalirte: unter dieser Behandlung sprach nun der erschrockene Klein Alles nach, was ihm der Kommissär vorsagte. Bary kam sofort in* ^uniner, nahm Papier und schrieb über Klein'S er׳ presste Aussage ein Protokoll nieder. Während des gewaltsamen WasscrtrinkenS und der Miszhandlung durch Schläge waren anher Klein nur noch der Kommissär und .Karaneiay autvcscud. Ucbcr seine Neise g׳ebt Zeuge an, daß er mehrere Kranen nach Npiregiihaza geführt habe, nicht aber in Srent-Äarton gewesen sei, wie er denn überhaupt nie länger als einen Tag vom Hause weggeblieben. Die Aussagen der Eheleute Gsnha, die den Angeklagten in der Früh allein wegsahren und erst am folgenden Morgen;nrückkehren sahen, bezeichnet Klein als unwahr. Aus die Frage Funtak'S, warum sich der Angeklagte über diese schlechte Behandlung nicht beschwert habe, erklärt schließlich Klein, daß eS in Niftregyhaza Niemanden gab, bei dem er seine Klage hätte aubringen können. Als jedoch Ober-StaatSanwalt Kozma die (Gefängnisse besuchte, habe Angeklagter sofort Be׳ schwcrdc erhoben. Als nächster Zeuge erschien der Flößer Petrn Matej. Derselbe hat die kritische Theißreise aus dcrn dritten Floße mitgemacht; er sah, so giebt er an, vor der Abfahrt von Tarkany den David Hersko zur Nachtzeit mit einem fremden'Juden am User sprechen. — HcrSko erklärt daraus, daß er diesen Verkehr ohne Weiteres zugebc; an jener Uferstelle ist ein Holzplatz etablirt und der weiter desselben fragte ihn, ob er nicht etwa Hol;- waare von seiner Fracht;11 verkaufen habe. — Ter Zeuge bemerkt, daß er den Holzplatz wohl kenne und diese Aufklärung vollkommen glanbwüdig halte. Er schildert die ganze Neise bis zur Auffindung der Reiche am Dadaer Gestade übereinstimmend mit der schon von mehreren Zeugen gegebenen Darstellnna. Aus die Frage des VerthcidigcrS Friedman«, ob auf dieser Neise die Bemannung ihren Branntweiubedars etiva gratis empfangen habe, antwortet der Zeuge verneinend: sie kauften sich ihr Getränke wie sonst auch immer für ihr eigen Gcld^ Dieser Zeuge war drei Wochen in Haft-, er wurde in Szolnok arretirt, mittelst Eisenbahn nach Niftrcguhaza gebracht und hier, sowie in Eszlar und?oek wiederholt verhört. Nach einer halbstündigen Panse wird Zeuge Peter SzavinccS vernornmcn. Derselbe ist Flößer und hat im vorigen Jahre bei dem bewußten Holztransporte auch mitgcivirkt. Den Verlaus der Neise erzählt der Zeuge konform mit den übrigen Flößern. Aus spezielles Befragen giebt er an, daß er bei Tar- 11111׳) einen Juden mit Hersko jüdisch sprechen hörte: es geschah dies 'Nachmittags gegen '> bis i; Uhr. Es war dies in einer Entfernung von ea. l'>0 Klaftern, so daß er die Gesichtszüge des fremden Inden nicht genau unterscheiden konnte: doch sah er, daß es ein Jude :var. Von ihrem Gespräche konnte er nichts verstehen: auch hatte er nicht bemerkt, daß David Hersko bei Kcrenesen irgend Jemanden am User angcrusen habe. Nach einigen Details über die Neihenfolge der Flöße und über den Unfall des einen Matej'schen Floßes in Tiöza-?oek erzählt der Zeuge aus Befragen des Staatsanwaltes, daß er zwischen der Szent-Martoner Fähre und Tarkani) kein Fuhrwerk bemerkt habe, und daß die Flößer bei Szent - Marlon nicht berechnen konnten, wann sie in Eszlar ankommcn wurden. Der Zeuge hat bei Eszlar auch keine Frauensperson am User bemerkt. Aus eine Frage Fr׳.td:nann's bemerkt der Zeuge, daß sie während der Neise von Niemandem DchnapS gratis bckonnnen, und auch nicht öfters als sonst betrunken waren. Der nächste Zeuge, Michael Szitko, ist gegenwärtig Soldat und war i׳.n vorigen Jahre Floßknecht. Er befand sich mit Jankel Tmilovics und einem gewissen Georg aus BonaSzck ans einem Floße beisammen. Die Aussagen des Zeugen besiätigen die Angaben des SmilovieS, er hat