Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1883)
- Article
- Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
- Date
- 1883-08-02
- Page
- 504 (sequence 8)
- Language
- German
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004 sühn haben, ferner beantragt (.TötuöS, hast, nachdem es nicht! ausgeschlossen ist, daß der Zeuge sich mit den übrigen Klöstern ' besprechen könnte, derselbe in Präveutivhast genommen werde.! lieber diesen Antrag ivird ein Gerichtsbejchlnß entscheiden. — l Nun richtet der Berlheidiger Fnntak eine Neihc von Fragen an! den Zeugen, welche aus den Nachweis abzielcn, das; der Zeuge,! als er bei dem Leichenschmnggel behülslich war, bewusst eine; strasbarc Handlung beging. Ter Zeuge erklärt aus diese Fragen,! es sei ihm unbekannt gewesen, das; man mit einem menschlichen ׳ Leichname uich in dieser Weise verfahren dürfe. Bedenken habe! er wohl gehabt, doch sei er während jener Tage nahezu immer? benebelt gewesen und habe so die Tragweite seines Gebahrcns! nicht abznsehen vermocht, (fr habe materiellen Bortheil von j seiner (Ninvirknng erhofft; die 51 Gulden seien von ihm ans! Anrathen Hcrsko's dem Tokaier .(taufmanne übergeben worden.! — Pertheidigcr Friedmann befragt den Zeugen, aus welche Weise Hersko das Tuch mit der Farbe in die Hand der Reiche steckte. * — Der Zeuge erzählt, Hersko habe die in Papier gewickelte j Farbe ins Tuch geschlagen, dieses der ('eiche in die Hand gedrückt und die (fnden des Tuches an das Handgelenk der ('eiche sestgcbunden. Ans ferneres Befragen giebt der Zeuge an, das; er während des Ankleidens die Leiche hielt, doch nicht so bcnebelt war, das; er sich nicht deren Kleidungsstücke hätte merken können. Haare habe die (!eiche gar leine gehabt; die 5l Gulden habe er dem Tokaier Kansmanne gegeben, da Hersko dies empfahl und er das Geld nicht selber nehmen wollte, lieber das Wersen der Schollen befragt, erzählt Zeuge, das; dies blos; zweimal geschah und Hersko beide Male vom Ufer ans die Schollen aus des Zeugen -Floß warf. — Hersko habe sich bei VeueseUö in der Weise vom Vorhandensein der Leiche unter dem Floße überzeugt, daß er nach dem Bastseil sah. Als bei ckSzlar die Jüdin dem Hersko die Kleider brachte, sei Hersko's Floß schon still gestanden. Daß es eine Jüdin war, habe ihm Hersko selbst gesagt. Das Geld habe ihm Hersko Donnerstag Mittags am Tokaier Thcißnser übergeben und sie seien nur Beide zugegen gewesen. Ter Präsident macht den Plates aufmerksam, daß, als Hersko die Leiche übernahm, kein Mondschein war, wie Zeuge behaupte!, worauf dieser erklärt, er erinnere sich nicht deutlich .ans diesen Umstand, doch wisse er gewiß, daß der ganze Gegenstand, tvelchen Smilovies dem Hersko übergab, nichts Anderes als eine Leiche war. Der Präsident richtet nun an Smilovies die Frage, ob er tvährend seiner Haft irgend einen Brief geschrieben l!abe. — Der Angeklagte bejaht die Frage und agnoszirk den ihm vorgewiesenen Brief. Derselbe wird von! Präsidenten verlesen und laute: dahin, daß Smilovies in 'jüdischer Sprache Noscnbcrgs aussordert, sic mögen die Lache doch ans sich nehmen und angeben, was sie über die erste ׳Magd wissen, da der Briefschreiber und seine Genossen bezüglich der zweiten ׳Magd bereits Alles gestanden hätten. Ueber den Sinn