Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-02
- Page
- 503 (sequence 7)
- Language
- German
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503 Urthril füllt, fann über diese Angelegenheit nicht entschieden werden. Vertheidiger Götvös: Dieser Mensch gesteht ferner, das; er an dem tzeichenschmnggel lhcilnahm; gesteht, das; er dies für Geld Methan; gestellt, das; er Geld erhalten nnd bei einem Tokaier Anden deponirte; gesteht, das; er auch über das ^nb;icl dce> Schmuggels im kleinen war. Ob dieses Geständnis; ans Wahrheit beruhe, sann heute noch nicht entschieden werden: aber dieses Geständnis; bildet ein sehr bclnerkeusn'erthes Symptom eines Verbrechens, ivelches er bekannte. Nach alledem hat er einerseits am ^eichcnschmnggel Anthcil ,genommen, nnd nachdem andererseits das Vergehen falscher Zcngenschast durch seine eigene Anssage erwiesen erscheint, beantrage ich, das; Ignaz Males ans der Reihe der Zeugen entfernt und in die Reihe dev An» geklagten gestellt werde. Dies ist um so gerechtfertigter, da doch der Angeklagte Vogel, trotzdem er sein Alibi bewiesen hat, noch immer hier ans der Anslagebans sitzt. Ich beantrage, das; Ignaz Males unter Anklage gcslellt werde nnd wenigstens so lange hier in Hast bleibe, bis der Gerichtshof ein Urthcil fällen rvird. Staatsanwalt Szchsscn; Ignaz Matej wird seitens der VcrtbeidigilNg angeklagt, daß er entweder das Verbrechen der falschen Zeugcnschasl oder das der Vorschnbleistnng begangen habe. Was das Grstcrc anbelangt, bin ich gezwungen, zu erklären, das; die Bcdingnisse nicht vorhanden sind, krast welcher der Zeuge unter Anklage gestellt werden könnte, nachdem Zeuge ans sein Geständnis; noch leinen Gid abgelegt. Was das Vcrbrechen der Vorschnbleistnng anbelaucch, sehe-ich, nachdem der Zeuge entschieden erklärte, das; er die Geschichte des Reichenschinnggels nicht wüs;te, und das Gegcntheil hiervon durch keine positiven Daten bewiesen ist, nicht für gerechtfertigt, dag der Zeuge unter Anklage gestellt werde. Präsident: Bezüglich beider Anträge wird der Gerichtshof entscheiden, doch mns; ich schon jetzt sagen, das; Matej jetzt znm ersten Male als Zeuge vor Gericht. steht, früher war er Angeklagter. Verthcidiger Henmann befragt nun den Zeugen über die technische Zusammenstellung der Klötze, über deren Ban, üb:r den Modus des i'andens und ähnliche Details. Das Landen, giebt der Zeuge an, iverdc nie im vorhinein festgesetzt, sondern erfolge stets nach einem gemeinschasttichen Uebereinkommen und lvcrdc durch einen Reiseleiter angeordnet, dessen Ausgabe in diesem AaUc Peter Matej versah. Die Flöge pflegen nur wegen Windes oder Hochwassers sichen zu bleiben, an Sonnnnd Feiertagen fahren sie nicht, und des Nachts nur in gewissen gefahrlosen Gegenden der Theist. In Karad blieben sie sichen um zu übernachten, während bei Tarlanh der Wind sie stillzirsichen zwang. Wäre kein Wind gewesen, unsren sic tvcitcr gefahren. Bei Tisza-Gszlar blieben sie deshalb stehen, weil sie in die kleine Theist gcrathcn ivaren; rvärc dies nicht geschehen, so hätten sie ihre Reise ohne Anscnthalt fortgesetzt. Bei Dada mnstten sic deshalb verweilen, weil ihre Flöge an irgend etwas ausgesahrcn waren und Schaden gelitten hatten. Ohne diesen Zwischenfall wären sie nicht stehen geblieben. Zeuge giebt ferner an, das; seine Ginlohnnng für die ganze Reise *Jf» fl. betrug, von welchen er einen kleinen Thcil in Blislyahaza, einen andern in Bari, endlich wieder einen Thcil in Tolai erhielt. Aus der Reise verpflegen sich die Fl oster selbst. Alls fernere Fragen des Vcrthcidigers Henmann antwortet der Zeuge, die Ordnung der Flöge wechselte; ans der Fahrt von Tokai nach Dada gingen die Flöstc nicht immer hintercinander, sondern auch nebeneinander; wer eben rascher ruderte, kam voran. Mit Hcrsko hat Zeuge schon vor acht bis neun Jahren eine Fahrt gemacht, SmilovieS kannte er auch schon