während der ganzen Reise nichts Besonderes bemerkt und auch nichts über eine Reiche reden gehört. Mit Smilovics war er nie bei der Szent- Martoner Fähre, er sah nicht, daß SmilovieS sich ein kleines Handslos; bauen ließ, was er sonst gewiß bemerkt hätte. Es folgt die Vernehmung des Zeugen Stephan GarSz. Derselbe war im Szabolcser Komirat Erdarbeiter und begab sich im vorigen Jahre nach Tokai, um mit den Flößern nach Hause zu fahren. Er erzählt, daß er die Neise ans dcmsctbcn Floße mit Ignaz Mate! und Johann E'clever machte: an einem Samstag Nachminag landeten sie zwischen Tis;a׳.?oek und Dada und gingen ans Land um Karten zu spielen. Einer der Flößer ries den übrigen;11, daß das Wasser eine?eiche herbcisühre: ein anwesender Feldhüter zog dieselbe ans?and, wo sie bemerkten, daß die?eiche in einem so hohen Grade der Verwesung sich befinde, daß die Flößer dieselbe kaum anzngreisen wagten: sie befürchteten nämlich, daß dieselbe unter ihren Han« den zerfallen könntc. Der Zeuge beschreibt nun die?eiche und ihre Bekleidung, sowie das Tuch mit der Farbe; das letztere war am linken Handgelenk scstgebnndcn und enthielt in Papier gewickelt eine dunkle Farbsiibstanz, welche daS Wasser auch nach dem Heraiisfischen der?eiche noch schwärzlich färbte. Sie machten von dem Funde Meldung und verscharrten die?eiche am User, um sie nicht allen möglichen Zufällen oder Thieren preiszngcben. Der Zeuge hat den tobten Körper nicht entkleidet gesehen, kann aber sagen, daß der ganze Körper stimmt den Kleidern schlammig war. Die Flößer sprachen über den grausigen Fund unter sich, doch verstand der Zeuge dieselben nicht. Aus die Frage des Staatsanwalts deponirt Garsz, daß er keine Kcnntniß davon habe, ob Ignaz Matej in Tokai irgend einen Kanjmann anjsiichte. Geld bemerkte er bei Matej nicht, doch sah er welches beim Steuermann Csclcver. Der Zeuge deponirt ferner, das; er während der ganzen Fahr! keine Jüdin am User bemerkt habe: er war niemals betrunken, und auch die Flößer tranken nur die geivöhnliche Nation. Ans den Flößen hat er während der ganzen Fahrt keinen?eichcngcrnch wahrgenommen. Sodann wird der Zeuge Mori; Widder vernommen. Es ist dies jener Kaufmann in Tokai, dem Males und Hersko angeblich die vieriindsünszig Giitdcn zur Ansbewahrimg gegeben haben. Der Zeuge kennt Hersko seit längerer Zeit und weiß nichis von der Gcldgeschichtc, welche Matej erzählte. Der Präsident hält Hersko vor, derselbe habc während der Untcrsirchnng bei der Konsronlirung mit Widder in diesem den von Matej bezeichnelen Kansmann erkannt. — Hersko sagt darauf: Ich war gezwungen, ihn zu erkennen, da man mich schlug und eS mir befahl. Ter Untersuchungsrichter stellte mir diesen Mann vor, so mußte er cö denn sein. Der Zeuge Ignaz Males wird in den Saal geführt. Er erklärt, in Widder denjenigen zu erkennen, dem er zusammen mit Hersko Donnerstag Abend das Geld übergeben habe, und sagt cs in Folge Aufforderung Widders diesem ins Gesicht. — Widder antwortet: ״Es isi völlig erlogen." — Hersko beruft sich aus die anwesenden Flößer, ivelchc hieraus bezeugen, daß sic an jenem Donnerstag am Hellen Tage aus daS Floß zurückgekehrt sind. Der eine Flößer glaubt, Hersko sei mir ihnen zulammen ans Tokai znrückgekehrr: der andere kann sich an diesen Punkt nicht erinnern. Die Frage des Staatsanwalts, wie denn Matej mit Widder, der nicht Ninhenisch versteht, gesprochen haben könne, ries eine längere Kontroverse zwischen dem Zeugen und dem Angeklagten hervor, in deren Verlaufe Matej bemerkt, Widder habc bei der Uebergabc des Geldes gesagt, daß sic dasselbe nach der Rückkehr der Flößer ans Szcgcdin unter einander thcilcn werden. Vcrlheidiger Eötvös: Widder, was ist von all dem wahr, was Matej erzählt? — Widder: Es ist kein