Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-09
- Page
- 519 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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519 tuifj.cr von nichts wisie, ließ der Kommissar durch Karancsay Bitterwasser bringen, und er mußte davon drei bis vier Gläser trinke»; außerdem wurde er gcnolhigt, zwei Gläser Schnaps hinnnlcrzustnrzen. Man band ihm dann die Hände zurück. Der Pandur Marancffli) faßte ihn bei der einen, der SichcrhcilS- Kommissar bei der andern Stirnlocke, rissen ihn bei denselben herum und forderten ihn auf, zu gestehen. Vogel wollte nicht das gestehen, was seine Peiniger von ihm haben wollten, da führte man ihn in ein kleines Nebenzimmer, enlkleidetc ihn ganz und befahl ihm, sich auf eine Schulte Stroh nicderznlegcn. Dian forderte ilju auf,;n gestehen, mit der Drohung, wenn er nicht gestehen werde, so werde man ihn bei den Füßen ausziehen. Gr sprach noch immer nichts. Am andern Tage führte man ihn sammt den Andern nach Npiregyhaza, wobei er, trotzdem er krank war, neben dem berittenen Panduren zu Fuß hcrlanscn mußte. Auf dem Wege nach Nyiregyhaza klammcne er sich an den Karren, welcher die übrigen Gefangenen trug. In Kiralytelek fiel er zu Boden, worauf man ihm Branntwein antrng; er trank nur etwas Wasser. Man gestattete ihnr nun, sich ans den Karren zu setzen, wo er dann mit SmilovicS halbstündlich abrvcchseltc. In Nyircgyhaza blieb er!2 Tage allein in seiner Kammer cingcsperrt und wurde dann erst zu Verhör geführt. Gr bethenertc wieder seine Unschuld und wurde wieder mit Smilovics konfrontirt. SmilovicS, der ihm den Tag. da sic in Kcrccscn gewesen sein sollten, nicht sagen konnte, wurde vom UntcrsnchnngSrichtcr hinanSgcsnhrt, sodann wieder hereingebracht und dann wußte Smilovics die Geschichten wieder besser zu erzählen. Vogel blieb dann wieder drei Wochen in Ginzelhast; zu einem Geständnisse der Unwahrheit konnte er jedoch nicht bewogen werden. Staatsanwalt fragt, in lvcffcn Gegenwart ihm die Gewaltthätigkcitcn in TiSza-Loc! zugesngt worden seien — Der Angeklagte antwortet: Karanesap und der Sicherheits-Kommissär seien im Zimmer gewesen, sonst Niemand, namentlich nicht der Untersuchungsrichter und nicht der Staatsanwalt; auch von Panduren hat er weder im Vorzimmer noch in der Umgegend etwas wahrgenommen. Die bisherige Lernchmnng Vogel's war derart geführt worden, daß der Präsident deutsch fragte, Vogel deutsch anttvorleic und dann der Präsident die Aussagen kurz und summarifch den Stenographen ungarisch ins Protokoll diktirtc. Götvös verwahrt sich nochmals gegen dickes Versaht cn. Nach der Aussage der Stenographen fei kaum ein Zehntel alles dessen, was der Angeklagte spricht, in dem Stenogramm wiedcrgegcben. Der polnisch-jüdische Dialekt Vogel's ist überhaupt kaum zu verstehen. Die Vcrtheidignng bittet, den Angeklagten nach eigener Wahl deutsch oder rmhenisch, aber in keinem Falle ohne beeideten Dolmetsch zu vernehmen. Berlheidigcr Friedmann schließt sich diesem Anträge an. Schließlich einigt man sich auf Vorschlag des Präsidenten dahin, die Stenographen- Protokolle, so wie sie jetzt entstanden sind, erst zu verlesen und sie eventuell zu ergänzen. Der Vcrtheidiger Götvös beantragt, daß sämmtlichc Untcrsnchnngsattcn uns Verhörsprotokolle über den Fall des Amschct Vogel den Prozeßakten cinvcrleibt und seinerzeit verlesen werden. Berlheidigcr.