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Jeschurun · 1883-08-09 · Heft 32 (9.8.1883) · p. 518

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 32 (9.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-09
Page
518 (sequence 2)
Language
German
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018 Bertheidiger Heumann und der Zeugin, die auf Befragen an« giebt, sie habe von diesem Verbote nie gehört. Ira wird sodann dcc TiSza ׳ Gszlarer Ginwohner Michael Debreczenp einvernommcn. Bei ihm diente während des ganzen vorigen Jahres jener Zeugt HaralowSkv, der, wie erinnerlich, angegeben, dag er an dein vielgenannten Samstag Nachmittags geben :! Uhr die Gsther Solpmosi weinen und sprechen gehört habe. Tebreczenv deponirt nun, daß er an jenem Samstag mit seinem Knecht Hatalowekp von srlih Morgens bis spät Abends aus dem Felde war׳, eS sei daher unmöglich, daß Hataloivskp ^Nachmittags im Orte die Gsther gehört habe. Aus mehrsache fragen der Bertheidiger erklärt der Zeuge, sich bestimmt au den Tag zu erinnern, auch habe Hatalowsky sich niemals zu ihm darüber geäußert, daß er etwas von der Gsther rvisse. — Ter solgende Zeuge, Joses Lanczly aus Tisza-Gszlar, wohnt gegenüber der Huri und neben Tebreczenp. lir erklärt, daß er an jenem Samstag gegen 1«) Uhr Vormittags Esther zum letzten Male gesehen, und daß er gehört habe, wie ihre Dieustgeberiu sie um Farbe schickte-, er selbst sei diesen ganzen Tag leidend gewesen und habe im Hofe verweilt. Der Zeuge will sich auch genau erinnern, daß an jenem Samstag sein Nachbar Tebreezeny mit Hatalowsky bei der Feldarbeit und letzterer arn Nachmittag bestimmt nicht zu Hause war. Bertheidiger Friedmann verwahrt sich entschieden gegen diese Art der Zcugenherbeischafsung und Vernehmung. Auch die Vertheidiguug, sagt er, hat Zeugen nominirt, jedoch zur rechten Zeit mit Angabe der Gründe — hier aber fallen jetzt die Zeugen wie vom Himmel herab — die Bertheidiger suchen vergebens in den Alten, wie es kommt, daß dieser Zeuge jetzt hier depouirt׳. das könne doch unmöglich ein korrektes Vorgehen sein. — Bertheidiger Götvös findet es sehr anst'allend, daß dieser Zeuge ein ganzes Jahr lang gar nichts gewußt hat und jetzt plötzlich in so bestimmter Form Aussagen macht. Aus serncre Fragen der Verlhcidigung antivorret Zeuge Lanczy, er habe damals, als die Untersuchung in ausgedehntem Maße gepflogen tvurde, nicht daran gedacht, sich als Zeuge zu melden, aber der alten Solymos, habe er davon erzählt, daß er ihre Tochter gesehen. Schließlich thcilt Zeuge mit, er habe vor. gestern mit dem Gszlarer Dorsrichter Farkas über die Sache gesprochen und ihlu scine^Beobachtungcn erzählt. Sodann stellt der Staatsanwalt den Antrag, die .Zeugen zu beeidigen׳, die Aussagen der Frau Urban und des Ehepaars Gsuba findet er belanglos, ebenso auch die Aussage Debreczeup'S, da ja auch den Aussagen Hatalowslp's keine Wichtigkeit beige, legt wurde. Uebrigenü habe er nichts gegen die Beeidigung auch dieser Zeugen einzuivcudcn. — '!)!ach dem Wicdcrerscheincn des Gerichtshofes verkündet der Präsident, daß beide Flößer nnd das Ehepaar Gsuha beeidigt werden. Die Zeugin Urban nnrd nicht beeidigt, die Beeidigung Debrcczeny's und Lauczp's in >u>!״-n>0 gelassen. Der Präsident theilt noch mit, daß der Vertreter der Privatklägerin Solymvsi noch mehrere Zeugen angemeldet hat, ferner daß der Vizegespan au den Gerichtshof Protokolle ciugeschickt, welche er mit den Gltcrn der )6 jährigen Zeugin Juliana Vamosi ausgenommen-, dieselbe hat, wie er. innerlich, sehr entlastend auSgcsagt, unter Andern!, daß sie die Esther bestimmt um 1 Uhr Nachmittags gesehen; die Gltern sagen hiernach aus, das! ihre Tochter Juliaua falsche Aussagen vor Gericht gemacht habe. Diese Eröffnung rief eine Flulh von Ginsprüchen und Verwahrungen seitens der Vertheidiguug hervor. — Karl Götvös schrie, das sei denn doch zn viel; er ivisse, daß jene Zeugin, weil sic eben die Wahrheit ausgesagt, von ihren Eltern mörderlich geschlagen tvurde ׳, wie solle denn das enden, wenn ein solches Vorgehen geduldet werde? Die Zeugen würden cingeschnchtert, und wenn sie der Wahrheit gemäß aussagen, gehöhnt und bestraft. Die Administrations. Behörde kümmere sich gar viel um den Prozeß. Die Bertheidigcr erklärten schließlich, eine solche Art Rechtspflege nicht dulden zu können, so daß sie schließlich gezwungen seien, geeignetenorts Abhülfe zu suchen. 