früher; gesehen hat er ihn erst bei der letzten Fahrt in Buschahaza vor Pfingsten. Damals hat Zeuge den Namen Smilovie« nicht gekannt, nur dessen Bornamen. Die Stelle, wo sie bei Tarkany anslandetcn, ist nicht tveit von der Ortschaft entfernt. Schlafen legte sich der Zengc am Nachmittag, erwachte gegen Uhr und ging allein Schafkäse sausen. Niemand sah ihn forlgchcn, denn Alles schlief. Hcrsko und Smilovics sah er erst beim Rückwege. Vertheidiger Henmann konstatirt, dag Zeuge seiner gestrigen Anssage widerspricht, da er heute sagte, er sei in der Tanya gewesen, während er gestern sagte, er sei gleich umgekehrt, als er SmilovieS mit HerSko gesehen. Der Präsident verliest das gestrige Protokoll, das den Widerspruch bestätigt. Der Zeuge, hieraus aufmerksam gemacht, antwortet, er sei wirklich in der Tanga gewesen. Zeuge wider» spricht sich abermals, indem er im Gegcnsavc zu seiner gestrigen Aussage heute behauptet: als er znrücklchrre, haben seine Genossen nach geschlafen, nnd er habe dabei nicht mit ihnen gesprochen. Zeuge kann sich nicht genau erinnern, da seither ein Jahr ver» flössen ist. Ans fernere Fragen antworte: Matej, Smilovics sei am hohen User gestanden, denn, sagt Zeuge, ich habe ihn auch schon oben am User gesehen; eö war mondhell, doch einigermasten beivölkt. Vertheidiger Henmann konstatirt, das; an jenem Tage nahe an Neumond tvar. — Zeuge: Die Reiche befestigte Herslo an der letzten Tafel von Matej's Floss. Das Vastscil tvar eine halbe Klafter lang. Angeklagter Hcrsko: Brachte SmilovieS die Reiche am Rücken oder schleifte er sie am kurzen Seite? — Zeuge: Möglich, dast er sie schleifte; cS war dort ein keiner Fnstweg. Ich habe übrigens das Alles schon erzählt, nnd cü must im Prolokolle stehen. Vertheidiger Henmann: Zog Hcrsko die tzciche entlang dem eigenen Flosse bis zu dem des Zeugen? — Matej: Ja. Als HerSko die tzciche befestigte, schticscn die Genossen am User. Der Zengc tvar allein ans seinem Flöstc. Im fortgesetzten Kreuzverhöre des Ignaz Matej benntwortct derselbe die vom Vertheidiger Götvös an ihn gerichteten Fragen. Der Zeuge giebt an, er sei im vorigen Jahre, nachdem er in Nyircghhaza enthaftet worden, bei der Gemeinde» vorstehnng erschienen unb habe dort in Gegenwart des Gc» meindevorstandes, dann des Georg Kavacisk-Kapaiszky 1111b deS Bernhard Bonies, welche er kenne, dieselben AnSsagcn gemacht wie in Nhircgyhaza. Auf weitere Fragen leugnet der Zeuge, seinen Arbeitgebern Svrter und Hillm.mn in Bnstyahaza jemals über seine Hast nnd Misthandlnng in Npireghhaza irgend etwas gesagt zu haben. An seine Vernehmung in Szigeth erinnert er, sich. Gr wurde, so erzählt er, durch einen wohlhabenden nnd einen ärmeren Inden, welch letzterer den Spitznamen ״Kui^mas mac.'ka".;benützte Katze - habe, nach Szigeth ge» fuhrt; er habe dort nie angegeben, dast er in Nhircgyhaza miß» handelt und zur Nachtzeit herningesiihrr worden sei. Jetzt sei er vor den griechisch-katholischen Pfingsten nach Nhireghhaza gekommen, nachdem er vom Beziiksrichter eine Vorladung er» halten habe. Die Finster seien jetzt allein gekommen nnd hier durch den bei der Verhandlung snngrrcnden Dolmetsch zu Je» mandem geführt worden, der ihnen Quartier giebt. Für die Herberge gäben sie nicht Geld, sondern arbeiten im Garten. — Sic gehen hier in Nhireghhaza, fährt der Zeuge fort, nur dann ans, wenn sie sich tzebcnsmitlcl kinkauscn;vollen. Mit Fremden habe Zeuge über die tzcichen - Assaire in Nhireghhaza nie gesprochen, und er habe auch nur ein einziges Mal einen Herrn vor seinem Quartier bemerkt, der ihn ermahnte, nur die Wahrheit zu sagen. Gr ivisse nicht, ob dieser Herr Ghrist oder Jude war. Vertheidiger Götvöö ersucht, die Bnsthaha-aer Ginwohner Szctcr und Hillmann vorzuladen und darüber zu vernehmen, was der Zeuge im vorigen Jahre vor ihnen gesprochen, ebenso jene beiden Juden, die den Zeugen angeblich nach Szigeth ge-