׳ Friedmann unterstützt diesen Antrag, morivirt denselben jedoch auch mit Folgendem: Bekanntlich brachten Journale vor längerer Zeit Mittheilungen über die gräßlichen Torturen, welche mir den Grzähluugcn des Angeklagten vollkommen nbcrcinstimmten Damit man nun nicht sage, des Angeklagten Darstellungen seien ans Zeitungen geschöpft, müssen die Allen vorgelcgt werden, damit crsichllich sei, daß er genau so schon zur Zeit ansgesagl, als er noch Gefangener war. — Staatsanwalt Szcysserl: iZch habe die Ghre, die gewünschten Noten hiermit zu unterbreiten. Die Angeklagten Martin Groß und Ignaz Klein werden hercingcsührt. — Vcrtheidiger Götvös ersucht d«m Präsidenten, bevor die Beiden verhört werden, jene Flößer anznhören, welche schon lange ans die Vernehmung warten, und absolut nichtvon der Sache missen, die aber, wie er fürchtet, wenn sie noch lange nnvcrhört hier bleiben, ganz zufällig zu merkwürdigen Kenntnissen kommen können. — Präsiden!: Ich werde vorher naturgemäß die Angeklagten vernehmen. — Martin Groß erklärt cs nun für unwahr, daß er in Szent-Marton im vorigen Jahre eine Leiche dcni Smilovics übergeben habe. Daß Smilovics ihm dies ins Gesicht gesagt habe, kam daher, weil Smilovics drcssirl wurde, ihn zu belasten. Der Angeklagte erzählt den Hergang seiner Konsrvntirnng mit Smilovics und versichert, daß er durch die Gehässigkeit Onodp'S und Barh'S in die Sache hineingczogen wurde. Man führte ihn, so erzählt er weiter, nach den Aussagen SntilovieS' nach TiSza-Lock und sperrte ihn ein; da forderte ihn der Untersuchungsrichter ans, anSznsagcn, indem er ihm große Verheißungen machte. Gr aber verblieb bei seiner Aussage, daß er nichts misse; nun ließ ihn der Untersuchungsrichter von einem Panduren zu Pferde nach Nyiregyhaza zu Fuß cskortircn. In Npiregyhaza - so berichtet der Angeklagte weiter — ließ ihn der Untersuchungsrichter wegen einer harmlosen Acnßernng zwölf Tage lang in Ginzcl-Arrest setzen. Der Angeklagte dcponirt sticßcnd und znsammcnhängcnd die Geschichte seiner Leiden. — SmilovieS. befragt, kann sich nicht erinnern, ob ihm der Untersuchungsrichter Groß und Klein direkt als Jene bczeichnete, gegen welche?י: auSsagen solle; er — der Untersnchnngsrichter - zeigte nur durch das Fenster ans ztvei Personen, und eS waren dies zufällig Groß und Klein. Gr hätte ebenso gut ans zwei Andere zeigen können, die dann jetzt an Stelle Groß' und Klcin'ö hier als Angeklagte stehen würden. (Gelächter.) lieber den ersten Theil der Anklage brachte Groß nichts Wesentliches vor. Zn erwähnen wäre nur, daß er sich bestimmt erinnert, an jenem vielgenannten Samstag Abraham Braun nicht im Tempel gesehnt zu haben. Der Angeklagte Ignaz Klein, den der Präsident sodann verhört, gicbt an, daß er im Juni v. I. keine größere Ncisc unternahm und nicht i.i Gszenp oder Szent-Marton gewesen ist. Die Anklage, daß er mit Martin Groß eine Leiche nach Szent-Marton transportirt und dieselbe dort dem Angeklagten Smilovics übergeben hätte, sei demnach auch entschieden falsch. Smilovics habe dies zwar ausgesagk, doch that er dies sicher nur unter dem Zwange des Untersuchungsrichters. Klein erzählt weiter, daß der Untersuchungsrichter schlecht mit ihm verfahren sei. Bary ließ ihn in Gszlar v׳.׳r sich zitircn und von SmilovicS durchs Fenster agnoszircn, wobei er iKlein) lange Zeit in die Sonne schauen mußte; dann ließ der Untersuchungsrichter ihn zu sich hineinführen, fuhr ihn mit barschen Worten an und wollte von ihm unter Flüchen ein Geständnis; entreißen. Klein erklärte sich jedoch für unschuldig; da ließ man ihn hinanssührcn, und während er draußen stand, wurde Smilovics drinnen bearbeitet und nachher wieder vorgcsührl. Sodann erzählte ihm Smilovics den ganzen angeblichen Handel ins Gesicht. Gr (Klein) habe aber auch damals dessen Aussage als unwahr bezeichnet. Abends gegen!» Uhr wurde er nach TiSza- Lock eskortirt, wobei berittene Panduren ihn vor ihren Pferden hcrtrie'oen. Iit Tisza-Locl sperrte man ihn im Stalle des Stnhlrichtcrs ein; später führte man ihn auch in die Wohnung des SruhlrichterS, wo ihn Vary zu einem Geständnisse überreden wollte; da aber Klein standhaft blieb, übernahm ihn Abends zwischen und Kl Uhr der Sicherhcits - Kommissär Bat) und drohte, ihn mit dem Säbel zu erstechen, falls er nicht geständig sei. Der Pandur .Karancsay war bei diesem Vorgange zugegen; da Klein auch jetzt nur seine Unschuld bcthcncrte, ließ der SicherhcitS-Kommissär durch Karancsay Wasser