5. Juli. Der Präsident eröffnet um 9 Uhr die Vcr« Handlung. Angeklagter Amschcl Vogel wird vernommen. Derselbe deponirt ohne Dolmetsch in deutscher Sprache. Gr bekennt sich unschuldig. Gr erzählt, er habe im vorigen Jahre Holz geflößt-, die Fahrt trat er in M.-Szigcth am KO. Mai an; am 2. Juni fuhr er von Ncmete ab und kam nach- Bari, wo er vier Tage weilte; in Gszen rastete er zehn Tage-, nach Szolnok gelangte er am 19. Juni. SmilovicS kennt er seit langer Zeit sehr gut. Im vorigen Jahre ist er nicht mit ihm zusammen, getroffen. In Gsgcn sah er SmilovicS auf einem Floße vorüberfahren, und zivar an einem Sonntag. Sie riesen sich ans großer Gntfernnug an. InKerecsen ist er nicht mit SmilovicS zusammengetrossen, wie Letzterer in seiner Selbstauklage behanptele, und hat also auch nicht mit ihm über eine Leiche gesprachen. SmilovicS, befragt, sagt dem Vogel, was er früher von ihm behauptet. Vogel: Nun und das ist nicht wahr. SmilovicS: Ach Teufel, wie wird das wahr sein. Der Staatsanwalt fragt, ob der Angeklagte in GSzlar bekannt war. Vogel: Nein. — Vogel erzählt dann, wie er in Untersuchung gezogen, verhört und mit SmilovicS konsrontirt wurde, der ihm ein erlogenes Verbrechen ins Gesicht sagte. Als Vogel leugnete, gab ihm der Untersuchungsrichter eine Ohrfeige. DaS geschah in Gszlar. Der Staatsanwalt begab sich damals aus dem Vcrhörzimmer. Karancsap sagte dann zu Vogel, er werde, wenn er gesteht, in einigen Wochen frei sein. Am nächsten Tage hatte Vogel ein ziveiteS Verhör vor dem UnlcrsuchungSrichter und eine Kousrontiruug mit SmilovicS. Der Untersuchuugsrichter zwang ihn, viel Wasser zu trinken und rcgalirtc ihn wieder mit Ohrfeigen. Am Abend wurde er daun nach Lock gebracht, wo er in einem Gartenzimmer verhört wurde. GS waren anwesend der UntersuchnngSrichtcr Vary und der Kommissär Karaucsay. Auf die neuerliche Aufforderung, er möge gestehen, erwiderte er, daß er absolut nichts wisie. Hieraus applizirte ihm der Untersuchungsrichter abermals eine Ohrfeige, begab sich aus dem Zimmer nnd der Angeklagte blieb mit dem Kommissär allein im Zimmer zurück. Später kam noch ein zweiter Kommissär iuS Gemach. Auf die neuerliche Frage, ob er schuldig sei, gab er wieder zur Antwort, daß er gar nichts wisse. Darauf sagte ihm der Kommissär, er habe Vollmacht vom Gerichtshöfe, ihn so lange zu prügeln, bis er die Wahrheit gestehen werde. Auch daraus antwortete er nochmals, man könnc ihn schlagen, aber er wisse dennoch nichts. Der Kommissär sagte ihm, er solle ihm ins Auge blicken, und als er den Kopf erhob, schlug ihm der Kommissär den Kinnbacken in die Höhe. 'JJiait drohte ihn! immerfort mit Schlägen, bis endlich der Kommissär eine Kanne mit Wasser holen ließ und ihm befahl, daraus zu trinken. Gr war gezwungen, so lauge zu trinken, bis ihn ein unwiderstehliches Bcdürsniß ins Freie trieb. Bertheidiger Götvös bittet den Präsidenten, er möge die Grzähluug des Zeugen, welche derselbe in polnisch - jüdischem Jargon vor trägt, gefälligst ins Ungarische übersetzen lassen, damit die Stenographen die Möglichkeit erhalten, die Grzählnng zu fixircn. — Die Stenographen erklären, daß sie den Vortrag dem Sinne nach verstehen nnd fixiren können. Amschcl Vogel erzählt sodann weiter, daß er abermals ins Zimmer gebracht wurde, daß wieder die Frage an ihn gerichtet wurde, ob er gestehen wolle, und als er neuerdings betheuerte,

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