dieses Brieses, befragt, erklärt Angeklagter Smilovies, sic seien unschuldig gewesen und wollten, da sie erfuhren, daß Nosenberg und noch mehrere Juden wegen derselben Angelegenheit in Haft seien, diese bewegen, falls sie von der Sache etwas wüßten, zu gestehen. Schreibmaterialien habe ihm ein in Hast befindlicher Buchbinder gegeben, die Bestellung des Brieses aber wollte ein gewisser Olah übernehmen. — Hieraus tritt Pause ein.;Forts, folgt.', Kmicsiwiidcilzcii nitb Nlichrilhtcn. Deut s d) l a u b. * Hannover, 31.3111t. Am 24.3111t, 19. Tanns, dem Todestage des vor einem Jahre verstorbenen Landrabbiner 141׳. Meyer נ׳ ע fand ans dem hiesigen Fried- Hofe die feierliche Errichttmg eines Denksteins auf dem Grabe des Verblichenen statt. In schlichten bewegten Worten hob der greise Präses des GenieindevorstandeS, Geh. SanitätSralh Dr. (50Heu, hervor, wie daS Andenken 1)1׳. Meyer's unauslöschlich in den Herzen der Gemeinde fortleben werde 1111b dieser von der dankbaren Gemeinde errichtete Grabstein Zeugnis; für die Perehrnng, Liebe und Treue sein möge, die dem edlen Perslorbencn stets entgcgcngebracht werde. Gr übergab das Denkmal dein ה׳קדי שא zur treuen Hut. Ter erste Porsteher derselben, Koimnerzienratl) Mo Hing, übernahm diesen für die ,חניך und getobte, dies Denkmal als heiliges Pfand dem konunenden Gescksiechte zu überliefern, ans daß der Diamc Dr. Samuel Meyer auch noch in den spätesten Zeilen in Ehrsnrchl genannt werde. 31t tiefer Erregung dankte der Prüder des Heimgegangenen, Kommerzi'enrath Meyer, Namens der Familie für die seitens der Gemeinde dem nnvergeßliehen Tobten erwiesene L'.'be. während der älteste Schwiegersohn, Herr Gottfried Herzseid, für die .Minder den Dank und das Gelöbnis; aussprach, im Geiste ihres PaterS zu leben. Das von den Kindern gesprochene Kaddischgebel beschloß die einfache, würdige und ergreifende Feier. £ 27. ■3111t. Sonntag Abend fand hier, wie der ״Schwab. Merkur" meldet, die 3ahrcSfeier der württemb. Mission unter Israel statt. Nach dem Perichte des Vorsitzenden über die Arbeit der vaterländischen Mission soll in den letzten 2 Jahren an 18 bezw. 22 Proselyten gearbeitet worben sein, von denen einige zu Handwerkern ansgebildet, andere nach Amerika zu weiterer Ausbildung geschickt wurden. — Besondere Erfolge weiß Pastor Falt in aus Kischenew in der Mission mttcr den Inden Rußlands aufzn׳ weisen, wo zwischen 4—500 Inden (?) in den letzten 10 Jahren in die evangelisch - lutherische Kirche ansgcnominen wurden. || Halle a. L., 25. Juli. ״Wer soll in Deutschland herrschen, die Könige und Fürsten oder die Inden?" Diese -Frage prangte tnrzlich am frühen Sonntagmorgen an mehreren Hanptplätzen unserer Stadt. Und damit die guten Hallenser sich nicht den .Kops über die zu crtheilende Antwort zu zerbrechen nöthig hatten, war von dem oder den Fragestellern durch eine fernere Assichc ״Juden 'raus!" die Lösung des anfgegebenen RäthsckS vorsorglich dabei gegeben. Die Polizei aber war von diesem interessanten Frage- und Antwortcspicl nicht sehr erbaut und entfernte die Plakate; sic sehnt sich auch nach der Vekanntschafr mit deren Urheber, konnte aber trotz eifriger Nachforschung solche bis jetzt nicht anSfindig machen. (Fortsetzung der Korrespondenzen und Nachrichten auf Seite 505.)